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Kurs Hämorrhoiden verstehen: Lektion 3 von 6

Konservative Behandlung von Hämorrhoiden

Unter der konservativen Behandlung versteht man alle therapeutischen Maßnahmen außer der Operation. Erfahren Sie hier, wie Hämorrhoiden nicht-operativ behandelt werden können.

Wann ist eine Therapie nötig?

Hämorrhoiden sind Menschen oft peinlich. Gefährlich sind sie jedoch nicht. Aus ihnen kann (wie man manchmal fälschlicherweise liest) kein Krebs entstehen.

Verständlicherweise gehen Menschen zur Untersuchung des Enddarms nur zum Arzt, wenn sie Symptome verspüren (es sei denn, sie wollen sich einer Vorsorgeuntersuchung auch bei Beschwerdefreiheit unterziehen). Asymptomatische Hämorrhoiden, also Hämorrhoiden ohne Beschwerden, bedürfen keiner Behandlung. Es ist jedoch möglich, dass sie im Laufe der Jahre doch Beschwerden verursachen. Dann erst ist eine Therapie zu empfehlen. Für diese ist es nie zu spät, man kann also nichts versäumen. Die weitere Untersuchung dient nur dem Ausschluss oder der Feststellung anderer Erkrankungen, insbesondere eines Tumors im Bereich des Kontinenzorgans.

Prognose und Verlauf einer Hämorrhoidalerkrankung

Hämorrhoiden bilden sich langsam und oft über viele Jahre hinweg aus. Zunächst kommt es nur zu leichten Schwellungen im Bereich des Hämorrhoidalgewebes. Wenn Sie bei Symptomen frühzeitig den Arzt aufsuchen, können Hämorrhoiden fast immer ohne Operation behandelt werden.

Nicht alle Hämorrhoiden werden zwangsläufig immer größer und verursachen später starke Probleme. Es kann jedoch vorkommen, dass das Bindegewebe immer schwächer wird und das Hämorrhoidalgewebe immer weiter anschwillt. Dennoch ist eine prophylaktische Behandlung nicht nötig.

Welche Therapien kommen zum Einsatz und wie wirken sie?

Mit welcher Therapie ein Hämorrhoidalleiden behandelt wird, hängt vor allem vom Erkrankungsstadium und den auftretenden Beschwerden ab. Unabhängig vom Schweregrad sollten bei symptomatischen Hämorrhoiden jedenfalls begleitende Maßnahmen eingesetzt werden. Dazu gehören etwa die Regulierung des Stuhlgangs durch eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Trinkmengen und das Vermeiden von langem Pressen beim Stuhlgang. Bei Bedarf können eventuell auch milde Abführhilfen wie Bananenmilch, spezielle Tees oder milde laxierende Suppositorien helfen. In dieser Hinsicht werden Sie in Ihrer Apotheke sicher sehr gut beraten. Alternativ können Sie auch eine Diätologin zu Rate ziehen.

Solange Hämorrhoiden nicht sehr weit fortgeschritten sind oder massive Probleme bereiten, werden sie nicht operiert, sondern möglichst schonend mit konservativen Therapiemethoden behandelt.

Dazu gehören folgende Behandlungsmöglichkeiten:

Lokale Schmerzlinderung

Jucken, Brennen und gelegentliche Schmerzen lassen sich oft gut mit Salben oder Zäpfchen lindern. Schmerzlindernde Präparate zur lokalen Anwendung können zum Beispiel Lokalanästhetika wie Benzocain oder Lidocain enthalten. Betroffene sollten jedoch beachten, dass diese Wirkstoffe nur für den akuten Fall gedacht sind und aufgrund der Allergiegefahr nicht längerfristig verwendet werden sollten.

Salben mit Kortison und verwandten Wirkstoffe verfügen außerdem über eine entzündungshemmende Wirkung. Sie können auf Dauer aber die Haut dünner und anfälliger für Pilzerkrankungen werden lassen, deshalb setzt man sie nur kurzfristig,  also immer nur für maximal 7 Tage,  ein.

Entzündungshemmende Wirkstoffe

Für eine längerfristige lokale Anwendung eignen sich viele Wirkstoffe, die die Haut beruhigen oder Entzündungen hemmen. Dazu gehören Zinksalben und bestimmte pflanzliche Präparate (zum Beispiel mit Hamamelis). Damit lassen sich Jucken, Brennen, wunde Haut und Entzündungen lindern.

Auch Flavonoide, die als Tabletten zur Verfügung stehen, verfügen über eine abschwellende, entzündungshemmende Wirksamkeit. In verschiedenen Studien konnte eine positive Wirkung bei analem Juckreiz, analen Schmerzen und Blutungen gezeigt werden. Es ist wichtig, diese Medikation – entsprechend der ärztlichen Verschreibung – mit einer höheren Dosierung zu beginnen und allmählich auf eine Erhaltungsdosis zurückzugehen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Bei schweren und akuten Symptomen können Wirkstoffe wie Schmerzmittel und Entzündungshemmer auch in Tablettenform eingesetzt werden.
  • Bei leichten Beschwerden können Sitzbäder mit Teebaumöl, Eichenrinde oder Kamille lindernd wirken.
  • Hilfsmittel wie Sitzkissen können bei akuten Schmerzen den Analbereich entlasten.
  • Konsultieren Sie ihren Arzt um weitere Behandlungsmöglichkeiten kennen zu lernen.

Die richtige Hautpflege bei Hämorrhoiden

Die richtige Pflege kann die Heilung unterstützen und gegen wunde Haut und Juckreiz helfen. Die folgenden Tipps können helfen, eine empfindliche Analregion sanft zu pflegen:

  • Am besten mit warmem Wasser und milden Babytüchern (Öltüchern) waschen.
  • Keine Seife oder Produkte mit Parfümstoffen oder ätherischen Ölen verwenden. Diese können die Haut zusätzlich reizen.
  • Bei wunder Haut nach dem Waschen eine Zinksalbe dünn auftragen.
  • Verwenden Sie ein weiches Toilettenpapier und säubern Sie sich eher mit Tupfen als mit starkem Reiben. Die im Handel erhältlichen „Feuchttücher“ können Irritationen der Haut durchaus verstärken und sollten daher gemieden werden.
  • Auch atmungsaktive Unterwäsche ohne Kunstfasern kann zu einer schnelleren Heilung wunder Haut beitragen.

Geprüft Univ.-Prof. Dr. Max Wunderlich FRCS: Stand Dezember 2017

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.