1. Therapieoptionen bei Epilepsie

Behandlungsnotwendigkeit und Optionen

Mit der richtigen Behandlung erreicht die Mehrheit der Epilepsie-Betroffenen eine komplette Anfallsfreiheit. Ohne Behandlung heilen nur einzelne Formen der Epilepsie aus.

Wann und warum Epilepsie behandelt werden sollte

Epilepsie ist eine Erkrankung, die mit wiederholten Anfällen einhergeht. Wenn Anfälle häufig sind, ist eine Behandlung sinnvoll. Wenn Anfälle hingegen sehr selten auftreten, hängt die Entscheidung vom Einzelfall ab. Besprechen Sie in solchen Fällen das Für und Wider der Therapie mit Ihrer behandelnden Ärztin/ihrem behandelnden Arzt.

Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsie

Zur Behandlung der Epilepsie stehen folgende Therapien zur Verfügung:

  • Medikamente: sogenannte Antiepileptika oder Antikonvulsiva
  • Neurostimulation: Schrittmacher für Gehirnzellen
  • Epilepsiechirurgie: Operative Entfernung von erkrankten Gehirnzellen
  • Diättherapie: Kohlenhydratarme, fettreiche Diät

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Epilepsieform und Anfallshäufigkeit ab.

Behandlung von fokalen und generalisierten Epilepsien

Im EEG kann Ihre Ärztin/Ihr Arzt die Epilepsieform erkennen. Veränderungen nur in einem Teil des Gehirns sprechen für eine fokale, Veränderungen im ganzen Gehirn für eine generalisierte Epilepsie. Da die unterschiedlichen Epilepsieformen unterschiedliche Therapien erfordern, ist eine genaue Diagnose wichtig.

Mehr Informationen zum Unterschied zwischen fokaler und generalisierter Epilepsie finden Sie auch in unserer Patientenschulung „Epilepsie verstehen“.

Spontanheilung bei Epilepsie

Von einer Heilung spricht man bei Epilepsie, wenn für 5 bis 10 Jahre ohne Medikamente kein Anfall auftritt. Bei einigen Epilepsieformen kann die Heilung spontan auftreten, zum Beispiel:

  • Absence-Epilepsie: Die Absence-Epilepsie tritt typischerweise im Volksschulalter auf und heilt oft in der Jugend oder später von selbst.
  • Gehirnentzündungen: Schwere Gehirnentzündungen können zu Anfällen führen. Mit der Abheilung des Gehirns können Anfälle spontan verschwinden.

Fokale Epilepsie = fokaler Anfall?

Wahrscheinlich spricht Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt von fokalen und generalisierten Epilepsien. Auch von fokalen und generalisierten Anfällen ist vielleicht die Rede. Aber meinen beide Ausdruckspaare dasselbe? Streng genommen besteht ein Unterschied.

Die Epilepsieform ist eine Diagnose. Generalisierte Epilepsien führen in der Regel zu Anfällen, die in beiden Gehirnhälften zugleich beginnen. Es kommt also im Rahmen der generalisierten Epilepsie zu generalisierten Anfällen.

Manchmal führt eine fokale (örtlich begrenzte) Epilepsie aber zum Beispiel zu einem Anfall der fokal beginnt und sich dann auf beide Gehirnhälften ausbreitet. Die Epilepsie an sich ist immer noch fokal, aber der Anfall hat sich „generalisiert“.

Ziele und Chancen der Behandlung bei Epilepsie

Das Therapieziel bei Epilepsie ist die Anfallsfreiheit. Selten kann die Anfallsfreiheit nicht erreicht werden und die Anfallsreduktion wird zum Therapieziel.

Therapieziele bei Epilepsie

In zwei von drei Fällen kann durch eine Therapie eine vollständige Anfallsfreiheit erreicht werden. Wenn Anfallsfreiheit nicht erreicht werden kann ist es das Ziel, die Anfallshäufigkeit zu senken.

Notfallausweis und Anfallskalender

Ein Notfallausweis enthält Informationen zu Ihrer Erkrankung, Medikation sowie Notfallmaßnahmen. Im Notfall erlaubt er es Umstehenden, Ihnen zu helfen. In einen Anfallskalender dokumentieren Sie die Häufigkeit und Art Ihrer Anfälle. Er kann sinnvoll sein, wenn Ihre Ärztin/Ihr Arzt eine Therapieumstellung plant.

Tödliche Epilepsien

SUDEP steht im Englischen für den plötzlichen unerklärten Tod von Epilepsie-PatientInnen (sudden unexplained death in Epilepsy-patients). Beim SUDEP kommt es nach einem Anfall zu einer starken Unterdrückung der Herz- und Atemzentrumsaktivität, die tödlich endet. Obwohl nur etwa eine/r von 1000 Epilepsie-PatientInnen betroffen ist, führt sie die Wichtigkeit einer guten Therapie vor Augen.

Der beste Schutz vor SUDEP ist die regelmäßige Medikamenteneinnahme: Wenn Anfälle nicht auftreten, kann SUDEP einem Anfall nicht folgen. Aber auch wenn eine vollständige Anfallsfreiheit nicht erreichbar ist, kann eine regelmäßige Medikamenteneinnahme das Risiko senken. Der größte Risikofaktor für SUDEP sind nächtliche Anfälle, die unter Medikamenten sehr selten auftreten.

Wahl der Therapie bei Epilepsie

Die Therapiewahl bei Epilepsie hängt unter anderem von der Art Ihrer Epilepsie, der Art Ihrer Anfälle sowie Ihrer sonstigen Medikation und Ihren Vorerkrankungen ab. Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt wird Sie individuell beraten.

Das richtige Medikament bei Epilepsie

Die Medikamentenwahl bei Epilepsie hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Die Art der Epilepsie (fokal oder generalisiert)
  • Die Art der Anfälle (fokal/generalisiert/Absence/myoklonisch (Muskelzuckungen))
  • Individuelle Faktoren (andere Medikamente, Vorerkrankungen)

Weiterführende Informationen zu Unterschieden zwischen fokalen und generalisierten Epilepsien finden Sie auch in unserer Patientenschulung „Epilepsie verstehen“.

Mitentscheiden bei der Behandlung von Epilepsie

In der Regel wird Ihnen Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt unterschiedliche Therapieoptionen vorstellen. Sie/er wird dabei auch die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen erläutern. Scheuen Sie sich aber nicht, auch eigene Fragen vorzubereiten und sie zu stellen.

Neue Therapieoptionen

Das Ziel einer Behandlung von Epilepsie ist Anfallsfreiheit, weil nur durch die Anfallsfreiheit eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden kann. Ein Großteil der PatientInnen kann unter Behandlung anfallsfrei werden; allerdings werden etwa 30-40 % der Patienten nicht oder nicht dauerhaft anfallsfrei.

Patienten, die trotz ihrer Behandlung noch Anfälle haben, wird empfohlen, einen Epilepsie-Spezialisten aufsuchen. Die Behandlungsmöglichkeiten entwickeln sich ständig weiter und nur so können alle aktuell zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden, um die individuell am besten geeignete Therapie zu finden und den Behandlungserfolg zu optimieren.

Geprüft: Prim. Priv.-Doz. Dr. Tim J. von Oertzen: Stand 19.08.2022, ON_13893_19092022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.