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Kurs Hämophilie und Sport: Lektion 3 von 6

Welche Sportarten sind geeignet?

Jeder Hämophiliepatient bringt andere Voraussetzungen mit. Deshalb ist es schwierig, grundlegende Aussagen bezüglich der Eignung der unterschiedlichen Disziplinen zu treffen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, im Einzelfall zu klären, was hinsichtlich des Sports möglich ist und was nicht.

Die folgende Zusammenfassung kann nur einen groben Überblick bieten. Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen gern dabei helfen, eine passende Sportart zu finden. Auch eine Sportberatung in einem Hämophilieschwerpunktzentrum kann bei der Auswahl weiterhelfen und bietet besonders für junge Menschen eine gute Hilfestellung bei der Entdeckung neuer Sportarten.

Video Transkript

Nach welchen Kriterien sollte sich die Auswahl der Sportart richten?

Die Auswahl der Sportart, welche Sie vielleicht auswählen möchten oder der Sie gerne folgen möchten, richtet sich nach mehreren Kriterien:

  • Das eine Kriterium ist ihr körperlicher Zustand, in welchem Fitnesszustand Sie sich befinden, welcher Zustand ihre Gelenke derzeit aufweist, sind Vorschäden schon da, sind keine Vorschäden da, das ist ganz erheblich.
  • Das Alter spielt sicherlich auch eine Rolle, ob ich junger Hämophilie-Patient bin und keine Gelenkschäden habe, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass mir eine große Bandbreite an Sportarten zur Verfügung stehen, die ich durchführen kann, was bei einem etwas älteren Hämophilie-Patienten mit schon vorgeschädigten Gelenken sicherlich eine ganz andere Situation darstellt.
  • Das Dritte ist, wo, sagen wir es, das Herz für schlägt, also woran habe ich Spaß und Freude, so dass der Sport nicht nur dazu dient, gesundheitliche Aspekte zu bedienen, sondern auch Freude, Spaß an der Bewegung zu finden. Nur das hat letztendlich dann auch die Konsequenz, dass ich den Sport auch aus gesundheitlicher Sicht lange und dauerhaft durchführen kann.

Also es gibt das Spannungsfeld zwischen Freude, Motivation an der Bewegung, die Situation der Gelenke und meine sportliche Vorerfahrung und mein Alter. Und in diesem Spannungsfeld muss eine Beratung stattfinden, um letztendlich die Belastungsform und die Sportart zu finden, die mir am meisten Spaß macht, die mir am meisten nützt und die mir gesundheitlich am zuträglichsten ist.

Worin liegen für Hämophile die krankheitsbedingten Risiken beim Sport?

Die größten Risiken stellen beim Sport sicherlich die Kontaktsportarten da, wo Kontakt, körperlicher Kontakt in intensiver Form durchgeführt wird, wie es zum Beispiel beim Fußball sehr bekannt ist oder auch im Handball. Weniger hat man es beispielsweise beim Volleyball. Da sind aber eher die Sprungbelastungen, die eine hohe Belastung darstellen, und da ist es eigentlich der Kern der Belastung, die man im Sport in Bezug zur Hämophilie sehen muss, dass die Druckbelastungen, wenn es geht, so gering wie möglich gehalten werden sollten. Umso geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Gelenk Schaden nimmt.

Bedeutet: Je mehr Sprungbelastungen eine Sportart darstellt, je mehr Kontakte, intensive Körperkontakte, Zweikampfkontakte vorherrschen, umso belastender würde es für den Hämophilie-Patienten sein.

Sind diese Faktoren rausgenommen, beispielsweise beim Radsport, beim Schwimmsport oder auch Laufsport, wie es Teile der Leichtathletik darstellen, umso geringer ist es dann.

Aber das muss im Einzelfall geklärt werden, was möglich ist und die individuelle Situation des Patienten in Betracht gezogen werden.

Gut geeignete Sportarten im Überblick

Schwimmen

Schwimmen ist ein hervorragendes Training für die Muskeln und das Herz-Kreislaufsystem. Diese Sportart eignet sich für jede Altersstufe und kann Sie daher durch ganzes Leben begleiten.

Walking

Ob langsam und gemütlich oder eher dynamisch – Walking ist eine ausgezeichnete aerobe Aktivität, die Sie drinnen, beispielsweise in Einkaufszentren, oder auch im freien Gelände ausüben können. In Gruppen absolviert, bietet es eine gute soziale Komponente.

Radfahren

Angefangen vom Dreirad für die ganz Kleinen bis hin zum Rennrad für die Großen bietet das Radfahren viele Möglichkeiten, sich sportlich aktiv zu betätigen. Hierbei sollten Sie jedoch immer einen Fahrradhelm tragen.

Bogenschießen

Bogenschießen können Sie einzeln oder im Team, als reinen Freizeitsport oder auch wettkampfmäßig ausüben. Achten Sie darauf dass Ihr Bogen ordnungsgemäß montiert und gewartet ist und treffen Sie Sicherheitsvorkehrungen, um Verletzungen zu vermeiden. Für Anfänger empfehlen sich Armschützer, um sich vor der zurückschnellenden Sehne zu schützen.

Wandern

Wandern können Sie an fast jedem Ort und zu jeder beliebigen Zeit. Sie benötigen lediglich gute Wanderschuhe. Die Bewegung in anspruchsvollerem Gelände fördert den Muskelaufbau. In der Gruppe ausgeführt, kann Wandern eine gute soziale Erfahrung sein.

Rudern oder Kanufahren

Auch bei Wassersportarten wie Rudern oder Kanufahren ist das Verletzungsrisiko gering. Die Bewegung an der frischen Luft kräftigt neben der Rückenmuskulatur auch die Psyche.

Skilanglauf

Bei den Wintersportarten ist vor allem Skilanglauf auch für Personen im mittleren und gehobenen Alter gut geeignet. Es handelt sich dabei um einen oft unterschätzten Ausdauersport, der nicht nur das Herz-Kreislauf-System anregt, sondern auch fast alle Muskelgruppen des Körpers trainiert.

Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit dem Sportwissenschaftler Herr Ralf Kalinowski entwickelt: Stand Mai 2017

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