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Kurs Rheumatoide Arthritis verstehen: Lektion 1 von 7

Was ist rheumatoide Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis, auch chronische Polyarthritis genannt, äußert sich in chronischen Gelenkentzündungen, welche die betroffenen Gelenke in ihrer Funktion beeinträchtigen und sie auf Dauer schädigen können. Die Erkrankung kann die Leistungsfähigkeit senken und die Lebensqualität mindern. In dieser Lektion erfahren Sie, wie sich die chronische Polyarthritis auf Ihre Gelenke auswirkt und welche Rheuma-Ursachen ihr zugrunde liegen.

Video Transkript

Was ist rheumatoide Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung aus dem Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen und gehört zu den sogenannten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung, die wir in Mitteleuropa kennen, und betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung.

Bei der Erkrankung kommt es überwiegend zu einem Befall der Gelenke im Sinne einer so genannten Autoimmunreaktion. Das heißt, dass der Körper selbst Abwehrstoffe gegen Bestandteile eines Gelenkes entwickelt und sich dann in den betroffenen Gelenken Entzündungen ausbilden, die letztendlich nach einem längeren Bestehen auch zur Zerstörung dieser Gelenke führen kann.

Welche Faktoren begünstigen das Entstehen des Krankheit?

Für die Entstehung der Erkrankung gibt es einige Hinweise und einiges, was wir derzeit aufgrund von Forschungsergebnissen wissen. Einiges ist allerdings noch unklar.

Es gibt sicher einen sogenannten genetischen Hintergrund, das heißt: Es gibt bestimmte Familien, bei denen eine rheumatische Erkrankung, in dem Fall die rheumatoide Arthritis, gehäuft vorkommt, und die Mitglieder dieser Familie haben ein höheres Risiko, auch so eine Erkrankung zu bekommen. Das heißt aber nicht, dass sie sie jedenfalls bekommen. Die Erkrankung wird also nicht vererbt, sondern das Risiko, diese Erkrankung zu bekommen, wird vererbt.

Und es gibt dann letztendlich Umweltfaktoren, also äußere Einflüsse, die in vielen Fällen dann für das Auftreten und das Auslösen der Erkrankung verantwortlich gemacht werden.

Da zählt vor allem einmal dazu das Rauchen, bei dem es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Entstehen einer entzündlich rheumatischen Erkrankung und eben dem Nikotinkonsum gibt.

Es gibt auch Infektionen, infolge derer die rheumatoide Arthritis ausbrechen kann.

Und es gibt auch einen Zusammenhang mit Zahnfleisch-Entzündungen: Es gibt dort ein Bakterium, das angeschuldigt wird, dass es über eine Beeinflussung des Immunsystems den Beginn einer rheumatoiden Arthritis zumindest mit verursachen kann.

Was soll ich tun wenn die Krankheit in meiner Familie häufiger auftritt?

Also wenn bei Ihnen in der Familie die Erkrankung gehäuft auftritt, das heißt wenn ein genetisch Verwandter diese Erkrankung hat, dann ist Ihr individuelles Risiko, diese Erkrankung zu bekommen, erhöht. Aber es ist nicht zwangsläufig so, dass Sie diese Erkrankung bekommen.

Was Sie aber sehr wohl tun können, ist jene Faktoren vermeiden, von denen man heute weiß, dass sie den Ausbruch der Erkrankung begünstigen können. Und das ist vor allem einmal, wie bereits erwähnt, das Rauchen zum einen, aber auch das Achten auf eine ausreichende Mundgesundheit, das heißt: Eine Zahnpflege und das Vermeiden von Zahnfleisch-Entzündungen ist ein ganz wichtiger Faktor, um den möglichen Ausbruch dieser Erkrankung zu verhindern.

Ab welchem Alter sollte man bei typischen Symptomen Rheuma in Betracht ziehen?

Die rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung, die in jedem Lebensalter auftreten kann, das heißt: Es gibt kein Lebensalter, in dem man nicht von der rheumatoiden Arthritis betroffen sein kann. Das heißt: Es gibt bereits Kleinkinder, die eine entzündlich rheumatische Erkrankung entwickeln. Es gibt dann einen Altersgipfel so um das zwanzigste, dreißigste Lebensjahr herum, und bei der rheumatoiden Arthritis noch einen zweiten Altersgipfel um das 60. Lebensjahr. Das sind also jene Altersgruppen, die besonders gefährdet sind, aber die Erkrankung kann, wie gesagt, in jedem Lebensalter beginnen.

Muss ich damit rechnen, bald an den typischen Gelenkverformungen und Rheumaknoten zu leiden?

Also wenn bei Ihnen die rheumatoide Arthritis diagnostiziert wird, dann heißt es nicht, dass Sie eine mit dieser Erkrankung einhergehende Gelenksveränderung, also Zerstörung eines Gelenkes erfahren müssen, weil wir seit zehn bis fünfzehn Jahren in der glücklichen Lage sind, über Medikamente zu verfügen, die in den allermeisten Fällen das Fortschreiten der Erkrankung deutlich einbremsen kann, so dass wir also heute Gelenksverformungen, wie wir sie noch vor zwanzig Jahren häufig gesehen haben, wo wir den Menschen kaum helfen konnten, dass derartige Verformungen nicht mehr auftreten. Und das Ziel heute in der Therapie ist, dass Sie eine uneingeschränkte Lebensqualität haben.

Auf den Punkt gebracht

Was ist rheumatoide Arthritis?

  • Rheumatoide Arthritis kann in jedem Lebensalter auftreten.
  • Die Erkrankung kann einen genetischen Hintergrund haben.
  • Aber auch Umweltfaktoren wie z.B. das Rauchen haben einen Einfluss.

Rheumatismus und rheumatoide Arthritis – wo ist der Unterschied?

Rheuma ist ein Sammelbegriff für rund 400 verschiedene rheumatische Erkrankungen, welche die Gelenke, Knochen, Muskeln, Sehnen, das Bindegewebe, manchmal aber auch innere Organe betreffen können. Unter diesen Überbegriff fällt auch die chronische Polyarthritis, die eine durch eine Störung des Immunsystems verursachte entzündlich rheumatische Erkrankung darstellt.

Was passiert bei rheumatoider Arthritis im Gelenk?

Ein gesundes Gelenk arbeitet dank des Knorpels und der dazwischen befindlichen Gelenkschmiere nahezu reibungslos. Der rheumabedingte Entzündungsprozess bewirkt, dass die Gelenkinnenhaut stark wuchert. Diese greift zusammen mit den Entzündungssubstanzen den Knorpel, die Knochen und die Bänder der betroffenen Gelenke an. Unbehandelt führt das im Laufe der Zeit zu einer Schädigung der Gelenke, die sich nicht wieder rückgängig machen lässt.

Wodurch wird rheumatoide Arthritis ausgelöst?

Bei dieser Form des Rheumatismus handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, der Verursacher ist Ihr eigenes Immunsystem, das körpereigenes Gewebe angreift. Die eigentlichen Rheuma-Ursachen konnten bislang trotz intensiver Forschungen nicht geklärt werden. Zum einen gibt es eine genetische Veranlagung für diese Erkrankung. Beispielsweise tritt sie in manchen Familien oder bei erbgleichen (eineiigen) Zwillingen gehäuft auf. Zum anderen existieren vermutlich zahlreiche noch nicht bekannte Faktoren, die einen Ausbruch der chronischen Polyarthritis auslösen können. Möglicherweise sind auch Infektionserreger wie Bakterien und Viren von Bedeutung.

Was erhöht mein Risiko, an rheumatoider Arthritis zu erkranken?

Tabakrauchen scheint bei der Entstehung der Autoimmunerkrankung eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen. Bei entsprechender genetischer Veranlagung führen die im Zigarettenrauch enthaltenen Schadstoffe zur Aktivierung spezieller Enzyme, die in einer Veränderung von Proteinen resultiert. Dadurch hält das Immunsystem die körpereigenen Eiweiße für Fremdstoffe und bildet Antikörper dagegen. Sind in Ihrer Familie bereits Rheumaerkrankungen bekannt, sollten Sie daher besser auf das Rauchen verzichten. Gleiches gilt, wenn Sie schon unter rheumatischen Beschwerden leiden, da der Zigarettenkonsum sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

Wer bekommt rheumatoide Arthritis und wie verläuft die Erkrankung?

Chronische Polyarthritis kann in jedem Lebensalter auftreten, auch bei Kindern. Allerdings steigt die Erkrankungshäufigkeit bei beiden Geschlechtern mit zunehmendem Alter. Meist beginnt die Krankheit zwischen dem vierten und siebenten Lebensjahrzehnt. Bei 10 bis 30 Prozent der Patienten verläuft sie mild und stabil, während sie sich bei 70 Prozent im Laufe der Jahre immer weiter verschlimmert, sofern sie nicht optimal therapiert wird.

Gut zu wissen: Der chronischen Polyarthritis können Sie nicht gezielt vorbeugen. Allerdings kann eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger sportlicher Betätigung das Erkrankungsrisiko deutlich senken.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft OA Dr. Wolfgang Halder: Stand Januar 2018

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