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Kurs Hämorrhoiden verstehen: Lektion 4 von 6

Operative Behandlung von Hämorrhoiden

Reicht eine Behandlung mit Medikamenten nicht aus, können Hämorrhoiden durch Abbinden, Veröden oder eine Operation entfernt werden. Erfahren Sie hier, wann diese Methoden eingesetzt werden und wie sie ablaufen.

Welchen Zweck hat die Operation?

Während eine konservative Therapie Hämorrhoiden schrumpfen lässt oder Beschwerden lindert, können Hämorrhoiden durch eine Operation verkleinert oder zu einem großen Teil entfernt werden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass operative Eingriffe naturgemäß das Risiko von Komplikationen beinhalten, auch wenn es nur selten tatsächlich zu solchen kommt.

Wann wird operiert?

Früher galten Operationen bei Hämorrhoiden oft als unvermeidlich. Heute weiß man, dass gerade in der Hämorrhoidalchirurgie große Zurückhaltung vorzuziehen ist, weil eine Operation wegen geringer Beschwerden gelegentlich auch chronische Symptome nach sich ziehen kann, die als quälender empfunden werden als jene vor dem Eingriff. Die Indikation, also die Feststellung der Notwendigkeit einer Operation, besteht nur bei einem deutlichen Leidensdruck, also wenn jemand – trotz konservativer Therapie – immer wieder über viele Wochen oder Monate kontinuierlich starke Beschwerden hat.

Veröden, Abbinden oder Operation?

Bei sehr großen Hämorrhoiden lässt sich eine Operation manchmal nicht vermeiden. In vielen Fällen können jedoch zwei schonendere Alternativen eingesetzt werden: Die Verödung und das Abbinden.

Verödung (Sklerosierungstherapie )

Bei der Verödung (auch Sklerosierungstherapie genannt) injiziert der Arzt eine Substanz oberhalb des Hämorrhoidalgewebes in die Schleimhaut des Mastdarms. Durch die Drosselung der Blutzufuhr werden die Hämorrhoiden kleiner und bluten nicht mehr. Manche Ärzte verwenden zur Verödung auch eine Sonde mit Infrarot, die ganz ähnlich wirkt.

Abbinden mittels Gummibandligatur

Bei dieser Intervention werden die Hämorrhoidalgefäße mit Gummibändern abgebunden. Dies hat einen gründlicheren Effekt als die Sklerosierung und ist daher für Hämorrhoiden zweiten Grades geeignet.

Sklerosierung und Gummibandligatur sind ambulante Eingriffe, in der Regel schmerzlos, und werden in der sogenannten Linksseitenlage des Patienten durch ein Proktoskop durchgeführt.

Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur

Noch nachhaltiger erscheint das relativ junge Verfahren der HAL (= Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur). Bei diesem werden die Gefäße mittels einer in ein etwas dickeres Proktoskop integrierten Ultraschallsonde geortet und gezielt mit chirurgischen Fäden und Nahttechnik abgebunden (= ligiert).

Diese Methode wird meist in Narkose angewendet, obwohl sie prinzipiell schmerzlos ist und auch nur höchst selten postinterventionelle Schmerzen auftreten.

Operation

Während die eben geschilderten Verfahren nur für kleinere Hämorrhoiden (1.-2. Grad) geeignet sind, bedürfen die größeren (3. und 4. Grad) – wohlgemerkt: nur wenn sie mit Leidensdruck einhergehen! – einer Operation. Diese erfordert stets eine Narkose. Die Hämorrhoidalchirurgie hat zwei Ziele:

  • Die Unterbindung der Blutzufuhr,
  • Die Entfernung oder Reduktion der größten Knoten.

Ist eine Operation notwendig, so stehen verschiedene Operationsverfahren zur Auswahl:

Resezierende Verfahren

Bei den traditionellen (= konventionellen) Operationen (Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan, Parks u.a.) werden die größten Knoten reseziert (d.h. weggeschnitten) und dabei die zuführenden Arterien abgebunden. Es werden Schleimhautbrücken belassen, damit sich das Gewebe von dort im Analkanal regeneriert. Die äußeren Wunden bleiben meist offen, können aber auch im Sinne einer gleichzeitigen Wiederherstellung der Anatomie vollständig zugenäht oder mit Hautlappen bedeckt werden. Diese gründliche Methode hat verhältnismäßig wenige Komplikationen, ist aber in manchen Fällen mit nicht unwesentlichen Schmerzen während der ersten Tage nach dem Eingriff verbunden.

Ligaturbasierte Verfahren

Bei diesen wird die oben beschriebene HAL mit einer Raffung der Hämorrhoidalknoten (RAR = Rekto-Anale-Raffung) kombiniert – durch Nähte, aber ohne Resektion des Gewebes.

Klammernahtanopexie (PPH, Operation nach Longo)

Das Hämorrhoidalgewebe wird „geliftet“ und die Blutzufuhr reduziert, indem man mit einem zylindrischen Apparat (= Stapler) eine kreisförmige Klammernreihe (ähnlich Heftklammern) oberhalb der Hämorrhoidalzone setzt, ohne bei diesem Vorgang die anatomische Region des Eingriffs einzusehen.

Obwohl diese Methode anfänglich als vollkommen schmerzlos und risikofrei propagiert worden ist, ist sie keineswegs frei von Komplikationen.

„Taylored hemorrhoidectomy“

Darunter versteht man das in Wien entwickelte Konzept einer „maßgeschneiderten“ Kombination von Resektion und ligaturbasierten Verfahren: Ausschließlich der größte Knoten wird entfernt, alle anderen werden mit HAL und RAR abgebunden bzw. gerafft. Dies hat den Vorteil geringer Schmerzen und einer maximalen Schonung der Schließmuskulatur.

Mögliche Komplikationen nach Hämorrhoiden-Operationen

Hämorrhoiden-Operationen sind mit gewissen Risiken verbunden. Obwohl bei operativen Eingriffen immer schonendere Verfahren zum Einsatz kommen, lassen sich manche Komplikationen nicht in allen Fällen verhindern.

Typische Nachwirkungen nach einer Hämorrhoiden-OP sind:

Schmerzen

Schmerzen treten nach den traditionellen Hämorrhoiden-Operationen vor allem beim Stuhlgang auf, sowie nach der PPH fallweise chronisch und dauerhaft. Ihr Arzt wird Ihnen jedoch bei Bedarf Schmerzmittel zur Verfügung stellen. Die Schmerzen klingen in der Regel nach wenigen Tagen ab.

Ligaturbasierte Verfahren und die „taylored hemorrhoidectomy“ sind von keinen oder nur kurzfristigen Schmerzen gefolgt.

Vermehrter Stuhldrang (englisch: „Urgency“)

In der ersten Zeit nach der Operation kann es sein, dass Sie plötzlicher und öfter zur Toilette müssen als früher. Dieses Symptom der „Urgency“ wird jedoch kaum beobachtet – mit Ausnahme nach einer PPH, nach der es häufig vorkommt und fallweise auch jahrelang fortbestehen kann.

Stuhlinkontinenz

Bei einer Stuhlinkontinenz kann ungewollt Stuhl abgehen, entweder spontan oder auch zusammen mit Blähungen. Diese Komplikation kommt jedoch sehr selten vor und betrifft hauptsächlich Patienten, bei denen eine PPH durchgeführt worden ist.

Harnverhalten

Männliche Patienten können in zumindest 10% der Fälle in den Stunden nach der Operation die Blase nicht entleeren. Dies beruht auf einem Reflex in der Region des Beckenbodens und schwindet fast immer am ersten Tag nach der Operation.

Entzündliche Komplikationen

In sehr seltenen Fällen können sich nach einer konventionellen Hämorrhoidenoperation, wie auch nach einer PPH, Abszesse, Fisteln und Fissuren in der Analregion entwickeln. Diese bedürfen meist eines mehr oder minder kleinen Eingriffs zur Sanierung.

Jeder der genannten Interventionen oder Operationen muss eine ausführliche ärztliche Aufklärung über die möglichen Komplikationen vorausgehen, auf welche Sie als Patient auf jeden Fall bestehen sollten.

Tipps nach der Operation

  • Bei stärkeren Blutungen, Schmerzen, Fieber oder ungewohntem Harnverhalten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sollten Sie so rasch wie möglich Ihren Arzt aufsuchen.
  • Ballaststoffreiches Essen und viel Flüssigkeit können helfen, dass der Stuhl weicher wird und weniger Schmerzen beim Stuhlgang auftreten.
  • Die Schmerzen werden am besten gelindert durch orale Analgetika und durch die lokale Anwendung von schmerzstillenden Salben.
  • Milde Abführmittel sind hilfreich, wenn der Stuhl zu hart ist oder wenn er einige Tage lang nicht entleert werden konnte. Die Einnahme einer zu großen Menge zur Vorbeugung ist jedoch zu vermeiden, da ein zu flüssiger Stuhl die Haut in der Region unangenehm reizen kann.

Geprüft Univ.-Prof. Dr. Max Wunderlich FRCS: Stand Dezember 2017

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.