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Kurs Rheumatoide Arthritis verstehen: Lektion 4 von 7

Diagnose der rheumatoiden Arthritis

Aufgrund der unspezifischen Symptome ist es schwierig, die chronische Polyarthritis (= rheumatoide Arthritis) frühzeitig zu erkennen. Eine körperliche Untersuchung in Kombination mit einer Blutuntersuchung und bildgebenden Verfahren wie Röntgenaufnahmen ermöglichen erfahrenen Fachärzten jedoch eine sichere Diagnose im Frühstadium der Erkrankungen. Machen Sie sich in dieser Lektion mit den wichtigsten Untersuchungsmethoden vertraut.

Anamnese

Ein zentrales Element der Diagnostik der rheumatoiden Arthritis ist die Anamnese.

Wichtig für den Arzt sind beispielsweise folgende Informationen:

  • Wurden innerhalb Ihrer Familie bereits rheumatoide Arthritis oder eine andere chronisch-entzündliche Rheumaform diagnostiziert?
  • Wann traten die Gelenkschwellungen erstmals auf?
  • Welche Gelenke sind betroffen? Sind es immer dieselben Gelenke oder wandert die Erkrankung?
  • Schreitet die Erkrankung langsam oder schnell voran?
  • Leiden Sie vor allem in Ruhe, also nachts oder am frühen Morgen, unter Gelenkschmerzen?
  • Ändern sich die Schmerzen unter Einfluss von Kälte, Wärme, Bewegungen oder Belastungen?
  • Bessern sich die Schmerzen während des Tages oder handelt es sich um Dauerschmerzen?
  • Gab es zu Beginn der Erkrankung besondere Begleitumstände wie Infektionen oder Durchfall? Traten gleichzeitig andere Symptome wie Kopfschmerz oder Fieber auf?

Körperliche Untersuchung

In der Regel untersucht der Arzt sämtliche Gelenke auf Schwellung, Funktionsbeeinträchtigung und Druckempfindlichkeit und sucht nach Rheumaknoten.

Laboruntersuchungen

Wie aktiv die Krankheit ist, lässt sich im Rahmen einer Blutuntersuchung anhand der erhöhten Entzündungswerte (Blutsenkungsgeschwindigkeit) und des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blut feststellen. Allerdings können diese Werte zu Erkrankungsbeginn noch ganz normal sein oder andererseits auf andere akute und chronische Entzündungen oder Infektionen hinweisen.

Bei 65 bis 75 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis sind Rheumafaktoren nachweisbar, die sich in seltenen Fällen aber auch bei gesunden Menschen oder, häufiger, bei anderen rheumatischen Erkrankungen finden. Das Fehlen des Rheumafaktors muss nicht zwingend bedeuten, dass keine chronische Polyarthritis vorliegt. Es kann sich in diesem Fall auch um eine sogenannte seronegative rheumatoide Arthritis handeln.

Ähnlich häufig wie der Rheumafaktor, aber spezifischer für die chronische Polyarthritis, sind Antikörper gegen citrullinierte Peptide (Anti-CCP-Antikörper).

Bildgebende Untersuchungen

Röntgenbilder der betroffenen Gelenke machen typische Veränderungen wie Knochendefekte am äußeren Rand der Gelenkflächen, Gelenkfehlstellungen oder einen gelenknahen Kalksalzmangel im Knochen (Osteoporose) sichtbar. Entzündliche Veränderungen der Gelenkinnenhaut sowie Gelenkergüsse kann der Arzt gut mithilfe einer Ultraschalluntersuchung beurteilen. Darüber hinaus kommen bei speziellen Fragestellungen weitere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie oder die Szintigrafie zur Anwendung.

Eine relativ neue Untersuchungsmethode ist der sogenannte Rheuma-Scan. Bei diesem können mehrdurchblutete entzündete Gelenke mithilfe eines gut verträglichen Fluoreszenz-Mittels optisch deutlich sichtbar gemacht werden. Der Rheuma-Scan kann in der Diagnostik der rheumatoiden Arthritis hilfreich sein und die bisher etablierten bildgebenden Verfahren ergänzen.

Haben Sie gewusst, dass die Strahlenbelastung bei radiologischen Untersuchungen in den letzten Jahren dank innovativer Technologien deutlich gesenkt werden konnte? Eine Röntgenaufnahme des Brustraumes entspricht beispielsweise der Dosis, die Sie im Laufe von 10 Tagen durch ganz natürliche Strahlung abbekommen.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft OA Dr. Wolfgang Halder: Stand Januar 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.