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Kurs Rheumatoide Arthritis verstehen: Lektion 4 von 7

Diagnose der rheumatoiden Arthritis

Aufgrund der unspezifischen Symptome ist es schwierig, die chronische Polyarthritis (= rheumatoide Arthritis) frühzeitig zu erkennen. Eine körperliche Untersuchung in Kombination mit einer Blutuntersuchung und bildgebenden Verfahren wie Röntgenaufnahmen ermöglichen erfahrenen Fachärzten jedoch eine sichere Diagnose im Frühstadium der Erkrankungen. Machen Sie sich in dieser Lektion mit den wichtigsten Untersuchungsmethoden vertraut.

Video Transkript

Bei welchen Symptomen ist es ratsam eine/n RheumatologIn aufzusuchen?

Wenn Sie Beschwerden haben, die von Gelenken ausgehen, und das können entweder kleine Fingergelenke oder Zehengelenke sein, das können aber auch große Gelenke wie das Hüftgelenk, das Kniegelenk, der Schulter, Ellbogen oder Handgelenk sein, und diese Beschwerden über einen längeren Zeitraum, das heißt zwei bis vier Wochen, vorhanden sind, dann sollte man an das Vorliegen einer rheumatischen Erkrankungen denken und primär beim Hausarzt eine Abklärung anstreben und gegebenenfalls, wenn es sich um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung handeln könnte, auch bei einer Rheumatologin oder einem Rheumatologen eine weitere Abklärung machen.

Das gilt nicht nur für die Gelenke. Das gilt auch für Muskelschmerzen. Also auch morgenbetonte Schmerzen der Muskulatur, großflächig, die auch verbunden sein können mit einer begleitenden Steifigkeit, sind möglicherweise Ausdruck eines entzündlich-rheumatischen Geschehens und gehören unbedingt weiter abgeklärt.

Welche Fragen wird mir mein/e RheumatologIn im Anamnesegespräch stellen?

Wenn Sie wegen Ihrer Beschwerden einen Rheumatologen oder eine Rheumatologen aufsuchen, dann wird einmal die erste Frage sein, an welchen Regionen des Körpers Sie Schmerzen haben, also welche Gelenke betroffen sind, welche Abschnitte des Körpers zum Beispiel muskulärbedingte Schmerzen verursachen. Das ist die erste Frage.

Die zweite Frage ist die, wie lange Sie diese Beschwerden schon haben.

Und die dritte, ganz wesentliche Frage ist, zu welcher Tageszeit die Beschwerden am intensivsten sind. Sind sie also eher am Morgen oder eher gegen Abend vorhanden? Sind sie eher in Ruhe auftretend oder eher bei oder nach Belastung vorkommend?

Und weitere Fragen werden dann betreffen Ihre Familienanamnese, also: Gibt es innerhalb Ihrer Familie gehäuft rheumatische Erkrankungen? Die Frage wird kommen nach eventuellen Begleiterkrankungen, also internistische Erkrankungen, aber auch Augenentzündungen, Probleme von Seiten der Mundgesundheit, also Zahnfleischentzündungen oder sogenannte beherdete Zähne, oder auch Neigung zu Infekten, eine durchgemachte Grippeerkrankung, eine durchgemachte Bronchitis, eine durchgemachte Blasenentzündung.

Also die Fragen des Rheumatologen beschränken sich nicht nur auf den Bewegungs- und Stützapparat, sondern es geht vielfach auch um Begleiterkrankungen oder Begleitsymptome, die für die Diagnosefindung ganz wesentlich sein können.

Kann ich auch Rheuma haben, wenn in meinem Blut kein Rheumafaktor nachgewiesen wird?

Die Frage nach dem Rheumafaktor oder die Meinung, dass ein Rheumafaktor im Blut bedeutet „Ich habe Rheuma“ und kein Rheumafaktor im Blut bedeutet „Ich kann kein Rheuma haben“ — diese Frage haben wir oft, wird uns oft von unseren Patientinnen und Patienten gestellt.

Der Rheumafaktor ist letztendlich ein Hilfsbefund. Das heißt: Das Vorhandensein eines Rheumafaktors im Blut ohne rheumaverdächtige Beschwerden ist letztendlich ohne Bedeutung. Und Sie können auch verschiedenste rheumatische Erkrankungen inklusive der rheumatoiden Arthritis haben, ohne einen Rheumafaktor im Blut nachweisen zu können. Das ist häufig bei älteren Menschen, die eine rheumatoide Arthritis bekommen, der Fall. Bei den jüngeren Menschen, die im jungen Erwachsenenalter eine rheumatoide Arthritis bekommen, können wir den Rheumafaktor in den meisten Fällen nachweisen.

Die Höhe des Rheumafaktor-Titers, also die Menge an nachweisbarem Rheumafaktor kann aber sehr wohl etwas aussagen über die Aggressivität einer Erkrankung. Prinzipiell gilt, dass je höher Ihr Rheumafaktor-Titer ist, desto höher ist das Risiko, dass es sich bei Vorliegen einer rheumatoiden Arthritis um eine eher aggressiv verlaufende Erkrankung handeln könnte.

Kann anhand meiner CRP-Werte klar festgestellt werden, ob ich rheumatoide Arthritis habe?

Der CRP-Wert ist einer der Entzündungsfaktoren, das heißt ein erhöhter CRP-Wert im Blut deutet auf eine aktive Entzündung hin. Dieser CRP-Wert ist aber sehr unspezifisch, das heißt: Bei jeder Art von Entzündung, also auch, wenn Sie eine Blasenentzündung, wenn Sie eine Grippe haben, wenn Sie eine eiternde Wunde haben, dann steigt der CRP-Wert an, und der CRP-Wert per se heißt nicht, dass Sie Rheuma haben oder dass Ihr Rheuma aktiv ist.

Der CRP-Wert ist auch einer der kurz nachweisbaren Entzündungsparameter, das heißt: Wenn Sie zum Beispiel Ihre rheumatoide Arthritis mit einem Kortison-Präparat in höherer Dosis behandelt bekommen, dann kann der CRP-Wert innerhalb weniger Tage in den Normbereich absinken, nach Ende einer derartigen Therapie aber auch rasch wieder ansteigen.

Das heißt: Der CRP-Wert ist, so wie alle anderen Entzündungsparameter wie z.B. die Blutsenkungsgeschwindigkeit, nur in Zusammenschau Ihrer Beschwerden und unter Berücksichtigung der laufenden medikamentösen Therapie zu beurteilen.

Auf den Punkt gebracht

Diagnose bei rheumatoider Arthritis

Für die Diagnose ist vor allem Ihre Antwort auf folgende Fragen wichtig:

  • Welche Regionen Ihres Körpers sind betroffen?
  • Wie lange leiden Sie schon unter den Beschwerden?
  • Zu welcher Tageszeit sind die Symptome am intensivsten?

Anamnese

Ein zentrales Element der Diagnostik der rheumatoiden Arthritis ist die Anamnese.

Wichtig für den Arzt sind beispielsweise folgende Informationen:

  • Wurden innerhalb Ihrer Familie bereits rheumatoide Arthritis oder eine andere chronisch-entzündliche Rheumaform diagnostiziert?
  • Wann traten die Gelenkschwellungen erstmals auf?
  • Welche Gelenke sind betroffen? Sind es immer dieselben Gelenke oder wandert die Erkrankung?
  • Schreitet die Erkrankung langsam oder schnell voran?
  • Leiden Sie vor allem in Ruhe, also nachts oder am frühen Morgen, unter Gelenkschmerzen?
  • Ändern sich die Schmerzen unter Einfluss von Kälte, Wärme, Bewegungen oder Belastungen?
  • Bessern sich die Schmerzen während des Tages oder handelt es sich um Dauerschmerzen?
  • Gab es zu Beginn der Erkrankung besondere Begleitumstände wie Infektionen oder Durchfall? Traten gleichzeitig andere Symptome wie Kopfschmerz oder Fieber auf?

Körperliche Untersuchung

In der Regel untersucht der Arzt sämtliche Gelenke auf Schwellung, Funktionsbeeinträchtigung und Druckempfindlichkeit und sucht nach Rheumaknoten.

Laboruntersuchungen

Wie aktiv die Krankheit ist, lässt sich im Rahmen einer Blutuntersuchung anhand der erhöhten Entzündungswerte (Blutsenkungsgeschwindigkeit) und des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blut feststellen. Allerdings können diese Werte zu Erkrankungsbeginn noch ganz normal sein oder andererseits auf andere akute und chronische Entzündungen oder Infektionen hinweisen.

Bei 65 bis 75 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis sind Rheumafaktoren nachweisbar, die sich in seltenen Fällen aber auch bei gesunden Menschen oder, häufiger, bei anderen rheumatischen Erkrankungen finden. Das Fehlen des Rheumafaktors muss nicht zwingend bedeuten, dass keine chronische Polyarthritis vorliegt. Es kann sich in diesem Fall auch um eine sogenannte seronegative rheumatoide Arthritis handeln.

Ähnlich häufig wie der Rheumafaktor, aber spezifischer für die chronische Polyarthritis, sind Antikörper gegen citrullinierte Peptide (Anti-CCP-Antikörper).

Bildgebende Untersuchungen

Röntgenbilder der betroffenen Gelenke machen typische Veränderungen wie Knochendefekte am äußeren Rand der Gelenkflächen, Gelenkfehlstellungen oder einen gelenknahen Kalksalzmangel im Knochen (Osteoporose) sichtbar. Entzündliche Veränderungen der Gelenkinnenhaut sowie Gelenkergüsse kann der Arzt gut mithilfe einer Ultraschalluntersuchung beurteilen. Darüber hinaus kommen bei speziellen Fragestellungen weitere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie oder die Szintigrafie zur Anwendung.

Eine relativ neue Untersuchungsmethode ist der sogenannte Rheuma-Scan. Bei diesem können mehrdurchblutete entzündete Gelenke mithilfe eines gut verträglichen Fluoreszenz-Mittels optisch deutlich sichtbar gemacht werden. Der Rheuma-Scan kann in der Diagnostik der rheumatoiden Arthritis hilfreich sein und die bisher etablierten bildgebenden Verfahren ergänzen.

Haben Sie gewusst, dass die Strahlenbelastung bei radiologischen Untersuchungen in den letzten Jahren dank innovativer Technologien deutlich gesenkt werden konnte? Eine Röntgenaufnahme des Brustraumes entspricht beispielsweise der Dosis, die Sie im Laufe von 10 Tagen durch ganz natürliche Strahlung abbekommen.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft OA Dr. Wolfgang Halder: Stand Januar 2018

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