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Kurs Blutwerte bei Brustkrebs: Lektion 4 von 6

Behandlung von Blutbildveränderungen

Zur Behandlung von Blutbildveränderungen bei Brustkrebs stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Das individuelle Befinden der Patientin ist mit ausschlaggebend, ob und wann Gegenmaßnahmen getroffen werden. Darüber hinaus hat die Ursache der Veränderungen im Blut einen entscheidenden Einfluss.

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Was kann man machen, wenn die roten Blutkörperchen und das Hämoglobin absinken?

Wenn die roten Blutkörperchen und das Hämoglobin absinken, sollte zuallererst geklärt werden, was die Ursache hierfür ist. Insbesondere sollte ein Blutverlust ausgeschlossen werden. Dies kann unbemerkt zum Beispiel in den Magen-Darm-Trakt erfolgen. Zudem sollten Mangelzustände wie ein Eisenmangel, ein Folsäure-Mangel oder Vitamin-B12-Mangel detektiert werden. Sollte ein solcher vorliegen, können die entsprechenden Substrate gegeben werden. Sollte dies nicht der Fall sein, können Bluttransfusionen gegeben werden oder Wachstumsfaktoren, die sogenannten Erythropoetine, die die Produktion der roten Blutkörperchen im Knochenmark antreiben.

Was wird unternommen, wenn die Werte der weißen Blutkörperchen zu gering sind?

Wenn die weißen Blutkörperchen zu niedrig sind, können Stimulationsfaktoren unter die Haut injiziert werden, die die Produktion der weißen Blutkörperchen im Knochenmark anregen. Dadurch steigen die weißen Blutkörperchen in der Regel innerhalb von wenigen Tagen wieder an.

Was sind Wachstumsfaktoren?

Wachstumsfaktoren sind körpereigene Stoffe, die die Produktion von Blutkörperchen im Knochenmark anregen. Diese können medikamentös hergestellt werden. Und in der Regel werden diese Substanzen subkutan, also unter der Haut verabreicht, um die Produktion von roten Blutkörperchen oder weißen Blutkörperchen anzuregen.
Erythropoetine stimulieren die Produktion der roten Blutkörperchen und sogenanntes G-CSF die Produktion von weißen Blutkörperchen.

Wann werden Wachstumsfaktoren eingesetzt?

Wachstumsfaktoren, die die Produktion der weißen Blutkörperchen stimulieren, werden entweder prophylaktisch nach dem Einsatz einer Chemotherapie eingesetzt, um den Abfall bei weißen Blutkörperchen abzufangen, oder therapeutisch, sobald verminderte weiße Blutkörperchen gemessen werden.
Der Abfall der roten Blutkörperchen erfolgt in der Regel deutlich langsamer, da die Lebensdauer der roten Blutkörperchen deutlich länger ist als jene der weißen Blutkörperchen. Deshalb werden Wachstumsfaktoren für die roten Blutkörperchen, die sogenannten Erythropoetine, in der Regel erst im Laufe einer Therapie eingesetzt, sobald der Hämoglobinwert, der rote Blutfarbstoff, unter einen bestimmten kritischen Wert abgefallen ist.

Wann wird eine Bluttransfusion durchgeführt?

Eine Bluttransfusion wird dann durchgeführt, wenn der Hämoglobinwert, der rote Blutfarbstoff unter einen gewissen Schwellenwert sinkt. Hier gibt es keine Absolutwerte. Häufig wird allerdings ein Wert von acht Gramm pro Deziliter hergenommen, wo dann eine Bluttransfusion durchgeführt wird.
Der Vorteil einer Bluttransfusion gegenüber einer Erythropoetin-Gabe ist, dass es sofort zu einer Besserung des Blutbildes kommt und auch die Symptome einer Anämie sofort verschwinden.

Wie lange dauert es, bis sich ein verändertes Blutbild wieder erholt?

Veränderung des Blutbildes erholen sich in der Regel recht schnell, insbesondere die weißen Blutkörperchen. Diese können innerhalb von wenigen Tagen nachproduziert werden. Sollte dies nicht der Fall sein, können Wachstumsfaktoren verabreicht werden, um die Stimulation der weißen Blutkörperchen zu erhöhen und die Produktion anzutreiben.
Eine Blutarmut, eine Anämie erholt sich etwas langsamer. Hier können Bluttransfusionen allerdings zu einer raschen Symptomlinderung und zu einer raschen Verbesserung des Blutbildes führen.

Auf den Punkt gebracht

  • Ein Mangel an roten Blutkörperchen kann durch Wachstumsfaktoren (Erythropoetine) oder eine Bluttransfusion behandelt werden.
  • Ein Mangel an weißen Blutkörperchen kann mit G-CSF Wachstumsfaktoren behandelt werden.

Behandlung einer Blutarmut

Es gibt zwar einen Richtwert, ab welchem man von einer Anämie spricht, jedoch wird sie nur behandelt, wenn sie auch Symptome verursacht. Wann diese Symptome auftreten, ist von Patientin zu Patientin unterschiedlich.

1. Abklärung der Ursache

Zuallererst muss die Ursache für das Absinken der roten Blutzellen und des Blutfarbstoffs Hämoglobin geklärt werden:

  • Ist die Blutarmut durch die Krebserkrankung selber bedingt?
  • Ist die Blutarmut die Folge einer Krebsbehandlung, also therapieassoziiert?
  • Kann Blutverlust der Grund sein (z. B. nach Operation oder eine Blutung im Magen-Darm-Bereich)?
  • Liegt ein Mangel an Eisen, Folsäure oder Vitamin-B12 vor?

2. Entsprechende Behandlung

Liegt die Ursache für die Anämie in einem Blutverlust oder der schädigenden Wirkung einer Krebstherapie, stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

Eine Bluttransfusion

  • Eine Bluttransfusion führt zu einer raschen Erholung der Blutwerte.
  • Bluttransfusionen wird eine Schwächung des eigenen Immunsystems nachgesagt. Heutzutage ist diese aber gering, weil zumeist Erythrozyten-Konzentrate gegeben werden, die keine fremden Immunzellen enthalten.
  • Unverträglichkeitsreaktionen können vorkommen, sind aber insgesamt selten.
  • Da heute jede/r SpenderIn genau untersucht wird, ist die Gefahr der Übertragung von Krankheiten äußerst gering. So kommt es weniger als ein Mal unter einer Million Transfusionen zu einer Infektion mit Hepatitis B. Übertragungen von Hepatitis C oder HIV sind noch viel seltener.

Der Wachstumsfaktor Erythropoetin (EPO)

  • Erythropoetin ist ein körpereigenes Hormon, das die Entwicklung von roten Blutzellen (Erythrozyten) im Knochenmark fördert.
  • Als Wachstumsfaktor für die Therapie wird Erythropoetin künstlich hergestellt und als Spritze unter die Haut (subkutan) verabreicht.
  • Die Normalisierung der Blutwerte durch Erythropoetin geschieht langsamer als bei einer Bluttransfusion.
  • Die Gabe von Wachstumsfaktoren ist relativ sicher, kann aber in seltenen Fällen das Risiko von Thrombosen, also Blutgerinnseln, oder Bluthochdruck erhöhen.
  • Es wird diskutiert, dass Erythropoetin möglicherweise das Krebswachstum fördert. Dafür gibt es gegenwärtig allerdings keinen konkreten Nachweis.

Welche der beiden Maßnahmen bevorzugt wird, wird unterschiedlich gehandhabt. Besprechen Sie mit Ihren behandelnden ÄrztInnen Pro und Kontra der beiden Möglichkeiten.

Bei einem Mangel an Eisen, Folsäure oder Vitamin-B12, die für die Blutbildung wichtig sind, können entsprechende Präparate gegeben werden. Je nach Dringlichkeit kann dies mittels Tabletten oder als Infusion in die Vene erfolgen.

Behandlung einer Leukopenie

Die Verminderung der weißen Blutzellen ist in den allermeisten Fällen die Folge einer Krebstherapie.

Das Mittel der Wahl sind Wachstumsfaktoren, auch Stimulationsfaktoren genannt, die die Bildung von weißen Blutzellen im Knochenmark anregen.

Welche Stimulationsfaktoren gibt es?

  • G-CSF (Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor)
  • GM-CSF (Granulozyten-Monozyten-Kolonie-stimulierender Faktor)

Am häufigsten kommt G-CSF zum Einsatz.

Eine Gabe kann erfolgen

  • vorbeugend nach einer Chemotherapie
  • therapeutisch im Verlauf einer Chemotherapie, nachdem eine höhergradige Leukopenie oder ein neutropenes Fieber aufgetreten ist

Wie werden Stimulationsfaktoren verabreicht?

  • täglich über zumindest 3 bis 5 Tage
  • als Spritze unter die Haut (subkutan)

Ein Anstieg der weißen Blutzellen zeigt sich in der Regel innerhalb weniger Tage nach Gabe der Wachstumsfaktoren.

Behandlung einer Thrombopenie

Eine starke Verringerung der Blutplättchen kann mittels Infusion von Spender-Thrombozyten behandelt werden.

Dies ist im Rahmen einer Brustkrebs-Erkrankung allerdings so gut wie nie notwendig.

Wussten Sie schon

Möglicherweise ist Ihnen der Begriff Erythropoetin oder die Abkürzung EPO aus der Sportwelt ein Begriff. EPO kann nämlich auch als Dopingmittel im Ausdauersport eingesetzt werden. Denn während eine Blutarmut zur Leistungsminderung führen kann, kann umgekehrt durch die Erhöhung von Blutvolumen und Hämoglobin-Konzentration die Leistungsfähigkeit gesteigert werden.

Geprüft OA Dr. med. Simon Gampenrieder: Stand April 2019

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit metastasiertem Brustkrebs“

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