Nasenpolypen können den Alltag stark beeinträchtigen – doch was hilft wirklich? In dieser Schulung erfahren Sie, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, wann Medikamente ausreichen und wann eine Operation sinnvoll sein kann. Außerdem lernen Sie, was Sie selbst tun können, um Beschwerden zu lindern und Ihre Lebensqualität zu verbessern.
Einleitung durch OA Dr. Martin Bruch
Guten Tag, mein Name ist Martin Bruch. Ich arbeite im Klinikum „Linz Barmherzige Schwestern“ als HNO-Arzt. Ich beschäftige mich die letzten Jahre eigentlich Großteils mit der Nase, den Nasennebenhöhlen und allem, was so rundherum passiert. Sowohl chirurgisch, operativ als auch konservativ medikamentös. Und ich darf Ihnen heute etwas zur Behandlung von Nasenpolypen erzählen.
Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Nasenpolypen behandeln“
Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Welche Ziele hat die Behandlung von Nasenpolypen?
Unser großes Ziel in der Behandlung von Nasenpolypen ist ein Management bzw. eine Kontrolle sämtlicher Symptome, die die Erkrankung beim Patienten auslöst. Diese Symptome sind vor allem eine Einschränkung der Nasenatmung mit komplett verstopfter Nase, oftmals eine postnasale Sekretion, also Sekret: ein eingedicktes, schleimiges Sekret, das von der Nase in Richtung Rachen hinten abfließt und eine Einschränkung bzw. teilweise ein kompletter Verlust des Geruchssinns bedeutet. Man kann sich vorstellen, dass diese Symptome für die Patienten sehr belastend sind. Wenn ich nicht ordentlich durch die Nase atmen kann, ist natürlich der Schlaf beeinträchtigt. Ich bin nicht so leistungsfähig, wie ich es sonst wäre. Ich bin bei der Verrichtung meiner täglichen Aktivitäten eingeschränkt. Ein Verlust des Geruchssinns ist irrsinnig unangenehm: Ich rieche kein Essen. Manche Patienten finden das irrsinnig unangenehm bei der Körperhygiene. Man riecht sich selbst nicht, man riecht den Partner nicht. Diese Symptome wollen wir unter Kontrolle bekommen. Am besten so, dass der Patient überhaupt nicht merkt, dass er diese Erkrankung überhaupt hat.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Grundsätzlich kann man sich bei der Behandlung der chronischen Sinusitis mit Polypen an eine international gängige Leitlinie halten, die in der Behandlung ein Stufenschema empfiehlt. Stufe Eins wäre eine Basistherapie mit einer salzhaltigen Spüllösung für die Nase und einem cortisonhaltigen Nasenspray. Die nächste Stufe wäre die Verwendung von Cortison zum Schlucken. Und wenn auch hierunter meine Beschwerden nicht dauerhaft gebessert werden können, wäre als nächster Schritt in unserem Therapieschema die Durchführung einer Nasennebenhöhlenoperation zu empfehlen. Für Patienten, die hierunter immer noch Beschwerden haben oder kurz nach einer Operation wieder Beschwerden bekommen, wäre in weiterer Folge die Einleitung einer Biologika-Therapie zu erwägen.
Wie wird entschieden, welche Behandlung für mich geeignet ist?
Grundsätzlich entscheidet der Arzt die Therapieschritte der Erkrankung anhand des zuvor erwähnten Stufenschemas aus den vorhandenen Leitlinien zur Behandlung der Erkrankung. Basistherapie sieht für alle Patienten, bei denen diese Erkrankung diagnostiziert wurde, gleich aus und in weiterer Folge wird eine Eskalation der Therapie für diejenigen Patienten entschieden, die unter Basistherapie nicht beschwerdefrei werden.
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Nasenpolypen mit Medikamenten behandeln
Welche Nasensprays werden bei Nasenpolypen eingesetzt?
Bei der chronischen Sinusitis mit Nasenpolypen kommen hier vor allem zwei Präparate zum Einsatz. Das erste ist ein salinisches Spray, ein salzhaltiges oder meersalzhaltiges Nasenspray. Oder noch besser, eine Nasenspülung, die die Patienten verwenden sollen, um Reizstoffe und mögliche Allergene aus der Nase auszuspülen. Und die zweite ganz wichtige Säule in der Basistherapie dieser Erkrankung ist ein cortisonhaltiges Nasenspray, mit dem man erreichen möchte, die Entzündungsreaktion an der Schleimhaut und die Polypenbildung anzuhalten.
Welche Tabletten und Langzeittherapien gibt es bei Nasenpolypen?
Tabletten oder sonstige medikamentöse Therapien, die für die Behandlung dieser Erkrankung verwendet werden, sind einerseits orale Cortisonpräparate, das heißt Cortison-Tabletten zum Schlucken. Man weiß, diese Präparate bringen zwar schnell Linderung der Beschwerden, diese Linderung dauert meistens nur sehr, sehr kurz im Rahmen von wenigen Wochen. Und somit würde ich diese Präparate nur im äußersten Notfall verwenden, da wir wissen, dass Cortison auch unerwünschte Nebenwirkungen hat, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Osteoporose, mögliche Entstehung von Diabetes mellitus, welche man vermeiden möchte.
Eine zweite medikamentöse Therapie, die uns nun seit einigen Jahren zur Verfügung steht, zur Behandlung dieser Erkrankung sind Biologika . Diese Präparate werden unter die Haut gespritzt, oft auch vom Patienten selbst nach Einschulung durch seinen behandelnden Arzt. Und diese Präparate schaffen es bei sehr wenigen Nebenwirkungen oder in den meisten Fällen keine Nebenwirkungen, ein gutes Ergebnis und einen guten Therapieerfolg zu bringen.
Welche Rolle spielen Biologika bei der Behandlung von Nasenpolypen?
Diese Biologika sind Depotpräparate, die unter die Haut gespritzt werden. Es stehen zur Verfügung entweder eine Spritze oder in den meisten Fällen wird heutzutage ein Pen verwendet, der sehr einfach von Patienten angewendet werden kann. Von der Wirkungsweise her wird ein Depot unter die Haut gesetzt und der Wirkstoff kann ganz gezielt Entzündungsbotenstoffe blockieren, die maßgeblich an der Entstehung dieser Erkrankung beteiligt sind.
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Operation bei Nasenpolypen
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Operation zur Behandlung von Nasenpolypen ist dann sinnvoll, wenn die Symptome des Patienten durch die Basistherapie mit salinischen Spülungen und cortisonhaltigem Nasenspray nicht unter Kontrolle gebracht werden können.
Wie läuft die Operation ab?
Die Operation zur Behandlung der chronischen Sinusitis mit Nasenpolypen wird eigentlich so gut wie immer in Vollnarkose durchgeführt. Auf endoskopischem Weg werden die Abflusswege sämtlicher Nasennebenhöhlen aufgesucht, erweitert und von Polypen freigemacht.
Was ist nach der Operation zu beachten?
Nach der Operation ist einerseits zu beachten, dass der Patient seine Nase und die Nasenschleimhäute gut pflegt, mit einer Pflegesalbe und einem salinischen Spray oder der Nasenspülung, die er sonst immer verwendet. Zusätzlich ist in den ersten Wochen nach der Operation eine Kontrolle oder meistens sind es mehrere Kontrollen beim HNO-Facharzt oder beim Operateur zu empfehlen, um die Wundflächen zu reinigen. Ebenso würde ich den Patienten empfehlen, die ersten circa zwei Wochen sich körperlich etwas zu schonen. Keine sportlichen Höchstleistungen.
Somit wäre für jemanden, der schwer körperlich arbeitet, wahrscheinlich eine Krankschreibung von circa zwei Wochen zu empfehlen. Viele Patienten, die einen Bürojob haben, sind nach wenigen Tagen bis eine Woche wieder soweit fit, ihren Arbeitsalltag aufzunehmen.
In weiterer Folge ist es sicher auch empfehlenswert, wenn ein Patient mit dieser Erkrankung einen HNO-Facharzt hat, der auch in den Wochen und Monaten nach der Operation immer wieder Kontrollen durchführt, um etwaige Polypen-Rezidive auszuschließen.
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Mein Beitrag zur Therapie
Wie kann ich die Behandlung unterstützen?
Was ich selbst zur optimalen Behandlung meiner Erkrankung beitragen kann, ist die regelmäßige Durchführung meiner Basistherapie, vor allem der Nasenspülungen. Diese sind wichtig, um mögliche Irritationen, Reizstoffe, die meine Nasenschleimhaut irritieren und reizen, regelmäßig auszuspülen. Zusätzlich ist auch die regelmäßige Verwendung des cortisonhaltigen Nasensprays wichtig und generell eine konsequente Durchführung der von meinem HNO-Facharzt verordneten Therapie.
Warum ist es wichtig, Begleiterkrankungen mit behandeln zu lassen?
Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist auch die Behandlung von Begleiterkrankungen. Typische Begleiterkrankungen bei der chronischen Sinusitis mit Nasenpolypen sind einerseits ein Asthma bronchiale. Circa die Hälfte der Patienten mit einer chronischen Sinusitis leiden auch an Asthma. Es ist ein Atemweg. Wir haben die oberen und die unteren Atemwege. Und man weiß, wenn die Erkrankung im Bereich der Nase nicht gut kontrolliert ist, ist meistens auch das Asthma schlechter und umgekehrt. Eine weitere, gar nicht so unrelevante Begleiterkrankung sind Allergien. Sei es jetzt Gräserpollen, Hausstaubmilben-Allergie. Auch hier sollte dafür gesorgt sein, dass diese Erkrankung gut behandelt ist, weil diese Allergien natürlich ebenso eine Auswirkung auf meine Nasenschleimhäute haben.
Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?
Ärztlichen Rat sollte ich eigentlich immer dann aufsuchen, wenn die Symptome meiner Erkrankung nicht kontrolliert sind. Wenn ich weiß, ich bin ein Patient mit chronischer Sinusitis mit Polypen bin, dann würde ich ärztlichen Rat aufsuchen. Auch wenn sich irgendein Symptom verschlechtert, wenn mein Geruchssinn wieder schlechter wird, wenn ich plötzlich wieder schlechter Luft durch die Nase bekomme.
Wenn ich diese Diagnose noch nicht habe, würde ich dann meinen Arzt aufsuchen, wenn ich Symptome in dieser Richtung verspüre.
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Alltag mit der Behandlung von Nasenpolypen
Wie kann ich trotz Polypen besser schlafen?
Wie kann ich trotz meiner Nasenpolypen besser schlafen? Grundsätzlich ist immer wichtig das konsequente Durchführen der von meinem Arzt verordneten Therapie. Ebenso wahrscheinlich wichtig das Ausschalten möglicher Reizstoffe. Das heißt, vor allem wenn ich zum Beispiel Hausstaubmilben-Allergiker bin: keine dicken Teppiche und keine dicken Vorhänge im Schlafzimmer. Aber nicht nur für die Allergiker, auch für die Nicht-Allergiker: Staub im Schlafzimmer ist sicher nicht gut. Das ist was, was man leicht vermeiden kann. Ich kenne Patienten, die haben so starke Beschwerden mit massivem Schleimfluss. Sie haben Sekretfluss im Liegen von der Nase in Richtung Rachen und schlafen dadurch in halb-sitzender Position. Das ist ein Warnsignal. Da ist die Erkrankung absolut nicht kontrolliert. Die sollten schleunigst zu ihrem HNO-Arzt. Da muss man sich was überlegen, wie man das verbessern kann.
Welche Routinen helfen, Beschwerden im Alltag zu lindern?
Routinen, die mir dabei helfen können, meine Erkrankungsbeschwerden zu lindern, sind sicherlich als Wichtigstes die konsequente Durchführung der von meinem Arzt verordneten Therapie. Ebenso natürlich bei den Allergikern das Vermeiden von möglichen Allergenen. Grundsätzlich auch frische Luft. Immer mehr raus an die frische Luft. Damit man nicht immer nur die trockene Raumluft an den Nasenschleimhäuten hat. Das sind sicher so Dinge, die mittelfristig auch dazu beitragen können, meine Beschwerden zu erleichtern.
Was sollte ich bei Reisen oder im Beruf beachten, wenn ich Medikamente oder Biologika anwende?
Vor allem auf Reisen wäre zu beachten, dass ich meine notwendigen Medikamente mit dabei habe: Nasenspülung, Nasenspray. Für Biologika-Patienten, die Spritzen verwenden, kann der Arzt einen Pass ausstellen, damit diese auch problemlos auf Flugreisen mitgenommen werden können. Zusätzlich ist bei diesen Spritzen zu beachten, dass manche dieser Präparate gekühlt gelagert werden sollten.
Hier geht es zum Video-Interview: „Alltag mit der Behandlung von Nasenpolypen“
Meine Nachricht an Sie
Bei dauerhaft verstopfter Nase oder einer Einschränkung des Geruchssinns: Bitte nehmen Sie diese Symptome nicht einfach hin. Gehen Sie zu Ihrem Arzt, lassen Sie sich untersuchen, falls die Diagnose einer chronischen Sinusitis mit Nasenpolypen gestellt wird, kann man heutzutage therapeutisch schon irrsinnig viel erreichen und die Lebensqualität dadurch deutlich verbessern.
Hier geht es zum Video-Interview: „Meine Nachricht an Sie“