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Kurs Medikamentöse Schmerztherapie bei Krebs: Lektion 3 von 7

Wirkstoffe zur Schmerzbekämpfung

In der Schmerztherapie gibt es viele unterschiedliche Wirkstoffe und Therapiemöglichkeiten. Das Behandlungsschema wird so gestaltet, dass es genau Ihre Bedürfnisse abdeckt. Sie können als PatientIn davon ausgehen, dass sich auch für Sie die passende Schmerztherapie findet.

Video Transkript

Was für Mittel stehen bei Schmerzen im Rahmen einer Krebserkrankung zur Verfügung?

Für die Behandlung von Schmerzen im Rahmen von Krebserkrankungen stehen uns unterschiedliche Medikamentengruppen zur Verfügung. Neben nicht-steroidalen Antirheumatika kennen wir noch Opioide, aber auch die ganz, ganz wichtige Gruppe der Co-Analgetika. Dies sind Medikamentengruppen, die ursprünglich nicht für die Behandlung von Schmerzen erfunden wurden, aber bei der Behandlung von Krebsschmerzen wertvolle Hilfe leisten.

Beispiele dafür wären

  • Antikonvulsiva, das wären Medikamente, die ursprünglich gegen die Behandlung von Krampfanfällen erfunden wurden,
  • Antidepressiva ist eine weitere Gruppe, die den Schmerz moduliert, die Schmerzwahrnehmung verändern kann.
  • Andere Medikamente der Gruppe der Co-Analgetika wären Biphosphonate.
  • Wir verwenden teilweise Lokalanästhetika,
  • Botulinumtoxin
  • und natürlich auch die durchaus wertvolle Strahlentherapie im Rahmen der Schmerztherapie.

Wie entscheidet meine Ärztin/mein Arzt welches Schmerzmedikament ich erhalte?

Welche Medikamentengruppe bei Ihnen oder welche Kombination aus unterschiedlichen Medikamenten bei Ihnen zum Einsatz kommen wird, entscheidet Ihr Arzt aufgrund Ihrer Symptome, in weiterer Folge dann aber auch anhand aufgetretener Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Ihren bisherigen Medikamenten.

Gibt es für bestimmte Schmerzen immer auch einen bestimmten Wirkstoff?

Schmerzen werden unterschiedlich wahrgenommen und müssen auch unterschiedlich behandelt werden.

  • Wir kennen einerseits den nozizeptiven Schmerz, das ist der Schmerz, der uns als Art Warnsignal vor drohender Schädigung warnen soll.
  • Und der andere Schmerz ist ein neuropathischer Schmerz. Hier kommt es zu schmerzhaften Attacken entweder im zentralen Nervensystem, das wäre zum Beispiel das Gehirn oder Rückenmark, oder aber in peripheren, entlegenen Nervenstrukturen. Das kann ein Nervengeflecht sein oder ein peripherer Nerv.

Je nachdem, was betroffen ist, benötigen wir unterschiedliche Medikamentengruppen.

Was sind Schmerzmittel mit der Bezeichnung NSAR?

Die Bezeichnung NSAR bedeutet nicht-steroidale Antirheumatika ist eigentlich eine sehr alte Beschreibung einer Wirkstoffgruppe. Sie wird immer noch verwendet, findet aber heute in der klinischen Literatur nur noch untergeordnete Verwendung.

Helfen Cannabisprodukte gegen Krebsschmerzen und kann ich sie legal erhalten?

Sogenannte Cannabinoide werden mitunter additiv zur bestehenden Schmerztherapie von Ihrem Schmerztherapeuten verschrieben und können nach chefärztlicher Freigabe normal über die Apotheke bezogen werden.

Kann ich zwischen verschiedenen Schmerzmedikamenten wechseln?

Generell gilt, dass Schmerzmedikamente nach Verordnung eingenommen werden sollen. Es ist tunlichst zu vermeiden, Medikamente in Eigenregie gegeneinander auszutauschen oder Dosierungen oder aber auch Intervalle zu verändern.

 

Auf den Punkt gebracht

Wirkstoffe zur Schmerzbekämpfung

  • Wichtig ist mit der Schmerztherapie frühzeitig zu beginnen.
  • Es stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung (Nichtsteroidale Antirheumatika, Opioide, Koanalgetika), die auch zum Teil kombiniert werden können.
  • Es gibt viele Möglichkeiten der Schmerztherapie, daher ist es wichtig, dass Sie dranbleiben, bis die für Sie passende Therapie gefunden wurde.

Der Stellenwert von Medikamenten in der Schmerztherapie

Schmerzmedikamente (Analgetika) sind die wichtigste Säule in der Schmerztherapie. Es gibt sie in unterschiedlichster Form: Tabletten, Tropfen und Lutscher, Schmerzpflaster, Nasensprays und Zäpfchen; Spritzen und Infusionen.

Neben Medikamenten können weitere Maßnahmen zum Einsatz kommen:

  • Invasive (z.B. durch Injektionen in die Nähe des Rückenmarks)
  • operative oder strahlentherapeutische (z. B. bei schmerzhaften Knochenmetastasen),
  • physiotherapeutische (wie z. B. Massagen oder Lymphdrainage) und
  • psychosoziale Verfahren (z. B. psychologische Schmerzberatung, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung).

Die verschiedenen Wirkstoffe

Man unterscheidet nicht-opioide Schmerzmittel, Opioide und ergänzende Schmerzmedikamente, sogenannte Ko-Analgetika.

Was sind …

... Nicht-opioide Schmerzmittel

Darunter werden alle Schmerzmittel zusammengefasst, die nicht zu den Opioiden gehören.

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

  • Der Name dieser Wirkstoffgruppe kommt daher, dass sie oft bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt werden, aber nicht zu den Steroiden gehören.
  • NSAR wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend.
  • Wirkungsort: In erster Linie dort, wo der Schmerz entsteht. NSAR hemmen die Bildung von Gewebshormonen, die an der Schmerzentstehung beteiligt sind.
  • Beispiele für NSAR: Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure.

Paracetamol und Metamizol

  • Sie wirken schmerzlindernd und fiebersenkend, aber nicht entzündungshemmend.
  • Metamizol wirkt außerdem krampflösend, z. B. bei Bauchschmerzen.
  • Wirkungsort: Am Ort der Schmerzentstehung, aber auch im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark).

Tipp: Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) sollten aufgrund ihrer Nebenwirkungen bei einer Dauertherapie in der niedrigsten wirksamen Dosierung und so kurzzeitig wie möglich eingenommen werden.

... Opioide

Opioide sind Schmerzmittel, die sich von Morphium ableiten, welches aus „Opium“ gewonnen wird. Heute gibt es auch zahlreiche künstlich hergestellte Opioide.

Wirkung: Opioide wirken stark schmerzhemmend, aber auch beruhigend und angstlösend.

Wirkungsort: Rückenmark und Gehirn. Opioide binden an spezielle Opioid-Rezeptoren. Sie dämpfen das Schmerzempfinden, indem sie die Freisetzung von Schmerzbotenstoffen und die Schmerzweiterleitung in Nerven hemmen.

Schwach wirksame Opioide

  • können mit normalem Rezept verschrieben werden.
  • Beispiele für schwach wirksame Opioide: Codein, Naloxon, Tramadol

Stark wirksame Opioide

  • fallen unter das Betäubungsmittelgesetz; für ihre Verschreibung gelten besondere Auflagen.
  • Beispiele für stark wirksame Opioide: Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Fentanyl.

Tipp: Reichen schwach wirksame Opioide zur Schmerzlinderung nicht aus, ist es nicht sinnvoll, die Dosis zu erhöhen. Eine Dosiserhöhung steigert nur die Nebenwirkungen. Besser ist der Umstieg auf ein stärker wirksames Opioid.

... Ko-Analgetika

Darunter versteht man Wirkstoffe, die ursprünglich nicht zur Behandlung von Schmerzen entwickelt wurden, aber dennoch positive Effekte auf Schmerzen haben. Sie beeinflussen die Schmerzwahrnehmung und helfen, die empfundenen Schmerzen als weniger stark wahrzunehmen.

Diagramm SchmerzreduktionHier sehen wir, dass die Schmerzen durch die Behandlung mit Ko-Analgetika vom Schmerzlevel A auf B reduziert werden konnte.

Welche Medikamente können z.B. als Ko-Analgetika eingesetzt werden?

Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva) und Krampfanfälle (Antikonvulsiva)

  • Sie beeinflussen die Schmerzwahrnehmung, indem sie an Nervenschaltstellen die Übermittlung von Schmerzimpulsen dämpfen.
  • Sie können bei bestimmten Arten von Nervenschmerzen eingesetzt werden.
  • Antidepressiva wirken außerdem stimmungsaufhellend, angstlösend und schlaffördernd, was sich positiv auf das Schmerzempfinden und auf den Allgemeinzustand auswirkt.
  • Beispiele für Antidepressiva: Amitriptylin, Venlafaxin, Duloxetin
  • Beispiele für Antikonvulsiva: Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin

Bisphosphonate helfen gegen Schmerzen bei Knochenmetastasen.

Kortikosteroide (dem körpereignen Cortisol nachgebaut) wirken entzündungshemmend und abschwellend. Sie können bei schmerzhaften entzündlichen Schwellungen zum Einsatz kommen.

Krampflösende und muskelentspannende Medikamente helfen bei Muskelschmerzen oder kolikartigen Schmerzen im Magen-Darm-Bereich, Harn- oder Gallenwegen.

Cannabinoide

  • Cannabinoide können als Zusatztherapie bei chronischen Schmerzen hilfreich sein, indem sie die Schmerzverarbeitung positiv beeinflussen, gegen Übelkeit und Schlafmangel helfen und außerdem appetitanregende Wirkung haben.
  • Von Cannabis abgeleitete medizinische Angebote gibt es in Kapsel- oder Tropfenform.
  • Beispiele: Dronabinol, Nabilon

Wirkungsorte von Medikamenten

Wirkungsorte von Medikamenten

Das WHO-Stufenschema der Schmerzbehandlung

Die Auswahl der verabreichten Wirkstoffe orientiert sich an der Stärke der Schmerzen.

Das empfohlene Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation stellt eine Orientierungshilfe dar, die individuell an die Bedürfnisse der Patientin/des Patienten angepasst wird.

  • Icon Eins

    Stufe 1: Schwache Schmerzen

    Nicht-Opioide und Ko-Analgetika

    Beispiele: Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol, Metamizol

  • Icon Zwei

    Stufe 2: Mittelstarke Schmerzen

    Schwache bis mittelstarke Opioide auch in Kombination mit Stufe 1-Wirkstoffen und Ko-Analgetika

    Beispiele: Tramadol, Codein

  • Icon Drei

    Stufe 3: Starke Schmerzen

    Starke Opioide auch in Kombination mit Stufe 1-Wirkstoffen und Ko-Analgetika

    Beispiele: Morphin, Hydromorphon, Oxycodon

Wussten Sie schon

Mit der richtigen Feinabstimmung der eingesetzten Schmerzmedikamente lässt sich für 90 Prozent der PatientInnen eine weitgehende Schmerzfreiheit oder zumindest eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erzielen.

Geprüft Priv.-Doz. Dr. Christopher Gonano: Stand November 2019

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