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Kurs Hämorrhoiden verstehen: Lektion 2 von 6

Symptome & Diagnose von Hämorrhoiden

Treten Hämorrhoiden-Symptome auf, ist die Abklärung beim Arzt sehr wichtig. Viele Menschen mit Hämorrhoiden warten jedoch oft zu lang, ehe sie zum Arzt gehen. Dabei könnte ihnen schon viel früher geholfen werden. Wenn Sie Symptome haben, gehen Sie daher schnell zum Arzt, lassen Sie die Ursachen abklären und lassen Sie sich von professioneller Seite helfen.

Erfahren Sie hier, woran Sie Hämorrhoiden erkennen und bei welchen Symptomen ein Arztbesuch nicht hinausgezögert werden sollte.

Video Transkript

Bei welchen Symptomen empfehlen Sie den Gang zum Arzt?

Das Leitsymptom der Hämorrhoiden ist natürlich die Blutung, der Blutabgang. Sie brauchen sich vor diesem an sich nicht zu fürchten. Der kann auch massiv sein. Aber man kann nicht verbluten. Es erwächst einem dadurch gesundheitlich kein Schaden, es sei denn, die Blutungen sind täglich und beträchtlich, dann kann eine Blutarmut, eine Anämie entstehen. Aber auch die bringt einen nicht um.

Das Symptom Blut am Stuhl sollte aber immer Anlass sein, ärztlichen Rat zu suchen. In jüngeren Jahren kommen sie in der Regel immer von Hämorrhoiden oder vielleicht von einer Analfissur. Das ist ein kleiner, schmerzhafter Einriss im Analkanal.

Wenn Sie aber jenseits des 40. Lebensjahres sind und Blut am Stuhl haben, dann ist das schon angezeigt, auch wenn man Hämorrhoiden bei der Untersuchung als Blutungsursache festgestellt hat, den Dickdarm mit weiterführenden Untersuchungen genauer zu untersuchen, wie zum Beispiel einer Koloskopie, also einer Darmspiegelung vom Mastdarm bis zum Blinddarm mit einem dünnen Schlauch.

Können Hämorrhoiden platzen?

Hämorrhoiden können nicht wirklich platzen. Aber die Schleimhaut in dieser Gefäßzone ist sehr zart und kann leicht empfindlich sein und kleine Öffnungen entwickeln, durch die Blut heraus sickert oder manchmal sogar stärker heraus rinnt. Aber ein Platzen gibt es nicht so wirklich.

Welche Krankheiten können ähnliche Symptome verursachen?

Wenn Sie also eines dieser Symptome oder mehrere von der Analregion her haben wie Blutabgang, Nässen, Druckgefühl, Schmerzen, so kommt das nur in 50 Prozent der Fälle von Hämorrhoiden. Die Selbstdiagnose sagt bei allen Leuten „Ja, das sind sicher Hämorrhoiden…“ Es kann aber auch einmal etwas anderes sein.

  • Sie können zum Beispiel eine Analfissur haben. Das ist die häufigste Differentialdiagnose. Unter Differentialdiagnose versteht man eine andere Erkrankung, die aber ähnliche und gleiche Symptome macht. Eine Analfissur ist ein leicht entzündeter Einriss der Analhaut. Weil die sensibel ist, ist es schmerzhaft. Und das macht natürlich auch Angst und ist mit Blutabgang verbunden. Die meisten Analfissuren, diese kleinen Einrisse, heilen von selbst. Manchmal benötigen Sie eine Therapie.
  • Die gefährlichste Differentialdiagnose ist natürlich der Tumor im Mastdarm und im Analbereich. Tumore sind erst ab dem 40., 50. Lebensjahr häufiger.
  • Die Polypen des Dickdarms sind die Vorstufe von Dickdarmkrebs, die im Laufe von mehreren Jahren in einen Krebs übergehen können. Diese gilt es rechtzeitig zu entdecken. Das heißt: Es ist ab dem 40. Lebensjahr sicher empfehlenswert, dass man zumindest eine Mastdarmspiegelung macht, um einen Polypen oder einen Krebs auszuschließen.
  • Es gibt dann noch entzündliche Veränderungen im Analbereich wie den Analabszess, der aber ganz andere Symptome hat, weil da ist im Vordergrund ein heftiger Schmerz, oft mit Fieber verbunden. Wenn so ein Abszess aber mal aufbricht und sich der Eiter entleert, oder wenn der Chirurg ihn einschneidet, dann kann es sein, dass sich daraus eine Fistel entwickelt. Eine Fistel ist ein Gang zwischen dem Enddarm und Analbereich der äußeren Haut. Und ihr wesentliches Symptom ist die Sekretion, das heißt das Nässen, ein Absondern von klarer bis eitriger Flüssigkeit, die sich dann natürlich im Slip, in der Unterwäsche wiederfindet.

In den letzten Jahren hat man sich sehr mit den Schwierigkeiten bei der Darmentleerung beschäftigt . Die haben vor allem Frauen, bei denen der Mastdarm ja nicht in so einem festen Gefüge aufgehängt ist wie beim Mann. Beim Mann ist vorn die Brust, und daran ist die Mastdarmwand relativ gut fixiert, so dass sie nicht leicht nach unten tritt. Bei der Frau liegt vor dem Mastdarm die Scheide, und diese bindegewebige Schicht zwischen Scheide und Mastdarm ist relativ dünn. Und nun kann es sein, dass ein Verstopfungssymptom, die sogenannte Enddarm-Obstipation, dadurch entsteht, dass die Mastdarmvorderwand in den Analkanal hineinragt. Das nennt man auch den vorderen Schleimhautvorfall. Die fällt nie ganz vor, aber sie tritt tiefer. Der Analkanal ist sensibel. Die Schleimhaut vom Mastdarm ist es nicht. Wenn nun diese Schleimhaut im Analkanal gespürt wird, dann meint man natürlich, das sei Stuhl, presst an, um ihn rauszukriegen, und es geht nicht. Es ist ja nur Schleimhaut. Da entsteht dann eine Trias von Symptomen, die besteht in einer erstens analen Blockierung, zweitens dem Gefühl der unvollständigen Entleerung des Darms und drittens völlig frustralen, also erfolglosen Pressversuchen. Darunter leiden nicht wenige Frauen und meinen, das seien Hämorrhoiden. Aber das ist keine Hämorrhoidalleiden, sondern das ist eine Enddarmobstipation.

Wie werden Hämorrhoiden diagnostiziert?

Die Hämorrhoiden werden vom Arzt diagnostiziert. Ich schicke jetzt gleich voraus, damit Sie nicht beunruhigt sind: Die Untersuchung ist prinzipiell schmerzlos. Natürlich ist sie unangenehm und genant in dieser Region der Intimsphäre, aber sie ist schmerzlos.

  • Es beginnt mit dem ärztlichen Gespräch, wo die Symptome erfragt werden, wie Blutagabgang, Sekretion, Druckgefühl. Wenn Sie also Ihrem Arzt sagen, dass hin und wieder Knoten vorkommen, die sich zurückziehen, zum Beispiel nach dem Stuhlgang oder beim Laufen, beim Joggen, dann weiß er schon, dass es sich um Hämorrhoiden dritten Grades handelt. Kaum etwas anderes macht dasselbe Symptom. Wiewohl man diesen Vorfall der Hämorrhoiden dann bei der klinischen Untersuchung nicht immer nachvollziehen kann. Das ist eben etwas, das sich aus der Anamnese, das heißt aus der Schilderung der Krankengeschichte durch den Patienten, ergibt.
  • Auf das ärztliche Gespräch folgt die klinische Untersuchung in einer durchaus nicht unangenehmen Position, in der sogenannten genannten Linksseitenlage auf einer Untersuchungsliege mit leicht angewinkelten Beinen.
    • Zunächst wird der Arzt hinschauen. Das nennt man die Inspektion. Dabei sieht er zum Beispiel permanent, also dauerhaft vorgefallene Hämorrhoiden. Kleinere Hämorrhoiden kann er nicht von außen sehen. Man kann sie auch nicht tasten.
    • Und beim Tasten sind wir schon bei der nächsten Untersuchung: Da wird mit dem Handschuh bewehrten Zeigefingern ganz behutsam und vorsichtig im Analkanal getastet.
    • Man kann Hämorrhoiden aber nicht tasten. Daher muss man versuchen, sie zu sehen. Und das gelingt am besten mit starren Röhrchen, die etwa das Kaliber von einem Finger haben, und die eigentlich auch nicht schmerzhaft sind. Das kürzere dieser Röhrchen, genannt das Proktoskop, wird vorne mit einer Gleitcreme bewehrt und dann vorsichtig und langsam eingeführt. Dann zieht man den sogenannten Opturator zurück und kann dann durch dieses Röhrchen mit Hilfe einer Lichtquelle in den Analkanal schauen und die Hämorrhoidalzone erkennen.
    • Will man etwas höher schauen, dann nimmt man ein längeres Röhrchen, das sogenannte Rektoskop — keine Angst, das wird nicht durch die ganze Länge eingeführt — der Opturator wird herausgezogen, Lichtquelle kommt dran, man schaut hinein und kann bis zu einer Höhe von 10, 15, manchmal 20 Zentimetern spiegeln und dabei auch andere Sachen erkennen wie zum Beispiel eine Darmentzündung oder einen Polypen oder sogar einen Darmkrebs.

Der Polyp ist die Vorstufe von Darmkrebs. Darmkrebs kommt am häufigsten zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr vor. Der Polyp entsteht schon früher. Aber es dauert oft viele Jahre, bis aus einem Polypen ein Karzinom, also ein Krebs wird. Und es ist sicher gut, wenn man das rechtzeitig entdeckt. Daher sollte das Symptom von Blut am Stuhl unbedingt zum Anlass genommen werden, sich so einer Untersuchung zu unterziehen. Und ich wiederhole: Es ist schmerzlos, wenn entsprechend behutsam durchgeführt.

Auf den Punkt gebracht

Symptome & Diagnose von Hämorrhoiden

  • Symptome wie Blutungen, Nässen, Druckgefühl oder Schmerzen in der Analregion sollten Sie ärztlich abklären lassen
  • Besonders um andere Erkrankungen wie Darmkrebs auszuschließen

Symptome von Hämorrhoiden

Diese typischen Symptome können Hinweise auf Hämorrhoiden sein:

Blut am Stuhl oder am Toilettenpapier

Hellrotes (arterielles) Blut ist oft das erste Anzeichen für Hämorrhoiden. Dunkelrotes Blut weist hingegen eher auf andere Darmerkrankungen hin. Entdecken Sie Blut am Stuhl, am Toilettenpapier oder als Tropfen in der Toilette, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen und die Ursache abklären lassen. Sehr selten kann die hellrote Blutung massiv sein. Das wirkt bedrohlich, ist aber im Grunde meist harmlos.

Fremdkörpergefühl

Bei Hämorrhoiden ist manchmal ein Fremdkörpergefühl spürbar, oft besonders während des Stuhlgangs. Dieses Druck- oder Fremdkörpergefühl kann ein Hinweis auf Hämorrhoiden sein.

Jucken, Brennen oder Nässen

Typisch ist bei größeren Hämorrhoiden ein starkes Jucken, manchmal auch ein Brennen, Nässen und eine Irritation der Haut im Analbereich.

Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Im weit fortgeschrittenen Stadium kann man Hämorrhoiden manchmal selbst als Vorwölbungen ertasten. Schließt das Hämorrhoidalgewebe aufgrund sehr großer Hämorrhoiden den Darmausgang nicht mehr dicht ab, kann es auch zu einer leichten Stuhlinkontinenz kommen.

Hämorrhoiden können sich bisweilen in akuten Attacken äußern, die immer wiederkehren. Akut vergrößerte Hämorrhoiden enthalten zahlreiche winzige Blutgerinnsel – das Gewebe ist geschwollen und dann oft äußerst schmerzhaft. Dies nennt man „akute Hämorrhoidalthrombose“.

Diagnose: So weist der Arzt Hämorrhoiden nach

Hämorrhoiden sollten nie auf Verdacht hin selbst behandelt werden. Wichtig ist, dass der Arzt andere Ursachen für die Beschwerden ausschließt, die auch anders behandelt werden müssen. Das kann eine Analfissur oder im schlimmsten (seltenen) Falle eine schwere Erkrankung wie Darmkrebs sein.

So läuft die Diagnose von Hämorrhoiden ab:

Anamnese

In einem ausführlichen Gespräch klärt der Arzt die Krankengeschichte und aktuelle Beschwerden ab.

Tastuntersuchung

Der Arzt tastet mit einem Finger den Enddarm ab, wobei auf den Untersuchungshandschuh ein Gel aufgebracht ist. Die Untersuchung ist zwar unangenehm, aber in der Regel schmerzfrei. Haben Sie Angst davor, dann sprechen Sie den Arzt darauf an. Er kann dann besonders schonend vorgehen oder den zu untersuchenden Bereich sogar mit einer Salbe leicht betäuben.

Weiterführende Untersuchungen

Selbst wenn das Austasten des Analkanals einen unauffälligen Befund ergibt, sollte immer eine Spiegelung des Enddarms (= Mastdarm = Rektum) folgen. Für die Proktoskopie (Analkanalspiegelung) und Rektoskopie (Enddarmspiegelung), die eine weiterführende Diagnose ermöglichen, verwendet man starre Endoskope, die wie der tastende Finger empfunden werden und daher ebenfalls keine Schmerzen verursachen sollten.

Einteilung der Hämorrhoiden nach dem Schweregrad

Hämorrhoiden lassen sich in vier verschiedene Schweregrade einteilen:

Hämorrhoiden Grad 1

Die Hämorrhoiden lassen sich mit dem Finger nicht ertasten, entsprechen in ihrer Größe oft dem normalen Hämorrhoidalring oder lassen sich als leichte Vorwölbungen mit einem Proktoskop bei einer Spiegelung des Analkanals erkennen. Hämorrhoiden ersten Grades machen kaum Beschwerden, können aber etwas hellrotes Blut absondern, das auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier sichtbar ist.

Hämorrhoiden Grad 2

Die Hämorrhoiden können sich beim Stuhlgang minimal nach außen wölben, ziehen sich aber binnen Kurzem von alleine zurück. In diesem Stadium können Juckreiz, Blutungen oder ein Brennen auftreten.

Hämorrhoiden Grad 3
Die Hämorrhoiden wölben sich beim Stuhlgang oder bei starker körperlicher Anstrengung nach außen und ziehen sich nicht mehr oder nur allmählich von selbst zurück. Sie können jedoch mit dem Finger zurückgeschoben (=reponiert) werden. Es können jetzt stärkere Beschwerden wie Druckgefühl, Nässen, Blutungen sowie Schleim- oder Kotspuren in der Unterwäsche auftreten.

Hämorrhoiden Grad 4

Hämorrhoiden vierten Grades treten dauerhaft nach außen und lassen sich nicht zurückdrücken. Die Symptome der permanent vorgefallenen (= prolabierten) Hämorrhoiden sind ähnlich jenen des 3. Grades, nur unter Umständen stärker und dauerhaft.

Geprüft Univ.-Prof. Dr. Max Wunderlich FRCS: Stand Dezember 2017

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