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Kurs Hämophilie und Sport: Lektion 1 von 6

Positive Auswirkungen von Bewegung

Sport hält den Körper gesund und ist auch gut für die Seele. Das gilt vor allem auch für Menschen mit Hämophilie. Sportliche Aktivität stärkt die Muskulatur und schützt dadurch die Gelenke vor übermäßiger Belastung. Außerdem schult die Bewegung die Koordination und beugt dadurch Unfällen vor. Ist Ihr Herz-Kreislauf-System gut trainiert, steigt überdies die Alltagsbelastbarkeit.

Kein Sport war gestern

Bis in die 1960er Jahre hinein wurden Hämophile grundsätzlich von der Möglichkeit ausgeschlossen, körperliche Bewegung als Maßnahme zur Prävention oder zur Rehabilitation zu nutzen. Sport galt noch vor gut 30 Jahren als nahezu verboten. Die Mediziner waren der Auffassung, dass sich Gelenkblutungen am ehesten durch Inaktivität vermeiden lassen.

Allerdings bewirkte diese Inaktivität, dass sich keine ausreichend kräftige, gut koordinierte Skelettmuskulatur ausbilden konnte. Die Folge war eine muskuläre Dysbalance, die in Kombination mit mangelnder Koordination zu Fehlbewegungen führte. Diese wiederum begünstigen das Auftreten von Gelenkblutungen. Durch das Bekanntwerden dieser Zusammenhänge und die Einführung einer wirksamen Substitutionstherapie kam es mittlerweile zu einem grundlegenden Umdenken.

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Warum raten Mediziner Hämophilen heute nicht mehr, wie früher, weitgehend von Sport ab?

Das hat sich grundlegend geändert insofern, als mittlerweile viele Patienten substituiert werden. Sie spritzen sich selbständig die Faktoren, haben somit auch eine sehr, sehr gute Gerinnungssituation, die auch sportliche Belastungen und Tätigkeiten ermöglicht, die aber im individuellen Fall abgeklärt werden müssen, weil es abhängig ist von der Gelenksituation des Patienten, es ist abhängig von dem Alter, von den Vorerfahrungen des Patienten, natürlich auch den Wünschen.

In diesem Spannungsfeld muss erörtert werden, welche sportlichen Belastungen möglich sind, welche wenig gesundheitliche Beeinträchtigungen darstellen und was aber dem Patienten dennoch Spaß macht, so dass er dann über die Bewegung hinaus auch eine gesellschaftliche Teilhabe, eine Möglichkeit hat, Sport zu betreiben.

Positive Auswirkungen sportlicher Betätigung

Dank moderner Therapieformen können Hämophile inzwischen fast das gesamte Spektrum an Bewegungs- und Sportangeboten nutzen. Lediglich auf verletzungsträchtige Mannschaftssportarten wie Fußball oder Handball und auf Kampfsportarten mit Körperkontakt sollen sie nach wie vor verzichten.

Sport erhält und fördert nicht nur die Beweglichkeit, er steigert auch das psychische Wohlbefinden. Wo Hämophile früher oft abseits standen, können sie sich heute über die sportliche Betätigung optimal in Gruppen und Vereine integrieren.

Darüber hinaus beugt die regelmäßige Aktivität Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und zahlreichen anderen Erkrankungen vor. Gerade Übergewicht kann für Menschen mit Hämophilie fatale Folgen haben, da jedes Kilogramm zu viel die Gelenke vermehrt belastet und das Risiko für Gelenkblutungen erhöht.

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Welche Vorteile bringt die sportliche Aktivität für Hämophilie-Patienten?

Zum Einen stellt Sport ein gesellschaftliches Phänomen dar, so dass es ein Teil ist des gesellschaftlichen, des sozialen Lebens. Man darf Sport nicht nur darauf reduzieren, dass es Bewegungen sind und Belastungen, die zur Gesundheit dienen, sondern auch hämophile Patienten sind Teil der Gesellschaft und möchten auch an diesem Teilbereich der Gesellschaft teilnehmen, insbesondere wenn es sehr junge Menschen sind, wenn es auch um die Frage geht „Kann ich am Schulsport teilnehmen“, oder „Welche Sportarten kann ich darüber hinaus betreiben?“, oder „Was möchte ich auch machen?“.

Der zweite wichtige Teil ist sicherlich die Bewegung an sich selber, dass auch körperliche Belastungen einen Schutzfaktor darstellen und insofern es sehr ratsam ist, mit dem Hämophilie-Patienten im individuellen Fall abzuklären, welche Belastungen, welche sportlichen Möglichkeiten sich ergeben und ihn dann eher ermutigen als ihn zu bremsen, dies auch zu tun.

Dürfen Kinder mit Hämophilie am Schulsport teilnehmen?

Schulsport soll für Kinder mit einer Hämophilie ermöglicht werden. Soweit es machbar ist und soweit es möglich ist, soll das Kind am Schulsport teilnehmen und nicht ausgeschlossen sein. Es wäre sicherlich aus sozialer Sicht und der Teilnahme mit allen Schulkameradin sehr, sehr schlecht, wenn das Kind dort nicht teilnehmen könnte.

Ganz wichtig ist, dass alle Beteiligten, insbesondere dann die Lehrer und der Sportlehrer insbesondere auch zumindest Grundlagenkenntnisse der Erkrankung hat. Das ist insofern wichtig, dass er dann auch die Angst verliert, dieses Kind bestimmten Belastungen im Schulsport auch auszusetzen, auf der anderen Seite aber auch die Risiken kennt.

Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit dem Sportwissenschaftler Ralf Kalinowski entwickelt: Stand Mai 2017

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.