2. Erste Anzeichen und Symptome einer Spastik

Was sind die Symptome einer Spastik nach Schlaganfall?

Neben der gesteigerten Muskelanspannung kann eine Spastik weitere Symptome hervorrufen. Diese sind ebenfalls durch die Schädigung des zentralen Nervensystems verursacht. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Schmerzen
  • Sensibilitätsstörungen (wie erhöhte Temperaturempfindlichkeit, verminderter Tastsinn)
  • Unkontrollierte Bewegungen, gestörte Bewegungssteuerung
  • Kontraktionen: das Anspannen und Zusammenziehen von Muskeln
    • Normalerweise werden Muskeln bewusst angespannt. Bei einer Spastik können Muskeln oder Muskelgruppen auch ungewollt angespannt sein.
  • Kontraktur: darunter versteht man eine Verkürzung oder Schrumpfung eines Muskels.
    • Das führt zu Bewegungseinschränkungen, wie zum Beispiel eine Fixierung der Arme oder Beine in einer Position und nur bedingte Möglichkeit diese in Normalstellung zu bringen
  • Verletzungen der Haut durch Reibungen bei Kontrakturen

Welche Körperregionen sind häufig betroffen?

Eine Spastik tritt nur in der Skelettmuskulatur auf, die bewusst aktiviert wird. Sie tritt nicht in der glatten Muskulatur auf, die an inneren Organen zu finden ist. Sie können beabsichtigt ihren Arm heben, weil Sie hier Skelettmuskulatur haben. Den Darm müssen Sie nicht bewusst dazu bringen, seine Tätigkeit auszuführen. Das passiert automatisch, weil Sie hier glatte Muskulatur haben.

Häufig tritt eine Spastik an den Armen und den Beinen auf. Aber auch im Rumpf, Hals- und Nackenbereich kann es zu erhöhter Anspannung der Muskulatur kommen.

Wodurch kann eine Spastik nach Schlaganfall verstärkt werden?

Faktoren, die eine Spastik verstärken, können bei Betroffenen sehr unterschiedlich sein. Häufige Einflüsse, die zu einer Verstärkung der Beschwerden führen, sind:

  • Temperaturschwankungen, zum Beispiel bei besonderer Kälte im Winter oder Hitze im Sommer
  • Schmerzen und Verletzungen von Haut und Gewebe
  • Operationen und Narben
  • Entzündungen, wie Harnwegsinfekte, Grippe, Fieber
  • Alltagsfaktoren, zum Beispiel Stress und innere Anspannung

Praktische Tipps, um emotionale Anspannung im Alltag zu reduzieren

Diese kleinen Alltagstricks helfen gegen das Gefühl von Stress

  • Erkennen von Stressoren
    Machen Sie sich Ihre aktuelle Situation klar. Ordnen Sie Ihre Anspannung auf eine Skala von 1-10 ein. Was könnte der Auslöser sein? Hängt ihre Anspannung mit bestimmten Tageszeiten oder Orten zusammen? Manchmal ist es schon hilfreich den Stressor zu erkennen, um weniger Anspannung zu verspüren.
  • Kurz innehalten
    Atemübungen für 1 Minute können überall und jederzeit durchgeführt werden. Suchen Sie sich eine bequeme Position, schließen Sie die Augen und atmen Sie gleichmäßig und ruhig.
  • Kurze Muskelentspannung
    Nehmen Sie bewusst Anspannung und Entspannung in Ihrem Körper wahr. Mehr dazu finden Sie auch in unserem Kurs zu der Progressiven Muskelentspannung.

Woran erkenne ich, dass ich eine Spastik habe?

  1. Zuerst wird der Muskel schlaff.
  2. Im weiteren Verlauf wird der Muskel zunehmend spastisch.

Erstes Anzeichen der Spastik ist eine Erhöhung der Muskelaktivität. Diese wird von Betroffenen nicht bewusst gesteuert und kann nicht willentlich gelöst werden. Anfangs wird die unkontrollierte Muskelanspannung erst durch ein plötzliches Stocken bemerkbar. Mit zunehmendem Fortschreiten führt die überaktive Muskulatur zu dauerhaften Verhärtungen und Versteifungen, sodass unbeabsichtigte Körperhaltungen eingenommen werden. Ist zum Beispiel ein Arm betroffen, so ist dieser gebeugt und zum Körper gedreht. Die Hand bildet häufig eine Faust.

Bei welchen Anzeichen sollte ich eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen?

Spastizität kann helfen bestimmte Bewegungsabläufe nach einem Schlaganfall durch einen Kraftausgleich wieder zu erleichtern. Eine vorhandene Aktivität und Anspannung von Muskeln schützt vor dem Funktionsverlust von Gelenken und dem Abbau von Muskulatur. Sobald Sie jedoch bemerken, dass bestimmte Bewegungen verhindert oder ungewohnte Bewegungsabläufe eingenommen werden, sollten Sie eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen. Scheuen Sie sich nicht davor frühzeitig Ihre Ärztin/Ihren Arzt bei beginnender Spastizität zu kontaktieren, um frühestmöglich eine sinnvolle Begleitung zum Wiedererlangen Ihrer Fähigkeiten zu erhalten!

Habe ich nach einen Schlaganfall Anspruch auf Nachsorgeuntersuchungen?

Ja, unbedingt! Die Nachsorge nach einem Schlaganfall dient zum einen der frühzeitigen Erkennung und Behandlung einer möglichen Spastizität. Zum anderen werden auch Risikofaktoren identifiziert, die zu einem Schlaganfall geführt haben. So soll weiteren Schlaganfällen vorgebeugt werden. Wenden Sie sich deshalb an:

  • HausärztInnen
  • NeurologInnen
  • InternistInnen
  • Schlaganfall- und Nachsorgeambulanzen

Die meisten SchlaganfallpatientInnen durchlaufen eine stationäre neurologische Rehabilitation. Wichtig ist nach der Akutversorgung ein langfristiges Behandlungskonzept. Elemente der Therapie in den ersten drei Monaten sind:

  • Physiotherapie: zur Wiederherstellung der motorischen Fähigkeiten
  • Ergotherapie: zur Wiedererlangung der Selbstständigkeit im Alltag und der Steigerung von Lebensqualität
  • Logopädie: zur Verbesserung der Sprach- und Stimmbildung, sowie des Schluckens
  • Psychotherapie: kann in der ersten Phase helfen Ängste und Depressionen zu reduzieren.

Wieso ist es wichtig die Spastik so früh wie möglich zu behandeln?

Infolge einer Spastik kommt es zunehmend zu einer Veränderung von Muskeln und Gewebe. Dies führt zur eingeschränkten Beweglichkeit und Fehlhaltungen der Gelenke. Um die Muskeln und Bewegungsfähigkeiten zu erhalten, ist es wichtig eine Spastik frühzeitig zu erkennen. So können Sie früh Ihre Behandlungsziele festlegen und ein weiteres Fortschreiten der Krankheit vermeiden.

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Geprüft Prof. PD Dr. Gottfried Kranz: Stand Okt 2022

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.