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Kurs Rheumatoide Arthritis verstehen: Lektion 2 von 7

Rheumatische Erkrankungen

Neben rheumatoider Arthritis (= chronische Polyarthritis) gibt es noch viele weitere rheumatische Erkrankungen. In unserer Lektion und im dazugehörigen Video mit Dr. Wolfgang Halder machen wir Sie mit den wichtigsten Rheuma-Formen bekannt und erklären Ihnen, worin sich diese Krankheiten von der chronischen Polyarthritis unterscheiden.

Video Transkript

Ein Überblick über die verschiedenen rheumatischen Erkrankungen

Der Begriff Rheuma kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt „fließen“, und das wird verwendet für den fließenden Schmerz, der bei rheumatischen Erkrankungen häufig beobachtet wird. Und so fassen wir heute unter dem Begriff Rheuma eine Zahl von etwa 400 Erkrankungen zusammen, die heute in fünf große Gruppen eingeteilt werden:

Hauptgruppen des rheumatischen Formenkreises

1 Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew

Da sind einmal die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis oder die Bechterew-Erkrankung.

2 Degenerativen Gelenks- und Wirbelsäulenveränderungen

Arthrose

Da gibt es die große Gruppe der degenerativen Gelenks- und Wirbelsäulenveränderungen, also das, was landläufig unter Abnützung verstanden wird, also die Arthrose.

3 Weichteilrheumatische Erkrankungen

Sehnenscheiden- oder Schleimbeutelentzündungen

Dann gibt es das bunte Bild der weichteilrheumatischen Erkrankungen. Das sind Erkrankungen wie Sehnenscheiden- oder Schleimbeutelentzündungen bis hin zu generalisierten Muskelentzündungen oder schmerzhaften Muskelerkrankungen anderer Ursache.

4 Pararheumatischen Erkrankungen

Gicht, Stoffwechselerkrankungen

Dann gibt es eine kleine Gruppe der sogenannten pararheumatischen Erkrankungen, und da gehört zum Beispiel die Gicht dazu. Das sind im Wesentlichen Stoffwechselerkrankungen, die zu Gelenksbeschwerden führen können.

5 Knochenstoffwechselerkrankungen

Osteoporose

Und die letzte Gruppe, die der sogenannten Knochenstoffwechselerkrankungen, das sind Erkrankungen bei denen der Knochen primär betroffen ist. Und da ist die häufigste und bekannteste Vertreterin die Osteoporose.

Was haben all diese Krankheiten gemeinsam?

All die rheumatischen Erkrankungen haben gemeinsam, dass die Betroffenen Schmerzen verspüren — Schmerzen im Bereich des Bewegungs- und Stützapparates. Und teilweise sind die Erkrankungen, wenn es sich um entzündlich-rheumatische Erkrankungen handelt, solche, die morgenbetont ein Beschwerde-Maximum haben, während die eher degenerativen, also abnützungsbedingten Erkrankungen vorwiegend abhängig von Belastung oder nach Belastung Schmerzen verursachen.

Wie unterscheiden sich Arthritis und Arthrose?

Die Unterscheidung zwischen Arthritis und Arthrose ist eine ganz wesentliche, weil einerseits die Prognose, also das, was man vom Verlauf der Erkrankung erwarten kann, aber auch die Behandlungsprinzipien sich wesentlich unterscheiden.

Die Endung „-itis“ in der Medizin steht immer für Entzündung, das heißt Arthritis bedeutet Gelenksentzündung, sagt aber nichts über die Ursache aus. Das kann eine Gichtattacke sein, die zur Gelenksentzündungen führt, das kann infolge eines Insektenstiches, eine Borreliose-Infektion sein, das kann aber auch eine rheumatoide Arthritis sein oder eine sogenannte seronegative Spondyloarthritis, die zu einer Gelenksentzündung führt.

Die Arthrose ist die abnützungsbedingte Veränderung des Gelenkes, also das, was man ab dem 50. Lebensjahr bei einem Großteil der Menschen in einem oder mehreren Gelenken beobachten kann, jene Abnützung, die primär den Knorpel betrifft und in weiterer Folge zu Schmerzen, Bewegungseinschränkung oder auch einer weitgehenden Zerstörung des Gelenkes führen kann, das dann operative Maßnahmen wie der Einbau einer Gelenksendoprothese, also eines Gelenksersatzes, notwendig machen können.

Auf den Punkt gebracht

Rheumatische Erkrankungen

  • Rheuma ist ein Sammelbegriff für etwa 400 verschiedene Erkrankungen.
  • Wichtig ist eine Unterscheidung zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen.

Was ist Rheuma?

Der Begriff Rheuma entstammt dem Griechischen und lässt sich in etwa mit „fließender Schmerz“ übersetzen. Die Bezeichnung beruht darauf, dass die Heilkundigen früher annahmen, dass die Erkrankung durch im Körper zirkulierende Krankheitsstoffe verursacht wird. Heute werden unter diesem Terminus zahlreiche Krankheiten zusammengefasst, die mit Schmerzen im Bewegungsapparat einhergehen und zur Funktionsbeeinträchtigung von Gelenken oder Gelenkgruppen führen.

Zu den wichtigsten Rheumaarten gehören:

  • Abnutzungserscheinungen der Gelenke und der Wirbelsäule (Arthrose)
  • entzündliche Gelenks- und Wirbelsäulen-Erkrankungen (Arthritis)
  • Weichteilrheuma (Fibromyalgie)

Wodurch unterscheiden sich rheumatoide Arthritis und Arthrose?

Obwohl beide Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen einhergehen, liegen ihnen völlig unterschiedliche Ursachen zugrunde.

Bei Arthrose (z. B. Retropatellararthrose, Coxarthrose, Gonarthrose, Polyarthrose, Osteoarthritis) handelt es sich um degenerative Gelenkerkrankungen, bei der beispielsweise eine Fehlstellung des Gelenks oder eine mechanische Überbeanspruchung zu einem Verschleiß des Gelenkknorpels führen. Daraus kann im späteren Verlauf eine Entzündung resultieren, die den Knorpel weiter schädigt und unter Umständen auch den darunterliegenden Gelenkknochen angreift.

Bei der rheumatoiden Arthritis ist eine Autoimmunreaktion des Körpers die Ursache für die chronische Entzündung, die in diesem Fall von Beginn an besteht. Das Abwehrsystem der Betroffenen beginnt aus bislang teilweise unbekannten Gründen, die körpereigenes Gewebe als Fremdkörper zu behandeln und anzugreifen. Über Jahre hinweg kann das zur Zerstörung des Gelenks führen.

Welcher Unterschied besteht zwischen rheumatoider Arthritis und anderen Arthritis-Formen?

Neben der chronischen Polyarthritis gibt es zahlreiche weitere Arthritis-Formen, die sich insbesondere hinsichtlich der Ursachen unterscheiden. Dazu gehören beispielsweise folgende Krankheiten:

  • Gicht
  • Infektiöse Arthritis
  • Psoriasis-Arthritis
  • Reaktive Arthritis

Da sich die äußeren Anzeichen für diese Erkrankungen ähneln, sind sie für Laien nur schwer zu unterscheiden. Um eine klare Diagnose erstellen zu können, nutzen Mediziner Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen, Szintigrafie oder Magnetresonanztomografie.

Haben Sie gewusst, dass es im Durchschnitt 13 Monate dauert, bis Patienten mit den Symptomen einer chronischen Polyarthritis erstmals einen Rheumatologen aufsuchen? In dieser Zeit können die Gelenke bereits deutliche Schäden davongetragen haben.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft OA Dr. Wolfgang Halder: Stand Januar 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.