5. Was Sie tun können

Wie kann ich den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen?

Es gibt unterschiedliche Methoden, die Sie selbst umsetzen können, um Ihren Krankheitsverlauf zu verbessern:

  • Therapeutisch begleitete aktive Bewegung
  • Passive Bewegung: Die Bewegung wird nicht durch die eigene Muskelkraft ausgeführt. Die Gelenke werden durch eine Therapeutin/einen Therapeuten bewegt.
  • Tragen von Schienen in der Nacht zur Vorbeugung von Fehlstellungen
  • Nutzen von Hilfsmitteln
  • Medikamentöse Behandlung: Tabletten, lokale Behandlungen im Muskel (zum Beispiel mit Botulinumtoxin), Sprays

Was ist abhängig vom Schweregrad der Spastik zu beachten?

Je nach Ausprägung und Lokalisation der Spastik können die Auswirkungen von leichten Behinderungen bei Alltagstätigkeiten bis hin zu schweren Einschränkungen der Selbstständigkeit reichen. Womöglich benötigen Sie auch bei sehr persönlichen oder intimen Aktivitäten Hilfe von Außenstehenden. Aber die Unterstützung lohnt sich: Sie müssen sich als Betroffene/r nicht alleine mit Ihren Schwierigkeiten auseinandersetzen. Spezialisierte ÄrztInnen, Physio- und ErgotherapeutInnen sowie Selbsthilfegruppen helfen Ihnen. Knüpfen Sie auch Kontakte mit anderen Betroffenen! So können Sie sich gegenseitig Mut machen und sich unterstützen, in einen Alltag mit guter Lebensqualität zu finden.

Welche Hilfestellungen können meinen Alltag erleichtern?

Sie sind mit einer Spastik nach einem Schlaganfall nicht allein! Es gibt viele Menschen, die eine Post Stroke Spastizität entwickeln. Um Ihnen den Alltag zu erleichtern, gibt es einige Hilfsmittel:

  • Kochen und Essen:
    • Teller mit erhöhtem Rand: hilfreich, um Essen mit nur einer Hand auf den Löffel oder die Gabel zu befördern
    • Einhänderbretter: diese Bretter haben spezielle Leisten, mit denen sie am Tischrand eingehakt werden können und so nicht verrutschen
  • Waschen und Ankleiden:
    • Bürsten und Badeschwämme mit Verlängerungsarmen erreichen entfernte Körperregionen bei eingeschränkter Bewegung
    • Schuhlöffel vereinfachen das Anziehen von Schuhen
  • Kleine Helfer im Alltag:
    • Greifzange: Aufheben von Gegenständen vom Boden oder vom Tisch
    • Großtastentelefon: Erleichtern die Bedienung von Telefonen

Zögern Sie nicht, andere um Hilfe zu bitten. Sprechen Sie bei Schwierigkeiten Ihre Ärztin/Ihren Arzt und Ihre TherapeutInnen an! Gemeinsam lässt sich so eine Lösung finden.

Wer kann mir helfen, mit den Einschränkungen besser umzugehen?

Zögern Sie nicht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen! Es gibt viele Fachbereiche und Therapieformen, die im Umgang mit Spastik Unterstützung bieten:

  • Rehabilitation: Nach einem Schlaganfall beginnen rehabilitative Maßnahmen bereits während des stationären Aufenthaltes. Im Anschluss kann die weitere Rehabilitation ambulant oder stationär fortgesetzt werden.
  • Ärztin/Arzt: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt sowie einer Fachärztin/einem Facharzt. Diese werden die weitere Therapie einleiten und koordinieren.
  • PhysiotherapeutInnen: Meist wird die Therapie zusammen mit der Ärztin/dem Arzt geplant. Die physiotherapeutische Betreuung ist die Grundlage für die Behandlung einer Spastik. Dabei werden betroffene Muskeln aktiv gekräftigt und Fehlstellungen entgegengewirkt. Die regelmäßige Durchführung kann sich positiv auf die Muskelbeweglichkeit auswirken.
  • Physikalische Therapie: Diese umfasst beispielsweise Maßnahmen wie Elektrotherapie, Wärme- und Kältetherapie.
  • ErgotherapeutInnen: Sie erlernen Techniken, die Sie im Alltag unterstützen. Dazu gehören auch die Beratung und Anleitung zu Hilfsmitteln.
  • Psychologische Betreuung: Bietet Ihnen Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung und gibt Ihnen Informationen zu Stressreduktion und Entspannung. Außerdem können Sie über Sorgen und Ängste sprechen und gemeinsam Lösungen für Schwierigkeiten finden.
  • Selbsthilfegruppen: Es gibt bundesweite und örtliche Organisationen, die Informationen zur Verfügung stellen und Betroffene miteinander vernetzen. Nutzen Sie die Angebote und Webseiten, um sich zu informieren und an Veranstaltungen teilzunehmen. Zum Beispiel:

Über welche Rechte und Ansprüche sollte ich Bescheid wissen?

Je nach Krankenkasse werden bestimmte Therapieleistungen bei Spastik nach Schlaganfall übernommen. Physiotherapie und Hilfsmittel können beispielsweise mit der Verschreibung von ÄrztInnen von der Krankenkasse erstattet werden. Erkundigen Sie sich bei der Krankenkasse auch nach anderen Leistungen!

Ist das tägliche Leben dauerhaft eingeschränkt, kann dies als Schwerbehinderung gewertet werden. Falls Sie einen entsprechenden Grad der Behinderung (GdB) vorweisen, stehen Ihnen Nachteilsausgleiche zu. Eine Wiedereingliederung in den Beruf kann sich als schwierig erweisen. Aus den körperlichen Beschwerden können auch psychische und emotionale Probleme resultieren. Betroffenen steht je nach Grad der Arbeitsunfähigkeit eine Rente zu. Informieren Sie sich in Bezug auf den individuellen Fall und klären Sie offene Fragen!

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Geprüft Prof. PD Dr. Gottfried Kranz: Stand Okt 2022

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.