7. Nasenpolypen verstehen – Alle Fragen

Nasenpolypen sind eine häufige, aber oft lange unerkannte Ursache für eine dauerhaft verstopfte Nase, eingeschränkten Geruchssinn und eine deutlich verminderte Lebensqualität. Viele Betroffene fühlen sich über Monate hinweg wie ständig erkältet, ohne zu wissen, was wirklich dahintersteckt.

In diesem Online-Kurs erfahren Sie, was Nasenpolypen sindwie sie entstehenwelche Beschwerden sie verursachen und welche Möglichkeiten es heute zur Diagnose gibt. Ziel ist es, Ihnen verständliches Wissen an die Hand zu geben, damit Sie Ihre Beschwerden besser einordnen, gezielte Fragen stellen und gut vorbereitet in Arztgespräche gehen können.

Einleitung durch Priv.-Doz. DDr Sven Schneider

Guten Tag, mein Name ist Sven Schneider. Ich bin Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und arbeite im Allgemeinen Krankenhaus an der Medizinischen Universität Wien. Das Ziel dieses Videos ist es, Ihnen grundlegende Informationen über die Entstehung und Behandlung von Nasenpolypen näher zu bringen, damit sie möglichst gut vorbereitet zu Ihrem Arztbesuch kommen können, die richtigen Fragen stellen können und wir aus Ihnen sozusagen einen Experten-Patienten machen.

Hier geht es zur Einleitung des Kurses: „Nasenpolypen verstehen“

Nasenpolypen einfach erklärt

Was sind Nasenpolypen?

Nasenpolypen sind Schwellungen der Schleimhaut, die zumeist aus der Nasennebenhöhle kommen und im Grunde nichts anderes sind als ein Ausdruck einer Entzündungsreaktion. Durch diese chronische, anhaltende Entzündung schwillt die Schleimhaut immer mehr an, es passiert ein Umbau im Gewebe, der sich in dieser Polypen-Formation dann in der Nasenhaupthöhle zeigt.

Wie entstehen Polypen in der Nase?

Polypen in der Nase entstehen durch eine anhaltende Entzündungsreaktion der Schleimhaut in den Nasennebenhöhlen und in der Nase selbst. Durch diese Entzündungsreaktion kommt es zu einem Anschwellen und zu einem Umbau des Gewebes der Schleimhaut, was wir letztendlich in der Nase als Polypen oder Schleimhautwucherungen erkennen können. Ursächlich ist wahrscheinlich eine Störung der Schleimhautoberfläche, bei der das Schleimhautepithel nicht mehr richtig dicht ist. Durch diese Auflockerung der Schleimhaut kommt es zu einem Eindringen von Schadstoffen. Das können bakterielle Schadstoffe, virale Schadstoffe, Allergene, Pilze oder Ähnliches sein, die dann sozusagen diese Entzündungsreaktion immer weiter anheizen, was dann letztendlich zu diesem Umbau in der Schleimhaut führt.

Wodurch unterscheiden sich Nasenpolypen von einer Erkältung oder von einer geschwollenen Nasenschleimhaut?

Bei einer Erkältung oder bei einem banalen Infekt der Nasenschleimhaut kommt es in erster Linie zumeist zu einer viralen Infektion, manchmal darüber hinaus zu einer bakteriellen Infektion, die eine Schleimhautschwellung – die wir als verstopfte Nase empfinden- auslöst. Bei Nasenpolypen ist das etwas anders. Da steckt hinter dieser Entzündung eine chronische Entzündungsreaktion, die mit der Zeit zu einem Gewebeumbau führt, der sich dann als Polyp äußert. Von einer chronischen Entzündungsreaktion reden wir aber erst, wenn die Probleme seit über drei Monaten bestehen. Was bei einer banalen Erkältung oder einem Virusinfekt meistens nur 1 bis 2 Wochen dauert.

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Ursachen und Risikofaktoren bei Nasenpolypen

Warum bekommt man Nasenpolypen?

Die genaue Ursache der Entstehung der Nasenpolypen ist derzeit noch nicht gänzlich geklärt. Wir wissen derzeit, dass es eine sehr komplexe Entzündungsreaktion ist, die dahintersteckt und die diesen Gewebeumbau, diese „Polypen-Formation“ sozusagen auslöst. Das ist ein Zusammenspiel aus verschiedenen Allergenen Reizstoffen, Bakterienschadstoffen, Viren und Pilzen. Die Situation ist aber sehr komplex und letztlich derzeit noch nicht vollständig aufgeschlüsselt, warum es zu diesen Polypenbildungen bei auch nicht jedem Patienten kommen kann. Es wird auch diskutiert, ob es eine genetische Komponente gibt. Allerdings ist das in der Routine-Abklärung noch nicht durchführbar.

Wer ist besonders häufig betroffen von Nasenpolypen?

Man kann im Prinzip nicht sagen, wer Nasenpolypen bekommen wird. Nasenpolypen kann an und für sich jeder bekommen, auch wenn man dafür keine Risikofaktoren hat. Wir wissen allerdings, dass Patienten mit anderen Atemwegserkrankungen wie zum Beispiel Asthma, deutlich häufiger an Nasenpolypen leiden. Ein spezieller Risikofaktor für die Entstehung von Nasenpolypen ist unter anderem auch die Schmerzmittel-Unverträglichkeit von nicht-steroidalen Antirheumatika. Bei diesen Patienten wissen wir, dass es zu sehr ausgeprägten Symptomen kommen kann und dass auch nach einer vorangegangenen Operation die Nasenpolypen sehr rasch wiederkommen können.

Welche äußeren Einflüsse können Beschwerden verstärken?

Im Prinzip können die Beschwerden durch jeden äußeren Einfluss verstärkt werden, der die Schleimhaut reizt. Manche Patienten beschreiben auch schon Symptomverschlechterungen, zum Beispiel durch starke Geruchsstoffe, durch Parfums. Zigarettenrauch kann die Schleimhaut weiter reizen und die Symptome verstärken. Darüber hinaus gibt es auch verschiedene Nahrungsmittel, die die Symptome deutlich verschlechtern können, vor allem histaminreiche Nahrungsmittel wie zum Beispiel Alkohol, Bier, Rotwein und bestimmte Käsesorten. Diese Nahrungsmittel sollten dann natürlich, um die Symptome nicht weiter zu verstärken, vermieden werden.

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Symptome bei Nasenpolypen

Was sind typische Symptome bei Nasenpolypen?

Typische Symptome bei Nasenpolypen sind in erster Linie die behinderte Nasenatmung, die verstopfte Nase, das Gefühl eines Dauerschnupfens und das Symptom, das für die Patienten eigentlich am schwerwiegendsten angegeben wird, ist die Einschränkung bzw. der Verlust des Riechvermögens. Das sind die zwei Hauptsymptome, die zumeist die größte Belastung darstellen. Darüber hinaus sind die Symptome aber sehr weitreichend. Das kann von Leistungsminderung über Konzentrationsstörungen bis hin zu depressiven Verstimmungen oder einer Depression führen. Darüber hinaus kann der Schlaf durch die behinderte Nasenatmung gestört sein. Und wenn Schlafstörungen auftreten, können dann darüber hinaus weitere Folgeerkrankungen entstehen.

Welche Auswirkungen haben Nasenpolypen auf den Alltag?

Nasenpolypen haben enorme Auswirkungen auf die Lebensqualität. Es ist zum einen nicht nur durch die behinderte Nasenatmung, durch das Gefühl eines Dauerschnupfens, durch das Gefühl einer ständigen Erkältung die Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Auch durch die Verminderung oder des Verlustes des Geruchs kann es zu enormen Einschränkungen in der Lebensqualität kommen. Das reicht über den Genuss von Nahrungsmitteln bis hin zum Genuss von Duftstoffen. Darüber hinaus kann es sein, dass Patienten mit einer eingeschränkten Riechminderung, auch der Sinn für potenzielle Gefahren, die durch Duftstoffe entstehen, fehlen kann. Das ist zum Beispiel der Geruch von verdorbenen Lebensmitteln oderBrandgeruch.

Darüber hinaus kann natürlich auch, der berufliche Alltag stark eingeschränkt werden, wenn man auf seinen Geruchssinn wie zum Beispiel als Koch angewiesen ist. Und mit einem Verlust des Geruchssinnes kommt es natürlich auch zu einem Verlust des Geschmackssinnes, was die Lebensqualität weiter einschränkt.

Wann sollte ich ärztlichen Rat einholen?

Eine HNO-ärzliche Untersuchung ist eigentlich bei jeder Behinderung der Nasenatmung oder bei jeglichen Nebenhöhlenproblemen wie Druckgefühl, Schmerzen, überschießende Sekretion anzuraten. Es müssen auch nicht immer Nasenpolypen sein, die die Probleme verursachen. Es lohnt sich einerseits die Ursache abzuklären und andererseits dann die geeignete Therapie zu finden.

Hier geht es zum Video-Interview: „Symptome bei Nasenpolypen“

Verlauf und Prognose von Nasenpolypen

Wie entwickeln sich Nasenpolypen im Laufe der Zeit?

Nasenpolypen entwickeln sich im Laufe der Zeit meist so, dass die Symptome zunehmen, da die Polypen weiterwachsen. Es kommt in den allerseltensten Fällen zu einem Stopp des Wachstums oder sogar zu einer Verkleinerung der Nasenpolypen. Es handelt sich hier um eine chronische Entzündungsreaktion und solange diese Entzündungsreaktion nicht gestoppt wird, kommt es zu einem weiteren Gewebeumbau, zu einer weiteren Vergrößerung der Polypen und zu einem Anhalten der Symptome.

Warum können Nasenpolypen nach der Behandlung wieder auftreten?

Nasenpolypen können nach einer Behandlung wieder auftreten, da wir derzeit in der HNO-Heilkunde keine Therapien zur Verfügung haben, die auf die Ursache der Erkrankung abzielen. Unser Ziel ist es, die Symptome bestmöglich zu kontrollieren, aber wir können den chronischen Entzündungsreiz in der Schleimhaut nur blockieren und nicht ursächlich behandeln. Jedoch haben wir derzeit sehr, sehr gute Möglichkeiten, auch durch anhaltende Therapien die Symptome sehr gut zu kontrollieren.

 Was passiert, wenn man Nasenpolypen nicht behandelt?

Wenn man Nasenpolypen nicht behandelt, dann werden die Symptome bestehen bleiben bzw. sich im Lauf der Zeit weiter verschlechtern. Die Gefahr, dass aus Nasenpolypen ein Tumor , eine gutartige oder gar eine bösartige Raumforderung entsteht, diese Gefahr besteht nicht. Jedoch wird die Einschränkung der Lebensqualität mit der Zeit immer deutlicher ausgeprägt.

Hier geht es zum Video-Interview: „Verlauf und Prognose von Nasenpolypen“

Der Weg zur Diagnose Nasenpolypen

Wie werden Nasenpolypen diagnostiziert?

Nasenpolypen werden durch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt diagnostiziert. Das geschieht so, dass zunächst ein ausführliches Anamnese-Gespräch stattfindet, das heißt die Krankengeschichte, die Beschwerden, die Einschränkungen der Patienten werden erfasst. Anschließend wird ein Blick in die Nase geworfen. Das geschieht zunächst mit einem sogenannten Speculum, mit dem die Nase geöffnet wird und der Hals-Nasen-Ohrenarzt einen Blick in die Nase bekommen kann. Zu einer genaueren und weiteren Untersuchung der Nase wird dann eine Nasenendoskopie durchgeführt. Das passiert mit einem Metallstab oder einem Plastikschlauch mit einer Kamera, mit der man einen sehr guten Eindruck über die Verhältnisse in der Nase bekommt. Zur weiteren Abklärung wird eine Computertomografie der Nasennebenhöhlen durchgeführt, damit man auch erkennen kann, was in den Nasennebenhöhlen, also um die Nase herum passiert. Weitere, meist sinnvolle Untersuchungen sind die Abklärung des Riechvermögens mit einem Riechtest und die Abklärung von respiratorischen Allergien. Falls andere Atemwegserkrankungen bestehen, wie zum Beispiel Asthma oder der Verdacht auf eine Asthmaerkrankung besteht, ist natürlich auch eine Vorstellung beim Lungenfacharzt sinnvoll.

An welche Ärzt:in, welchen Arzt wende ich mich?

Zur Abklärung von Nasenproblemen kann man sich nur an den Hals-Nasen-Ohrenarzt wenden.

Welche ergänzende Untersuchungen sind hilfreich, um Ursachen und Zusammenhänge besser zu erkennen?

Falls eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung besteht, sind noch weitere ergänzende Untersuchungen sinnvoll. Zum einen ist es notwendig, eine Computertomografie der Nasennebenhöhlen zu machen, um sich ein genaues Bild über die Situation in den Nebenhöhlen zu verschaffen. Falls der Verdacht auf andere Atemwegserkrankungen vorliegt, wie zum Beispiel eine Asthmaerkrankung, ist es sinnvoll, einen Termin beim Lungenfacharzt auszumachen, falls Probleme, die auf eine Allergie hinweisen, im Raum stehen, dann ist eine weitere Allergiediagnostik mittels Allergietests sinnvoll.

Hier geht es zum Video-Interview: „Der Weg zur Diagnose Nasenpolypen“

Meine Nachricht an Sie

Bei der Behandlung von Nasenpolypen oder von chronischer Sinusitis mit Polypen hat es in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gegeben. Wir haben nun auch Möglichkeiten, Patienten, die früher oft an wiederkehrenden Polypen oder an schlecht kontrollierten Symptomen gelitten haben, nun wesentlich besser zu behandeln. Es ist nun unser Ziel, auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass diese Erkrankung eine enorme Verschlechterung der Lebensqualität verursachen kann und auch ein frühzeitiges Erkennen dieser Erkrankung und ein frühzeitiges Behandeln der Symptome ist uns sehr wichtig.

Hier geht es zum Video-Interview: „Meine Nachricht an Sie“

Geprüft Priv.-Doz. DDr. Sven Schneider: Stand Mai 2026 | Quellen und Bildnachweis
CT
(Computertomografie)
Bildgebendes Verfahren. Dabei werden Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen durch den Körper geführt. Ein Computer verarbeitet die so erzeugten Bilder zu einer Schnittbildreihe. Dadurch ist eine genaue Beurteilung des untersuchten Körperteiles möglich. So können beispielsweise Lage und Größe von Organen und Tumoren dargestellt werden. Die Untersuchung ist schmerzlos.
Polyp
Ein Polyp ist eine weiche, gutartige Wucherung von Schleimhautgewebe. Er entsteht, wenn sich eine Schleimhaut über längere Zeit entzündet und aufquillt. Man kann ihn sich vorstellen wie eine kleine, wasserreiche Schleimhautausstülpung, die dort sitzt, wo eigentlich freie Luft oder Platz sein sollte.
Tumor
(„Geschwulst“)
Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.