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Kurs Selbstbewusstes Auftreten als PatientIn: Lektion 4 von 6

Starke Stimme, selbstbewusste Sprache

Ein wichtiger Baustein für ein selbstbewusstes Auftreten sind Stimme und Sprache. Es macht einen riesigen Unterschied, ob Sie mit piepsiger, leiser Stimme sagen: „Hm, ich weiß nicht, ob ich das möchte …“ oder ob Sie klar und deutlich artikulieren: „Das will ich nicht.“ Wie Sie Ihre Stimme und Ihre Sprache selbstbewusster klingen lassen, erfahren Sie in dieser Lektion.

Video Transkript

Was hat die Stimme mit einem selbstbewussten Auftreten zu tun?

Die Stimme spielt eine große Rolle beim selbstbewussten Auftreten.

Als Wirkfaktor von Kommunikation werden bestimmte Elemente ausgemacht:

  • Man soll es nicht glauben, aber Körpersprache hinterlässt die stärkste Wirkung. Deshalb ist es zum Beispiel auch wichtig zu gucken: „Was trage ich für Kleidung?“, oder „Wie liegen die Haare?“ All das hat auch eine Wirkung auf die Kommunikation, wie ich rüber komme, und zwar die stärkste Wirkung.
  • Die zweitstärkste Wirkung hat dann die Stimme, die Sprache, die Intonierung, wie ich rede. Da kommt ganz viel mit rüber.
  • Und erst an dritter Stelle kommt der Inhalt.

Einige Forschungen zeigen auf, dass der Inhalt von der Wirkung her etwa 10 bis 20 Prozent ausmacht. Also wirklich ganz, ganz wenig. Und deshalb ist es wichtig, zu einer guten Stimme zu kommen, um sich gut auszudrücken.

Was kann ich tun, um meine Stimme selbstbewusster klingen zu lassen?

Ja, dazu muss ich natürlich erst mal einen Vergleich herstellen und gucken: „Wie klingt meine Stimme eigentlich?“ Und das bedeutet, dass ich sie erst einmal aufnehmen muss und sie mir anhören muss. Die Stimme klingt für andere ja ganz anders als für mich selbst. Und erst wenn ich die Stimme aufnehme und mir anhöre, kann ich schauen: „Was möchte ich denn verändern?“

Meine Stimme klingt zum Beispiel sehr viel höher, als ich sie selber höre. Wenn ich so spreche, klingt es irgendwie angenehm, wenn ich mich sprechen höre, weil ich aufgenommen wurde, dann klingt meine Stimme viel höher. Und hohe Stimmen können eher piepsig werden. Und je höher eine Stimme ist, desto weniger ernst wird man genommen. Es ist also ganz gut, die Stimme tiefer zu legen und zu gucken: „Was kann ich machen, damit ich auch im Gespräch ernst genommen werde?“

Eine Möglichkeit ist, noch mal richtig tief durchzuatmen und in den Bauch rein zu atmen. Und dann wird die Stimme auch schon sonoriger und satter.

Wenn ich meine Stimme kräftigen möchte, dann kann ich den sogenannten Kerzentest machen: Ich stelle eine Kerze vor mich auf und spreche mit meiner normalen Stimme. Und dann schaue ich mal, dass ich so laut spreche und so laut puste erst mal, dass ich in die Kerze hinein puste, dass die anfängt zu flackern. Wenn ich die nah vor mir stehen habe, geht das relativ schnell. Dann stelle ich sie auf Armeslänge entfernt, die Kerze, und mache das nochmal: so lange pusten, bis die Kerze flackert. Das ist genau der Ausatemstrom, den ich brauche, um meine Stimme zu kräftigen, so lange zu sprechen, bis die Kerze flackert, also richtig tief auszuatmen, und dann komme ich in eine deutlich stärkere, tiefere Stimme und habe mehr Chancen, im Gespräch auch ernst genommen zu werden.

Wie kann ich Sätze formulieren, um selbstbewusster zu wirken?

Um selbstbewusster zu wirken, sollte ich vor allen Dingen bestimmte Worte erst mal gar nicht aussprechen. Hier geht es vor allen Dingen darum, Worte zu vermeiden, die weniger selbstbewusst rüberkommen. Also alles, was verniedlicht oder verkleinert, gehört dazu:

  • eigentlich,
  • vielleicht,
  • eventuell,
  • ich mache mal eben kurz…,
  • ich muss nur mal eben schnell…

Das sind alles Sätze, die eher nach weniger Selbstbewusstsein klingen. Die lasse ich erst mal weg und Sätze, die stärker sind, die auch stärker rüberkommen. Die sind, das kann man sich merken, mit

  • ich kann,
  • ich will,
  • ich werde,

Ich kann, ich will, ich werde – das sind Sätze, die auf jeden Fall sehr viel stärker rüberkommen.

Wie schaffe ich es, selbstbewusst aber nicht arrogant zu wirken?

Der Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz ist ziemlich einfach:

  • Beim Selbstbewusstsein rede ich für mich selbst und engagiere mich für mich. Ich will praktisch mein Potenzial leben. Die Frage, die ich mir da stelle, ist: „Was kann ich tun, um mich deutlich auszudrücken, um mein Potenzial zu leben?“
  • Die Arroganz ist praktisch das Gegenteil von Selbstbewusstsein. Wenn ich arrogant bin, dann kompensiere ich etwas. Ich fühle mich eigentlich klein oder jedenfalls nicht selbstbewusst, kompensiere das, indem ich mich darüber stelle und arrogant von oben herab rede. Und so eine Frage von arroganten Menschen ist: „Was muss ich tun, um andere zu beeindrucken?“ Ist also eine ganz andere Frage.

Und von daher: Selbstbewusst: Da arbeite ich für mich, und da sehe ich zu, dass ich einen guten Ausdruck habe. Und arrogant heißt: von oben herab und unter Umständen beschäme oder verletze ich sogar Menschen.

Was bedeutet eine „Positive Sprache“ und wie wende ich sie im Alltag an?

Eine positive Sprache bedeutet zunächst einmal, dass ich negative Begrifflichkeiten rauslasse. Ich denke in erster Linie daran, was geht und nicht, was nicht geht.

Also ich schaue raus aus dem Fenster und sage: „Es regnet gerade, da nehme ich besser einen Regenschirm mit, damit ich gut durch den Tag komme.“ Das ist immer noch positiv, obwohl man Regen ja auch negativ deuten kann.

Ein anderer Trick ist, systematisch zu überlegen: „Wie kann ich das, was ich denke, in einen positiven Kontext setzen?“ Wenn ich zum Beispiel sage: „Oh Gott, morgen habe ich wieder Chemotherapie. Danach geht‘s mir bestimmt wieder ganz schlecht. Dann habe ich keine Kraft den Rest des Tages und kann nichts mehr machen.“ Das wäre natürlich nicht clever. Wie kriege ich das Ganze positiv hin? Tatsache ist ja: Ich habe morgen die Chemotherapie. Ich kann also sagen: „Morgen habe ich wieder die Chemotherapie. Da muss ich gucken, dass ich was Gutes für mich mache, damit es mir anschließend auch gut geht. Am besten ruf ich heute schon mal meine Freundin an und bitte sie, mich abzuholen von der Chemotherapie. Ich fahre also gar nicht mit dem Taxi nach Hause, sondern ich bitte meine liebe Freundin, ob sie das machen kann, und würde dann noch kurz mit ihr einen Tee trinken. Und dann weiß ich: OK, anschließend kann ich mich in Ruhe aufs Sofa legen, und es kommt zu einem positiven Abschluss.“

So kann ich mir auch in unangenehmen Dingen gute Gedanken machen.

Was kann ich gegen eine zittrige Stimme tun wenn ich nervös bin?

Eine zittrige Stimme kommt daher, dass ich nur bis hier oben rein atme. Je tiefer ich atme, desto ruhiger werde ich. Und dann löst sich das auch auf. Also ein ganz guter Trick, um aus der zittrigen Stimme rauszukommen ist: tief zu atmen, eine Hand auf den Bauch und richtig runter zu atmen. Und dann werden Sie merken, dass Sie dann auch schon ein bisschen kraftvoller und klarer sprechen können

Welche Übung kann mir helfen, mich vor einem wichtigen Gespräch vorzubereiten?

Ja, es gibt eine ganze Reihe von Übungen, die da helfen können.

Atemübungen sind ganz sinnvoll, aber auch Visualisierungsübungen, wo ich mir etwas vorstelle und dadurch zur Ruhe komme und meine Kraft komme. Da gibt es verschiedene Methoden. Autogenes Training zum Beispiel ist ganz wunderbar, wo Sie lernen in Ruhe, sich auf etwas einzulassen. Der Trick dabei ist, dass unser Hirn nicht unterscheiden kann zwischen dem, ob wir es wirklich erleben oder ob wir die Augen schließen und es uns nur vorstellen.

Übung: Visualisierung

Das heißt also wie beim autogenen Training: Wenn ich mich hinlege, schön einkuschele auf meine Matte, ein Kissen unter den Nacken und warme Füße, vielleicht ein Paar dicke Wollsocken, schöne warme Decke und mich jetzt gedanklich begebe an den Strand am Meer. Ich stelle mir vor, da ist so eine frische Brise, die weht um meine Nase, und ich höre auch die Wellen rauschen. Ich spüre den Sand unter meinen Händen, und ich spüre die Sonne, die mir auf die Hände strahlt und die meinen ganzen Körper erwärmen. Diese Vorstellung, wenn ich die Augen schließe und richtig reingehe in diese Vorstellung, unterscheidet unser Geist nicht, ob wir es wirklich erleben, ob wir wirklich gerade im Urlaub sind am Strand, oder ob ich es mir nur vorstelle. Und das Gute ist: Es hat die gleiche Auswirkung. Das heißt: Mit dieser simplen Visualisierungsübung komme ich runter, und Sie werden es ahnen: Ich schütte jede Menge Glückshormone aus. Und damit fühle ich mich auch insgesamt gut, gestärkt und kann natürlich auch selbstbewusster auftreten.

Auf den Punkt gebracht

Starke Stimme, selbstbewusste Sprache

  • Eine Sprache mit starken Ausdrücken wie „ich kann“, ich will“ und „ich werde“ führt dazu, selbstbewusster auf andere zu wirken.
  • Atemübungen können dazu beitragen, die Stimme zu festigen. Außerdem kann singen, summen und brummen helfen.

Sprache im Gesundheitssystem

Das Gesundheitswesen bedient sich oft der Sprache des Militärs:

  • Es werden Anordnungen gegeben,
  • Operationen durchgeführt,
  • Krankheiten müssen bekämpft werden und
  • Siege über Krankheiten werden angestrebt.

Diese Sprache kann PatientInnen unter Druck setzen. Anstatt die Erkrankung als einen Kampf anzusehen, sollten Sie sich die Frage stellen: Was kann ich tun, um meinen Körper oder mein Immunsystem zu unterstützen? Dieses positive Denken ist weit weniger kräfteaufreibend, und hat den gleichen Effekt.

Für eine selbstbewusste Sprache sollten Sie diese Verhaltensweisen meiden:

  • Icon Frau

    Nicht „man“, sondern „ich“!

    Vermeiden Sie das Wörtchen „man“, wenn Sie eigentlich von sich selbst reden. Sagen Sie nicht „Da fühlt man sich schlecht“, sondern „Da habe ich mich schlecht gefühlt“. Stehen Sie zu sich und Ihrer Meinung!

  • Icon durchgestrichenes Füllwort

    Füllwörter ade

    Viele Menschen verwenden beim Sprechen Füllwörter wie „ähm“, „also“ oder „hm“. Hin und wieder ist das gar kein Problem. Wenn diese Füllwörter aber überhandnehmen, wirkt das unsicher und erschwert das Verstehen. Versuchen Sie deshalb, solche Füllwörter zu vermeiden. Das gelingt am besten durch Achtsamkeit und Übung.

    Machen Sie sich bewusst: Diese Füllwörter sind vor allem dafür da, eine kurze Denkpause zu bekommen. Stattdessen können Sie einfach eine Sprechpause machen, das ist völlig in Ordnung und klingt souveräner als „ähm“. Tipp: Nehmen Sie sich einmal selbst beim Sprechen auf, zum Beispiel bei einem Telefongespräch. Hören Sie sich die Aufnahme an und suchen Sie nach Ihren häufigsten Füllwörtern.

So üben Sie eine selbstbewusste Sprache:

  • Icon Bauchübung

    Bauchatmung

    Lernen Sie, tief in den Bauch zu atmen. Das beruhigt Sie einerseits und stellt Ihnen andererseits genügend Luft zur Verfügung. Bei flacher, schneller Atmung kann die Stimme nämlich hektischer und piepsiger klingen.

  • Icon-Note

    Tiefere Tonlage

    Falls Sie als Frau eine sehr hohe Stimme haben, versuchen Sie, ein klein wenig tiefer zu sprechen. Üben Sie den richtigen Tonfall in Ruhe zu Hause und im Gespräch mit FreundInnen und Familie.

  • Icon-Tachometer

    Tempo drosseln

    Sprechen Sie ein wenig langsamer, deutlicher und lauter, als Sie es gewohnt sind. Auch das können Sie vorher zu Hause üben.

  • Icon Sprechblasen

    Klare Formulierung

    „Möglicherweise“, „könnte ich“, „vielleicht“, „eigentlich“, „man sollte“, … Solche Ausdrücke zeigen Unsicherheit. Versuchen Sie, diese zu vermeiden. Oft kann man sie einfach weglassen.

    Ein ungünstiges Beispiel: „Wäre es vielleicht möglich, dass ich ein Gespräch mit dem Arzt führen könnte?“

    Klarer und selbstbewusster (aber trotzdem genauso höflich) wirkt es so: „Ich möchte bitte ein Gespräch mit dem Arzt führen.“

Nein sagen lernen

Das Wort „Nein“ gehört zu einem selbstbewussten Auftreten unbedingt dazu. Es bedeutet nämlich, dass Sie Grenzen setzen, wenn es nötig ist. Was so leicht klingt, ist für viele ein großes Problem. Ob aus Schüchternheit, Unsicherheit oder Höflichkeit: Viel zu häufig sagen wir Ja, wenn wir eigentlich Nein meinen.

Ein paar Beispiele aus dem Gesundheitsbereich, in denen ein klares Nein wichtig ist:

  • Sie haben noch nicht alles im Arztgespräch verstanden, Ihre Ärztin/Ihr Arzt will das Gespräch aber schon beenden.
  • Sie möchten eine zweite Meinung einholen, bevor Sie sich für eine neue Therapie oder eine Operation entscheiden.
  • Sie brauchen nach einer Diagnose erst einmal Zeit, um sich zu sammeln, bevor Sie über weitere Schritte sprechen.
  • Ihre persönlichen Grenzen werden überschritten.

Lernen Sie in solchen Situationen, freundlich, aber bestimmt Nein zu sagen, zum Beispiel mit folgender Übung.

selpers FallbeispielÜbung: Grenzen setzen

Wenn Ihnen das Neinsagen schwerfällt, sollten Sie es zunächst in Ihrem privaten Umfeld üben. Ein gutes Übungsfeld sind Bitten, denen Sie gerade nicht nachkommen wollen oder können: „Kannst du mal schnell …?“ Ein weiteres Übungsfeld sind Einladungen, die Sie nicht wahrnehmen wollen.

Stellen Sie sich eine Situation in jüngerer Vergangenheit vor, bei der Sie Ja gesagt haben, obwohl Sie lieber Nein sagen wollten. Fragen Sie sich:

  1. Was hat Sie dazu gebracht, so zu reagieren? Wovor hatten Sie Sorge? Die andere/den anderen zu enttäuschen? Nicht mehr gemocht zu werden? Als egoistisch zu gelten? Sind diese Ängste realistisch?
  2. Wie hätten Sie reagieren können, ohne die andere/den anderen zu verletzen?

Bauen Sie die Situation in Ihrer Erinnerung um. Was hätten Sie sagen können? Und wie hätte die Reaktion darauf verlaufen können? Stellen Sie sich alles genau vor. Und dann versuchen Sie es beim nächsten Mal in der Realität.

Power Posing DownloadDamit Sie sich diese und weitere Übungen gut einprägen und schnell den gewünschten Effekt erzielen, empfiehlt es sich die Übung regelmäßig zu wiederholen. In unserem Übungsdownload finden Sie noch einmal alle wichtigen Informationen zum Ausdrucken.

Zusatztipp: Zeit gewinnen

Manchmal ist das Ja schon heraus, bevor wir ernsthaft über die Frage nachdenken konnten. Und manchmal erscheint uns ein spontanes Nein zu hart. In solchen Fällen kann es helfen, Zeit zu gewinnen:

  • „Ich muss zu Hause in meinem Kalender schauen, ich rufe Sie morgen zurück.“
  • „Ich möchte erst eine Nacht darüber nachdenken.“
  • „Ich bespreche das mit meiner Frau/meinem Mann und melde mich dann bei Ihnen.“

Wussten Sie schon

Manchmal verhindert unsere gute Erziehung ein selbstbewusstes Auftreten. Zum Beispiel haben viele von uns als Kinder gelernt, „Ich möchte bitte“ zu sagen statt „Ich will“. Wenn es jedoch darum geht, Ihre Grenzen und Ihren Willen selbstbewusst zu äußern, kann die Formulierung „Ich will“ oder „Ich will nicht“ genau richtig sein.

Geprüft Prof.in Dr.in Renate Tewes: Stand 22.04.2020

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe "Sozialversicherung & Recht bei chronischer Erkrankung"

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