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Kurs Ovarialkarzinom verstehen: Lektion 1 von 6

Vom gesunden Eierstock zum Ovarialkarzinom

Das Ovarialkarzinom ist eine Krebserkrankung, die vom Gewebe der weiblichen Eierstöcke ausgeht. Der Gynäkologe und Humangenetiker Univ.-Prof. Dr. Alexander Reinthaller erklärt, wie ein Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) entsteht, wie häufig die Erkrankung vorkommt und welche Risikofaktoren die Krebsentstehung begünstigen können.

Video Transkript

Wie entsteht ein Ovarialkarzinom?

Grundsätzlich ist es so, dass es für die Entstehung eines Ovarialkarzinoms (Eierstockkrebs) einige Risikofaktoren gibt, einige tatsächliche Fakten, wo wir wissen, warum das Ovarialkarzinom entsteht. Aber bei vielen Tumorarten beziehungsweise Ovarialkarzinomen wissen wir den eigentlichen Grund dafür warum der Tumor entsteht nicht.

Es ist so, dass die Zahl der Eisprünge eine Rolle spielt, das heißt, wie viele Eisprünge eine Frau in ihrem Leben durchmacht. Wie kommen wir auf diese Theorie, die sogenannte Eisprungtheorie? — Eigentlich sozusagen in einem Umkehrschluss, weil wir wissen, dass Ovulationshemmer, also die Antibabypille, die den Eisprung verhindert, die Entstehung des Ovarialkarzinoms oder die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Ovarialkarzinoms deutlich vermindert.

Ein bekannter Faktor ist die Genetik. Es gibt genetische Mutationen, die zu einer deutlich erhöhten Rate an Eierstockkrebs-Entstehungen führen. Das gilt auch für die Entstehung von Brustkrebs. Das ist der sogenannte erbliche Brust- und Eierstockkrebs.

Und dann gibt es eine Reihe von Tumoren, das ist wahrscheinlich die größte Anzahl, wo wir eigentlich nicht genau wissen, warum der Tumor eigentlich entsteht.

Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Gerade in Verbindung mit der vorher erwähnten Zahl der Eisprünge werden diese ja auch beeinflusst durch zum Beispiel die Zahl der Kinder, durch die Zeit des Stillens. Also Frauen, die viele Kinder haben, die früh schwanger werden, die längere Zeit stillen — das sind alles Phasen des Lebens, wo der Eierstock inaktiv ist, das heißt keine Eisprünge stattfinden. Und das sind zum Beispiel Faktoren, die das Risiko minimieren beziehungsweise eben auch erhöhen können.

Wie häufig sind Ovarialkarzinome?

Ovarialkarzinome oder Eierstockkrebs ist eine seltene Erkrankung. Um das ein bisschen zu präzisieren: Es gibt in Österreich ca. 670 bis 680 Eierstockkrebs-Fälle pro Jahr. Im Vergleich dazu Brustkrebs zum Beispiel über 5.000, Darmkrebs ebenfalls über 5800, auch zum Beispiel Bauchspeicheldrüsenkrebs, eine eher seltene Krebsart, liegt bei 1.200 Fällen. Also Ovarialkarzinome sind eigentlich wirklich seltene Krebserkrankungen.

Gibt es spezielle Vorsorgeuntersuchungen?

Leider nein — das kann man schlichtweg verneinen. Auch wenn da Bemühen da war, solche Vorsorgeuntersuchungen zu finden beziehungsweise deren Wert in großen Studien zu evaluieren, wie sie vor allem in Großbritannien mit sehr hohem finanziellen Aufwand durchgeführt worden sind, ist es nicht gelungen, bis jetzt eine vernünftige und vor allem effektive Vorsorgeuntersuchung zu etablieren.

Wahrscheinlich, muss man auch sagen, ist einfach die Erkrankung zu selten, um tatsächlich ein größeres Vorsorgeprogramm oder Vorsorgeuntersuchungen zu entwickeln.

Wie groß ist das erbliche Risiko?

Wir gehen davon aus, dass circa 15 bis 20 Prozent der Eierstockkrebsarten durch eine Genmutation entsteht, wobei ca. 15 Prozent tatsächlich erblich sind, das heißt, dass sich hier die Genmutation in der Keimbahn befindet. Das bedeutet, dass alle Körperzellen diese Genmutation tragen und dass diese eben auch von den Eltern an die Nachkommen vererbt wird. Ungefähr 5 Prozent dieser Mutationen treten spontan auf, sogenannte somatische Mutationen, sind nicht erblich, aber können ebenfalls zu einem erhöhten Risiko für Eierstockkrebs führen.

Die Funktion der Eierstöcke

Zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen gehören die Vagina, die Gebärmutter und auch die beiden Eierstöcke (Ovarien) mit den Eileitern. Die Eierstöcke befinden sich seitlich links und rechts der Gebärmutter.

Die Funktion der Eierstöcke liegt in der Fortpflanzung. Jeden Monat reifen Eizellen in Eibläschen (Follikeln) heran. Bei einem Eisprung gibt der Follikel die reife Eizelle frei. Diese wandert durch die Eileiter bis zur Gebärmutter und kann während dieser Wanderung befruchtet werden.

Eine weitere wichtige Funktion der Eierstöcke ist die Produktion weiblicher Geschlechtshormone wie der Östrogene. Die Bildung der Hormone beginnt mit der Pubertät und endet mit den Wechseljahren. Eine operative Entfernung der Eierstöcke hat einen sofortigen Beginn der Wechseljahre zur Folge, da die Östrogenproduktion stoppt.

Tumorentstehung: Von der gesunden Zelle zur Krebszelle

In all unseren Körperzellen kann es bei Zellteilungen zu Fehlern (Mutationen) kommen. Diese sind in den allermeisten Fällen harmlos. Sie werden von einem körpereigenen Reparatursystem erkannt, das fehlerhafte Zellen zum Absterben bringt.

Krebs kann entstehen, wenn mehrere ganz spezifische Mutationen zusammenkommen:

  • Die Zelle teilt sich, ohne dass – wie bei gesunden Zellen – ein Signal von außen dazu nötig ist.
  • Die Zelle reagiert nicht mehr auf Signale und Botenstoffe, die die Zellteilung stoppen oder einen Zelltod auslösen.
  • Die Krebszelle bildet Substanzen, die das Wachstum von Blutgefäßen anregen, sodass der Tumor mit Nährstoffen versorgt wird.
  • Die Tumorzellen haben das Potenzial, sich auszubreiten, in Nachbargewebe einzudringen oder über Blut oder Lymphe in andere Körperbereiche zu wandern und dort Metastasen zu bilden.

Kommen mehrere dieser Punkte oder ähnliche Faktoren zusammen, kann eine Zelle zur Krebszelle werden. Man sagt dann auch: Die Zelle entartet.

Wie entsteht ein Ovarialkarzinom?

Durch entartete Zellen, die zum Gewebe der Eierstöcke gehören, kommt es zu einem Ovarialkarzinom. Welche Mechanismen für die Entstehung verantwortlich sind, ist noch nicht vollständig geklärt. Man weiß jedoch, dass bestimmte Punkte das Risiko beeinflussen:

  • Je aktiver die Eierstöcke und je größer die Anzahl der Eisprünge im Leben der Frau, desto höher das Risiko für Eierstockkrebs.
  • Phasen inaktiver Eierstöcke senken das Risiko. Deshalb ist Ovarialkarzinom weniger häufig, wenn Frauen die Pille nehmen, früh Kinder bekommen, mehrere Kinder haben oder ihr Kind länger gestillt haben.
  • 15 % der Ovarialkarzinome entstehen aufgrund einer vererbbaren genetischen Veranlagung.

Häufigkeit des Ovarialkarzinoms

Das Ovarialkarzinom gehört zu den seltenen Krebserkrankungen. Im Register der Deutschen Krebsgesellschaft liegt der Eierstockkrebs auf Platz 5 der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen (nach Brust-, Darm-, Lungen- und Gebärmutterkrebs). In Österreich erkranken pro Jahr rund 670 bis 680 Frauen an Eierstockkrebs, in Deutschland sind es etwa 8000 Patientinnen. Die Erkrankung tritt meist bei Frauen über 60 auf. Es können jedoch auch junge Frauen betroffen sein, dann meist im Zusammenhang mit einer genetischen Veranlagung.

Geprüft Univ.-Prof. Dr. Alexander Reinthaller: Stand 03.10.2017

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