6. Weg zur genetischen Untersuchung

Soll ich meine Ärztin/meinen Arzt um eine molekularbiologische Untersuchung bei Gallengangskrebs bitten?

Eine molekularbiologische Untersuchung wird durchgeführt, wenn eine medikamentöse Therapie grundsätzlich in Frage kommt. Denn nur dann hat die Untersuchung einen Einfluss auf die Therapieentscheidung. Ob eine medikamentöse Therapie durchgeführt werden kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

  • PatientIn: Eventuelle Begleiterkrankungen und der allgemeine Gesundheitszustand haben Einfluss auf die Therapieentscheidung.
  • Tumorart: Nur ein Teil der Gallengangskarzinome weist Mutationen in den Genen auf, die auf diese Medikamente ansprechen.
  • Mutationen der Krebszellen: Je nach betroffenen Genen können verschiedene Therapien eingesetzt werden.
  • Krankheitsstadium: Vor allem bei PatientInnen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium, bei denen eine Operation nicht zielführend ist.

Ob eine medikamentöse Therapie und damit verbunden eine molekularbiologische Untersuchung für Sie in Frage kommt, können Sie daher mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt besprechen. In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung wird eine molekularbiologische Untersuchung in der Regel standardmäßig durchgeführt.

Fragen an die Ärztin/den Arzt

Sie können auch gezielte Fragen stellen, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine molekularbiologische Untersuchung bei Ihnen sinnvoll ist:

  • Welches Krankheitsstadium liegt bei mir vor?
  • Kommt in diesem Stadium eine medikamentöse Therapie in Frage?
  • Wann kann eine molekularbiologische Untersuchung bei mir durchgeführt werden?

Wer führt molekularbiologische Untersuchungen durch?

Um bestimmte Mutationen im Gen der Krebszellen zu finden, kann das Material für die Untersuchung auf unterschiedliche Arten gewonnen werden. Die zu untersuchenden Moleküle finden sich zum Beispiel:

  • Im Tumorgewebe
  • Im Blut
  • In Flüssigkeiten, die den Tumor umgeben oder die aus dem Tumor entstehen

Die Proben werden beispielsweise mittels Biopsie gewonnen. Auch in kleineren Krankenhäusern kann eine solche Untersuchung durchgeführt werden. Das Material wird an ein spezialisiertes Labor geschickt. Dort wird es von MolekularpathologInnen weiter aufbereitet und untersucht. Bis das Ergebnis vorliegt können mehrere Tage oder Wochen vergehen. Ihre Ärztin/Ihr Arzt erhält schließlich einen Bericht und kann daraus die Konsequenzen für eine Therapie ziehen.

Molekularbiologische Untersuchungen im Krankheitsverlauf

Wenn Sie schon einmal eine Antibiotika-Therapie erhalten haben, wissen Sie, dass die Medikamente über einen bestimmten Zeitraum eingenommen werden müssen. Ansonsten verlieren sie ihre Wirkung, weil Bakterien Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln können.

Auch Krebszellen können Resistenzen gegen zielgerichtete Medikamente entwickeln. Diese Resistenzen können durch molekulare Veränderungen entstehen. Deshalb kann eine molekularbiologische Untersuchung auch im Verlauf der Therapie von Gallengangskrebs sinnvoll sein. Dadurch können  neue Mutationen in den Genen aufgedeckt werden, die zu einem Wirkungsverlust führen.

Eine gezielte Untersuchung solcher Resistenzen kann insbesondere bei fehlendem oder unzureichendem Ansprechen auf eine Therapie durchgeführt werden. Zukünftig können dadurch gezielte Therapieanpassungen vorgenommen werden. Bisher werden diese molekularbiologischen Untersuchungen im Verlauf nur im Rahmen klinischer Studien durchgeführt.

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Geprüft Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Winder, PhD: Stand Mai 2023 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.
(Zirkardianer Rhythmus )
Biologisches Phänomen, das in einem Rhythmus von ungefähr 24-Stunden bestimmte körperliche Funktionen beeinflusst.  Ein Beispiel ist der Schlaf-Wach-Zyklus durch die Freisetzung des Schlafhormons.
Biopsie
Entnahme von verdächtigen Gewebeproben, um eine Krebserkrankung oder entartete Zellen zu diagnostizieren. Gewebeproben werden je nach Organ mit verschiedenen Techniken entnommen und unter dem Mikroskop beurteilt.
Tumor
(„Geschwulst“)
Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.