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Kurs Multiples Myelom verstehen: Lektion 7 von 11

Laborwerte & Befunde beim Multiplen Myelom

Um ein Multiples Myelom zu diagnostizieren, im Verlauf zu beobachten und Informationen über andere wichtigen Funktionen des Körpers zu erhalten, wird Ihr Arzt immer wieder bestimmte Werte im Labor bestimmen lassen. Sie geben nicht nur Aufschluss über den momentanen Ist-Zustand, sondern sind häufig besonders aussagekräftig, wenn im Laufe der Erkrankung Änderungen der Werte auftreten. Diese können Hinweise auf Veränderungen der Tumormenge, über Erfolg oder Nebenwirkungen einer Therapie oder über das Auftreten von Begleiterkrankungen (zum Beispiel Infektionen) geben.

Im Folgenden finden Sie Erklärungen zu einigen der wichtigsten Blutwerte, die beim Multiplen Myelom häufig bestimmt werden.

Blutbild

Kleines Blutbild

Beim kleinen Blutbild werden das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und der Hämatokrit (Anteil der Blutkörperchen am Volumen des Blutes) untersucht. Ist das Hämoglobin vermindert, spricht man von einer Anämie. Außerdem wird die Anzahl der Blutkörperchen bestimmt:

  • Leukozyten: weiße Blutkörperchen, Indikator für die Immunabwehr
  • Erythrozyten: rote Blutkörperchen, verantwortlich für den Sauerstofftransport
  • Thrombozyten: Blutplättchen, verantwortlich für die Blutgerinnung

Großes Blutbild

Zusätzlich zum kleinen Blutbild werden hier Untergruppen der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) noch genauer bestimmt:

  • Eosinophile Granulozyten: Eine Erhöhung ist unter anderem typisch bei allergischen Erkrankungen, Parasitenbefall, aber auch bei Hodgkin-Lymphomen.
  • Neutrophile Granulozyten: Unterteilung in segmentkernige und stabkernige neutrophile Granulozyten; der Wert gibt unter anderem Hinweise auf bakterielle Infektionen.
  • Monozyten: Vorläufer der Fresszellen, sind unter anderem bei Infektionen und Autoimmunerkrankungen erhöht.
  • Lymphozyten: Erhöhung z.B. bei viralen Infektionen, Leukämie oder Autoimmunkrankheiten; erniedrigt unter anderem bei Morbus Hodgkin.

Allgemeine Laborwerte

Albumin

Albumin ist ein Bluteiweiß. Der Albuminwert wird zusammen mit Beta-2-Mikroglobulin beim Multiplen Myelom zur Stadieneinteilung nach dem ISS (International Staging System) herangezogen. Ist Albumin im Urin nachweisbar, kann das ein Hinweis auf eine Funktionseinschränkung der Niere sein.

Beta-2-Mikroglobulin

Beta-2-Mikroglobulin ist ein Eiweiß, dass beim Myelom als prognostischer Marker gemessen wird und auch Hinweise auf eine eingeschränkte Nierenfunktion geben kann. Beim Multiplen Myelom ist es Bestandteil der Stadieneinteilung nach dem ISS (International Staging System).

Kreatinin

Kreatinin ist der wichtigste Nierenwert und gibt Aufschluss über die Nierenfunktion.

Blutsenkung

Mit Blutsenkung ist die Geschwindigkeit gemeint, mit der die festen Bestandteile im Blut in einem Teströhrchen nach unten absinken. Änderungen der Blutsenkungsgeschwindigkeit weisen auf eine veränderte Eiweiß-Zusammensetzung im Blut hin.

Immunglobuline (Antikörper)

Antikörper dienen der Immunabwehr und werden auch als Immunglobuline, abgekürzt Ig, bezeichnet. Man unterscheidet die Klassen IgG, IgM, IgA, IgD und IgE, die jeweils unterschiedliche Funktionen im Immunsystem erfüllen.

CRP (C-reaktives Protein)

CRP ist ein Entzündungsmarker. Die Konzentration im Blut kann Hinweise auf die Art und Schwere einer Entzündung geben.

Paraprotein-Bestimmung beim Multiplen Myelom

Das Multiple Myelom ist eine Erkrankung, bei der die Krebszellen sich aus Plasmazellen im Knochenmark entwickelt haben. Gesunde Plasmazellen sind für die Produktion von Antikörpern (Immunglobulinen) zuständig. Auch bei Myelom-Zellen bleibt diese Fähigkeit häufig noch ganz oder zum Teil erhalten: Viele Myelome produzieren deshalb große Mengen an (funktionsunfähigen) Antikörpern oder Bruchstücke davon (freie Leichtketten) und geben diese ins Blut ab. Dieses Tumorprodukt wird Paraprotein genannt.

Proteinelektrophorese (Serum oder Urin)

Bei der Elektrophorese werden Blutserum (Blut ohne die zellulären Bestandteile) oder Urin in einem Gel mittels elektrischer Spannung in einzelne Komponenten aufgetrennt. Das Ergebnis wird in Form einer Kurve dargestellt. Im Vergleich zum normalen Blut oder Urin wird so das Paraprotein sichtbar. Die Höhe des Ausschlags der Kurve lässt Aussagen über die Menge des Paraproteins zu.

Immunfixation (Serum oder Urin)

Bei der Immunfixation wird Blutserum (Blut ohne die zellulären Bestandteile) oder Urin in einem Gel aufgetrennt. Ein spezifischer Nachweis ermöglicht durch eine Farbreaktion die Aussage, ob ein klonales Paraprotein und welcher Typ vorliegt (Immunglobuline wie z. B. IgG oder IgA, freie Leichtketten)

Freie-Leichtketten-Bestimmung

Mit einem Blut- oder Harntest kann die Konzentration an freien Leichtketten bestimmt werden. Dabei werden immer zwei Tests gemacht, da es zwei Typen an freien Leichtketten gibt: Kappa und Lambda. Ein Myelom produziert in der Regel entweder nur Kappa- oder nur Lambda-Leichtketten.

Kappa-Lambda-Ratio der freien Leichtketten

Bei der Messung der freien Leichtketten wird aus den Kappa- und Lambda-Werten ein Verhältnis (die Kappa-Lambda-Ratio) berechnet. Dieses Verhältnis lässt Aussagen über die Menge bzw. Aktivität der Tumorzellen zu.

Geprüft Dr. Adalbert Weißmann: Stand 21.03.2018

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