9. Minimalinvasive Methoden bei chronischem Schmerz – alle Fragen

Es gibt viele Ursachen für chronische Schmerzen. Wenn übliche Therapieverfahren die Schmerzen nicht lindern können, werden häufig minimalinvasive Therapiemethoden angewendet. Soll soll Ihre Lebensqualität gesteigert werden. Ao. Univ. Prof.in Dr.in Sabine Sator informiert über verschiedene minimalinvasive Verfahren, wann diese zur Therapie chronischer Schmerzen herangezogen werden und klärt über die Vor- und Nachteile auf.

Minimalinvasive Schmerztherapien

Was ist eine minimalinvasive Schmerztherapie?

Unter minimalinvasiver Schmerztherapie versteht man, dass man nicht wie im chirurgischen Operationssaal einen großen Hautschnitt macht und dort eindringt, sondern minimal, meistens mit einer Nadel bzw. über einen kleinen Hautschnitt, durch die Haut sticht und dort entweder ein Medikament bzw. eine Elektrode einbringt oder einen Nerv mit Hitze oder Kälte für einige Zeit stilllegt.

Gibt es Faktoren, die für eine minimalinvasive Behandlung sprechen?

Eine minimalinvasive Behandlung kommt infrage bei: therapierefraktären, meist neuropathischen Schmerzen, therapierefraktären Schmerzen im Rückenbereich, therapierefraktären Schmerzen im HWS Bereich mit Spannungskopfschmerz, therapierefraktären Kopfschmerzen und Schmerzen im Nervenverlauf von Händen und Füßen.

Davor muss die konservative Therapie völlig ausgeschöpft worden sein. Es muss auch abgeklärt worden sein, ob somatoforme Schmerzstörungen, also Seelenschmerz, Schmerzen die von der Psyche kommen, die Ursache sind. Wenn ja, sind minimalinvasive Schmerztherapien nämlich nicht sinnvoll.

Die minimalinvasive Schmerztherapie ist auch nur dann sinnvoll, wenn man sie in einem multimodalen, interdisziplinären Setting durchführt. Dafür müssen die Patienten adäquat vorbereitet und aufgeklärt werden. Gleichzeitig ist eine psychotherapeutische Unterstützung nötig, meistens im multimodalen Setting, der Schmerzbewältigung. Wenn es zusätzliche Begleiterkrankungen gibt, sind zum Beispiel verhaltenstherapeutische Ansätze, wie Traumabewältigung parallel dazu notwendig.

Ganz wichtig ist auch eine Bewegungstherapie, denn die Patienten müssen lernen, sich wieder zu bewegen. Sie müssen mit dieser Therapie einen gewissen Muskelaufbau erreichen, um den Muskel zu stärken, damit sie beispielsweise weniger Schmerzmittel benötigen und dementsprechend wieder in das normale Leben übergeführt werden können.

Darüber hinaus sind das Sozialleben und gleichzeitig die Resozialisierung sehr wichtige Aspekte. Wir integrieren Sie wieder in den Arbeitsmarkt, wenn Sie im Vorfeld, zum Beispiel durch chronische Schmerzen, nicht mehr adäquat arbeitsfähig waren.

Wenn alles andere passt, ist unser Ziel, Sie mit einer minimalinvasiven Schmerztherapie wieder zu resozialisieren und in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren. So können Sie das normale soziale Leben wieder aufnehmen und die Familiensituation soll damit wieder verbessert werden, mit einem verbesserten Schlaf und besserer Bewegung.

Welche Untersuchungen sind vor einem minimalinvasiven Eingriff zur Schmerztherapie erforderlich?

Zuerst benötigt man eine Diagnosesicherung, eine Abklärung. Wenn ein Patient beispielsweise von der Straße kommt und Schmerzen angibt, ist im Vorfeld sowohl eine adäquate klinische Untersuchung, ein grob neurologischer Status nötig. Wir müssen auch kontrollieren, ob bewegungsmäßig etwas vorliegt.

Meistens kommen die Patientinnen nach Konsultierung von vielen verschiedenen chirurgischen Fachrichtungen mit einer dicken Befundmappe. Dann ist der Patient meistens therapierefraktär und daher auch minimalinvasiv vorgesehen. Wir müssen dann schauen, ob die Befunde ausreichen sind, um zu sehen, ob in diesem Bereich zuvor noch andere Aspekte abzuklären sind.

Das wäre beispielsweise eine Voroperation bei Rückenschmerzen. Wenn wir an Spinal Cord Stimulation, also an einen Schmerzschrittmacher denken, dann betrifft das meist Patienten mit Rückenschmerzen, die zum Beispiel schon mehrere Voroperationen gehabt haben.

Es gibt auch Patienten, die Rückenschmerzen aufgrund einer Vertebrostenose haben. Das ist eine Verengung im Bereich des Rückenmarks, der Nervenwurzeln. In diesem Fall muss man kontrollieren, ob zuvor eine neurochirurgische Sanierung notwendig ist, um eine Entlastung zu erreichen, öfters von knöcherner Struktur, bevor man dann unsere verschiedenen minimalinvasiven Schritte der Therapien andenkt.

Darüber hinaus sind der neurologische Status, die Nervenleitgeschwindigkeiten, öfters MRIs vom BWS- und LWS-Bereich notwendig. Wenn wir eine größere Nervenblockade durchführen wollen, eine Spinal Cord Stimulation oder eine intrathekale Pumpenimplantation, dann ist eine neurophysiologische Testung, eine psychologische Testung, notwendig.

Dabei wird untersucht, ob im Vorfeld psychiatrische Begleiterkrankungen oder Komorbiditäten bestehen. Diese müssen wir immer mitbehandeln, denn man kann den Patienten nicht rein mit einem Blockade-Verfahren ausstatten, ohne das ganze Globale abzudecken, denn das wird nichts bringen. Das bedeutet, wenn wir dem Patienten nur eine invasive Technik zuführen, ohne beispielsweise eine zusätzliche psychotherapeutische Unterstützung oder Bewegungstherapie, dann wird der Patient auch nicht dorthin kommen, wo wir ihn erwarten und was wir ihm versprochen haben. Dementsprechend sind diese Tests im Vorfeld notwendig.

Wie für jede Operation, so gilt es auch für die minimalinvasive Technik, muss der Patient adäquat aufgeklärt werden. Es muss Blut abgenommen werden, um zu schauen, ob die Blutgerinnung und die Leber- und Nierenwerte passen. Wir kontrollieren, ob etwas vorliegt und ob wir etwas verbessern müssen. Wenn blutverdünnende Medikamente eingenommen werden, müssen diese im Vorfeld adäquat umgestellt werden.

Es ist daher öfters die Rücksprache mit einem Kardiologen zu halten, beispielsweise um abzuklären, ob wir diese Medikamente in der Zwischenzeit substituieren müssen, oder ob es ausreicht, beispielsweise die Thrombo ASS zwei Tage vorher zu pausieren. Wenn eine Heparin-ähnliche Substanz verabreicht wird, da gibt es bereits modernere, die man zwei bis fünf Tage pausieren muss, dann schauen wir, ob auf ein niedermolekulares Heparin umzustellen ist.

Diese Aspekte sind im Vorfeld abzuklären, wie bei jedem anderen operativen Geschehen auch, obwohl es eine minimalinvasive, entweder Blockade oder Implantationstechnik, ist.

Hier geht es zum Video-Interview: „Minimalinvasive Schmerztherapien”

Minimalinvasive Verfahren bei chronischen Schmerzen

Wann werden minimalinvasive Verfahren zur Therapie von chronischen Schmerzen eingesetzt?

Minimalinvasive Verfahren zur Therapie von chronischen Schmerzen werden eingesetzt, wenn die chronischen Schmerzen auf konservative Methoden therapierefraktär sind. Man beginnt konservativ mit einem medikamentösen, oralen bzw. transdermalen System oder auch mit Capsaicin, je nachdem, wenn es periphere neuropathische Schmerzen mit Allodynie sind, kombiniert  mit einer Schmerzbewältigung. Es ist auch zu kontrollieren, ob psychosomatische Ursachen vorliegen und dass ein adäquates, aktives Bewegungstherapieprogramm durchgeführt wird.

Wir schauen bei den chronischen Schmerzpatienten auch auf den Schlaf, der besonders ausschlaggebend ist. Er lässt sich durch eine unterstützende Medikation der Schmerzen verbessern, nicht durch zusätzliche Schlafmittel. Die adäquate Schmerzabdeckung ist wichtig, um zu schauen, dass der Schlaf verbessert wird.

Wenn das mit den konservativen Methoden nicht machbar ist, kann man dem Patienten, je nachdem, wo der Schmerz lokalisiert ist, verschiedene invasive Therapieverfahren vorschlagen. Dementsprechend müssen wir den Patienten im Vorfeld aufklären und Zusatzuntersuchungen einholen, um diese dann geplant durchzuführen.

Welche Vor- und Nachteile haben minimalinvasive Verfahren?

Die minimalinvasiven Verfahren umfassen ein großes Spektrum. Einerseits gibt es die kleinen Blockaden, die ambulant durchgeführt werden, wie zum Beispiel die Single-Shot-PDA (Single-Shot-Periduralanästhesie).

Dafür muss der Patient nüchtern, mit adäquaten Blutwerten kommen. Wenn er Diabetiker ist, sind natürlich auch Blutzuckerkontrollen notwendig. Der Patient kommt nach der Blockade in den Aufwachraum und kann bereits nach einer Stunde, wenn er wieder kreislaufstabil ist, wieder nach Hause gehen.

Die kleinen Nervenblockaden, wie Facettennervenblockaden, führen wir entweder mit Lokalanästhesie oder Radiofrequenz/Kryoapplikation ambulant durch.

Größere Blockaden sind zum Beispiel die lumbale Sympathikusblockade oder Coeliacusblockade, diese behandeln wir zweizeitig. Man macht zuerst meist eine Probeblockade und dann eine definitive Blockade, eine Neurolyse. Das ist eine neurologische Zerstörung des Nervs, entweder thermisch oder mit chemischer Neurolyse. Dafür muss der Patient eine Nacht stationär bleiben, er ist also drei Tage vor Ort mit zwei Übernachtungen.

Das Einsetzen des Schmerzschrittmachers, die Spinal Cord Stimulation oder die intrathekale Pumpenimplantation erfolgt ebenfalls mit einer stationären Aufnahme. Der Patient wird im Vorfeld aufgenommen, am nächsten Tag operativ versorgt und darf am übernächsten Tag nach der Kontrolle wieder heim, ins ambulante Setting.

Bei der Spinal Cord Stimulation wird die Operation zweizeitig durchgeführt. Zuerst gibt es eine Probeimplantation mit externer Ausleitung. Der Patient muss dann im normalen Umfeld austesten und schauen, ob es wirklich einen Benefit für ihn bringt. Wenn das der Fall ist, dann wird im zweiten Schritt zum Beispiel der Generator implantiert.

Das heißt, auch minimalinvasive Methoden erstrecken sich von einem minimalen Einstich um eine gezielte periphere Nervenstruktur bzw. den Epiduralraum aufzusuchen, oder zentrale, große Nervengeflechte, wie der Plexus coeliacus. Diese Blockade führt man röntgengezielt mit Kontrastmittel durch, das bedingt wieder eine stationäre Aufnahme. Von ambulant bis stationär ist also alles dabei.

Kann eine minimalinvasive Schmerztherapie die medikamentöse Schmerztherapie vollständig ersetzen?

Eine minimalinvasive Schmerztherapie kann in manchen Fällen die medikamentöse Medikation einsparen beziehungsweise total zum Absetzen bringen. Das hängt davon ab, welche Therapie man durchführt und welche Region betroffen ist.

Die Facettennerven Blockaden und Denervierungen machen wir zum Beispiel bei Leuten, die viel sitzen und wenig Bewegung machen. Dann sind die Facetten meistens durch die Drehung aktiv, mit dem Low Back Pain, mit dem lokalen Rückenschmerz. Wir machen dann zuerst eine Probeblockade und anschließend eine Neurolyse, entweder chemisch oder thermisch. Gemeinsam mit der Bewegungstherapie kann dieser Eingriff bewirken, dass man die ursprünglichen Medikamente ausschleicht und der Patient sich wieder gut bewegen kann und dementsprechend auch schmerzfrei bleibt.

Wenn Sie einen Bandscheibenprolaps, eine Vorwölbung oder einen Bandscheibenvorfall haben, dann kann man dies mit einer Single-Shot-PDA derartig abkürzen, dass der Patient diese Stufe und die neuropathischen Substanzen gut ausschleichen kann, zusätzlich mit einem gezielten Bewegungsprogramm.

Auch bei der Spinal Cord Stimulation ist das Ziel eine Reduktion der kontinuierlichen Schmerzmedikamente, damit der Patient sich wieder bewegen kann, sich besser fühlt und gleichzeitig fast keine Meditation mehr einnehmen muss.

Das gelingt nicht immer hundertprozentig, denn die Patienten haben oft Begleiterkrankungen, für die sie noch eine zusätzliche Schmerzmedikation einnehmen sollen, auch wenn wir den Rückenschmerz adäquat abgedeckt haben.

Das Ziel ist es, durch minimalinvasive Schmerztherapie die Schmerzmedikation zu reduzieren oder ganz auszuschleichen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Minimalinvasive Verfahren bei chronischem Schmerz”

Radiofrequenztherapie (RFT) bei chronischem Schmerz

Wie kann mir eine Radiofrequenztherapie bei chronischen Schmerzen helfen?

Die Radiofrequenztherapie ist ein definitives Verfahren, zum Beispiel für die Denervierung der Facettennerven. Es wird bei Patienten eingesetzt, die chronische Rückenschmerzen haben, oft im Low Back Bereich. Meist sind es jüngere Patienten, die viel sitzen und sich wenig bewegen. Sie sind meistens schon bei Drehbewegungen positiv und die konventionelle Therapie hat nicht adäquat geholfen.

Damit die Patienten sich wieder besser bewegen und die Schmerzen reduziert werden, kann man zuerst Probeblockaden mit einem Lokalanästhetikum machen. Wenn das positiv angesprochen hat, machen wir ultraschallgezielt eine Blockade, man kann den Nerv auch unter Röntgen Kontrastmittel-gestützt denervieren.

Dies kann einerseits mit Hitze und andererseits mit Kälte durchgeführt werden. Mit einer Erhitzung von bis zu achtzig Grad wird der Nerven kurzfristig verbrüht, dies nennt man eine thermische Neurolyse. Es gibt jedoch auch chemische Neurolysen, zum Beispiel durch Ethanol, das ist hochprozentiger Alkohol. Der Facettennerv wird dadurch ausgeschaltet.

Er kann sich innerhalb drei bis sechs Monaten dann wieder normal regenerieren. In dieser Zeit sollte die Schmerzverbesserung oder Freiheit stattgefunden haben. Meistens sollte der Patienten dann schon so weit mobilisiert worden sein, dass dieses Problem gar nicht erst wieder auftritt. Man versucht den Patienten längerfristig schmerzfrei zu bekommen, damit er sich normal bewegen kann.

Für welche Art von chronischen Schmerzen eignet sich die Radiofrequenztherapie besonders?

Die Radiofrequenztherapie eignet sich besonders bei chronischem Rückenschmerz. Die Facettennervendenervierung ist das Hauptgebiet für den chronischen Rückenschmerz, vor allem für den begrenzten chronischen Rückenschmerz.

Man kann die Therapie auch bei therapierefraktären Interkostalneuralgien machen. Die Schmerzen strahlen im Brustwirbelsäulenbereich aus, die Nerven ziehen entlang der Zwischenräume vom Brustkorb. Dort können die Patienten therapiefraktäre Schmerzen haben, aber Nummer eins sind die Facettengelenksnervendenervierungen mit Radiofrequenz.

Man kann auch periphere Nerven denervieren, dafür würde ich jedoch keine Radiofrequenzdenervation mit Hitze im Hand- oder Fußbereich verwenden. Es kann nämlich zu praktischen Deafferenzierungsschmerzen kommen. Man kann sozusagen den bestehenden Schmerz durch einen noch stärkeren Schmerz ersetzen, der so therapierefraktär ist, dass man fast nichts mehr dagegen machen kann. Das sind dann unsagbare, brennende, blitzartig einschießende Schmerzen.

Deswegen würde ich diese Therapie nur gezielt bei den Facettennerven einsetzen. Für die peripheren Nerven würde ich eher die Kryotherapie einsetzen. Diese hat eine niedrigere Komplikationsrate bezüglich des Deafferenzierungsschmerzes. Dies ist zum Beispiel im Ilioinguinalis-Bereich häufig, wo man die Denervierung wegen therapierefraktären Schmerzen, z.B. nach einer Leistenbruch-Operation, durchführen kann.

Wie läuft die Radiofrequenztherapie ab?

Die Radiofrequenztherapie ist ein ambulantes Verfahren. Davor müssen wieder alle Blutwerte abgenommen werden und wir kontrollieren die Entzündungsparameter. Man macht klinische Untersuchungen, den grob neurologischen Status, wir untersuchen die Mobilität und führen Funktionstests der Wirbelsäule durch. Eventuell brauchen wir im Vorfeld auch MRI Untersuchungen, um zu kontrollieren, ob ein Prolaps berücksichtigt werden muss.

Wenn wir eine Facettennervendenervierung durchführen, wird der Patienten in Bauchlage gelegt. Wir machen es mit Ultraschall, es gibt aber auch die Möglichkeit, es mit Röntgen und Kontrastmittel gezielt darzustellen.

Dann versuchen wir bei der Radiofrequenz, einen motorischen und sensorischen Anteil herauszufiltern, indem wir das vorher testen. Wir schauen beispielsweise, dass keine Muskeln in diesem Bereich zucken, damit keine Lähmungserscheinung ausgelöst werden. Wenn diese beiden negativ sind, kann man die gezielte Nadel setzen.

Dann wird ein Lokalanästhetikum gegeben und eine bestimmte Nadel mit einem Führungskanal verwendet, damit man die Hitze, die später zur Neurolyse angewandt wird, nicht so verspürt. Denn der Patient würde es nicht aushalten, wenn achtzig Grad über seine Haut brennen, daher verwenden wir das Lokalanästhetikum.

Die Nadel kühlt nach dem neuen System so schnell ab, dass auch beim Herausziehen keine Verletzungen des Stichkanals produziert werden. Früher gab es immer wieder Möglichkeiten beim Stichkanal, dass es so heiß wurde, dass beispielsweise Muskelfasern verbrannt wurden.

Eine mögliche Komplikation kann sein, dass es zu segmentalen Ausfällen kommt, wenn der motorische Anteil im Vorfeld nicht ausreichen getestet wurde, dieser kann mit der nervalen Versorgung mitbetroffen sein. Wir haben das in den letzten zwanzig Jahren jedoch nicht beobachtet, aber es wird beschrieben.

Ansonsten sind Blutergüsse und Entzündungen des Stichkanals mögliche Komplikationen, über die der Patient im Vorfeld aufgeklärt werden muss. Wir haben diese in unserem Setting aber noch nicht beobachtet.

Wie lange hält der Effekt der Radiofrequenztherapie an?

Der Effekt der Radiofrequenztherapie hält durchschnittlich zwischen drei und sechs Monaten. Es gibt jedoch Patienten, die angeben, dass es nach sechs Wochen schon wieder aktiv ist.

Wir wissen, dass sich die Nerven innerhalb von drei bis sechs Monaten regenerieren, dann kann es sein, dass wieder eine Verschlechterung eintritt. Das sollte aber trotzdem nicht der Fall sein, weil wir den Patienten in dieser Zeit fördern, sodass er sich wesentlich mehr bewegt und Muskelaufbau betreibt, damit er nicht wieder den Punkt erreicht, an dem er im Vorfeld war.

Es ist daher sinnvoll die Radiofrequenzen durchzuführen und den Patienten gleichzeitig in ein multimodales Setting einzubinden, dass wir gleichzeitig und zukünftig etwas bewirken. Denn wenn die Regeneration der Nerven wieder eingetreten ist und es eventuell zu einer Schmerzverstärkung kommen könnte, beispielsweise durch Fehlbelastung, sollen die Symptome gar nicht erst wieder auftreten.

Im Prinzip kann man die Radiofrequenztherapie alle drei bis sechs Monate wiederholen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Radiofrequenztherapie (RFT) bei chronischem Schmerz”

Schmerzpumpe

Was ist eine Schmerzpumpe und wann wird sie eingesetzt?

Schmerzpumpen sind intrathekale Pumpen, die in den intrathekalen Bereich, das bedeutet in den Rückenmarksbereich, implantiert werden. Der Katheter wird implantiert und entweder an eine gasbetriebene oder eine elektronische Pumpe angeschlossen. Diese wird meistens im Bauchraum platziert.

Die Pumpen werden unter anderem bei der Tumorschmerztherapie, bei therapierefraktären Schmerzen verwendet, wo die konventionelle Schmerztherapie eingesetzt wurde, aber nicht gegriffen hat. Das umfasst die transdermalen, oralen Systemen bis zu den intravenösen Systemen, über die Vene.

Dann hat es Sinn, wenn man an die intrathekal Pumpe denkt, denn über diese kann man hoch konzentrierte Opiate mit weniger Nebenwirkungen geben und mit weiteren Medikamenten kombinieren. Zum Beispiel Clonidin für neuropathische Schmerzen zusammen mit Lokalanästhetika können den Schmerz deutlich reduzieren.

Es gibt noch eine zweite Gruppe therapierefraktärer, neuropathischer Schmerzen, das sind keine Tumorschmerzen. Wenn zuvor zum Beispiel die Spinal Cord Stimulation nicht gegriffen hat, gibt es dafür das Ziconotid und das Baclofen.

Das Ziconotid ist das Meerschneckengift, das ist die potenteste, antineuropathische Substanz, die für therapierefraktäre, neuropathische Schmerzen eingesetzt werden kann. Sie wird über die Pumpe appliziert, wo sie pro Tag kontinuierlich eine Rate halten.

Dann gibt es natürlich modernere Pumpensysteme, wo Sie zusätzlich die Möglichkeit haben, mit einem Handgerät selbst einen Bolus zu applizieren.

Die dritte Gruppe sind die spastischen Patienten, zum Beispiel nach Querschnittslähmungen oder einem Schlaganfall, wenn eine therapierefraktäre Spastizität auftritt. Dann kann man an Baclofen denken, welches man ebenfalls über die Pumpe kontinuierlich über den ganzen Tag verabreichen kann. Gleichzeitig haben auch diese Patienten die Möglichkeit, sich mit einem Handgerät Boli abzurufen, wenn es noch immer Spitzen gibt.

Wie wird eine Schmerzpumpe eingesetzt?

Die Schmerzpumpen Implantation ist ein operatives Verfahren, für das im Vorfeld verschiedene Abklärungen notwendig sind. Der Patient muss die adäquaten Blutabnahmen mitbringen und es gibt eine schriftliche und mündliche Aufklärung.

Man muss im Vorfeld auch abklären, ob der Spinalraum durchgängig ist. Es gibt öfters Patienten, bei denen eine Blockade besteht und wenn wir den Katheter dort einsetzen, kann die Substanz gar nicht weiter gehen. Bei Tumorpatienten und Nicht-Tumorpatienten muss man ein BWS, ein MRI oder CT durchführen, um zu schauen, ob der Spinalkanal durchgängig ist, um die intrathekale Medikation dorthin zu bringen, wo man sie haben möchte.

Der Patient wird stationär aufgenommen und muss nüchtern in den OP kommen. Meistens liegt er in einer stabile Seitenlage, um den Intrathekalkatheter zu legen. Man kann es auch in Bauchlage machen, jedoch ist die Seitenlage günstiger, weil man die Pumpe gleich nach der Katheterapplikation in den linken und rechten Bauchraum einbringen kann. Es ist ein einmaliger Eingriff, es werden nicht, wie bei der Spinal Cord Simulation, zwei Eingriffe gemacht. Bei der intrathekalen Pumpe werden Katheter und Pumpe gleichzeitig eingesetzt.

Eine Ausnahme wäre zum Beispiel ein Tumorpatient, für den die Lebenserwartung nicht genau definiert werden kann. In diesem Fall kann man zuerst ein Port mit dem Intrathekalkatheter legen und wenn man sieht, dass der Patient doch länger mobil ist und von der intrathekalen Pumpe profitieren würde, kann man den Port gegen die Pumpe austauschen.

Kommen wir zu den Komplikationen. Wenn der Patient stürzt, kann es sein, dass der Katheter disloziert. Wenn der Patient noch ziemlich mobil ist und immer wieder gewisse Bewegungen macht, kann es sein, dass der Katheter wieder herausrutscht, auch wenn er noch so gut verankert ist.

Es sind Infektionen möglich. Bei der Pumpenbefüllung können Keime eingebracht werden. Das kann beispielsweise passieren, wenn das Personal mit der Pumpenfüllung nicht so versiert ist. Deswegen sollte dies immer in Zentren ablaufen, die das Handling und die Komplikationen genau abdecken können.

Es kann zum Beispiel öfters statt einer Pumpe eine Pumpentasche befüllt werden, es hängt dann von der eingefüllten Substanz ab, welche Komplikationen auftreten können. Wenn man zum Beispiel ein hoch konzentriertes Opiat hat, welches in einer Pumpentasche ist und nicht in der Pumpe, dann kann dieses bis zur Atemdepression führen. Bei den anderen Substanzen wie Baclofen oder Ziconotid gibt es keine Fehlbefüllungen oder Komplikationen in diesem Sinne.

Wenn man die Opioide in die Pumpe einfüllt und die Pumpe zum Beispiel jahrelang liegt – früher hat man leider immer wieder auch Nicht-Tumorpatienten mit Opioiden über lange Jahre therapiert und die Pumpe befüllt – dann kann es zu sogenannten Granulomen auf der Spitze des Katheters kommen, wo die Substanz dann nicht mehr durchkommt.

Der Patient hat dann plötzlich einen Abfall der Opioid-Therapie und dementsprechend kann es zu einem Entzugssyndrom kommen. In diesem Fall muss man die Pumpe kurzfristig stilllegen und extern substituieren. Dann kann die Pumpe meist mit NaCl befüllt werden, damit das Granulom auf der Spitze des Pumpenkatheters, des Intrathekalkatheters, wieder verschwindet. Damit ist die Pumpe wieder voll funktionsfähig.

Wie erfolgt die Steuerung der Schmerzmittelgabe?

Das patientenkontrollierte, zusätzliche Handgerät bei diesen intrathekalen Pumpen ist durchaus möglich. Es ist nur bei zum Beispiel Patienten mit Baclofen sinnvoll, wo beispielsweise eine Spastizität vorkommen kann. Da ist es bei uns schon extra so programmiert, dass es zu keiner Überdosierung kommen kann. Einerseits ist das Tagesmaximum abgedeckt und andererseits sind keine zusätzlichen, überdosierten Boli möglich sind. Das ist vorprogrammiert und nur das kann er sich geben.

Bei den Opioiden würde ich das nicht tun, bei Tumorpatienten kann man das mit einem anderen externen Verfahren abdecken. Mit der Handpumpe ist es bei den Tumorpatienten meistens nicht möglich, weil wir keine elektrischen Pumpen implantieren, sondern gasbetriebene Pumpen, die kein Handgerät haben.

Das ist ein Unterschied, nur die elektronischen Pumpen haben ein Handgerät zur Steuerung für den Patienten. Die gasbetriebenen Pumpen haben keine Handsteuerung. Nachdem der Tumorpatient eine meist begrenzte Möglichkeit der Lebensdauer hat, entscheidet man sich meistens für eine gasbetriebene Pumpe, weil diese in der Anschaffung meist günstiger ist als eine elektronische.

Was ist im Alltag mit einer Schmerzpumpe zu beachten?

Bei der Schmerzpumpe muss man schauen, wo der Patienten lebt. Es gibt Gebiete, zum Beispiel in Österreich oder der Schweiz, wo Gebirgsregionen vorkommen und die Höhenlage dementsprechend höher ist. Je nach Höhe, in welcher der Patient lebt, ist der Luftdruckbereich anders. Dies kann bedingen, dass die Durchflussrate bei einer gasbetriebenen Pumpe beschleunigt wird.

Dasselbe gilt bei Hitzeeinwirkung, wenn man massiven Hitzeeinwirkungen ausgesetzt ist, kann es sein, dass das Medikament schneller abgegeben wird. Das ist aber nur bei gasbetriebenen Pumpen der Fall, bei den elektronischen Pumpen ist das größtenteils ausgeglichen.

Der Patient befüllt die Pumpe nicht selber. Die Füllung, die Punktion, wird immer von einem Implantationszentrum, von einem spezialisierten Zentrum unter hoch sterilen Bedingungen durchgeführt. Die Pumpe liegt unter der Haut verpackt, damit nichts daran kommt. Man kann sie nicht sehen, außer vielleicht von außen, dass sie implantiert wurde. Die Sterilität ist gewahrt, da es ein geschlossenes System ist.

Ansonsten kann sich der Patienten normal bewegen, aber beispielsweise Bungee-Jumping oder ähnliches sollten vermieden werden. Denn das sind die Auf- und Abbewegungen, bei denen die Pumpe luxieren beziehungsweise reißen kann. Diese Aktivitäten machen die Patienten im Normalfall aber auch eher nicht.

Hier geht es zum Video-Interview: „Schmerzpumpe”

Ganglionblockade bei chronischem Schmerz

Was ist ein Ganglion und was hat das mit chronischen Schmerzen zu tun?

Es gibt verschiedene Ganglien, wenn man zum Beispiel eine Trigeminusneuralgie hat, gibt es das Ganglion Gasseri im oberen Bereich oder das Ganglion cervicale superius. Dieses kann man lokal, im ambulanten Setting blockieren, zum Beispiel mit Buprenorphin. Es wird über den Mund in das Ganglion cervicale superius eingespritzt oder man kann von lateral mit einer sterilen Nadel hineingehen und es dort so blockieren. So kann man die Schmerzspitzen bei der Trigeminusneuralgie nehmen, bis der Patient adäquat mit einem Neuroleptikum oder einem Antikonvulsivum eingestellt ist.

Dann gibt es die Gaglion stellatum Blockade, da sind wir schon eine Etage tiefer, oder die Plexus coeliacus oder eine lumbale Sympathikusblockade. Das sind alles sympathisch innervierte Nervenstrukturen, das bedeutet, dass hier der Sympathikus aktiv ist. Man kennt den Sympathikus und den Parasympathikus, der Sympathikus ist für die Aktivität verantwortlich, die den massiven, sympathisch aufrechterhaltenen Schmerz verursacht, zum Beispiel beim Stellatum betrifft es die obere Extremität, besonders die Hand.

Auch beim CRPS, das ist das komplexe regionale Schmerzsyndrom und Morbus Raynaud, bei dem die Patienten im Winter immer blaue Hände mit massiven Schmerzen haben, kann man eine Ganglion stellatum Blockaden setzen. Das wird unter Ultraschallkontrolle mit entweder einem Lokalanästhetikum oder einem Opiat gespritzt. Wenn man ein Lokalanästhetikum spritzt, ist das meistens zur Kontrolle, man sieht dann, dass das Auge zu tränen anfängt, die Pupille erweitert ist und die Hauttemperatur deutlich steigt. Es wäre sinnvoll, dies zu monitorieren, um zu sehen, dass es adäquat gewirkt hat.

Gerade bei CRPS wäre das eine sinnvolle Methodik, um den Patienten anschließend direkt zur physikalischen Therapie herunterzuschicken. Ziel ist, dass er danach zum Beispiel adäquat die Hand bewegen kann, die er vorher nicht bewegen konnte, damit eine Verbindung zwischen Bewegung und Schmerzreduktion, unter einem gezielten Blockadeverfahren, ist.

In diesem Bereich würde ich jedoch keine Neurolyse oder Denervation machen. Denn dann würde zum Beispiel dieses erweiterte Auge, das hängende Auge oder das tränende Auge konstant bleiben, weil die Regeneration bis zu einem halben Jahr dauert. Das ist einem Patienten nicht zumutbar.

Bei der Sonnengeflechtblockade mit Oberbauchschmerzen, zum Beispiel bei einem Bauchspeicheldrüsen- also Pankreaskarzinom oder Magenkarzinom, durch den man gürtelförmig Schmerzen hat, ist es sinnvoll, so früh wie möglich, an diese Blockade zu denken. So kann man nämlich Schmerzmedikamente einsparen und gleichzeitig den Schmerz so reduzieren, dass wieder eine adäquate Lebensqualität erreicht wird.

Dann gibt es auch noch die kleineren Blockaden, beispielsweise des Ganglion impar oder des Ganglion hypogastricus superior und inferior. Die Blockade ist bei therapierefraktären Schmerzen im gynäkologischen oder urologischen Bereich sinnvoll. Zum Beispiel nach Prostatasektionen oder gynäkologischen Cervixkarzinomen, Urothelkarzinomen oder Harnblasenkarzinomen kann man neuropathische Schmerzen mit diesem Verfahren gut nehmen. Zusätzlich wird die Schmerzmedikation deutlich vermindert oder sogar ersetzt. Meistens sind gerade bei diesen Schmerzen die Schmerzmedikamente nicht adäquat einsetzbar.

Kann die Ganglienblockade bei jeder Form von chronischen Schmerzen eingesetzt werden?

Nein, die Ganglienblockaden können nicht bei jeder Form von chronischen Schmerzen eingesetzt werden. Das Einsatzgebiet ist klar definiert, sie werden bei sympathisch aufrechterhaltenen Schmerzsyndromen angewandt.

Darüber hinaus auch bei den kleineren Ganglien, wo therapierefraktäre, lokale Schmerzen, vor allem im Genitalbereich oder Urogenitalbereich, auftreten, die durch Voroperationen oder Tumore entstanden sind.

Dort kann man die Ganglien relativ gut und gezielt lahmlegen. So kann der Patient Medikamente einsparen und gleichzeitig ist sein Schmerz deutlich reduziert beziehungsweise ganz verschwunden.

Wie läuft die Ganglienblockade ab?

Das hängt davon ab, welches Segment des Körpers wir behandeln. Die Behandlung im oberen Bereich, wie bei Trigeminus, Ganglion cervicale superius, Ganglion Gasseri oder Ganglion stellatum, wird im ambulanten Setting durchgeführt. Im Vorfeld benötigen wir eine Kontrolle aller Blutwerte und eine Aufklärung.

Die größeren Blockaden sind der Plexus coeliacus, die lumbale Sympathikusblockaden, das Ganglion impar und hypogastricus inferior und superior. Hierbei gibt es auch operative Aufklärungen und ein Blutbild, die Nüchternheit ist bei allen Blockaden erforderlich.

Die größeren Blockaden finden im stationären Setting statt. Das heißt, dass Sie zwei Nächte hier übernachten müssen, weil im Vorfeld eine Probeblockade stattfindet. Wenn diese das Schmerzareal abdeckt, so wie wir und der Patient es vorgesehen haben und er sich damit auch wohlfühlt und eine über fünfzigprozentige Schmerzreduktion hat, dann wird die Neurolyse in diesem Bereich durchgeführt. Dementsprechend bleiben Sie eine Nacht stationär. Das Verfahren wird unter sterilen Bedingungen, röntgengestützt mit Kontrastmittel durchgeführt.

Die kleineren Blockaden, wie das Ganglion stellatum, werden ultraschallgezielt durchgeführt. Zum Beispiel im oberen Bereich, wie dem Kopfbereich, Ganglion cervicale superius oder trigemnius, werden mit Lokalanästhesie durchgeführt beziehungsweise mit Opioid Buprenorphin durchgeführt und gleichzeitig machen wir Sitzungen, bis zehnmal, so lange, bis halt das Antikonulsium hinein titriert wurde.

Das Ganglion stellatum macht man meist auch bis zehnmal mit Lokalanästhetikum, in Zusammenhang mit einer physikalischen Therapie, damit das in Schwung kommt, damit der Patient auch durch die Bewegung einen Benefit und eine Schmerzreduktion erreicht.

Die größeren Blockaden im Plexusbereich, Plexus coeliacus, hypogastricus superior inferior, Ganglion impar oder zentrale Sympathikus Blockade, die macht man zweizeitig. Wir machen zuerst eine Probeblockade und dann die definitive Blockade, die Neurolyse. Die Neurolyse ist entweder chemisch oder thermisch, mit einer Thermoapplikation.

Kann ich mich im Anschluss an die Behandlung uneingeschränkt bewegen?

Es ist das Ziel, dass ich mich anschließend, nach einer Blockade, verbessert bewegen kann. Wir möchten die Schmerzen reduzieren, das hängt aber natürlich auch vom Blockadeverfahren ab. Bei der Coeliacus Blockade, der Hypogastricus inferior superior oder impar, ist der lokale Schmerz meist durch Tumorschmerzen bedingt. Dass ich mich in diesem Fall besser bewegen kann, hat nicht die Mobilität zugrunde liegend.

Bei der lumbalen Sympathikus Blockade ist es so, dass ich mich danach besser bewegen kann. Diese wird zum Beispiel auch bei Durchblutungsstörungen oder CRPS eingesetzt, wo die Mobilität eingeschränkt ist. Wenn ich diese Blockade durchgeführt habe, sollte die Mobilität auch dahingehend verbessert werden, dass ich längere Strecken schmerzreduziert oder schmerzfrei gehen kann.

Beim Ganglion stellatum ist es so, dass wenn ich beispielsweise eine Blockade bei CRPS mache und anschließend die Bewegungstherapie durchführe, dann sollte ich danach auch eine verbesserte Beweglichkeit haben. Das Ziel ist auch hier, dass ich meine schmerzende Hand besser bewegen kann.

Hier geht es zum Video-Interview: „Ganglionblockade bei chronischem Schmerz”

Vereisung (Kryoanalgesie) bei chronischem Schmerz

Was bedeutet Kryoanalgesie und wann wird diese eingesetzt?

Die Kryoapplikation führen wir genauso wie die Theramoapplikation durch, zum Beispiel beim peripheren Nerven, wenn man zum Beispiel im Vorfeld, nach einer Leistenhernie im Ilioinguinalis-Bereich, wo die Nerven verlaufen, Schmerzen hat. Meist im rechten Unterbauch, die blitzartig einschießend, brennend sind und das Hautareal auch unangenehm sein kann.

In diesem Fall ist es sinnvoll, die Nerven zum Beispiel ultraschallgezielt, mit einem Lokalanästhetikum auszuschalten. Wenn man bereits mehrmals mit einem Lokalanästhetikum probiert hat, den Schmerz auszuschalten und der Patienten wirklich ein Benefit hat, dann kann man es mit dem Kryoverfahren behandeln.

Zuerst wird das Lokalanästhetikum gespritzt und die Nadelspitze vereist den Nerven mit einer extremen Temperatur von bis zu minus fünfundsechzig Grad. Wir hoffen dann, dass in diesem Bereich zwischen drei Wochen und sechs Monaten Ruhe ist.

Beim Kryoverfahren nimmt man an, und es ist auch im klinischen Alltag zu sehen, dass weniger Deafferenzierungsschmerzen auftreten, als wenn sie in dem Bereich zum Beispiel durch eine Hitze, um die fünfundachtzig Grad, eine Läsion setzen. Dann kann es sein, dass wir dort einen  Deafferenzierungsschmerz setzen.

Dementsprechend sind die Kryobehandlungen eher für die peripheren, beispielsweise bei den Interkostalneuralgien oder Carpaltunnel-Syndromen, sinnvoll.

Wie läuft der Eingriff ab?

Der Eingriff ist ein ambulantes Verfahren, das bedeutet, dass im Vorfeld eine adäquate Aufklärung und Blutabnahme nötig sind. Der Patient liegt meistens auf dem Rücken, weil es entweder den Unterbauch oder den Interkostalraum betrifft. Es kommt jedoch auf die zu behandelnde Region an.

Bei einem Eingriff im Interkostalraum kann es sein, dass wir eine Seitenlage brauchen, wenn wir eine Verödung im hinteren Bereich durchführen müssen. Die Behandlung verläuft ultraschallgezielt, unter sterilen Bedingungen.

Man testet davor wieder den sensorischen und motorischen Anteil. Nachdem man das adäquat geprüft hat, setzt man nach Applikation eines Lokalanästhetikums die Vereisung. Diese hat meist eine Temperatur von minus fünfundsechzig Grad.

Die Nerven sprießen im Schnitt nach drei Monaten wieder aus, es dauert zwischen sechs Wochen und drei Monaten, öfters dauert es sogar bis zu sechs Monaten. Die Therapie kann man immer wieder anwenden, wenn man sie bereits ein bis zweimal gemacht hat, kann sie sogar dauerhaft sein.

Können durch die Therapie Empfindungsstörungen auftreten?

Es können Empfindungsstörungen bezüglich der Hautsensibilität entstehen, meistes gibt es in diesem Bereich jedoch schon Missempfindungen oder die Haut ist massiv unangenehm, wie Allodynie. Es kann dann sein, dass man durch dieses Verfahren nichts mehr spürt, das heißt, man hat keinen Schmerz, man empfindet in diesem Bereich aber auch keine Berührungen mehr.

Es ist ein im Vorfeld bereits geschädigtes Areal und unser Ziel ist es, dieses nicht zusätzlich zu schädigen, also keinen motorischen oder sensiblen Anteil. Es gibt die Möglichkeit, wenn  im Vorfeld schon etwas war, wenn der Nerv geschädigt ist, dass man nur den Schmerz nimmt, danach aber keine Sensation mehr zu spüren ist.

Es ist reversibel, aber wenn Sie bereits vorher eine fehlende Empfindlichkeit der Haut in diesem Bereich hatten, kann durch das Verfahren keine Rückgängigkeit erreicht werden, von dem, was im Vorfeld durch beispielsweise eine Operation oder ein Virusgeschehen lahmgelegt wurde.

Hier geht es zum Video-Interview: „Vereisung (Kryoanalgesie) bei chronischem Schmerz”

Rückenmarkstimulation (SCS) bei chronischem Schmerz

Was versteht man unter Neuromodulation als Überbegriff für Verfahren, wie beispielsweise die Rückenmarkstimulation?

Bei einem Neuromodulationsverfahren werden Elektroden in verschiedenen Bereichen des Körpers eingebracht, einerseits in den Rücken, in den Epiduralraum, den Rückenmarksbereich, wo zum Beispiel ausstrahlende Rückenschmerzen sitzen.

Teilweise kann man Elektroden auch in den peripheren Nervenbereich einbringen. Es gibt Elektroden, die man subkutan einbringt, zum Beispiel bei total umschriebenem Rückenschmerz, wenn Rückenschmerzen im hinteren, unteren Bereich liegen oder bei therapierefraktären Kopfschmerzarten.

Für die tiefe Hirnstimulation werden die Elektroden direkt ins Hirn eingesetzt, beispielsweise für therapierefraktären Zentralschmerz. Diese Elektroden werden mit Aggregaten verbunden, genauso wie ein Herzschrittmacher, um die Elektroden konstant zu stimulieren.

Meistens kann man sie mit einem Aggregat verbinden, das bis zu zehn Jahre wiederaufladbar ist. Alle zehn Jahren muss es dann ausgetauscht werden. Wenn die Stromstärken aber nur wenig verwendet oder nur wenig gebraucht werden, dann kann man über ein nicht wiederaufladbares Aggregat nachdenken. Dieses hält ungefähr fünf bis sieben Jahre.

Bei den Neuromodulationsverfahren gibt es verschiedene Techniken, wo Elektroden mit einem Schrittmacher verbunden sind, damit sie konstant stimuliert werden.

Bei welchen Formen von chronischen Schmerzen kann die Rückenmarkstimulation eingesetzt werden und wann ist sie besonders geeignet?

Die Rückenmarkstimulation, auch Spinal Cord Stimulation genannt, wird bei therapierefraktären, neuropathische Schmerzen in den Epiduralraum eingesetzt.

Meistens verwendet man sie zum Beispiel bei Postlaminektomie Syndromen. Das sind Patienten, die wegen der Rückenschmerzen voroperiert wurden, beispielsweise orthopädisch oder neurochirurgisch. Sie haben dann einen Low Back Pain und gleichzeitig einen ausstrahlenden Schmerz.

Weitere Einsatzgebiete der Rückenmarkstimulation sind die therapierefrakären, neuropathischen Schmerzen, zum Beispiel ausstrahlend von einer Extremität, CRPS, das Complex Regional Pain Syndrome und Durchblutungsstörungen.

Es gibt Patienten, die zum Beispiel Rückenschmerz haben, zusätzlich gibt es viele Patienten, die Rückenschmerzen und gleichzeitig eine Durchblutungsstörung haben. Dadurch ist die Gehstrecke vermindert und es ist ideal, an eine Spinal Cord Stimulation zu denken. Man kann so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn sowohl die Durchblutung als auch die Gehstrecken können so verbessert werden. Gleichzeitig wird der ausstrahlende Schmerz abgedeckt.

Die therapierefraktäre Post-Zoster-Neuralgie, auf Deutsch die Gürtelrose, ist ein weiteres Haupteinsatzgebiet. Es gibt auch untergeordnete Anwendungsbereiche, die aber nicht so prägnant sind wie die bereits genannten. Die Hauptsächlichsten sind die Postlaminektomie Syndrom Patienten, die voroperierten Patienten mit chronischen Rückenschmerzen oder Patienten mit PAVK, mit peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten.

Bei Angina Pectoris Patienten wären es eine eher untergeordnete, aber dennoch wichtige Diagnose. Wenn Sie eine therapierefraktäre Angina Pectoris haben, kann man ebenfalls an eine BWS implantierte Epiduralsonde denken. Diese kann die Schmerzen der Angina pectoris abdecken und gleichzeitig die Durchblutung dort steigern.

Wenn Sie CRPS im oberen Bereich, in den Händen haben, dann kann man sich auch eine epidurale Stimulation im HWS Bereich überlegen.

Wie läuft der Eingriff für die Rückenmarkstimulation ab?

Die konventionelle Spinal Cord Stimulation Implantation ist wie ein operativer Eingriff. Wir müssen den Patienten dafür stationär aufnehmen und ihn im Vorfeld adäquat grob klinisch und klinisch untersuchen.

Es wird geschaut, ob eine Nervengeschwindigkeit da ist, wir kontrollieren den BWS, LWS oder HWS Bereich, je nachdem, auf welcher Höhe wir die Elektronen für die Implantation einbringen müssen. Es hängt von der Indikation beziehungsweise der Diagnose ab.

Im Vorfeld wird eine psychologische Testung gemacht, und die psychotherapeutische Schiene beziehungsweise die Schmerzbewältigung begleitend zu legen. Der Patient wird auch einem physikalischen Therapeuten vorgestellt, um im Vorfeld ein adäquates Bewegungsprogramm zusammenzustellen.

Dann wird der Patient schriftlich und mündlich aufgeklärt, einerseits über das Implantationsverfahren, andererseits begleitend anästhesiologisch. Das Verfahren führen wir unter Lokalanästhesie durch, zusätzlich gibt es einen Anästhesiologen Standby.

Der Patient muss alle Blutwerte abgenommen bekommen, dazu zählt CRP, Blutbild, Blutgerinnung, Nierenwerte und Leberwerte, um diese zuvor zu kontrollieren. Gleichzeitig muss der Patient gefragt werden, ob er blutverdünnende Substanzen einnimmt, um diese vor dem Eingriff umzustellen.

Der Patient wird stationär aufgenommen und wie vor jeder größeren Operation muss er nüchtern sein. In Bauchlage, unter Röntgenkontrolle wird in einem Zentral-OP probeimplantiert. Die Elektroden werden probemäßig extern ausgeleitet und mit einem externen Schrittmacher versehen.

Der Patient wird am nächsten Tag der Operation bereits wieder nach Hause in sein Umfeld entlassen. Dort kann und soll er alles machen, wie bisher, er soll seine normale tägliche Arbeit verrichten, um zu schauen, ob die Implantationstechnik beziehungsweise das schmerztherapeutische Verfahren einen Benefit für den Patienten bringt.

Das machen wir meistens zwei bis drei Wochen, extern ausgeleitet. Der Patient kommt ungefähr alle drei bis fünf Tage zu den Wundkontrollen ins Haus, diesbezüglich kann er auch zusätzlich über den Hausarzt versorgt werden.

Nach zwei bis drei Wochen wird der Patient wieder für zwei Tage stationär aufgenommen, denn wenn er einen Benefit von mehr als fünfzig Prozent hat, wird das Aggregat in eine Stelle implantiert. Meistens in den Glutealbereich oder alternativ in den Bauchbereich, wenn der Patient es nicht schafft, nach hinten zu greifen.

Am nächsten Tag wird er wieder entlassen und zur Nahtentfernung einbestellt. Zusätzlich kommt er einen Monat und ein halbes Jahr nach der Implantation zu Kontrolle. Es ist wichtig, dass Sie sich auch bei uns melden, wenn es zwischendurch Probleme gibt, beispielsweise wenn die Stimulation verändert werden muss,

Wenn das ganze System implantiert ist, kann es im Laufe der Zeit natürlich zu Aggregatsinfektionen kommen, zum Beispiel wenn der Patient massiv abnimmt. Das Aggregat kommt dann immer dünner zum Hautbereich und durch Scheuern, durch das Aufladen des Geräts, kann es zu Hautirritationen und Entzündungen kommen.

Als weitere Komplikation können die Elektroden verrutschen, wenn der Patient plötzlich stürzt. Durch ein Schleudertrauma, wie wenn man die Treppen hinunter stützt, kann es zu einer Dislokation oder einem Bruch der Elektroden kommen. In diesen Fällen müssen die Elektronen dann leider ausgetauscht werden.

Ansonsten ist es ein relativ sicheres Verfahren, der Patient kann und sollte alles machen, auch verschiedene Sportarten. Es ist wie beim Herzschrittmacher, es ist ein elektronisches Implantat. Man muss aufpassen, denn es kann zum Beispiel bei der Kontrolle in Kaufhäusern zu einer Alarmierung kommen, auch beim Check-in am Flughafen. Es gibt einen Implantationsausweis, um das auszuschließen.

In der Probephase darf der Patient, wegen der extern ausgeleiteten Elektroden, nicht Autofahren. Erst wieder, wenn das gesamte System implantiert ist. Ansonsten ist es wichtig, dass der Patient nach der Implantation die Bewegungstherapie plant. Oft ist es als Abschlussheilverfahren sinnvoll, einen Turnus zu machen, bei dem man viel Bewegung macht, wieder in Bewegung kommt und gleichzeitig vielleicht auch Gewicht reduziert.

Das kann man zusätzlich mit einem verhaltenstherapeutischen Turnus kombinieren, damit man gleich alles auf einmal umgekrempelt und auf Schiene bringt. Das umfasst nicht die Implantation, sondern auch die anderen Felder, das sollte man im Vorfeld organisieren. Ansonsten sollte man schauen, dass der Patient weiterhin in Bewegung bleibt.

Wie kann ich die Stimulation selbst steuern?

Einerseits wird die Stimulation intraoperativ und postoperativ von uns und unseren Technikern eingestellt. Es gibt verschiedene Programm-Modi, die der Patient, mit einem speziellen Handgerät, das er mitbekommt, selber regulieren kann. Er kann die verschiedenen Programme, je nachdem, wie er sich fühlt, anspielen.

Andererseits sind die modernen Systeme schon so toll geregelt, dass sie sich auch nach der Lagepositionierung von selbst einstellen. Früher war das nicht möglich, ganz am Anfang war es zum Beispiel so, dass der Patient die Stimulation jedes Mal, wenn er sich hinlegen wollte, zurückdrehen musste, damit er diese nicht so stark bis hin zu unerträglich spürt.

Heutzutage ist es ein automatisches Programm, das sich je nach der Positionierung des Körpers von selbst anpasst. Der Patient kann das Gerät gänzlich ausstellen oder die verschiedenen Programme einstellen. Je nachdem, wie das Gerät im Vorfeld von unserem Techniker programmiert wurde.

Hier geht es zum Video-Interview: „Rückenmarkstimulation (SCS) bei chronischem Schmerz”

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Geprüft: Ao. Univ. Prof.in Dr.in Sabine Sator: Stand März 2024 | Quellen und Bildnachweis

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(Zirkardianer Rhythmus )
Biologisches Phänomen, das in einem Rhythmus von ungefähr 24-Stunden bestimmte körperliche Funktionen beeinflusst.  Ein Beispiel ist der Schlaf-Wach-Zyklus durch die Freisetzung des Schlafhormons.
Aggregat
Das Aggregat ist das Kernstück der Rückenmarkstimulation. Von diesem werden die Elektroden im Epiduralraum gesteuert.
ambulant
Die Behandlung erfolgt ohne einen nächtlichen Aufenthalt im Krankenhaus.
Ausschleichen
In der Medizin Begriff für das schrittweise Reduzieren der Dosierung eines Medikaments bis zum Absetzen.
CT
(Computertomografie)
Bildgebendes Verfahren. Dabei werden Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen durch den Körper geführt. Ein Computer verarbeitet die so erzeugten Bilder zu einer Schnittbildreihe. Dadurch ist eine genaue Beurteilung des untersuchten Körperteiles möglich. So können beispielsweise Lage und Größe von Organen und Tumoren dargestellt werden. Die Untersuchung ist schmerzlos.
Elektroden
Eine Elektrode ist ein elektrisch leitendes Objekt. Diese kann sowohl außerhalb des Körpers angebracht werden, wie beim EKG, oder im Körper.
Epiduralraum
Der Epiduralraum liegt zwischen der Knochenhaut des knöchernen Wirbelkanals der Wirbelsäule und der dicken Bindegewebshaut, welche das Rückenmark umfasst. Im Epiduralraum befindet sich hauptsächlich Fettgewebe und Blutgefäße, die das Rückenmark schützen und versorgen.
Katheter
Dünner Schlauch, meist aus Kunststoff, der in den Körper eingeführt werden kann.
konservative Therapie
Diese beinhaltet alle Therapiemöglichkeiten ohne operative Eingriffe.
Lokalanästhetikum
Dies ist der Fachbegriff für die Medikamente der örtlichen Betäubung. Sie hemmen die Weiterleitung von Schmerzreizen für einen gewissen Zeitraum.
Schmerzspitzen
Ist der Fachbegriff für sehr starke Schmerzausbrüche bei schon vorbestehenden chronischen Schmerzen.
stationär
Vor oder nach der Behandlung befindet sich die Patientin/der Patient mindestens eine Nacht im Krankenhaus.
therapierefraktär
Bedeutet, dass eine Krankheit nicht auf die Therapie anspricht und trotz Behandlung anhält.
Trigeminusneuralgie
Der Trigeminusnerv („Drillingsnerv“) ist der Nerv, der für die Gefühlswahrnehmung des Gesichts verantwortlich ist. Wenn dieser Nerv geschädigt ist und starke, blitzartige Schmerzen verursacht, wird dies Trigeminusneuralgie genannt. Dies tritt oft nach einer Gürtelrose im Gesicht auf.