7. Gutes Arztgespräch bei Nasenpolypen – Alle Fragen

Ein gutes Arztgespräch ist ein wichtiger Teil der Behandlung von Nasenpolypen. Oft bleibt im Termin wenig Zeit, und nicht immer ist sofort klar, welche Informationen besonders wichtig sind oder welche Fragen man stellen sollte.

In diesem Kurs erfahren Sie, wie Sie sich gut auf ein Arztgespräch vorbereiten, wie Sie Ihre Beschwerden verständlich schildern und wie Entscheidungen gemeinsam getroffen werden können. Ziel ist es, Sie dabei zu unterstützen, sicherer ins Gespräch zu gehen und aktiv an Ihrer Behandlung mitzuwirken.

Einleitung durch OÄ Dr.in Ljilja Bektic-Tadic

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich heiße Sie willkommen zum heutigen Kurs über das Arztgespräch bei Nasenpolypen. Mein Name ist Ljilja Bektic-Tadic. Ich bin die Oberärztin an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Innsbruck. Als Rhinologin gehört mein besonderes Interesse der chronischen Erkrankungen der Nasennebenhöhlen und allen voran der chronische Rhinosinusitis.

Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Gutes Arztgespräch bei Nasenpolypen“

Vor dem Arztgespräch bei Nasenpolypen

Warum ist eine gute Vorbereitung auf das Arztgespräch wichtig?

Eine gute Vorbereitung sowohl seitens des Patienten als auch seitens des Arztes ist immer von Vorteil. Ein Patient, der bereits mit Fragen kommt und Unterlagen zu bisherigen Therapien oder Voruntersuchungen mitbringt, erleichtert uns die Arbeit. So müssen wir nicht ganz am Anfang ansetzen, sondern können genau dort weitermachen, wo der Patient gerade steht, sei es bei der diagnostischen Abklärung oder bei therapeutischen Entscheidungen.

Was sollte ich zum Termin mitbringen?

Bei allen chronischen Erkrankungen ist der Leidensweg des Patienten, bevor er zu uns in die Ambulanz kommt, meist jahrelang. Deshalb ist es für uns wichtig, möglichst genaue Informationen darüber zu bekommen, wie lange der Patient bereits Beschwerden hat und welche Beschwerden auftreten. Ein Symptomtagebuch wäre in diesem Zusammenhang sehr hilfreich. Wichtig ist für uns auch zu wissen, ob der Patient diesbezüglich bereits in Behandlung war, zum Beispiel bei einem HNO-Arzt, und welche Therapien durchgeführt worden sind. Falls der Patient im Bereich der Nasennebenhöhlen operiert wurde, benötigen wir ebenfalls entsprechende Unterlagen. Es besteht ein großer Unterschied zwischen einer vollständigen Nasennebenhöhlenchirurgie und einer Polypektomie, bei der nur Polypen aus der Nasenhaupthöhle entfernt werden, und darüber müssen wir informiert werden.

Des Weiteren sind Vor- und Begleiterkrankungen wie Asthma für uns relevant. Es ist wichtig zu wissen, ob der Patient diese Erkrankung hat, ob sie behandelt wird und wie. Auch das Vorhandensein von Allergien bzw. ob überhaupt Allergietests durchgeführt wurden, ist eine wesentliche Information. Ebenso ist wichtig, ob der Patient bereits gegen Allergien behandelt wurde und in welcher Form. Eine Unverträglichkeit gegenüber Aspirin bzw. nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) ist ebenfalls eine sehr wichtige Information, da diese – genau wie Asthma – häufige Begleiterkrankungen der chronischen Rhinosinusitis mit Polyposis Nasi sind und sich diese drei Erkrankungen gegenseitig beeinflussen.

Bei Patienten, die regelmäßig mehrere Medikamente einnehmen müssen, ist es wichtig, dass der Patient eine aktuelle Medikamentenliste mitnimmt, denn für die Auswahl der weiteren Therapie ist es wichtig, die Zwischenwirkungen oder Wechselwirkungen mit einer anderen Medikation zu beachten.

Welche Fragen sollte ich mit ins Arztgespräch nehmen?

Es ist wichtig, dass der Patient sich davor überlegt, welche Fragen er stellen will bzw. welche Antworten er erhalten möchte. Für mich persönlich wäre es wichtig zu wissen, was die Ursache der Erkrankung ist, welche Mechanismen bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle spielen und welche Therapieoptionen ich habe.

Hier geht es zum Video-Interview: „Vor dem Arztgespräch bei Nasenpolypen“

Wichtige Themen im Arztgespräch bei Nasenpolypen

Wie läuft mein Arzttermin bei Nasenpolypen ab?

Beim ersten Treffen mit dem Patienten wird zunächst eine genaue Anamnese gemacht. Nachdem ich den Patienten begrüßt habe, nutze ich die Gelegenheit, auch einen schnellen Blick in die Nase zu werfen, das heißt mit dem Nasenspekulum ausdehnen, hineinzuschauen und gleich ein abschwellendes Spray hineinzusprühen, weil wir die Untersuchungen in abgeschwollenen Zustand machen, was die nachfolgenden Untersuchungen wesentlich leichter macht, sowohl für den Patienten als auch für den Arzt. Diese Mittel brauchen ein paar Minuten zu wirken, deswegen mache ich das am Anfang, damit wir dann diese Zeit für ein Arztgespräch bzw. Patienten-Arztgespräch nutzen können. Die Anamnese umfasst, dass der Patient nach den Hauptbeschwerden gefragt wird, wie eine verstopfte oder rinnende Nase, eine subjektive Riechminderung oder eine Geschmackssinnveränderung, Schmerzen, Kopfschmerzen oder Druckschmerzhaftigkeit im Gesicht und Husten.

Beim Arztgespräch werden die Symptome abgefragt, die Dauer der Beschwerden. Dann werden Nebenerkrankungen abgefragt. Therapien, die Patienten zuvor gehabt haben wegen dieser Beschwerden bzw. wegen Begleiterkrankungen zum Beispiel wegen Asthma. Dann werden die Allergien abgefragt. Es wird abgefragt, ob der Patient bereits Allergietests gemacht hat, ob er die Unterlagen dafür hat, ob eine Allergietherapie bereits durchgeführt worden ist, in welchem Zeitrahmen und in welcher Form: subkutan , das heißt mit kleinen Spritzen unter die Haut oder durch Sprays oder Tabletten, die man nimmt. Vor-Operationen werden abgefragt, beziehungsweise, ob der Patient Unterlagen über diese Eingriffe hat, bzw. Unterlagen von vorher stattgefundenen Untersuchungen. Für uns ist es auch wichtig zu wissen, ob der Patient bereits zum Beispiel ein Nasennebenhöhlen-CT gehabt hat und ob er diese Befunde mit dabei hat. Viel lieber sind uns Bilder, die wir dann anschauen können, als nur schriftliche Befunde.

Was kann man auf Bildern von Voruntersuchungen sehen?

Wir können gut zeitliche Verläufe abschätzen. Da ist zum Beispiel wichtig zu wissen, ob die Nasennebenhöhlen-CT-Untersuchung vor der Therapie zum Beispiel mit oralen Kortikosteroiden stattgefunden hat oder danach. Weil nur damit können wir beurteilen, ob die Therapie überhaupt erfolgreich war. Wir können auch beurteilen, wie schnell oder wie rasch progredient diese Erkrankung ist.

Es ist ein wesentlicher Unterschied, zum Beispiel, ob die Polyposis Nasi in den letzten drei oder fünf Jahren stabil geblieben ist oder ob sie sich in den letzten Jahren rapide verschlechtert hat.

Welche Untersuchungen können dabei gemacht werden und wie laufen sie ab?

Wir führen bei jeder Nasenendoskopie eine Videountersuchung durch. Das heißt, wir können auch nach Jahren nachvollziehen, wie bei der Untersuchung am 1. Mai die Polypen ausgesehen haben bzw. wie die Schleimhaut ausgesehen hat. Das ist aber nicht nur für den Arzt hilfreich zu beurteilen, ob die Polypengröße oder Schleimhautsekretion zugenommen hat oder besser geworden ist. Das ist auch für den Patienten wichtig, weil dann kann der Therapieerfolg selbst mit eigenen Augen sehen. Das führt auch dazu, dass die Patienten besser bei der Therapie bleiben.

Bei der ersten Untersuchung planen wir einen Riechtest, einen Geschmackstest und einen Allergietest. Auch Schnittbildgebung, wie zum Beispiel Computertomografie der Nasennebenhöhlen planen wir immer vor der Operation ein. Und auch in manchen Fällen, wenn wir Therapieerfolg beurteilen wollen. Aber im Grunde reicht die Nasenendoskopie schon aus, um die Polypengröße zu sehen bzw. zu beurteilen, ob sie besser oder schlechter geworden ist.

Hier geht es zum Video-Interview: „Wichtige Themen im Arztgespräch bei Nasenpolypen“

Beschwerden systematisch erfassen

Welche Symptome sollte ich schildern?

Wir fragen gezielt nach Hauptbeschwerden wie zum Beispiel eine verstopfte Nase, eine rinnende Nase, Kopfschmerzen bzw. Druckschmerzhaftigkeit im Gesicht, eine Riechminderung. Es gibt aber auch Symptome, die auf den ersten Blick nicht wirklich im Zusammenhang mit chronischer Rhinosinusitis vielleicht gebracht werden könnten. Das wären zum Beispiel Schlaf oder Durchschlafprobleme. Ob der Patient gut durchschlafen kann bzw. aufwacht, weil er schlecht Luft durch die Nase bekommt oder weil die Verschleimung im Rachen während der Nacht zunimmt. Manchen Patienten ist zum Beispiel eine rinnende Nase oder häufiges Schnäuzen peinlich. Weitere Beschwerden sind zum Beispiel, dass viele Patienten von einem Unterdruck in den Ohren sprechen und deswegen auch Ohrenschmerzen haben. Bzw. sie hören schlechter, weil sie Paukenergüsse haben.

Wofür ist ein Symptomtagebuch sinnvoll?

Ein Symptomtagebuch ermöglicht uns Zusammenhänge zum Beispiel zwischen Symptomen oder um den Schweregrad der Symptome rund um die Therapie abzuschätzen. Des Weiteren ist es möglich, Zusammenhänge zwischen Jahreszeiten und den Beschwerden zu verstehen. Patienten, die saisonale Allergien haben, wie zum Beispiel eine Pollenallergie, sei es auf Bäume oder Gräser, die haben mehr Beschwerden während der Pollensaison, was dadurch zu erklären ist, dass Allergie ein zusätzlicher Trigger zu einer verstärkten Sekretion der Nasen der Nasennebenhöhlen ist. Manche Patienten, die zum Beispiel eine Hausstaubmilben oder eine Schimmelpilzallergie haben, die haben mehr Beschwerden im Winter, was dadurch zu erklären ist, dass sie dann mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen.

Welche zusätzlichen Informationen sind für Ärzt:innen nützlich?

Wir fragen den Patienten immer, nicht nur bei der ersten Untersuchung, sondern bei jeder weiteren Untersuchungen nach dem Vorhandensein einer Aspirin bzw. Schmerzmittelunverträglichkeit. Das ist wichtig deswegen, weil circa ein Drittel der Patienten mit chronischen Rhinosinusitis auch Schmerzmittelunverträglichkeit und komorbide Asthma haben. Und diese Patienten haben meist schwer verlaufende Formen der chronischen Rhinosinusitis. Das sind auch die Patientinnen, die häufiger operiert werden.

Für uns ist es wichtig zu wissen, ob der Patient neben Komorbiditäten wie Asthma, eine Schmerzmittelunverträglichkeit oder auch andere Erkrankungen wie zum Beispiel dermatologische Erkrankungen hat, weil das auch eine Rolle für die Therapieentscheidung spielt. Des Weiteren ist es auch wichtig zu wissen, ob zum Beispiel eine Osteoporose vorhanden ist, ob psychiatrische Erkrankungen, zum Beispiel Schizophrenie, Depressionen vorhanden sind, ob gastrointestinalen Beschwerden vorhanden sind, zum Beispiel Magenulzera, weil das gerade in Bezug zum Beispiel auf mögliche Therapie mit oralen Kortikosteroiden Rollen spielt, weil diese Erkrankungen stellen eine klare Kontraindikation dar. Genauso das Vorhandensein einer Zuckererkrankung, Diabetes mellitus oder eine schwer zu beherrschende arterielle Hypertonie.

Hier geht es zum Video-Interview: „Beschwerden systematisch erfassen“

Entscheidungen treffen im Arztgespräch bei Nasenpolypen

Was ist „Shared Decision Making“?

Unter „Shared Decision Making“ versteht man eine gemeinsame Entscheidung zu treffen. Arzt und Patient oder Patient und Arzt, wie Sie es haben wollen. Der Arzt kann Empfehlungen machen. Der Patient muss schlussendlich diese Therapie durchführen. Der Patient wird bei der Therapie bleiben, wenn er genau darüber informiert ist. Wenn er über Erwartungen informiert wird, Bescheid weiß bzw. über möglichen Nebenwirkungen oder Komplikationen. In meinen Augen ist nur ein aufgeklärter Patient ein Patient, der bei der Therapie bleibt.

Wie kann ich mich im Gespräch aktiv einbringen?

Vor allem beim Erstgespräch wird der Patient mit neuen Informationen regelrecht bombardiert. Man kann sich nicht alles merken. Deswegen empfehlen wir Patienten, dass sie sich Notizen machen bzw. auch zu Hause Fragen aufschreiben, auf die sie gerne eine Antwort wissen wollen. Alternativ kann man Begleitpersonen mitnehmen, zum Beispiel Familienmitglieder, Partner, weil, wie man so schön sagt, vier Augen sehen mehr. Und genauso hören die vier Ohren mehr als zwei.

Wie kann ich gemeinsam mit dem Arzt/ der Ärztin eine gute Entscheidung treffen?

Wenn der Patient vor mir sitzt, dann muss ich berücksichtigen, welche Therapie er bereits gehabt hat. Dabei müssen auch die Wünsche des Patienten berücksichtigt werden. Nicht jeder Patient zum Beispiel möchte orale Kortikosteroide einnehmen, weil er vielleicht schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. Ein Patient, der vielleicht Komplikationen bei der Nasennebenhöhlenchirurgie gehabt hat, der ist vielleicht auch nicht offen für die nächste Operation. Das alles fließt hinein in die Entscheidung, welche Therapie der Patient bekommen sollte.

Hier geht es zum Video-Interview: „Entscheidungen treffen im Arztgespräch bei Nasenpolypen“

Mein Beitrag im Arztgespräch bei Nasenpolypen

Soll ich Symptome auch ansprechen, wenn sie schon wieder weg sind?

Jedes Symptom, auch wenn es aktuell nicht vorhanden ist, soll angesprochen werden, weil für uns die zeitlichen Zusammenhänge auch wichtig sind. Vor allem in Bezug auf Veränderungen der Therapie ist es wichtig zu wissen, ob diese Operation mit einer Symptomlinderung oder Verschlechterung zusammenhängt.

Wie merke ich mir die wichtigsten Informationen aus dem Gespräch?

Gerne empfehlen wir den Patienten, sich Notizen beim Gespräch zu machen und auch wiederholt nachzufragen, wenn etwas nicht klar ist. Eine Alternative wäre, dass man einen Partner oder ein Familienmitglied zum Gespräch mitnimmt, der oder die vielleicht auch andere Ideen oder Fragen hat.

Wie geht es nach dem Arztgespräch weiter?

Die Patienten, bei denen die Diagnose der chronischen Rhinosinusitis bei uns bestätigt oder erstmalig festgestellt wird, bekommen in der Regel Kontrolltermine. Und bei diesen Kontrollterminen fragen wir noch mal ab, ob der Patient die Therapie eingenommen hat, ob es da Unterbrechungen gegeben hat und aus welchen Gründen diese Unterbrechungen stattgefunden haben. Das heißt, es wird reevaluiert, wo wir gerade aktuell stehen und dann die weiteren Schritte dementsprechend auch angepasst.

Hier geht es zum Video-Interview: „Mein Beitrag im Arztgespräch bei Nasenpolypen“

Meine Nachricht an Sie

Die Fragen nach der Stimmung, nach dem Befinden, die Fragen zu den Symptomen der chronischen Rhinosinusitis – die sind nicht von ungefähr. Unsere Patienten haben meist einen langen Leidensweg hinter sich und viele verzweifeln und fühlen sich alleingelassen und fühlen sich so als würden sie vor einer Wand stehen. Es ist tatsächlich so, dass die Medizin glücklicherweise Fortschritte macht und dass es neue Therapieoptionen gibt. Und deswegen rate ich den Patienten wirklich einen Arzt oder einen HNO-Arzt des Vertrauens aufzusuchen, um vielleicht da nochmal anzusetzen und sich zu informieren, was es für neue Therapieoptionen gibt. Weil vielleicht finden Sie etwas, was Ihre Lebensqualität deutlich verbessern kann.

Hier geht es zum Video: „Meine Nachricht an Sie“

Geprüft OÄ Dr.in Ljilja Bektic-Tadic: Stand Mai 2026 | Quellen und Bildnachweis
Anamnese
Dient als Grundlage für Arztgespräche oder Diagnosen und besteht aus Fragen zum Gesundheitszustand, Symptomen, Lebensgewohnheiten und weiteren Themen wie zum Beispiel dem Beruf.
CT
(Computertomografie)
Bildgebendes Verfahren. Dabei werden Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen durch den Körper geführt. Ein Computer verarbeitet die so erzeugten Bilder zu einer Schnittbildreihe. Dadurch ist eine genaue Beurteilung des untersuchten Körperteiles möglich. So können beispielsweise Lage und Größe von Organen und Tumoren dargestellt werden. Die Untersuchung ist schmerzlos.
Komorbidität
Komorbidität bedeutet, dass zusammen zusätzlich zu einer Grunderkrankung noch weitere Erkrankungen vorliegen.
subkutan
Verabreichung von einer Injektion unter die Haut, also ins Unterhautfettgewebe.