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Kurs Mutter sein mit Krebs: Lektion 2 von 6

Kommunikation mit Kindern

Wenn Mütter an Krebs erkranken, ist ihre gesamte Familie betroffen. Sobald sich der erste Schock über die Diagnose gelegt hat, benötigen unsere Kinder zeitnah altersgemäße Informationen und Antworten, da sie Veränderungen in der Familie meist intuitiv erfassen. Wenn wir unseren Kindern in Gesprächen authentisch vermitteln können, dass wir mit der neuen Lebenssituation gut zurechtzukommen, gelingt auch ihnen diese sichtlich besser anzunehmen.

Kinder über die Diagnose informieren

Unsere Kinder über die Diagnose Krebs und deren weitreichende Veränderungen zu informieren, ist mit Abstand das Schwerste, was wir als Mütter und Väter zu stemmen haben.

Meine persönliche Erfahrung

Mein Sohn war dreizehn als ich ihm mitteilte, dass ich sehr krank bin und er dies auch sehen würde, weil ich eine starke Medizin erhalte und darum schon bald keine Haare mehr haben würde. Auf meine Glatze freute sich mein Sohn im Vorfeld sehr. Als es soweit war, zeigte er mir und seiner Umgebung uneingeschränkt, dass ich schön bin. Da mein Sohn auf Grund seiner körperlichen Behinderungen in den Jahren zuvor etliche Operationen durchgestanden hatte, konnte er trotz seiner geistigen Behinderung sehr gut erfassen, was es bedeutete, dass ich sehr krank war und manchmal auch für einige Tage in ein Krankenhaus gehen musste. Ich versprach ihm, dass während meiner Abwesenheit immer jemand für ihn da sein würde, der sich um ihn kümmert.

Anfangs hatte mein Sohn große Angst vor all dem Unbekannten, das nun auf uns einstürmte. Aber diese legte sich rasch und wenn er auf neue Situationen ängstlich oder mit Kummer reagierte, konnte ich diese aufnehmen und behutsam aufdröseln. Wir haben damals viel gelacht und uns Schönes gegönnt. Manchmal haben wir aber auch gemeinsam geweint, weil der Kummer einfach zu groß war und schenkten uns gegenseitig Trost.

Heute mit Abstand und liebvollem Stolz kann ich sagen, dass mein Sohn diese Zeit trotz allem auf seine Art prima verkraftet und an ihr gewachsen ist.

Erfahrungsberichte von betroffenen Kindern

Folgende Statements von Kindern deren Mütter an Krebs erkrankt sind, können vermutlich am besten verdeutlichen, wie wichtig für Kinder eine ehrliche und authentische Kommunikation ist:

Folgende Punkte können dabei helfen

Genügend Zeit einplanen für Gespräche

Gefühle und Bedürfnisse berücksichtigen

Stabilität und Rückhalt vermitteln

Bereitschaft zum Gespräch signalisieren

Kindgerecht und altersgemäß antworten

Ehrlich und offen kommunizieren

Gefühle und Bedürfnisse unserer Kinder berücksichtigen

Unsere Kinder haben die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Manche sind noch sehr klein bei unserer Diagnose, andere besuchen bereits die Schule oder stehen an der Schwelle zum Erwachsenensein, wenn ein Elternteil die Diagnose Krebs erfährt. Meistens spüren sie jedoch intuitiv, wenn wir Erwachsene uns große Sorgen machen und nicht mit ihnen über diese sprechen. Das schürt oft unnötige Ängste und Schuldgefühle in ihnen.

Dabei handeln sie nicht immer so, wie wir es als Eltern von ihnen erwarten oder uns vorstellen. Es wird Kinder geben,

  • die sehr angepasst reagieren
  • sich für ihre Mutter oder deren Erkrankung und verändertes Aussehen schämen
  • vielleicht sehr wütend oder zurückgezogen auf die veränderte Situation reagieren
  • andere werden Gespräche blockieren und erst zu einem späteren Zeitpunkt ein Gespräch führen wollen. Wenn dem so ist, dann sollten wir da sein…

Als Mütter und Familie haben wir die Möglichkeit, Beratungsangebote oder eine therapeutische Begleitung für unsere Kinder zur Reflektion zu nutzen. So mancher Hilferuf unserer Kinder erfolgt oft stumm, weil sie uns mit ihren Sorgen, Ängsten und Nöten nicht zusätzlich belasten wollen. Wie wir Erwachsene, macht auch so manches Kind viele Gedanken mit sich selbst aus, ohne dass wir es merken. In Gesprächen mit Außenstehenden oder anderen Kindern, deren Eltern ebenfalls an Krebs erkrankt sind, vertraut sich manches offener an, als es ihm Zuhause unter Umständen möglich ist. Ein wunderbares Mittel kann dabei eine Kunst- oder Reittherapie sein.

Die Katzen helfen gegen Krebs

„Meine Katzen haben mir Kraft gespendet und mir geholfen damit umzugehen.”

Mika war bei den Diagnosen seiner Mama 1 Jahr, 6 Jahre und 10 Jahre alt. In einer Zeichnung hat er dargestellt, wie die Katzen ihm beim Umgang mit der Erkrankung helfen. Sein großer Bruder Luca hat die Liebe zu den Katzen bestätigt. Ohne die Katzen hätten beide die Zeit nicht so gut überstanden.

Zeichnung von Katzen die gegen Krebs kämpfen

Stabilität und Rückhalt bieten

Erwachsene Bezugspersonen außerhalb der Kernfamilie, wie Lehrer, Freunde und Verwandte, können unseren Kindern eine zusätzliche Stabilität und Rückhalt bieten und zudem früh auf eventuelle Verhaltensauffälligkeiten oder einem Leistungsabfall in der Schule angemessen reagieren.

Dies ist mit ein Grund dafür, dass ich sehr früh nach meiner Diagnose mit wichtigen Bezugspersonen meines Sohnes in der Schule, seinen Ärzten, Therapeuten und der Lebenshilfe e.V., Gespräche führte und sie über unsere neue Familiensituation informierte. Für uns erschloss sich durch meinen offenen Umgang eine ungeahnte Welle der Hilfsbereitschaft, die vor allem meinem Sohn zugutekam.

Wer könnte alles informiert werden:

Bild von BausteinenKindergarten

Bild von TafelSchule

Bild von DokumentenAusbildungsstelle

Bild von VereinenVereine

Bild von ArztkofferTherapeuten und Ärzte*

*zum Beispiel bei einer bestehenden Erkrankung oder Behinderung des Kindes

Familie als Teamwork

Familie als-Teamwork: HaushaltsplanKinder helfen gerne im Haushalt. Ok, vielleicht nicht immer, aber doch oft. Und so dürfen auch Kinder im Haushalt unterstützen, wenn sie dies möchten. Oft wollen Kinder helfen, wissen jedoch nicht wie. Der Haushaltsplan für Kinder zum Downloaden kann dabei helfen gemeinsam Aufgaben, die auch von kleineren Familienmitgliedern selbstständig erledigt werden können, zu identifizieren. So weiß dein Kind, wo es mit anpacken kann. Die Aufgaben sollten sich dabei natürlich auch wieder am Alter und den Fähigkeiten der Kinder orientieren. Wichtig ist, dass wir ihnen Freiräume zugestehen und ihnen nicht mehr Verantwortung übertragen, als sie altersgemäß tragen können oder sollten.

Kommuniziert in der Familie offen miteinander. Wo liegen die Stärken des Einzelnen? Wer kann wann welche Aufgaben im Haushalt übernehmen? Wann braucht es eine besondere Entlastung für dich als Mutter, weil wichtige Termine anstehen? Vielleicht hilft zur Übersicht ein visualisierter Familienhaushaltsplan, um den Tagesablauf einer Woche gut und übersichtlich zu strukturieren?

Manches Mal wird während der Behandlungen scheinbar alles querbeet laufen, weil das Leben nicht immer so planbar verläuft, wie wir es uns wünschen und die Nerven aller aufreiben. Vielleicht wird der Haushalt auch nicht immer so aussehen, wie ihr es gewohnt seid. Aber der ist auch nicht unbedingt der wichtigste Teil, auf unserer Reise mit der Erkrankung Krebs. Viel wichtiger sind kleine Auszeiten, ob alleine oder zusammen mit den Kindern und der Familie. Und ganz viel Liebe und Verständnis…

Geprüft Nicole Kultau: Stand Februar 2020

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