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Kurs Selbstbewusstes Auftreten als PatientIn: Lektion 3 von 6

Selbstbewusstes Auftreten durch Körpersprache

Selbstbewusste Menschen erkennt man schon an der Körperhaltung und -sprache: Sie gehen und stehen aufrecht, blicken ihrem Gegenüber in die Augen und wirken ruhig und gelassen. Was vielen aber nicht bewusst ist: Eine selbstsichere Körperhaltung hat umgekehrt auch Auswirkungen auf den Gemütszustand und auf das Selbstbewusstsein.

Video Transkript

Warum ist die Körpersprache oder Körperhaltung wichtig für ein selbstbewusstes Auftreten?

Die Körpersprache und selbstbewusstes Auftreten hängen sehr eng miteinander zusammen, weil wir ganzheitliche Wesen sind. Das bedeutet, dass Körper, Seele und Geist immer im Zusammenhang wirken. Wenn man zum Beispiel lernt Bogenschießen. Was man lernt beim Bogenschießen, ist: Man spannt den Bogen, und man lässt los, und dadurch erreicht man ein Ziel. Und alleine dieser körperliche Ablauf des Bogenschießens hat eine Auswirkung darauf, wie ich in Zukunft Ziele bilde. Wenn ich Probleme habe mit Zielbilden, dann ist das Lernen von Bogenschießen eine ganz hilfreiche Sache und hilft mir beim Zielebilden.

Das Gleiche gilt für Jonglage. Wenn ich lerne, mit verschiedenen Bällen zu jonglieren, dann lerne ich, dass ich einen immer in der Luft habe und ich trotzdem zu einem guten Ergebnis komme. Und genau das muss ich lernen. Ich muss lernen, um Ziele zu bilden, loszulassen. Ich muss lernen, den Bogen loszulassen. Ich muss die Bälle loslassen und kann dann eben besser Ziele bilden, sodass wir da immer im Zusammenhang sind.

Welchen Einfluss haben meine Gefühle auf meine Körperhaltung?

Gefühle wirken ja unbewusst. Und wenn ich ein Gefühl habe, drückt sich das halt auch sofort aus. Wenn ich zum Beispiel eine Tochter habe, die jetzt schwanger ist, und ich habe mich die ganze Zeit auf meinen Enkel gefreut, und jetzt kommt der Anruf, und ich höre „Ja, ich bin Oma geworden, und es gibt ein gesundes Enkelkind“, dann bin ich in Freude und zeige das auch. Das ist etwas, was einfach automatisch passiert. Nur Schauspieler, die sehr trainiert sind, können praktisch andere Gefühle initiieren oder eine andere Körperhaltung zu einem Gefühl produzieren.

Aber wir Nicht-Schauspieler, bei uns ist es einfach so, dass man uns das ansieht. Es ist also ganz normal.

Welchen Einfluss hat meine Körperhaltung auf meine Gefühle?

Auch unsere Körperhaltung hat Einfluss auf die Gefühle, die wir empfinden. Wir können durch eine körperliche Position unsere Gefühle stärker ausdrücken, aber auch Gefühle initiieren. Das wissen wir aus der Traumaforschung. In der Traumaforschung wissen wir: Wenn ein Trauma passiert ist, wir haben etwas stark Unangenehmes erlebt, und es hat einen Einfluss, dann sind wir an irgendeiner Stelle in so einer Hab-Acht-Position. Zum Beispiel: Ich kenne eine Frau, die hatte einen Unfall, die ist einfach nur mit einem Fahrrad an einer Baustelle vorbeigefahren und dann oben vom Gerüst ein Rohr runtergefallen und ihr direkt auf den Kopf gefallen. Sie war dann bewusstlos einige Zeit, und danach konnte sie sich an diesen Unfall bis heute nicht erinnern. Sie erinnert sich nicht, was war. Alles, woran sie sich erinnert, ist: Sie ist Fahrrad gefahren und dann im Krankenhaus aufgewacht. Das Trauma war so beeinflussend für sie negativ, dass unser Unbewusstes das praktisch rausgeschnitten hat. Es gibt keine Erinnerung darüber.

Aber es hat dennoch Folgen. Wann immer sie jetzt Geräusche von oben hört, wenn sie jetzt durch die Straßen geht und von oben kommen irgendwie starke Geräusche, zuckt sie zusammen, weil der Körper das abgespeichert hat. Er hat dieses unangenehme Ereignis abgespeichert, selbst wenn sie sich nicht mehr daran erinnern kann.

Was ist Power-Posing und wie kann es zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen?

Power-Posing ist etwas ganz Tolles. Power-Posing bedeutet, dass ich körperlich eine Position annehme, die dann wiederum auf mein Gefühl wirkt. Und das ist gut erforscht. Da gibt es einige Untersuchungen dazu, dass z.B. diese Pose, wenn ich die Schultern ausfahrbare, die Hände in die Hüften stemme, den Kopf ein bisschen anhebe, dass, wenn ich das eine Weile mache und mich reinatme in diese Position, am besten noch im Stehen, dann hab ich noch einen festen Stand unter den Füßen, dass ich mich dann auch irgendwann stärker fühle. Ich kann also durch diese Position, die ich einnehme, in ein starkes Gefühl kommen.

Und so gibt es einige Positionen, die Sie da einüben können. Im Yoga zum Beispiel gibt es die Heldenposition. Das ist eine ganz bestimmte Figur, in die man sich hinein atmet, und das ist die Heldenposition. Und wenn Sie sich in diese Heldenposition hinein begeben, dann, wenn Sie gelenkig genug sind und es angenehm genug ist, dann kommen Sie auch in ein Gefühl von „Ja, ich bin stark.“

Wie erinnere ich mich in angespannten Situationen an meine Körperhaltung- und Sprache?

Es gibt einen guten Trick, sich in einer angespannten Situation an die innere Ruhe oder die Kraft zu erinnern. Und das Ganze mache ich durch Setzen eines Ankers. Wie funktioniert das?

Zum Beispiel die Heldenposition, die ich aus dem Yoga kenne. Wenn das eine gute Position ist, wo ich merke: „Ja, da komme ich in ein gutes Gefühl, da komme ich in ein kraftvolles Gefühl.“ Dass ich überlege: „Wie kann ich diese Position ankern?“ Ich schau etwas, was ich leicht berühren kann, vielleicht irgendein Punkt auf den Arm. Ich kann sagen: „Hier linker Oberarm, wenn ich da mal draufdrücke, hier, werde ich diese Heldenposition verankern.“ Das heißt: Immer, wenn ich hier drauf drücke, dann kann ich es abrufen, dieses Gefühl: „Ja, ich fühle mich stark, so stark, wie ich mich fühle, wenn ich diese Heldenposition im Yoga mache.“

Das nennt man Ankern und ist ein ganz guter Mechanismus, sodass ich in einer unsicheren Situation bin, einfach nur durch den Druck auf den Oberarm ich mich erinnere: „Ah ja, Heldenposition – ich bin stark.“

Welche Rolle spielt Augenkontakt in einem Gespräch?

Augenkontakt ist natürlich etwas ganz Wichtiges, und damit stellen Sie auch einen Kontakt im Gespräch her. Und jetzt muss man schauen, wie die Menschen darauf reagieren.

  • Es gibt bestimmte Berufsgruppen, zum Beispiel Pflegefachkräfte, wenn Sie im Gesundheitswesen sind, ja, die lieben es, wenn man sie direkt anschaut und direkt in den Kontakt geht.
  • Menschen, die eher etwas distanziert sind, die halten vielleicht so einen Blickkontakt nicht so gut aus.

Aber oft spürt man das unbewusst, und es ist immer ganz gut, direkt den Augenkontakt zu suchen. Damit signalisiert man auch: „Ich bin da, ich bin präsent. Ich habe Interesse. Reden Sie mit mir.“

Auf den Punkt gebracht

Selbstbewusstes Auftreten durch Körpersprache

  • Körper, Seele und Geist sind miteinander verbunden. Durch Power-Posing können Sie mithilfe Ihrer Körperhaltung Ihr Selbstbewusstsein beeinflussen.
  • Durch unsere Körpersprache drücken wir uns unbewusst aus. Schon als Säugling lernen wir, die Körpersprache anderer zu analysieren.

selpers FallbeispielÜbung: Die aufrechte Haltung

Mit dieser Übung können Sie die Wirkung einer guten Körperhaltung erfahren:

Übung: die aufrechte Haltung

  1. Stellen Sie sich vor einen Ganzkörperspiegel und betrachten Sie Ihre natürliche Haltung. Was fällt Ihnen auf?
  2. Nehmen Sie nun probehalber eine unsichere Haltung ein: Lassen Sie die Schultern hängen, spielen Sie mit den Händen an Ihrer Kleidung und schauen Sie ein wenig nach unten. Bleiben Sie einen Moment so. Wie wirkt das? Und – noch wichtiger – wie fühlt es sich an?
  3. Nun das Gegenteil: Richten Sie sich auf, als würden Sie an einem Band auf dem Scheitel sanft nach oben gezogen. Lassen Sie die Hände und Arme locker hängen. Verteilen Sie das Gewicht auf beide Füße, sodass Sie einen festen Stand haben. Wie wirken Sie nun? Und: Wie fühlen Sie sich?

In Situationen, in denen Sie sich unsicher fühlen, können Sie bewusst die aufrechte Körperhaltung einsetzen, um selbstbewusster aufzutreten und sich auch so zu fühlen.

selpers FallbeispielÜbung: Power Posing

Power Posing ist ein Konzept, das in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Der Gedanke dahinter: Wenn man starke und selbstbewusste Körperhaltungen einnimmt, fühlt man sich auch stärker. Viele Menschen berichten von sehr guten Erfahrungen. Vielleicht hilft es Ihnen ja auch? Probieren Sie es doch einfach mal aus! So geht es:

  1. Finden Sie eine Pose, in der Sie sich selbstbewusst fühlen. Beobachten Sie zum Beispiel, welche Körperhaltung Sie einnehmen, wenn Ihnen etwas richtig gut gelungen ist.
  2. Nehmen Sie diese Pose ein und bleiben Sie zwei Minuten lang in dieser Körperhaltung. Spüren Sie genau in sich hinein: Wie verändert sich Ihr Empfinden?
  3. Üben Sie das Power Posing täglich, am besten zur gleichen Zeit. Dadurch verstärkt sich die Wirkung und setzt schon nach immer kürzerer Zeit ein.
  4. Mit ein wenig Übung können Sie Ihre Power-Pose gezielt einsetzen, um sich vor schwierigen Situationen besser und selbstbewusster zu fühlen.

selpers FallbeispielÜbung: Heldenposition

Die Heldenposition, auch Kriegerhaltung genannt, ist eine Yoga-Übung, bei der eine sehr starke Körperhaltung eingenommen wird. Diese hilft Ihnen Bein- und Gesäßmuskeln zu stärken, das Gleichgewicht zu halten und sich mutig zu fühlen.

Heldenposition im Yoga

 

  1. Stellen Sie sich gerade hin und machen Sie mit dem linken Bein einen großen Schritt nach hinten. Drehen Sie die linke Ferse etwas ein, sodass Sie mit der rechten Ferse auf einer Linie steht.
  2. Strecken sie Ihre Arme mit zueinanderzeigenden Handflächen vor den Körper und spreizen Sie die Finger.
  3. Beugen Sie Ihr rechtes Knie, bis Ihr Oberschenkel parallel zum Boden steht. Lassen Sie Ihren Rumpf dabei aufrecht. Senken Sie Ihr Steißbein und strecken Sie Ihre Arme schulterbreit nach oben, wobei Ihre Handflächen weiterhin zueinander zeigen. Schauen Sie nach vorn und machen Sie Ihren Nacken lang. Wiederholen Sie die Übung anschließend auf der anderen Seite.

Power Posing DownloadDamit Sie sich die Übungen gut einprägen und schnell den gewünschten Effekt erzielen, empfiehlt es sich die Übung regelmäßig zu wiederholen. In unserem Übungsdownload finden Sie noch einmal alle wichtigen Informationen zum Ausdrucken.

Dos and Don’ts für eine selbstbewusste Körpersprache

Wussten Sie schon

Der perfekte Händedruck ist fest und dauert etwa drei bis vier Sekunden. Ein lascher oder zu kurzer Händedruck strahlt Unsicherheit aus, ein zu fester oder zu langer Händedruck wirkt überheblich und dominant. Achten Sie mal darauf und üben Sie im Zweifel mit FreundInnen und Familie einen guten Händedruck.

Geprüft Prof.in Dr.in Renate Tewes: Stand 22.04.2020

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe "Sozialversicherung & Recht bei chronischer Erkrankung"

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Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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