1. Therapieoptionen bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs

Was bedeutet fortgeschrittener Eierstockkrebs?

Ein fortgeschrittener Eierstockkrebs bedeutet, dass sich der Tumor nicht mehr nur im Eierstock befindet, sondern bereits in andere Bereiche des Bauchraums ausgebreitet hat. Dabei kann er Stellen wie das Bauchfell, den Darm oder die Blase erreichen.

Medizinisch wird zwischen vier Tumorstadien unterschieden:

  • Stadium I: Der Tumor ist auf den Eierstock oder Eileiter begrenzt.
  • Stadium II: Der Tumor breitet sich innerhalb des kleinen Beckens aus, also im Bereich zwischen Blase, Darm und Beckenwänden.
  • Stadium III: Der Tumor wächst über das kleine Becken hinaus, zum Beispiel auf das Bauchfell oder die Lymphknoten im Bauch.
  • Stadium IV: Es liegen Fernmetastasen vor, das heißt, der Tumor hat sich auf andere Organe wie Lunge oder Leber ausgebreitet.

Als „fortgeschritten“ gelten Stadium III und IV.

Das Stadium beschreibt jedoch nur einen Teil der Erkrankung. Für die persönliche Prognose spielen auch andere Faktoren eine große Rolle: Dazu gehören die Art des Tumors, wie gut er auf Behandlungen anspricht, welche anderen Erkrankungen vorliegen bzw. wie der allgemeine Gesundheitszustand einer Patientin ist.

Viele Patientinnen profitieren heute von modernen Behandlungen und leben langfristig mit ihrer Erkrankung.

Eierstockkrebs, Eileiter- und Bauchfellkrebs

Eierstockkrebs entsteht in den meisten Fällen nicht direkt im Eierstock, sondern häufig im Eileiter oder sogar am Bauchfell. Diese drei Krebsarten verhalten sich im Körper sehr ähnlich und werden deshalb meist gemeinsam betrachtet und gleichbehandelt. Wenn also von Eierstockkrebs gesprochen wird, können damit auch Tumore des Eileiters oder des Bauchfells gemeint sein.

Welche Symptome können bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs und Metastasen auftreten?

Eierstockkrebs kann sehr unterschiedliche Symptome verursachen. Das liegt unter anderem daran, dass es verschiedene Tumorarten gibt. High-Grade-Tumore wachsen eher schnell und führen deshalb häufig früher zu Beschwerden. Low-Grade-Tumore wachsen langsamer und werden oft zufällig bei einer Untersuchung entdeckt, bevor sie deutliche Symptome auslösen.

Bei vielen Patientinnen entstehen die Symptome, weil Tumorzellen das Bauchfell befallen. Dadurch kann sich Flüssigkeit im Bauchraum ansammeln. Diese Flüssigkeit drückt auf die Organe, was zu einem Völlegefühl, Bauchschmerzen oder einem veränderten Stuhlgang führen kann. Manche Patientinnen berichten über Druck auf die Blase, häufigen Harndrang oder Verstopfung. Wenn sich viel Flüssigkeit ansammelt, kann der Bauch deutlich an Umfang zunehmen. In manchen Fällen sammelt sich Wasser auch im Brustraum, was zu Atemnot führt.

Metastasen außerhalb des Bauchraums sind bei Eierstockkrebs selten. Knochenmetastasen, Lebermetastasen oder Veränderungen in der Lunge kommen im Vergleich zu anderen Tumorarten nur vereinzelt vor.

Welche Therapien gibt es bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs und welche passt zu mir?

Die Behandlung wird immer an die persönliche Situation einer Patientin angepasst. Meist folgt sie einem 3-Säulen-Konzept: Die erste Säule ist die Operation, bei der möglichst alle sichtbaren Tumorstellen entfernt werden. Die zweite Säule ist die Chemotherapie , die noch vorhandene Tumorzellen bekämpft. Mehr dazu erfahren Sie direkt in der nächsten Lektion, Operation und Chemotherapie bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs. Die dritte Säule ist die Erhaltungstherapie , die dazu beiträgt, die Erkrankung möglichst lange unter Kontrolle zu halten und Rückfälle zu verhindern. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Kurs Alltag mit Erhaltungstherapie bei Eierstockkrebs.

Zur Behandlung kann auch die Palliativmedizin gehören. Sie hilft, Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit zu lindern. Palliativmedizin bedeutet nicht, dass keine weiteren Therapien mehr möglich sind. Sie kann jederzeit begleitend eingesetzt werden und hat das Ziel, die Lebensqualität zu verbessern und den Alltag zu erleichtern. In Lektion 5 erfahren Sie mehr zum Thema Lebensqualität bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs.

Welche Therapie im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab: von der Art des Tumors, vom allgemeinen Gesundheitszustand, davon, wie gut frühere Behandlungen vertragen wurden und von den persönlichen Wünschen der Patientin.

Klinische Studien und spezialisierte Krebszentren

Eine Behandlung in einem zertifizierten gynäkologischen Krebszentrum ist besonders empfehlenswert. Dort arbeiten Ärztinnen und Ärzte, die viel Erfahrung mit dieser seltenen Erkrankung haben. Solche Zentren bieten häufig auch klinische Studien an. Diese Studien ermöglichen Patientinnen Zugang zu neuen und modernen Therapien, die sonst noch nicht überall verfügbar sind.

Tipp: Fragen Sie aktiv nach, ob Ihre Klinik zertifiziert ist und welche Studien angeboten werden. So können Sie sicherstellen, dass Sie alle Möglichkeiten kennenlernen.

Was sind die wichtigsten Ziele der Therapie bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs?

Grundsätzlich ist das Ziel der Behandlung, die Erkrankung vollständig zu heilen. Für manche Patientinnen ist eine vollständige Heilung jedoch weniger wahrscheinlich, etwa wenn viele Organe betroffen sind oder wenn der allgemeine Gesundheitszustand stark eingeschränkt ist.

Auch dann gibt es jedoch wirksame Möglichkeiten, die Erkrankung über lange Zeit zu kontrollieren. Die Therapie kann helfen, Beschwerden wie Schmerzen, Luftnot oder Bauchflüssigkeit zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Viele Patientinnen leben trotz einer fortgeschrittenen Erkrankung noch viele Jahre und können ihren Alltag in guten Phasen weitgehend normal gestalten.

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    Prof. Dr. med. Dr. h.c.  Jalid Sehouli: Stand Mai 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Chemotherapie
    Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die das Wachstum von Krebszellen hemmen sollen.
    Erhaltungstherapie
    Eine Erhaltungstherapie wird nach der erfolgreichen Erstbehandlung einer Erkrankung eingesetzt, um den Behandlungserfolg langfristig zu sichern und einem Rückfall vorzubeugen. Sie kann über einen längeren Zeitraum erfolgen und besteht oft aus Medikamenten, die regelmäßig verabreicht werden.
    Lymphknoten
    Bestandteil des Immunsystems, reinigt und filtert die Lymphe aus den Lymphbahnen. Befinden sich an verschiedenen Regionen im Körper, zum Beispiel am Hals und in der Achselregion.
    Metastase
    Absiedlungen von Krebszellen eines bösartigen Tumors an anderen Körperregionen.
    Tumor
    („Geschwulst“)
    Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.