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Kurs Raucherentwöhnung bei Angina pectoris: Lektion 3 von 7

Hilfsmittel machen die Entwöhnung leichter

Sie haben sich selbst und Ihr Verhalten analysiert, jetzt gilt es Hilfe von außen mit an Bord zu holen. Informieren Sie sich über externe Möglichkeiten zur Unterstützung, bevor es endgültig ans Eingemachte geht. Es gibt Ersatzpräparate und Medikamente, die gegen die Entzugserscheinungen helfen können. FreundInnen und Familie, aber auch externe ExpertInnen, wie ÄrztInnen, können das letzte noch fehlende Puzzlestück zu einem gelungenen Rauchstopp darstellen.

Video Transkript

Wie wirken Nikotin-Ersatzpräparate und Medikamente zur Behandlung der Tabakabhängigkeit?

Sie müssen Rauchstopp nicht unbedingt ganz allein und ohne Unterstützung schaffen. Es gibt heute sogenannte Nikotinersatztherapie und auch andere Medikamente, die einem dabei helfen können, vom Rauch wegzukommen.

  • Nikotin-Ersatzprodukte bedeuten, dass der Körper für eine begrenzte Zeit weiterhin Nikotin erhält, zum Beispiel in der Form von einem Pflaster, in der Form eines Kaugummis oder eines Inhalators. Der Körper hat dann also keine Entzugssymptomatik gegenüber Nikotin, und das räumt vielen Rauchern die Möglichkeit ein, sich mehr mit der notwendigen Verhaltensänderung zu beschäftigen. Sie haben also sprichwörtlich den Rücken frei, um Ihr Verhalten zu ändern, sich zu überlegen: „Was mache ich mit meinen Händen, mit meinen Fingern? Was tue ich in bestimmten Situationen, in denen ich früher geraucht habe?“ Und das alles ohne den Druck, diesen körperlichen Druck des Entzugs.
  • Daneben gibt es Medikamente, die das Verlangen nach Zigaretten dämpfen, die im Gehirn an Rezeptoren binden, ähnlich wie Nikotin, und damit den Wunsch nach der Zigarette reduzieren und die gerauchte Zigarette dann auch gar nicht gut schmecken lassen.

Gibt es sonstige Behandlungen, die erwiesenermaßen helfen können?

Wenn Sie sich fragen, ob es vielleicht andere Möglichkeiten als Nikotinersatztherapie gibt, dann werden Sie sehr rasch auf Antworten wie Akupunktur oder Hypnose stoßen. Dazu ist festzuhalten, dass es medizinisch derzeit keinen Beweis dafür gibt, dass Akupunktur oder Hypnose tatsächlich besser helfen als Placebo. Aber das bedeutet nicht, dass diese Methoden nicht im Einzelnen, also vielleicht auch Ihnen sehr gut helfen können. Wenn Sie also Zugang dazu haben und die Wahrscheinlichkeit, es damit zu schaffen, für Sie höher ist, dann lassen Sie es nicht unversucht.

Muss ich als PatientIn mit Angina-pectoris-Beschwerden bei der Anwendung von Nikotinersatzpräparaten etwas besonders beachten?

Nun, Tatsache ist, dass Nikotinersatzprodukte für einen begrenzten Zeitraum sinnvoll sind, keinesfalls für lange Zeit. Nikotin führt eben zu Herz-Kreislauf-Problemen und ist bei Patienten, die bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, daher besonders mit Vorsicht anzuwenden. Allerdings ist die vorübergehende Anwendung von Nikotin Ersatzprodukte mit dem Ziel, langfristig nikotinfrei und rauchfrei zu werden, jedenfalls besser, als weiter zu rauchen. Daher kann jedem empfohlen werden, auch wenn eine Herz-Kreislauf-Erkrankung schon vorhanden ist, lieber Nikotinersatzprodukte für kurze Zeit in Anspruch zu nehmen, als langfristig Raucher zu bleiben.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Unterstützung bei der Raucherentwöhnung suche?

Vielleicht ist Ihnen das auch schon durch den Kopf gegangen, wer denn ein Ansprechpartner für Sie sein könnte, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören möchten. Hier gibt es vielfältige Angebote:

  • Erstens einmal Ihr eigener Hausarzt. Viele Hausärzte sind geschult in der sogenannten Kurzintervention, das heißt in der Beratung über die Vorteile eines Rauchstopp, aber auch über die Vorteile von Unterstützungsmöglichkeiten, Ihnen Hilfestellung zu geben.
  • Daneben können Sie das Rauchfrei-Telefon in Anspruch nehmen. Sie erreichen das Rauchfrei-Telefon praktisch rund um die Uhr und erhalten dort kostenlos Beratung, Unterstützung und auch eine Begleitung durch diese erste kritische Phase des Rauchstopps.
  • Sie können auch gerne bei Ihrer Versicherung nachfragen. Viele Versicherungen haben eigene Angebote der ambulanten und auch der stationären Raucherentwöhnung. Nutzen Sie diese Angebote aus. Es dient Ihrer Gesundheit.

Wie können mich Familie und Freunde beim Rauchstopp unterstützen?

Prinzipiell kann ich Ihnen nur empfehlen, Ihre Familie und Ihre Freunde in das geplante Vorhaben Rauchstopp einzuweihen. Das hat mehrere Vorteile:

  • Erstens werden Sie mehr Unterstützung erfahren,
  • und zweitens werden Ihre Familien und Ihre Freunde auch Verständnis haben, wenn sich Ihre Stimmung, Ihre Laune vielleicht ein wenig verändert, wenn Sie in anderen Situationen gereizter reagieren als üblich.

Binden Sie sie also ein, bitten Sie sie um Unterstützung.

Und: Wenn noch jemand anderer im Haushalt raucht, loten Sie aus, ob Sie nicht gemeinsam aufhören könnten. Denn es ist wesentlich einfacher, dieses Unterfangen gemeinsam zu bestreiten als alleine. Und natürlich würde auch die eine oder andere Versuchung wegfallen, wenn im eigenen Haushalt auch sonst niemand raucht.

Gibt es ambulante Raucherentwöhnungsprogramme? Wo finde ich gute Adressen?

Es gibt für Sie auch sehr gute Adressen der ambulanten Raucherentwöhnung. Hier empfehle ich Ihnen in erster Linie, bei Ihrer Versicherung nachzufragen. Beispielsweise hat die Gebietskrankenkasse Angebote der ambulanten und der stationären Raucherentwöhnung. Und viele dieser Angebote sind sogar kostenlos.

Gibt es auch die Möglichkeit eine stationäre Raucherentwöhnung durchzuführen?

Wenn Sie der Ansicht sind, dass ein ambulantes Rauchentwöhnungs-Programm für Sie vielleicht nicht ausreicht und vielleicht auch ein Ortswechsel hilfreich sein könnte, um den Rauchstopp zu vollziehen, dann wäre das Angebot einer stationären Raucherentwöhnung für Sie sehr interessant. Die Versicherungen haben dazu in Österreich an mehreren Standorten Angebote, eines zum Beispiel in Bad Schallerbach.

Übernimmt die Krankenkasse Kosten für die Raucherentwöhnung?

In Österreich werden die Kosten für Nikotinersatztherapie nicht von der Krankenkasse übernommen. In manchen anderen Ländern, z.B. Großbritannien, ist dies der Fall. Allerdings haben Sie die Möglichkeit, bei Nachweis einer bestimmten Erkrankung, zum Beispiel einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einer Lungenerkrankung, einen Rehabilitations-Aufenthalt mit dem Schwerpunkt Raucherentwöhnung durchzuführen. Und dafür werden die Kosten von Ihrer Versicherung übernommen.

 

Auf den Punkt gebracht

Hilfsmittel machen die Entwöhnung leichter

  • Nikotin-Ersatzpräparate sollten Sie nur vorübergehend und mit dem Ziel, langfristig nikotin- und rauchfrei zu werden, anwenden.
  • Ein rauchfreier Haushalt kann den Rauchstopp erleichtern.
  • Überlegen Sie, ob Sie den Rauchstopp alleine meistern wollen oder ob es Ihnen in einer Gruppe oder mit einem Raucherentwöhnungsprogramm leichter fällt.

Verschiedene Angebote lindern die Abhängigkeit

Medikamentöse Hilfsmittel

Die verfügbaren medikamentösen Hilfsmittel wirken auf verschiedene Weise. Neben Präparaten die das Nikotin vorübergehend ersetzen, können auch verschreibungspflichtige Medikamente bei der Entwöhnung unterstützen.

Wie wirken Nikotinpräparate?

Das Nikotin der Zigaretten kann durch Nikotinpflaster, Sprays, Kaugummis oder einen Inhalator ersetzt werden. Die sinkende Dosierung schwächt die Entzugserscheinungen ab und hilft auch besonders starken RaucherInnen bei der Entwöhnung.

Wie wirkt Vareniclin?

Diese Medikamente in Tablettenform, die an die Nikotinrezeptoren im Gehirn andocken, reduzieren die Entzugserscheinungen. Zusätzlich wird dadurch das über das Rauchen aufgenommene Nikotin wirkungslos und es verliert seinen belohnenden Effekt.

Wie wirkt Bupropion?

Die Bindung von Nikotin an seine Rezeptoren führt zur Ausschüttung von häufig als Glückshormone bezeichneten Stoffen, wie Dopamin oder Noradrenalin. Um das plötzliche Fehlen dieser Hormone auszugleichen, erhöht dieses Arzneimittel in Tablettenform deren Spiegel im Körper. Das jahrelang antrainierte, übermäßige Verlangen nach Dopamin kann dann kontrolliert und schrittweise reduziert werden.

Nichtmedikamentöse Hilfsmittel

Indem Sie das eigene Verhalten gezielt verändern, kann Ihnen ein Rauchstopp auch ohne medikamentöse Hilfe gelingen. Viele Menschen vertrauen dabei auf Methoden wie Akupunktur. Deren Wirksamkeit ist zwar wissenschaftlich nicht erwiesen, dennoch werden die Kosten in manchen Fällen von der Krankenkasse übernommen. Fragen Sie dazu am besten bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder direkt bei Ihrer Krankenversicherung nach.

Können E-Zigaretten beim Rauchstopp helfen?

E-Zigaretten erfuhren in den letzten Jahren eine enorme Verbreitung und werden vielfach auch als Mittel zur Rauchentwöhnung genützt. Sie erzeugen keinen Rauch, sondern Dampf, der nach derzeitigem Kenntnisstand weniger ungesund ist als der herkömmliche Zigarettenrauch.

Doch auch E-Zigaretten enthalten oft Stoffe, die nachweislich gesundheitsschädlich oder krebserregend sind. Da in E-Zigaretten meistens auch Nikotin enthalten ist, machen sie weiterhin abhängig. Es gelingt damit zwar oft, von herkömmlichen Zigaretten wegzukommen, nicht aber von den E-Zigaretten.

Medizinische und ärztlich begleitete Nikotinersatzprodukte versuchen hingegen die Abhängigkeit insgesamt zu reduzieren.

Hilfe von außen

Für eine gelungene Rauchentwöhnung, mit oder ohne medikamentöse Hilfe, ist Unterstützung von anderen Personen oder ExpertInnen wertvoll.

Binden Sie Ihre Familie, PartnerIn oder FreundInnen in Ihre Ersatzaktivitäten mit ein. So gelingt es oft leichter, den Kopf frei von den Gedanken ans Rauchen zu bekommen. Sprechen Sie mit Ihren Mitmenschen über Ihre Erfahrungen und bitten Sie sie darum, Ihnen in heiklen Situationen als Gesprächspartner zu helfen. Vielleicht können Ihnen andere frischgebackene NichtraucherInnen in Ihrem Bekanntenkreis Tipps aus ihrer Abgewöhnungsphase geben.

Tipp Icon TelefonKostenlose Telefonberatung

Sie können auch ganz einfach die Hilfe von ausgewiesenen ExpertInnen in Anspruch nehmen, indem Sie eine telefonische Beratungsstelle kontaktieren:

Österreich

Rauchfrei Telefon 0800 810 013 (kostenlos)
www.rauchfrei.at

Deutschland

BZgA-Telefonberatung zur Rauchentwöhnung 0800 8 31 31 31 (kostenlos)
www.rauchfrei-info.de

Schweiz

Rauchstopplinie 0848 000 181 (kostenloser Rückruf)
www.rauchstopplinie.ch

Wussten Sie schon

Wussten Sie schon, dass die Anzahl an Nikotinrezeptoren von RaucherInnen ständig steigt, um eine immer höhere Belohnung durch das von ihnen ausgeschüttete Dopamin zu ermöglichen? Das macht das anfängliche Aufhören so schwer. Mit der Zeit sinkt aber die Menge an Rezeptoren wieder. Der Belohnungseffekt stellt sich dann auch bei einem herkömmlichen, nikotinunabhängigen Level an Dopamin wieder ein.

Geprüft Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht: Stand Jänner 2020 | AT-RAN-39-08-2019

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit Angina pectoris“

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Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

Bildnachweis: siam.pukkato | Bigstock

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