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Kurs Medikamentöse Schmerztherapie bei Krebs: Lektion 4 von 7

Anwendungsarten von Schmerzmitteln

Wie Schmerzmedikamente verabreicht werden, hängt von Ihren persönlichen Bedürfnissen als PatientIn, von der Art des Medikaments sowie der Art der Schmerzen ab. Akute Schmerzen erfordern eine andere Behandlungsweise als chronische.

Video Transkript

Wie können Schmerzmittel verabreicht werden?

  • Die meisten Schmerzmedikamente werden zunächst über den Mund verabreicht, der sogenannte orale Applikationsweg. Hier kennen wir die bekannten Tabletten, Kapseln, Tropfen, in weiterer Folge dann eventuell auch Schlecker.
  • Eine andere Applikationsform wäre das Schmerzpflaster, das nach einigen Tagen regelmäßig gewechselt werden muss, Ihnen aber dennoch einen sehr flexiblen Lebensstil ermöglicht. Lediglich starke Sonnenbäder oder der Besuch von Sauna sollten dringend vermieden werden.
  • Seltene Applikationsformen wären die Verabreichung des Schmerzmedikamentes entweder unter die Haut (subkutan), oder direkt in das venöse System.

Wovon hängt es ab welche Anwendungsart gewählt wird?

Wie das Medikament bei Ihnen verabreicht wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt. Jede Verabreichungsform hat Vor- und Nachteile, begegnet aber auch Ihren persönlichen Bedürfnissen.

So ermöglicht Ihnen zum Beispiel das Pflaster, auf die orale Einnahme von dieser Schmerzmedikamentengruppe auf drei bis vier Tage zu verzichten und gibt Ihnen damit mehr Freiraum.

Wann werden Schmerzmittel als Infusion in die Vene gegeben?

Sollte Ihr Arzt mit Ihnen den Weg über die Vene wählen, so kann dies in zwei unterschiedlichen Varianten funktionieren:

  • Erstens ist eine intravenöse Gabe von Schmerzmedikamenten sehr schnell wirksam, eignet sich daher gut für den akuten Schmerz.
  • Sollten Sie Medikamente für den Magen nicht mehr vertragen, können Ihnen Medikamente teilweise auch über die Vene zugeführt werden.
  • Sollten Sie eventuell sogar ein liegendes Portsystem haben, kann dieses in Ausnahmefällen auch dafür verwendet werden.

Ist bei chronischen Schmerzen das Legen eines Port-Katheters sinnvoll?

Für die Schmerztherapie ausschließlich rate ich nicht zu einem Portsystem. Wir haben viele andere Verabreichungsmöglichkeiten, die den Port nicht zwingend notwendig machen.

Worauf sollte ich achten wenn ich Schmerzmittel zum Schlucken erhalte?

Schmerzmedikamente zum Schlucken ist zunächst der erste Weg der Einnahme. Wichtig ist es, dass Sie sich wirklich an Ihre Verordnung halten, sprich: Ihre Medikamente regelmäßig und in der verordneten Dosis einnehmen.

Wenn Sie ein Medikament vergessen haben einzunehmen, kontaktieren Sie einfach Ihren Arzt, ob Sie das Medikament erneut einnehmen sollen oder auf das nächste Medikamentengabe warten sollen.

Kann ich die Tabletten zerkleinern wenn ich Probleme beim Schlucken habe?

Viele meiner Patienten entwickeln mit Fortschritt der Krankheit Probleme, Medikamente zu schlucken. Hier muss man jedoch vorsichtig sein, ob sich Ihr Medikament zum Zerkleinern eignet.

Besonders Retardpräparate sind so gebaut, dass sie zunächst den Magen unverdaut passieren und erst dann im Dünndarm aufgespalten werden und dort den Wirkstoff für eine längere Wirkung abgeben. Diese Medikamente dürfen daher auf keinen Fall zerkleinert werden.

Was sollte ich bei anderen Anwendungsarten beachten?

Wie schon erwähnt, hat jede Applikation, jede Verabreichungsform, ihre Vor- und Nachteile. Ihr Schmerztherapeut wird Sie über jeden Vor- und Nachteil aufklären. Entscheidend ist zum Beispiel, zu wissen, dass man mit Schmerzpflastern starke Sonneneinstrahlung wie Sonnenbaden oder Wärmeeinstrahlung wie Sauna vermeiden soll.

Wie häufig sollte ich meine Schmerztherapeutin/meinen Schmerztherapeuten aufsuchen?

Der erste Besuch bei einem Schmerztherapeuten wird sicherlich eine Stunde benötigen. Wir müssen einander kennenlernen, wir müssen realistische Ziele definieren und mit einer Medikation, die für Sie geeignet ist, die für Ihren Schmerz geeignet ist, beginnen. In den folgenden Kontrolluntersuchungen wird Ihre Medikation auf Ihre Bedürfnisse und Nebenwirkungen abgestimmt. Die Anzahl der Besuche im halben Jahr, im Jahr ist abhängig davon, wie sich Ihr Schmerz weiterentwickelt.

Bitte achten Sie darauf, bei längeren Urlaubszeiten immer genügend Medikamente zu Hause zu haben, damit Sie ausreichend Medikamente auch in der Abwesenheit Ihres Arztes vorrätig haben.

 

Auf den Punkt gebracht

Anwendungsarten von Schmerzmitteln

  • Schmerzmedikamente können oral (als Tabletten, Kapseln, Tropfen etc.), als Schmerzpflaster, oder als Spritze (subkutan oder intravenös) verabreicht werden.
  • Erste Wahl bei der Einnahme sind meist Medikamente zum Schlucken (orale Einnahme).
  • Nicht alle Tabletten und Kapseln dürfen vor der Einnahme zerkleinert werden.
  • Bei Schmerzpflastern sollten Sie starke Sonnen- und Wärmeeinstrahlung meiden.

Die verschiedenen Anwendungsarten

Schmerzmittel können lokal (an der Stelle des Schmerzes) oder systemisch (ganzkörperlich) gegeben werden.

Systemische Anwendung

Es gibt unterschiedliche Verabreichungsarten. Gemeinsam haben sie, dass sich der Wirkstoff über das Blut verteilt und im ganzen Körper wirksam wird.

Oral (durch den Mund)

Dabei handelt es sich um die bevorzugte Verabreichungsart.

Es stehen verschiedene Formen zur Verfügung:

  • Tabletten oder Kapseln wirken recht rasch und lassen sich exakt dosieren. Einsatz: Als Basistherapie.
  • Retardpräparate sind mit einer speziellen Umhüllung ausgestattet, weshalb sie verzögert, langanhaltend und gleichmäßig wirken. Einsatz: Zur Bekämpfung chronischer Schmerzen
  • Tropfen und Granulate wirken rascher als Tabletten und lassen sich leichter einnehmen. Einsatz: Bei Schluckbeschwerden.
  • Lutschtabletten oder Lutscher geben den Wirkstoff über die Schleimhaut sehr rasch in den Körper ab, wirken aber nicht sehr lange. Einsatz: Als zusätzliche Therapie bei plötzlich auftretenden Schmerzspitzen (Durchbruchschmerzen).

Bitte beachten Sie:

  • Nehmen Sie Tabletten mit ausreichend Wasser ein. Genug Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffreiche Ernährung und körperliche Bewegung verbessern ihre Lebensqualität.
  • Informieren Sie sich bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt wenn Sie nach der Einnahme von Tabletten erbrechen. Je nach Medikament kann die Wirkung bereits entfaltet sein oder eine erneute Einnahme nötig sein.
  • Retardpräparate besitzen eine spezielle Ummantelung, so dass sie ihre Wirkung langsam und langanhaltend entfalten. Sie dürfen nicht zerkleinert oder zerkaut werden, sonst verlieren sie ihre verzögerte Wirkung.

Schmerzpflaster

Schmerzpflaster entfalten ihre Wirkung langsam, gleichmäßig und langanhaltend.

Einsatz: Schmerzpflaster sind für die Behandlung „stabiler“, chronischer Schmerzzustände geeignet, vor allem wenn eine Einnahme durch den Mund nicht möglich ist (z. B. bei Erbrechen, Schluckbeschwerden oder Verdauungsstörungen). Sie bieten einen höheren Patientenkomfort, weil sie nur alle drei bzw. vier Tage gewechselt werden müssen.

Tipp: Bei der Anwendung von Schmerzpflastern sollten Sie zu starke Wärmezufuhr z. B. durch Sonnenbäder, Saunabesuche, heiße Vollbäder oder Heizdecken vermeiden. 

Subkutan (als Spritze unter die Haut)

Bei einer subkutanen Verabreichung tritt die schmerzstillende Wirkung verzögert ein.

Einsatz: Bei chronischen Schmerzen, wenn eine Einnahme über Mund oder Schmerzpflaster nicht möglich ist.

Nasensprays (opioidhaltig)

Nasensprays (opioidhaltig) werden sehr rasch über die Schleimhaut aufgenommen, wirken aber nur kurz. Einsatz: Als zusätzliche Therapie zur raschen, kurzfristigen Bekämpfung akuter Schmerzspitzen (Durchbruchschmerzen).

Zäpfchen

Zäpfchen sind für die Dauertherapie nicht geeignet, weil es weder Opioide noch Retardpräparate in Zäpfchenform gibt. Einsatz: Wenn eine Einnahme anders nicht möglich ist, z. B. bei Übelkeit oder Erbrechen.

Intravenös (als Infusion in die Vene)

Intravenös (als Infusion in die Vene, abgekürzt i.v.): Der Wirkungseintritt erfolgt schnell und stark, doch muss die Medikamentengabe von ÄrztInnen vorgenommen und überwacht werden. Einsatz: Meist stationär im Krankenhaus, zur kurzfristigen Bekämpfung starker Schmerzen oder wenn anders keine ausreichende Schmerzlinderung erzielt werden kann.

Port

Ein Port besteht aus einem kleinen Reservoir unter der Haut, von dem ein dünner Schlauch in eine größere Vene führt. So muss nicht jedes Mal eine Vene angestochen werden. Über eine Schmerzpumpe können die PatientInnen per Knopfdruck selber die Medikamentenverabreichung dosieren. Das nennt man „patientenkontrollierte Schmerztherapie“.

Einsatz: Wenn während einer Behandlung oftmalige Infusionen für Krebs- oder Schmerztherapien notwendig sind.

Rückenmarksnahe Verabreichung

Bei einer Rückenmarksnahen Verabreichung wird das Medikament mittels Injektion oder über einen dünnen Schlauch eingebracht, in den Rückenmarkskanal (spinal) oder um den Rückenmarkskanal herum (epidural bzw. peridural).

Die Wirkung tritt rasch und stark ein und die Behandlung wird auch von vielen SchmerzmedizinerInnen in ihren Ordinationen angeboten. Auch für diese Anwendung gibt es Schmerzpumpen für die Eigendosierung durch die PatientInnen.

Einsatz: Bei neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen), wenn alle anderen Verfahren nicht wirksam genug sind.

Lokale Anwendung

Die Verabreichung von Schmerzmitteln als Spritze an eine konkrete Körperstelle oder an einen Nerv wirkt rasch, jedoch nur lokal und kurzfristig. Sie kommt bei Schmerzen, die lokal oder auf einen bestimmten Nerveneinzugsbereich begrenzt sind oder bei kleineren operativen Eingriffen zur Anwendung (Lokalanästhesie).

Unterschiede in der Behandlung akuter, chronischer oder Durchbruchsschmerzen

Es werden drei unterschiedliche Arten von Schmerzen unterschieden. Da sie sich verschieden äußern ist auch eine darauf zugeschnittene Behandlung notwendig.

Akute Schmerzen

Gegen akute Schmerzen werden Medikamente eingesetzt, deren Wirkung rasch eintritt.

  • Oral (über den Mund) als Tabletten, Kapseln, Tropfen oder Lutscher oder, wenn das nicht ausreicht, intravenös.
  • Sind die Schmerzen auf einen bestimmten Körperbereich begrenzt, kann die Verabreichung eines Lokalanästhetikums per Spritze erfolgen.

Chronische Schmerzen

Bei chronischen Schmerzen werden Medikamente so eingesetzt, dass Schmerz gar nicht erst auftritt.

  • Ziel ist es, Schmerzen vorbeugend, langfristig und gleichmäßig auszuschalten.
  • Bevorzugte Verabreichungsformen sind lang wirksame Retardpräparaten, Schmerzpflaster (oder seltener subkutane Spritzen).
  • Bei chronischen Schmerzen nehmen Sie die Medikamente ein, noch bevor Schmerzen wieder auftreten.

Tipp: Bei chronischen Schmerzen sollten Sie die Medikamente streng nach Verordnung und früh genug einnehmen.

Durchbruchschmerzen

Durchbruchschmerzen können bei weitgehender Schmerzfreiheit plötzlich auftreten.

  • Es werden zusätzlich zur Dauer-Schmerztherapie rasch wirksame Schmerzmittel gegeben.
  • Da Wirkstoffe über die Schleimhäute schneller aufgenommen werden, eignen sich stark wirksame Opioide als Nasenspray oder Lutschtabletten.

selpers FallbeispielLeichter Tabletten schlucken

Das Schlucken von Tabletten oder Kapseln macht vielen Menschen Probleme.
Hier zwei Tricks, wie das Schlucken besser funktioniert.

Tabletten-Flaschentrick:

  1. Füllen Sie eine elastische Kunststoffflasche mit Wasser.
  2. Legen Sie Ihre Tablette auf die Zunge und nehmen Sie die Flasche so in den Mund, dass Ihre Lippen die Flaschenöffnung umschließen.
  3. Trinken Sie mit schnellen Saugbewegungen einige Schlucke. Achten Sie darauf, dass keine Luft dazukommt, sondern sich die Flasche wenn Sie trinken zusammendrückt.

Kapsel-Nick-Trick

  1. Legen Sie die Tablette auf die Zunge.
  2. Nehmen Sie einen großen Schluck Wasser.
  3. Neigen Sie Ihren Kopf nach vorne, so dass Ihr Kinn sich nahe bei ihrem Brustkorb ist.
  4. Schlucken Sie das Wasser und die Tablette hinunter.

Sollte die Tabletten- oder Kapseleinnahme dennoch nicht gelingen, können Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt nach Alternativen wie z. B. Tropfen oder Schmerzpflaster fragen.

selpers FallbeispielTropfen richtig dosieren

Tippen Sie vor Gebrauch den Flaschenboden des Fläschchens mit einem Finger an oder stellen Sie das aufrechte Fläschchen mit einem kräftigen Ruck auf die Tischfläche, um das Belüftungsröhrchen zu entleeren.

Es gibt zwei Arten von Tropfvorrichtungen:

Tropfen richtig dosieren - Zentraltropfer

Beim Zentraltropfer befindet sich ein feines Röhrchen in der Mitte. Solche Tropfer müssen senkrecht gehalten werden, damit die richtige Tropfengröße abgegeben wird.

Tropfen richtig dosieren - Randtropfer

Die selteneren Randtropfer müssen hingegen schräg gehalten werden.

Geprüft Priv.-Doz. Dr. Christopher Gonano: Stand November 2019

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