7. Therapie bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs – Alle Fragen

In dieser Schulung erhalten Sie wichtige Informationen über fortgeschrittenen Eierstockkrebs, seine Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und Nachsorge. Sie erfahren, was „fortgeschritten“ bedeutet, welche Therapien zur Verfügung stehen und wie Sie gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam die für Sie passende Behandlung auswählen können.

Die Schulung beantwortet unter anderem Fragen wie:

  • Was sind die wichtigsten Ziele der Therapie bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs?
  • Welche Rolle spielen Operation, Chemotherapie und zielgerichtete Therapien bei der Erkrankung?
  • Wie kann ich meine Lebensqualität bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs erhalten?

Ziel der Schulung ist, dass Sie Ihre Erkrankung besser verstehen und wissen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt

Sie erfahren, wie Ihre Wünsche für Ihren Alltag bei den Therapieentscheidungen einbezogen werden können. Außerdem bekommen Sie praktische Tipps, wie Sie gut mit Ihrem Behandlungsteam zusammenarbeiten und Ihre Lebensqualität während und nach der Therapie stärken können.

Einleitung durch Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jalid Sehouli

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jalid Sehouli ist Gynäkologe und Krebsmediziner mit Spezialisierung auf Eierstock-, Eileiter- und Bauchfellkrebs. Er leitet die Klinik für Gynäkologie mit onkologischer Chirurgie an der Charité Berlin. Außerdem steht er dem Europäischen Kompetenzzentrum für Eierstockkrebs (EKZE) vor und ist Teil der Leitung des Comprehensive Cancer Centers der Charité. Darüber hinaus übernimmt er Leitungsaufgaben und Mitgliedschaften in nationalen und internationalen Fachgesellschaften, darunter die NOGGO (Nordostdeutsche Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie ) und die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO).

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen bei chirurgischen und systemischen Therapien, der Entwicklung und Leitung von klinischen Studien sowie bei Forschungsfragen zur Lebensqualität von Krebspatientinnen.

Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Therapie bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs“

Therapieoptionen bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs verstehen

Was bedeutet fortgeschrittener Eierstockkrebs?

Also wichtig ist, dass die Medizin leider alte Worte nutzt. Man spricht von geringem Risiko, hohem Risiko, frühen Stadium, fortgeschrittenen Tumorstadium. Was aber ganz wichtig ist, bevor ich das versuche zu erklären, ist, dass die Prognose – und das ist ja die Frage dahinter – nicht nur von dem Tumorstadium aus zu beschreiben ist, sondern dass das Thema Prognose immer was mit Tumorbiologie zu tun hat; mit dem Stadium 1 ist besser als 2, 2 ist besser als 3, 3 ist besser als 4, aber auch insbesondere mit dem Ergebnis nach der Operation. Und, welche Nebenerkrankungen liegen noch vor? Sprechen wir über Herzschwäche, über Bluthochdruck, über eine Zuckerkrankheit im Diabetes? Nur dann kann man die Gesamtprognose beschreiben. Mit „fortgeschritten“ beim Eierstock-, Eileiter und Bauchfellkrebs meint man klassischerweise alles, was über einem Stadium 2 ist. Die Grenze zwischen einem frühen und fortgeschrittenen Tumorstadium sind Tumor-Absiedelungen bis zum Becken, da, wo die Knochen sich zeigen und drüber, dann ist es also eher Stadium 3; und alles, was im kleinen Becken ist – so heißt der Raum zwischen Blase und Darm und Beckenwände – ist dann eher ein Stadium 1 oder 2. Trotzdem noch mal nur die Prognose über das Tumorstadium zu beschreiben ist falsch.

Welche Symptome können bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs und Metastasen auftreten?

Wichtig ist erstmal zu beschreiben, dass Eierstockkrebs nicht eine Erkrankung ist. Ganz verschiedene tumorbiologische Untertypen werden zusammengefasst als Eierstockkrebs. Wir haben einmal die große Gruppe, die nennen sich High Grade. Das sind Tumoren, die eher schnell wachsen. Und dann gibt es die zweite Gruppe, die eher jüngere Frauen betrifft, die Low Grade Karzinome. Und bei diesen Low Grade Karzinomen, die so heißen, weil sie langsam wachsen, haben wir das bei den jüngeren Frauen auch mit einem anderen Symptom. Das sind meistens zu Zufallsbefunde bei der Routineuntersuchung. Die Frau mit dem High Grade Karzinom , die hat häufig eine Odyssee hinter sich. Viele Monate Druck auf die Blase, Unwohlsein, häufiger Stuhlgang oder Verstopfung, Schmerzen im Bauchraum – und zwar häufig wegen dem Bauchwasser. Jeder von uns hat Bauchweh. Aber das normale Bauchfell, diese Haut zieht das Wasser wieder zurück. Wenn aber am Bauchfell etwas ist, wie Tumorzellen, die den Aufsaugprozess blockieren, dann kommt es zum Stau, zu Bauchwasser und daher auch zu Symptomen, die manchmal auch mit Luftnot vergesellschaftet sein können. Weil Luftnot da ist, weil eben das Bauchwasser einmal den Bauch voll macht und zweitens aber auch Wasser in der Lunge als Nachbarorgan resultiert. Die Symptome sind unterschiedlich. Deswegen: Immer dann, wenn Schmerzen nach einigen Wochen nicht weggehen, ist unsere Empfehlung, eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt aufzusuchen. Wichtig ist, dass sich beim Eierstockkrebs die meisten Tumorknoten – das können manchmal 100, 200, 300 Knoten sein – eigentlich im Bauchraum konzentrieren. Es ist selten so, dass zum Beispiel oben ein Lymphknoten , der sogenannte Virchow-Lymphknoten, vergrößert ist bei Tumoren aus dem Bauch heraus. Es ist selten, dass jemand Knochenmetastasen hat, ganz anders als beim Brustkrebs. Es ist selten, dass jemand Lebermetastasen hat und gelb wird, das passiert sehr selten. Das ist eher beim Darmkrebs so und es ist auch selten, dass man andere Metastasen im Gewebe der Lunge hat, nicht das Lungenwasser, und ganz, ganz unwahrscheinlich und selten ist, dass jemand Hirnmetastasen hat. Die meisten Beschwerden kommen durch die Absiedelung auf dem Bauchfell, weil das Bauchfell an der Bauchwand ist, aber auch auf der Blase und am Darm, und damit die Beweglichkeit des Darms beeinträchtigt wird. Das sind die häufigsten Symptome beim Eierstockkrebs.

Welche Therapien gibt es bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs und welche passt zu mir?

Früher war das ganz leicht. Eine Operation für alle, eine Chemotherapie für alle. Das ist aber lange vorbei und sollte auch vorbei sein, weil heutzutage existiert bei dem Thema Eierstockkrebs das sogenannte Drei-Säulen-Konzept: Drei-Säulen-Konzept meint die erste Säule, die Operation, mit dem Ziel, alle Tumorknoten zu entfernen. Die zweite Säule ist nach einem Abstand von 2 bis 8 Wochen eine Chemotherapie, die in der Regel eine Halbwertszeit von wenigen Tagen hat. Und die dritte Säule meint die sogenannte Erhaltungstherapie , Also heute gibt es viele Therapieoptionen und deswegen haben wir es auch in der deutschen Leitlinie formuliert, als Sollempfehlung gilt die sogenannte Erhaltungstherapie. Das heißt, jede Patientin mit einem fortgeschrittenen Eierstock-, Eileiter oder Bauchfellkrebs sollte nach einer Erhaltungstherapie fragen. Also woher weiß ich aber, ob eine Therapie die richtige ist? Wann macht es Sinn, eine Zweitmeinung einzuholen? Ich denke, dass es ganz elementar ist, dass wir nie allein eine Therapie festlegen sollten, sondern immer die Frage stellen: Was gibt es für Optionen? Und deswegen ist meine Empfehlung, dass Sie zum einen mit einem zertifizierten gynäkologischen Krebszentrum verbunden sind. Das zweite ist, dass Sie schauen, ob diese Institution an klinischen Studien teilnimmt, weil man hat das untersucht, auch in Deutschland, dass, wenn man in eine Klinik oder eine Praxis geht, die an Studien teilnimmt, die Wahrscheinlichkeit, dass dort die beste Standardtherapie erfolgt, nachweislich viel, viel höher ist, als wenn Sie in eine Institution gehen, die nie an Studien teilnimmt. Das hat was damit zu tun, dass das so ein Marker ist. Ein Hinweis ist, dass sich da Leute damit beschäftigen, in Fortbildung sind, kontrolliert werden usw. Und was ganz wichtig ist, ist, dass es eben auch Ärztinnen und Ärzte sind, die sich da jeden Tag wissenschaftlich beweisen, indem sie an Studien teilnehmen, aber auch ihre Ergebnisse veröffentlichen. Deswegen ist das so relevant, dass man, wenn man eine Zweitmeinung einholt, genau diese Fragen stellt: Wie häufig machen Sie das? Sind Sie zertifiziert, in einem Zentrum, bieten Sie klinische Studien an? Und was sind denn die verschiedensten Therapieoptionen? Selbst wenn das nicht in Ihrer Klinik vor Ort verfügbar ist, darum geht es.

Was sind die wichtigsten Ziele der Therapie?

Also grundsätzlich, wenn eine Patientin zu mir kommt, ist die Heilung das Ziel. Trotzdem kann man es natürlich nicht bei allen versprechen. Und, was auch noch mal ganz wichtig ist, ist, dass eine Heilung nach mehreren Jahren – nach 5 Jahren klassischerweise – nach oben, nach hinten geschoben wird. Deswegen spreche ich eher von Heilsamkeit. Unabhängig davon gibt es Situationen, wo eine Heilung unwahrscheinlich ist. Und glauben Sie mir, ich beschäftige mich schon seit sehr vielen Jahrzehnten damit. Es ist in der Regel nie ausgeschlossen, aber es gibt Situationen – wenn jemand ganz viele Metastasen im Gewebe hat, in der Leber, in der Lunge schwach ist, sich kaum bewegen kann, 20 Kilo Gewebe abgenommen hat – dann ist die Heilung unwahrscheinlich. Da kann es sehr gut sein, dass man sich da nur auf die Symptome konzentriert, wo aber auch die Lebensqualität natürlich von ganz besonderer Bedeutung ist. Aber das sollten Sie auch mit den Ärzten durchaus besprechen. Auch wenn der Tumor wiederkommt, gibt es Langzeitüberleben. Aber ist die Therapie, die ich jetzt gerade kriegen soll, tatsächlich belegt, dass sie das Leben länger macht? Oder gibt es denn Daten, dass sie eben das sogenannte progressionsfreie Überleben verbessert? Und ich kann Ihnen nur sagen, einige Therapien zeigen den Vorteil und einige nicht. Und das ist ganz wichtig, finde ich, dass Sie das mit Ihren Ärztinnen und Ärzten auch besprechen. Auch wenn das den Ärzten meistens schwerfällt, darauf einzugehen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Therapieoptionen bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs“

Operation und Chemotherapie bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs

Wann kommt bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs eine Operation in Frage?

Die Operation ist die wichtigste diagnostische Methode, weil auch die Blutwerte, die Biomarker, der Tumormarker CA125, das CT , die MRT-Untersuchung können ja eigentlich immer nur Hinweise geben. Je nach Situation wird man eine Bauchspiegelung machen, wenn es unklar ist; minimal invasiv, um das Gewebe zu analysieren. Grundsätzlich – und so ist auch die Empfehlung der Leitlinie – wollen wir, dass eigentlich die erste Operation auch das Ziel hat, alle Tumorknoten, selbst wenn es mehrere 100 Knoten sind, zu entfernen. Wenn man durch die Operation nicht wahrscheinlich tumorfrei wird oder diese ausgeschlossen ist, dann stellt man die Frage, ob man eine Chemotherapie gibt. Eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie, wo man dann im klassischen Sinne nach drei Therapiezyklen im Abstand von drei Wochen dann nochmal die Situation analysiert, ob der Tumor beispielsweise kleiner geworden ist, um dann eine sogenannte Intervalloperation vorzunehmen, wieder mit dem Ziel, alle Tumorknoten zu entfernen. Und dann gibt es eine Situation, wo es grundsätzlich möglich ist die Tumorknoten zu entfernen, aber die Patientin ist zu schwach. Und da haben wir das Thema Prähabilitation eingeführt. Das heißt, dass man den Frauen die Schmerzen nimmt; wenn sie Gewicht verloren haben eine Ernährung gibt, dass man die Patienten, so wie heute, informiert, aufklärt, über die Erkrankung Blutarmut ausgleicht, um dann eben nach einem Trainingsprogramm von 1 bis 3 Wochen doch in die Operation zu gehen.

Wann wird eine Chemotherapie angewendet und wie kann sie mit einer Operation kombiniert werden?

Also grundsätzlich gehört die Chemotherapie immer zum Thema Operation. In unseren Leitlinien empfehlen wir erst die Operation, dann die Chemotherapie. Es gibt aber Ausnahmen, weil der Tumor zu weit fortgeschritten ist oder eine Operation trotz dem Training der Prähabilitation nicht möglich ist, wo man die Chemotherapie vorzieht. Das ist ja ein Standardkonzept für Brustkrebs und bei anderen Tumoren. Beim Eierstockkrebs versuchen wir aber erst die Operation und dann die Chemotherapie durchzuführen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Operation und Chemotherapie bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs“ 

Zielgerichtete Therapien bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs

Was sind zielgerichtete Therapien bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs und welche Arten davon gibt es?

Man hat früher versucht, Chemotherapie zu verlängern. Statt sechs Gaben alle drei Wochen, alle acht Wochen, zehn Wochen, zwölf Wochen oder noch länger – aber es gab keine Verbesserung des sogenannten progressionsfreien Überlebens, also bis der Tumor wiederkommt, oder des Gesamtüberlebens. Erst mit der Einführung von der Tumorgefäßblockade konnte eine Verbesserung des sogenannten progressionsfreien Überlebens gezeigt werden. Das bedeutet, Antikörper per Infusion nach Abschluss der Chemotherapie zu geben, fortgesetzt über einen Zeitraum von insgesamt 15 Minuten ab dem Tag der ersten Gabe. Und dann gab es die Hinzunahme von den sogenannten PARP-Inhibitoren , was eigentlich so ein Meilenstein in der medikamentösen Entwicklung des Eierstockkrebs darstellt. Medikamente, die in die DNA der Krebszelle greifen, weil die Krebszelle will ja immer weiterwachsen. Dieses Medikament versucht ein Enzym , ein Eiweißkomplex, zu blockieren. Also man will das gute Ansprechen der Chemotherapie erhalten. Und das ist das Ziel dieser sogenannten zielgerichteten Therapie , weil sie ein Ziel haben, in einem Protein . Bei dem Tumorgefäßblocker ist das das Wachstumsfaktor VEGF, und bei den PARP-Inhibitoren sind das eben diese Enzymkomplexe.

Wie wird entschieden, welche zielgerichtete Therapie zu mir passt?

Gute Ärzte geben Ihnen immer mehr als eine Therapieempfehlung. Natürlich mit einer Gewichtung. Gerade dann, wenn ich weiß, wie die Zulassungen und wie die Ergebnisse aus den Studien sind und wenn ich weiß, welche Wirkung und welche Nebenwirkungen die Patientin haben kann, welche Vorerkrankungen die Patientin hat und welche Resilienz, welchen Puffer hat die Patientin? Das sind ganz viele Faktoren. Welche Tumorbiologie hat diese individuelle Patientin? Welche Biomarker wurden untersucht? Dann kann man eben verschiedene Optionen empfehlen. In der Leitlinie haben wir zum Thema zielgerichtete Therapien auch eine solche Empfehlung formuliert für die Erhaltungstherapie. Eine alleinige Chemotherapie beim Eierstock- oder Bauchfellkrebs im fortgeschrittenen Tumorstadium ist meiner Meinung nach ein Kunstfehler, es sei denn, es spricht irgendwas dagegen. Aber das muss man mit der Patientin besprechen und deswegen ist es so relevant, dass man diese ganzen Faktoren zusammenbringt und dann mit den Patientinnen die verschiedenen Therapieempfehlungen diskutiert. Am Ende des Tages braucht man ja eine Empfehlung, aber die sollte immer auch entsprechend den Leitlinien und entsprechenden neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sein. Und da ist die gute Nachricht: Es ist so dynamisch. Selbst ich, der sich jetzt seit vielen, vielen Jahrzehnten mit Eierstockkrebs beschäftigt, habe Schwierigkeiten, immer up-to-date zu sein, weil so viel passiert. Und danke auch den vielen Patientinnen, dass sie an diesen Studien teilnehmen, die nicht nur regional, national, sondern global laufen. Das heißt, eine Therapieentscheidung ist immer individualisiert, aber auf Basis der besten Evidenz aus den Studien. Und nahezu jedes Jahr gibt es neue Therapieoptionen für Frauen mit Eierstockkrebs.

Hier geht es zum Video-Interview: „Zielgerichtete Therapien bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs“

Rückfall bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs

Was bedeutet ein Rückfall bei Eierstockkrebs?

Rezidiv . Wenn der Tumor wiederkommt, ist immer, in der Regel, eine Stille im Raum. Man hat eine Operation hinter sich, die mehrere Stunden gedauert hat, eine Chemotherapie, die Spur hinterlassen hat: Haarausfall, Taubheit, die körperliche Schwäche, das Fatigue Syndrom. Hat dann noch vielleicht eine Erhaltungstherapie gehabt, die insgesamt gut vertragen worden ist, aber auch Nebenwirkungen in sich trägt. Und dann ist der Tumor wieder da. Alles umsonst. Das ist das, was ich immer wieder mit meinen Patienten bespreche. Und ich kann nur sagen: Nein, nicht alles umsonst und Rezidiv ist nicht Rezidiv. Auch hier wieder ganz wichtig: Wie ist die Patientin vom Gesundheitszustand her, und wie ist Gesundheit definiert? Körperliches, mentales und soziales Wohlbefinden? Was für Symptome hat sie? Wie ist das Tumor-Befallmuster? Wie war die Operation? Wie war das Tumor-Befallmuster bei der ersten Operation? Und wie war das Ergebnis nach der Operation? Welche Nebenwirkungen sind noch da? Wie ist der körperliche Zustand? Wie ist der Blutdruck eingestellt? Wie ist der Zucker eingestellt? Was für ein Tumor liegt gerade vor? Ist das derselbe Tumor? Ist das ein anderer Tumor? Hat er sich verändert? Und das sind die Grundvoraussetzungen, um dann eine individuelle Therapieempfehlung für die Rezidiv-Situation vorzunehmen. Und die gute Nachricht: Es gibt immer mehr Optionen, die das sogenannte progressionsfreie Überleben, aber auch das Gesamtüberleben positiv beeinflussen. Es gibt Frauen und das kann ich Ihnen verraten – das kennen Sie vielleicht auch in Ihrem Umfeld – die schon viele Therapien hatten, viele Rezidive. Ich hatte eine Patientin, die hatte 155 Krebstherapien in neun Jahren. Ich habe Patienten, die über 18 Jahre immer wieder Rezidive haben. Und ich habe Patienten, die Langzeitüberlebende sind, trotz der Tatsache, dass der Krebs wiedergekommen ist. Und deswegen ist es so relevant, dass eben diese Therapieoptionen in spezialisierten Krebszentren mit Ihnen diskutiert werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einem Rückfall?

Wenn der Tumor wiederkommt, gibt es unterschiedliche und viele Therapieoptionen. Der erste Schritt ist: Gibt es eine Teilnahme an klinischen Studien für diese Situation? Und da kann ich Ihnen verraten, da ist ganz viel unterwegs und es gibt klassische Therapien und es gibt zielgerichtete Therapien. Und was ganz wichtig ist, ist, dass man erst mal versteht, ob eine erneute Therapiestrategie, die ich am Anfang schon hatte, eine Operation, eine Chemotherapie, eine Erhaltungstherapie auch beim Rezidiv wieder sinnvoll ist. Das kann sein. Es hat was damit zu tun: Wie verträglich war die Therapie, wie erfolgreich war sie? Eine Operation nach einer Operation ist durchaus möglich, insbesondere dann, wenn eine lange Pause war, die erste Operation gut verlaufen ist, wenn der Tumor komplett entfernt werden konnte, wenn die Patientin eine Chemotherapie hatte und das Tumor-Befallmuster jetzt wieder so erscheint, dass man tumorfrei operieren kann, in einem spezialisierten Zentrum. Und dann muss man wieder die Diskussion führen: Operation, dann Chemotherapie und die Erhaltungstherapie. Das Drei-Säulen-Konzept, bei der ersten Linie gesetzt, bei der Zweiten eine Kann-Option. Es gibt aber Situationen, wo eine Operation dann nicht Sinn macht. Dann, wenn der Tumor sehr gestreut ist, wenn sich eine sehr komplizierte Tumorausbreitung im Körper zeigt. Dann kann es durchaus sein, dass es nur eine Zwei-Säulen-Strategie ist, die Chemotherapie und die Erhaltungstherapie. Aber es kann auch sein, dass es nur eine einzige Strategie ist, und zwar nur eine medikamentöse Krebstherapie. Und dann gibt es noch klassische Chemotherapeutika, die man einsetzen kann, die aber von untergeordneter Bedeutung sind, wenn sie allein gegeben werden. Und es gibt immer wieder neue Studien, die auch zeigen, dass zum Beispiel auch eine Immuntherapie in Kombination mit einer Chemotherapie durchaus wirksam sein kann. Die Dynamik ist enorm und deswegen ist es wichtig, immer nach den neuesten Optionen zu fragen. Ich kann jetzt schon versprechen, dass auch nächstes Jahr neue Therapien beim Eierstockkrebs, Eileiter- und Bauchfellkrebs, aber auch in der Rezidiv-Situation verfügbar sein werden in Deutschland.

Wovon hängt die Therapiewahl bei einem Rückfall von Eierstockkrebs ab?

Die Entscheidungskriterien für eine Behandlung sind sehr komplex und brauchen ganz, ganz viel Erfahrung. Und was mir noch mal ganz wichtig ist, dass es eben nicht nur davon abhängt, was möglich ist, sondern was sinnvoll ist und natürlich das Thema Wirkung im Vordergrund steht, aber auch das Thema Nebenwirkungen nicht ignoriert werden darf. Wie habe ich denn die Therapie, die ich schon mal hatte, vertragen? Welche Nebenwirkungen sind aufgetreten, welche sind immer noch da? Ist der Tumor immer noch derselbe wie damals oder hat er sich verändert in seiner Charakteristik? Es kann sein, dass man eine neue Biopsie machen muss, eine Gewebeprobe, wenn das Gewebe sehr alt ist. Ist das wirklich derselbe Tumor? Oder ist das vielleicht sogar ein ganz anderer Tumor? Und was sind die Therapieziele? Geht es um Ansprechen? Geht es um Symptomkontrolle? Geht es um Gesamtüberleben? Und deswegen ist meine Empfehlung, sich bei dieser Erkrankung wirklich nur in Expertennetzwerke zu begeben und jede Alternative zumindest zu diskutieren. Es gibt Therapien, die sind grundlegend falsch. Und es gibt Dinge, die kann man machen und deswegen ist es so wichtig, sich da auch zu informieren und sich auch die Patientenleitlinien einmal durchzulesen oder auch andere Patientinnen, die schon sehr viel Erfahrung haben, selbst mit zu Rate zu nehmen. In der Regel hat man immer genug Zeit, noch mal nachzudenken und nochmal mit jemandem zu sprechen. Wichtig ist natürlich, dass die Zweitmeinungs-Optionen auch Qualitätskriterien haben sollten, auch die Person, die eine Zweitmeinung gibt, muss Erfahrung haben, nachweislich, in Studien, in Kommission, in zertifizierten Zentren. Das ist mir extrem wichtig. Und ein Thema, was auch immer wieder vernachlässigt wird: Dass man auch die Zeit, die man als Patientin, als Angehöriger investiert, mitreflektiert, die sogenannte Time Toxicity. Das ist ein Thema, womit ich mich sehr beschäftige. Wie viel Zeit investiert ein Mensch in eine medizinische Maßnahme, inklusive der Wartezeit im Warteraum, bei der Blutabnahme, bei der Computertomographie oder bei der Therapie? Und was kommt hinten raus? Und wie fühlt sich die Zeit an? Ist das eine Zeit, wo ich die Dinge machen kann, die ich liebe? Das Tanzen, das Kümmern um die Kinder, den Sport, den ich liebe? Oder es ist nur die Zeit, wo ich platt irgendwo sitze, liege und eigentlich gar nicht an dem Alltag teilnehmen kann, den ich mir wünsche. Sehr schwierige Themen, wo Ärzte auch keine Lösung haben. Aber ich denke, dass es wichtig ist, das zu besprechen. Wie lange gebe ich der Therapie und wie viel Zeit muss ich investieren, um welchen Nutzen zu kriegen? Time Toxicity: Besprechen Sie das mal mit Ihren Ärzten.

Hier geht es zum Video-Interview: „Rückfall bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs“

Lebensqualität bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs

Wie spreche ich mit meinem Behandlungsteam am besten über meine Situation und Bedürfnisse?

Also das Wichtigste ist, dass gerade bei dem Thema Eierstockkrebs Expertise und Vertrauen aufeinandertreffen. Vertrauen geht nur, wenn beide das wollen und auch ehrlich sind, authentisch sind, direkt sind. Man muss nicht immer alles sagen, aber das, was man sagt, muss so wahrhaftig und ehrlich sein wie nur möglich. Das ist ein Grundsatz in der Kommunikation mit Patienten und Angehörigen, aber auch mit Ärzten. Ängste proaktiv ansprechen. Symptome, die mich belasten, ansprechen und einfordern. Sie kennen die Hektik in der Medizin und die Begrenzungen von Zeitressourcen. Deswegen ist die direkte Kommunikation so entscheidend. Machen Sie sich Notizen. Fragen Sie nach. Provozieren Sie auch Ihre Ärzte, über Therapieoptionen zu sprechen oder zu erklären, warum eine Therapie vielleicht nicht angezeigt oder empfohlen wird. Und lassen Sie sich Zeit und fragen Sie Ärzte, wenn Sie das Gefühl haben, Sie brauchen eine zweite Meinung, wo Sie eine zweite Meinung einholen sollten. Ein Arzt, der Ihnen keine zweite Meinung ermöglicht, ist ein schlechter Arzt. Ein Arzt, der Ihnen keine klinischen Studienteilnahme anbietet, ist meiner Meinung nach ein schlechter Arzt. Und zwar nicht, weil jede Studie positiv ist – aber es ist eine Chance mehr. Und die Patientin muss das doch entscheiden und nicht der Arzt. Und deswegen ist es mir so wichtig, dass wir uns in der Kommunikation klar bewusst sein müssen, dass wir in Beziehung bleiben wollen, weil am Ende des Tages ist auch die Arzt Patienten Beziehung und die Kommunikation eine menschliche Begegnung. Und darum geht es.

Warum ist es sinnvoll, frühzeitig palliative Unterstützung in Anspruch zu nehmen?

Palliativmedizin, so hat man es früher verstanden, ist die Zeit kurz vor dem Sterben. Das ist falsch. Palliativmedizin heißt eigentlich, einen Care Plan zu bauen. Wenn ich eine lebensbedrohliche Erkrankungssituation habe, dann ist es natürlich sinnvoll, über Testamente, Vollmachten, Vorsorgevollmachten zu sprechen und natürlich über Symptombekämpfung. Es ist kein Widerspruch, Palliativmedizin zu leben und trotzdem eine Chemotherapie zu machen. Es gibt ja die palliative Chemotherapie. Palliation kommt ja aus dem Altgriechischen und bedeutet bedecken. Ich glaube, die Welle ist damit gemeint vom Meer, das Bedecken von Symptomen und das, was wir schon besprochen haben, die Symptombekämpfung gehört dazu. Und natürlich, wenn ich über Vorsorgevollmacht oder über Testamente rede, ist es natürlich noch am besten, wenn man in einer Situation darüber redet, wo es einem gut geht. Wenn Sie eine lange Reise vor sich haben, unabhängig von der Krebserkrankung, ist es manchmal sinnvoll, sich schon vorher die Frage zu stellen, was passiert, wenn ich nicht zurückkomme. Deswegen ist das eine Haltung. Und die Grenzen zwischen Palliation und Kuration sind natürlich grau. Trotzdem darf ich das Sterben nicht weiter tabuisieren. Das ist immer noch tabuisiert in unserer Gesellschaft. Auf der anderen Seite darf ich nicht Frauen, nur weil sie ein Stadium 4 haben, gleich als palliativ einstufen und mit ihr nur noch übers Hospiz zu sprechen. Auch das ist falsch. Es geht um den Dialog, es geht um die Schmerztherapie und es geht um die Perspektive.

Wie kann ich meine Lebensqualität bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs erhalten?

Lebensqualität ist nach der Weltgesundheitsorganisation in den 40er Jahren so festgelegt, definiert über körperliches, soziales und mentales Wohlbefinden. Das ist Gesundheit. Nicht, ob der Krebs da ist oder größer oder kleiner wird. Das bedeutet, dass Sie Ihre Lebensqualität durchaus steigern können, indem Sie die soziale Dimension, das heißt die Interaktion, die Beziehung mit ihren Partnern, mit ihren Kindern, mit Freunden, Nachbarn stärken, genauso wie wenn Sie ihre mentale Gesundheit stärken, durch Meditation, durch Kunst und Kreativität. Das kann die Fotografie sein, das kann das Malen sein, das kann das kreative Schreiben sein, das kann das Singen sein und das Körperliche, indem sie trainieren, dass Sie eben laufen, Nordic Walking machen, tanzen, Yoga, springen, schwimmen, das, was sie gerne mögen. Das heißt, alle Strukturen, die Sie stärken, sind willkommen. Und überlegen Sie einfach, was Ihnen bisher Freude gemacht hat oder was Sie vielleicht noch mal ausprobieren wollen. Es geht um den Prozess der Reflexion. Und deswegen sind kreative Therapien von ganz besonderer Bedeutung und wertvoll. Wir haben bei uns die Maltherapie als großes Thema. Da geht es ja nicht nur um das Malen, da geht es um wirklich die Interpretation, die Interaktion, aber auch das Gefühl. Und wir haben eben dieses kreative Schreiben, aber es kann auch das Stricken sein oder das Bemalen von. Sie dürfen alles und sie dürfen alles probieren. Und sie dürfen natürlich alles wieder beenden und aufhören. Aber diese Schonung ist nicht immer hilfreich, sondern im Gegenteil häufig sogar gesundheitsschädlich oder behindernd. Es gibt so ein Schlagwort, das heißt Best Supportive Care. Best Supportive Care meint, alle Symptome und alle Nebenerkrankungen so zu optimieren wie nur möglich. Das heißt, wenn man Eierstockkrebs hat, muss das nicht dazugehören, dass man Schmerzen hat. Es muss nicht dazugehören, dass man Übelkeit hat. Es muss nicht dazu gehören, dass man harninkontinent ist. Es muss nicht dazugehören, dass man depressiv ist, oder melancholisch oder Stimmungsschwankungen hat. Es ist ja menschlich, Angst zu haben. Die darf nur nicht so sein, dass man sich nicht über die Straße traut Und deswegen kann auch das Gespräch mit erfahrenen Menschen, auch mit anderen Betroffenen, durchaus hilfreich sein. Und ich kenne immer wieder die Situation, wo Frauen natürlich mich fragen: Ja, was tue ich gegen den Krebs? Aber ich sage: Ja, aber was tun Sie für die gesunden Zellen? Es ist nicht Entweder-oder. Wenn Sie leben wollen, so ist mein Tipp, dann zeigen Sie dem Leben, dass Sie leben wollen und dass Sie leben.

Hier geht es zum Video-Interview: „Lebensqualität bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs“

Meine Nachricht an Sie

Also die Eierstockkrebs Erkrankung ist kompliziert. Eine der kompliziertesten Erkrankungen in der Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Die gute Nachricht aber: Das Langzeitüberleben ist verfügbar. Das Wort Heilung ist möglich. Und deswegen bin ich da auch ganz besonders stolz, dass wir eben die Cancer Survivorship Clinic gebaut haben, die sowohl Frauen, die geheilt sind, länger als fünf Jahre, als auch eine Krankheitsgeschichte von über fünf Jahren in sich tragen, um sie zu beraten und bezüglich der Knochengesundheit, der Herzgesundheit, der sexuellen Gesundheit, aber auch im Sinne der Vorsorge informieren. Weil nur weil man eine Operation oder eine Chemotherapie hat und den Eierstockkrebs überstanden hat, heißt das nicht, dass man nicht auch an Brustkrebs, Darmkrebs, Hautkrebs erkranken kann. Und deswegen meine Bitte: Die Vorsorge im Rahmen der Nachsorge immer mitdenken, weil das zeigen unsere Untersuchungen. Ich verstehe das auch, dass man dann irgendwann die Nase von Ärzten und von Untersuchungen voll hat. Aber Vorsorge ist extrem wichtig im Sinne der sogenannten Salutogenese, des Gesundheitskonzeptes. Und deswegen: Lassen Sie sich informieren. Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur Fragen, die man nicht stellt. Und deswegen: Nutzen Sie die Chance. Und wie gesagt, provozieren Sie auch die eine oder andere Ärztin oder den anderen Arzt, Ihnen mehr Infos zu geben.

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Prof. Dr. med. Dr. h.c.  Jalid Sehouli: Stand Mai 2026 | Quellen und Bildnachweis
Antikörper
(Immunoglobuline)
Eiweiße (Proteine), die von Zellen des Immunsystems gebildet werden, um Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bei manchen Erkrankungen kann es zu einer fehlgeleiteten Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Zellen oder Strukturen kommen.
Bauchspiegelung
Schonende Operation, bei der mit einer kleinen Kamera durch kleine Schnitte in die Bauchdecke in den Bauchraum geschaut und gegebenenfalls behandelt wird.
Biopsie
Entnahme von verdächtigen Gewebeproben, um eine Krebserkrankung oder entartete Zellen zu diagnostizieren. Gewebeproben werden je nach Organ mit verschiedenen Techniken entnommen und unter dem Mikroskop beurteilt.
Chemotherapie
Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die das Wachstum von Krebszellen hemmen sollen.
CT
(Computertomografie)
Bildgebendes Verfahren. Dabei werden Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen durch den Körper geführt. Ein Computer verarbeitet die so erzeugten Bilder zu einer Schnittbildreihe. Dadurch ist eine genaue Beurteilung des untersuchten Körperteiles möglich. So können beispielsweise Lage und Größe von Organen und Tumoren dargestellt werden. Die Untersuchung ist schmerzlos.
Eiweiße
(Proteine)
Eiweiße, auch bekannt als Proteine, sind Makromoleküle, die aus Ketten von Aminosäuren bestehen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Aufbau und der Funktion von Zellen und Geweben im Körper.
Enzym
körpereigener Stoff, der biochemische Reaktionen steuert und schneller und effizienter ablaufen lässt.
Erhaltungstherapie
Eine Erhaltungstherapie wird nach der erfolgreichen Erstbehandlung einer Erkrankung eingesetzt, um den Behandlungserfolg langfristig zu sichern und einem Rückfall vorzubeugen. Sie kann über einen längeren Zeitraum erfolgen und besteht oft aus Medikamenten, die regelmäßig verabreicht werden.
Fatigue
Häufige Begleiterkrankung von schweren Krankheiten, die mit anhaltender Müdigkeit, Kraftlosigkeit und fehlendem Antrieb einhergeht. 
Halbwertszeit
Bei Medikamenten ist die Halbwertszeit jene Zeitspanne, in der die Hälfe der ursprünglichen Dosis im Körper abgebaut wird.
Immuntherapie
Therapie, die das Immunsystem beeinflusst und bei verschiedenen Erkrankungen, wie z.B. Krebs, eingesetzt wird. Je nach Krankheitsursache kann das Immunsystem gehemmt, stimuliert oder durch die Gabe von Antikörpern verändert werden.
Infusion
Verabreichung einer Flüssigkeit (mit oder ohne darin gelösten Medikamente) über einen Zugang in ein Blutgefäß.
Karzinom
Bösartiger Tumor.
klinische Studie
In klinischen Studien wird getestet, ob ein neues Medikament oder Therapieverfahren sicher und wirksam ist.
Leitlinie
Zusammenfassungen der medizinischen Fachgesellschaften, die den aktuellen Stand der Wissenschaft zu einem Thema zusammenfasst und eine Handlungsempfehlung für Ärzt:innen darstellt.
Lymphknoten
Bestandteil des Immunsystems, reinigt und filtert die Lymphe aus den Lymphbahnen. Befinden sich an verschiedenen Regionen im Körper, zum Beispiel am Hals und in der Achselregion.
Metastase
Absiedlungen von Krebszellen eines bösartigen Tumors an anderen Körperregionen.
neoadjuvant
Bezieht sich auf Therapien, die vor einer Tumoroperation durchgeführt werden, um den Tumor zu verkleinern und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Operation zu verbessern. Das können z. B. Strahlen- oder Chemotherapien sein.
Onkologie
Fachbereich der Medizin, der sich mit bösartigen Tumoren und anderen Krebserkrankungen beschäftigt.
Palliativtherapie
(Palliation)
Therapie, die vorrangig auf die Linderung von Symptomen und Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität ausgerichtet ist. Sie ist zu unterscheiden von der kurativen Therapie, die primär die Heilung zum Ziel hat. Die palliative Therapie hat besondere Bedeutung, wenn die Heilung einer Patientin / eines Patienten nicht möglich ist.
PARP-Inhibitor
PARP-Inhibitoren sind Medikamente, die in bestimmte Reparaturmechanismen von Zellen eingreifen. Sie werden häufig bei bestimmten genetischen Veränderungen eingesetzt, um die Vermehrung von Tumorzellen zu verlangsamen oder zu stoppen.
Rezidiv
(Rückfall)
Wiederauftreten einer Krankheit nach zunächst erfolgreicher Behandlung mit Heilung oder Verbesserung.
Standardtherapie
Die Standardtherapie ist die Therapie, die den aktuell gültigen wissenschaftlichen Empfehlungen entspricht. Die Standardtherapie ist für verschiedene Erkrankungen unterschiedlich.
Tumor
(„Geschwulst“)
Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.
Tumormarker
Tumormarker sind Substanzen im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten, die bei bestimmten Krebserkrankungen erhöht sein können. Sie dienen zur Verlaufskontrolle oder als Hinweis auf eine mögliche Erkrankung, sind jedoch meist nicht allein aussagekräftig für eine Diagnose.
Vorsorgevollmacht
Dokument, in dem eine Person jemand anderem die rechtliche Befugnis gibt, in ihrem Namen Entscheidungen zu treffen, wenn sie selbst nicht mehr in der Lage ist, dies zu tun. Dies kann medizinische, finanzielle und andere wichtige Angelegenheiten umfassen.
zielgerichtete Therapie
Behandlung, die spezifisch auf genetische Mutationen, Proteine oder das Gewebeumfeld abzielt, das das Krebswachstum fördert.
Zweitmeinung
Einschätzung eines zweiten Arztes oder einer zweiten Ärztin zur Diagnose oder Behandlung einer Erkrankung, um die Richtigkeit und Angemessenheit der vorgeschlagenen Therapie zu überprüfen.