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Kurs Kinder mit Hämophilie in der Schule: Lektion 2 von 6

Gefahrenquellen richtig einschätzen

Kinder mit Hämophilie sollten ein möglichst normales Leben führen können, auch in der Krippe, im Kindergarten oder in der Schule. Übervorsichtiges Verhalten schadet ihnen. Trotzdem gibt es Gefahren, die berücksichtigt werden müssen. Lernen Sie zu unterscheiden, welche Situationen normalerweise kein Problem darstellen und in welchen Situationen Sie rasch handeln sollten.

Video Transkript

Gibt es Aktivitäten, die Kinder mit Hämophilie lieber meiden sollten?

Ja, es gibt Aktivitäten, die Kinder mit Hämophilie meiden sollten.

  • Das sind gefährliche Sportarten, das sind Kampfsportarten.
  • Das ist aber zum Beispiel auch regelmäßiges Trampolinspringen, weil dadurch die Gelenke besonders belastet werden.
  • Und wir sehen es auch nicht so gern, wenn Kinder mit Hämophilie, gerade mit den schweren und mittelschweren Formen, aktiv in Mannschaften Fußball spielen.

Das kann durchaus mal im Freizeitbereich gemacht werden, idealerweise auch, wenn diese Kinder mit einem Gerinnungsfaktoren-Konzentrat vorher behandelt werden. Aber das stellt Ausnahmen dar.

Ansonsten können diese Kinder viele Sportarten durchführen. Man muss aber dabei immer das Verletzungsrisiko auch mit im Auge haben. Und wir empfehlen bei sportlichen Aktivitäten, gerade wo doch ein etwas erhöhtes Risiko für Verletzungen besteht, dass diese Patienten vorbeugend mit dem Gerinnungsfaktoren-Konzentrat gespritzt werden.

Wo vermuten Erwachsene im Umgang mit Kindern mit Hämophilie häufig Probleme, die aber gar nicht bestehen?

Die größte Angst besteht sicher vor spontan auftretenden bedrohlichen Blutungen. Das ist eine Situation, die faktisch bei diesen Patienten nicht auftritt.

  • Denn die Patienten mit den schweren Formen werden prophylaktisch mit dem fehlenden Gerinnungsfaktor behandelt.
  • Und die Patienten mit den leichten Formen bluten nur, wenn erhebliche Verletzungen auftreten.

Es gibt keinen Grund, dort eine Überbehütung dieser Kinder durchzuführen. Die können also ganz normal in den Alltag einer Schule oder einer Kindereinrichtungen integriert werden.

Können Kinder mit Hämophilie am Sportunterricht teilnehmen?

Ja, das ist sehr wichtig.

  • Das hat natürlich etwas damit zu tun, dass diese Kinder auch ganz normal in den Alltag integriert werden sollten. Das ist der eine Grund.
  • Der zweite Grund ist, dass das Risiko bei diesen Patienten durchaus kalkulierbar ist.

Die Patienten mit den schweren und mittelschweren Formen der Hämophilie sollten allerdings, und das wissen die Eltern in der Regel auch. an den Tagen, wo der Sportunterricht durchgeführt wird, mit dem Gerinnungsfaktoren-Konzentrat behandelt werden.

Wir stellen in der Regel für Kinder mit einer Hämophilie Teilsportbefreiung aus.

  • Das betrifft Kampfsportarten,
  • und das betrifft in der Regel Übungen mit hohem Absturzrisiko.

Ich finde es sehr gut, wenn die Kinder dann aber nicht auf der Bank sitzen, sondern wenn die sich mitbeteiligen können. Wenn sie zum Beispiel beim Weitspringen die Weite messen, die der Mitschüler gesprungen ist, oder wenn sie, wenn es sich anbietet, vielleicht nebenbei eine andere Sportart betreiben können, sodass sie sich nicht ausgegrenzt vorkommen.

Gibt es Vorsichtsmaßnahmen, die beim Werkunterricht oder bei anderen Aktivitäten eingehalten werden sollten?

Diese Patienten sollten auch am Werkunterricht ganz normal teilnehmen. Wichtig ist sicher, die Eltern zu informieren, wenn im Werkunterricht Arbeiten durchgeführt werden, die doch mit einem erhöhten Verletzungsrisiko verbunden sind. Wir empfehlen dann zum Beispiel den Eltern, dass sie an diesem Tag das Gerinnungsfaktoren-Konzentrat spritzen, sodass die Kinder ganz normal am Werkunterricht, aber auch an Ausflügen oder an sportlichen Aktivitäten teilnehmen können.

Sollten Kinder mit Hämophilie eine besondere Behandlung durch das Betreuungspersonal erhalten?

Nein, diese Kinder müssen durch Sie als Betreuungspersonal nicht besonders behandelt werden.

Ihnen muss aber bewusst sein, dass diese Kinder diese Bluterkrankheit haben. Und wenn Verletzungen auftreten oder Unfälle oder das Kind über unklare Beschwerden klagt, sollte Ihnen natürlich bewusst sein, dass hier eine Erkrankung vorliegt mit einer erhöhten Blutungsneigung. Und Sie sollten in solchen Situationen dann auch großzügig die Eltern informieren. Denn die Eltern sind mit dieser Erkrankung sehr gut geschult und wissen oftmals, wie in diesen Situationen zu verfahren ist.

Glühbirne IconQuiz: Gefahr oder nicht?

Was denken Sie: Stellen folgende Situation eine Gefahr für Kinder mit Hämophilie dar oder sind sie unbedenklich?

Dürfen Kinder mit Hämophilie am Sportunterricht teilnehmen?

Ja, Sport ist überhaupt kein Problem.
Generell schon, bei bestimmten Sportarten (z.B. Kampfsportarten wie Judo und Boxen sowie Kontaktsportarten wie aktives Fußballspiel) sollten sie jedoch pausieren.
Auch wenn Kinder mit Hämophilie sonst ein weitgehend normales Leben führen können, beim Sportunterricht sollten sie nicht mitmachen.

Richtig!

Falsch!

Dürfen Kinder mit Hämophilie am Werkunterricht teilnehmen?

Das ist kein Problem. Schließlich gelten für alle strenge Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit gefährlichem Werkzeug.
Sie sollten mit bestimmten Werkzeugen nicht arbeiten, um Verletzungen zu vermeiden. Bei anderen Aktivitäten können sie jedoch dabei sein.
Auch wenn Kinder mit Hämophilie sonst ein weitgehend normales Leben führen können, am Werkunterricht sollten sie sicherheitshalber nicht teilnehmen, da die Verletzungsgefahr zu hoch ist.

Richtig!

Falsch!

Sollten Kinder mit Hämophilie aus Konflikten rausgehalten werden?

Bei normalen Raufereien entstehen üblicherweise keine Verletzungen, sie dürfen sich deshalb im gleichen Maß austoben wie andere Kinder.
Grundsätzlich sollten die Kinder Meinungsverschiedenheiten nicht durch Raufereien austragen. Falls es doch dazu kommt, sollte allen Beteiligten klar sein, dass eine gewisse Vorsicht geboten ist.
Gerade wenn Konflikte durch Raufereien ausgetragen werden, entstehen leicht innere Blutungen. Deshalb muss das Kind mit Hämophilie unbedingt aus allen Konflikten rausgehalten werden.

Richtig!

Falsch!

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Quiz: Gefahr oder nicht?

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Die meisten Aktivitäten sind auch mit Hämophilie kein Problem

Wie bereits erwähnt, wird bei der schweren und oft auch bei der mittelschweren Form der Erkrankung sicherheitshalber schon vorbeugend der fehlende Gerinnungsfaktor gespritzt. Dann kommt es nur selten zu ernsthaften Blutungen. Übertriebene Vorsicht ist deshalb nicht sinnvoll. Sie als Betreuungspersonen sollten allerdings wichtige Vorsichtsmaßnahmen kennen.

Je nach Alter können Kinder Gefahren nicht unbedingt selbst einschätzen. Hier ist der Rat von Erwachsenen notwendig. Wenn Sie wissen, dass ein Kind eher unvorsichtig ist, sollten Sie zum Beispiel auf die Gefahren des Klettergerüsts noch einmal hinweisen. Ein übervorsichtiges Kind braucht dagegen eher Ermutigung.

Wichtig!

Besonders gut geschützt, ist das Kind direkt nach der Medikamentengabe. Diese kann unter Umständen an den Schulalltag angepasst werden. Deshalb sollten Ausflüge oder sportliche Aktivitäten nicht unangekündigt stattfinden.

Sportunterricht: Mit wenigen Ausnahmen empfehlenswert

Sportunterricht ist auch für Kinder mit Hämophilie wichtig. Neben den allgemeinen positiven Auswirkungen von Bewegung auf den ganzen Körper, schützt eine trainierte Muskulatur auch die bei Hämophilen besonders gefährdeten Ellenbogen-, Knie-, und Sprunggelenke. Da im Schulsport nur selten gefährliche Sportarten stattfinden, ist die Teilnahme meist kein Problem.

Welcher Sport möglich ist, hängt immer auch von Faktoren wie dem Schweregrad der Erkrankung und den getroffenen Schutzmaßnahmen ab. Zu beachten ist auch, dass Wettkampfsituationen ein erhöhtes Verletzungsrisiko mit sich bringen.

Grundsätzlich gibt es aber Sportarten, die auch für Hämophilie sehr zu empfehlen sind und andere, von denen eher abzuraten ist:

Modifiziert nach: Kurme, A., Seuser, A. (2007). Fit durch Bewegung. Hamburg: Omnimed® Verlagsgesellschaft mbH.

Erfahrungen von Betroffenen

Geprüft Prof. Dr. Ralf Knöfler: Stand Februar 2020

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Hämophilie verstehen“

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