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Kurs Hormonrezeptoren und Brustkrebs: Lektion 4 von 6

CDK4/6-Inhibitoren bei Brustkrebs

Große Hoffnungen setzen Brustkrebspatientinnen und ÄrztInnen zu Recht in eine noch sehr junge Therapieform, die erst vor wenigen Jahren entwickelt und zugelassen wurde. Was sich hinter dem Begriff „CDK4/6-Inhibitoren“ verbirgt, ist eine neue Gruppe von Medikamenten, die vor allem auch für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs deutliche Erfolge bringt.

Video Transkript

CDK4/6: Was ist das?

„CDK“ steht für „Cyclin-Dependent Kinase“ oder Cyclin-abhängige Kinase.

Insbesondere CDK4 und CDK6 sind für die Proliferation, also das schnelle Wachstum oder die Vermehrung von Zellen enorm wichtig. Auch gesunde Zellen haben diese Wachstumssignale in sich. Bei kranken Zellen oder Tumorzellen kommt es durch eine Entgleisung dieser Signalübermittlung zu einem schnellen und unkontrollierten Wachstum von Tumorzellen.

Kommt CDK4/6 bei jedem Menschen vor?

CDK4/6 kommt bei jedem Menschen vor. Jede normale Zelle ist abhängig von CDK4/6. Allerdings ist bei Brustkrebserkrankungen dieser Signalweg verändert. Und dieser Signalweg trägt dazu bei, dass Brustkrebszellen schneller und aggressiver wachsen können.

Wie hängen CDK4/6 und das Hormon Östrogen zusammen?

Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Hormon Östrogen und dem Signalweg CDK4/6. Allerdings ist dieser Signalweg bei hormonabhängigen Tumoren häufig verändert. Und deshalb wird die Anti-Hormontherapie auch mit einer CDK4/6-spezifischen Behandlungen kombiniert.

Was ist ein „Inhibitor“?

Ein „Inhibitor“ ist ein Medikament oder ein Antikörper, wodurch ich einen bestimmten anderen Stoff in seiner Aktivität hemmen kann.

Wie funktioniert der CDK4/6-Inhibitor?

Wie bereits erwähnt, ist CDK4/6 für das Wachstum einer Zelle von enormer Wichtigkeit.

Der CDK4/6-Inhibitor ist ein chemischer Stoff, welcher spezifisch diesen Wachstumsweg, den die Tumorzelle zu ihrem Wachstum benötigt, hemmt.

Welche Patientinnen profitieren von einer Therapie mit CDK4/6-Inhibitoren?

Nach derzeitigem Erkenntnisstand profitieren alle Patientinnen mit hormonabhängigen Brustkrebserkrankungen von diesem CDK4/6-Inhibitor.

Wie werden CDK4/6-Inhibitoren in der Therapie eingesetzt?

Derzeit befinden sich zwei CDK4/6- Inhibitoren bereits in der klinischen Praxis. Ein dritter wird in Kürze folgen. Diese Substanzen sind in Tablettenform vorhanden. Sie werden in unterschiedlicher Art und Weise eingenommen. Ihre Funktion allerdings ist in allen Fällen gleich: Sie hemmen die wachstumsabhängige Kinase 4/6.

Was sind die Vor- und Nachteile von CDK4/6-Inhibitoren?

In meinen Augen gibt es eigentlich nur Vorteile von CDK4/6-Inhibitoren:

  • Es sind Medikamente, welche im Vergleich mit anderen antitumoralen Substanzen sehr gut verträglich sind.
  • Sie verbessern die Lebensqualität von Patientinnen, die diese Medikamente einnehmen.
  • Und sie verlängern das Überleben von Patientinnen in dieser Situation.

Auf den Punkt gebracht

CDK4/6-Inhibitoren

  • CDK4/6-Inhibitoren stellen einen wesentlichen Fortschritt in der Behandlung von hormonabhängigem fortgeschrittenem Brustkrebs dar.
  • Die CDK4/6-Inhibition wird gemeinsam mit einer antihormonellen Therapie durchgeführt.

CDK: Cyclin-abhängige Kinasen

Liegt ein hormonabhängiger Tumor vor, kommt ein weiterer Mechanismus innerhalb der Tumorzellen zum Tragen, der vor kurzem erforscht wurde. Im Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin stoßen Sie möglicherweise auf den Begriff: CDK.

Dabei handelt es sich um Enzyme innerhalb der Zelle, die vom Vorhandensein eines bestimmten Eiweißes abhängig sind und nur gemeinsam mit ihm aktiv werden: Cyclin. Man nennt diese Enzyme deshalb cyclin-abhängige Kinasen oder englisch cyclin-dependent Kinase, abgekürzt CDK. Das Wachstum mancher Tumorarten, vor allem hormon-abhängiger Tumore, ist stark von den CDKs 4 und 6 abhängig.

Was sind Cyclin-abhängige Kinasen?

Cyclin-abhängige Kinasen spielen eine Rolle in der genetischen Aktivität der Zelle und im Zellzyklus. Bekannt sind 20 verschiedene cyclin-abhängige Kinasen. Von besonderer medizinischer Bedeutung bei Brustkrebs sind die Enzyme CDK 4 und 6.

Cycline sind kurzlebige Eiweiße, die nur in bestimmten Phasen des Zellzyklus vorkommen, aber darin eine Schlüsselrolle spielen. Eines von ihnen, das Cyclin D1, hängt offenbar mit der Aktivität der Östrogen-Rezeptoren zusammen. Vermutlich sorgt das Geschlechtshormon Östrogen dafür, dass die Zelle Cyclin D1 bildet, oder es regt die cyclin-abhängigen Kinasen zur Ankopplung an Cyclin D1 an.

Binden Cyclin D1 und die zu ihm passenden Enzyme CDK4 und 6 aneinander, erhält die Zelle den Impuls, von einer Phase des Zellzyklus in die nächste überzutreten.

Was bewirken CDKs an der Tumorzelle?

Cyclin-abhängige Kinasen sind die Auslöser für das Wachstum und die Teilung von Tumorzellen.

Das Wachstum mancher Tumorarten, vor allem hormon-abhängiger Tumore, ist stark von den CDKs 4 und 6 abhängig. Bei Patientinnen mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs lässt sich eine erhöhte Aktivität der Cyclin-abhängigen Kinasen 4 und 6 nachweisen.

Wirkmechanismus der CDK4/6-Inhibitoren

Inhibieren heißt auf Deutsch „hemmen“. CDK4/6-Inhibitoren hemmen die cyclin-abhängigen Kinasen und verhindern, dass sie eine weitere Zellteilung einleiten können. Das Tumorwachstum wird gebremst.

CDK4/6-Inhibitoren werden oral als Tabletten verabreicht. Um die hemmende Wirkung noch zu steigern, werden CDK4/6-Inhibitoren in Kombination mit Antihormonen gegeben, welche zusätzlich die Östrogen-Rezeptoren blockieren.

Viele Patientinnen haben zuvor bereits eine Anti-Hormontherapie erhalten und der Tumor hat möglicherweise Resistenzen dagegen entwickelt; die Tumorzellen sind auf eine alleinige Anti-Hormontherapie unempfindlich geworden.

Durch die Kombination aus Antihormonen mit CDK4/6-Inhibitoren können Tumorresistenzen überwunden und ein längeres Überleben ohne Fortschreiten der Erkrankung erreicht werden. Außerdem zeigt sich unter der Kombinationstherapie eine Besserung der Krankheitssymptome und der Lebensqualität.

Vor allem Patientinnen mit hormonabhängigem, HER2-negativem Brustkrebs im lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium profitieren von dieser neuen Therapie.

Wussten Sie schon

Die Entwicklungen auf dem Gebiet der Brustkrebstherapie gehen sehr rasch vor sich. Das erste Medikament mit CDK4/6-hemmender Wirkung wurde erst im Jahr 2016 zugelassen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt über die neuesten Möglichkeiten.

PP-AL-AT-0042 | Geprüft Priv.-Doz. Dr. Michael Hubalek: Stand 12.12.2018

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