2. Therapiemöglichkeiten bei Multipler Sklerose

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei MS?

Grundsätzlich unterscheidet man drei wichtige Bereiche:

  1. Akute Schubbehandlung: Wenn ein Schub auftritt, wird häufig Kortison eingesetzt. Kortison ist ein stark entzündungshemmendes Medikament und kann helfen, die Entzündung rascher zu beruhigen. Es ist aber keine Dauertherapie gegen MS.In bestimmten Situationen kann auch eine Plasmapherese, also eine Art Blutwäsche oder Blutaustausch, notwendig werden. Dabei werden bestimmte entzündungsfördernde Bestandteile aus dem Blutplasma entfernt. Das kommt vor allem dann infrage, wenn ein schwerer Schub auf Kortison nicht ausreichend anspricht.
  2. Langfristig immunmodulierende oder immunwirksame Therapie: Diese Behandlung soll die Krankheitsaktivität langfristig bremsen. Sie wirkt auf das Immunsystem und soll Schübe, neue Entzündungsherde im MRT und ein Fortschreiten der Erkrankung möglichst verhindern.
  3. Symptomatische Therapie: Sie richtet sich gegen einzelne Beschwerden, zum Beispiel Schmerzen, Spastik , Fatigue , Blasenprobleme, Schlafstörungen oder depressive Verstimmung. Auch Physiotherapie , Ergotherapie , psychologische Unterstützung und Rehabilitation können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) besteht aus mehreren Möglichkeiten, die je nach Situation kombiniert werden können. So kann die Therapie nicht nur auf die Erkrankung selbst, sondern auch auf Ihre Beschwerden und Ihren Alltag abgestimmt werden.

Welche Therapieform ist die richtige für mich?

Multiple Sklerose ist sehr individuell. Deshalb muss auch die Behandlung zu Ihrer persönlichen Situation passen. MS-Medikamente unterscheiden sich in Wirkstärke, Risiken und Anwendungsform. Die Auswahl richtet sich nach Krankheitsaktivität, MRT-Befunden, bisherigen Schüben, Begleiterkrankungen, Familienplanung und persönlichen Wünschen. Bei einer sehr aktiven MS kann auch früh eine stärker wirksame Therapie sinnvoll sein.

Die Vielfalt der Therapieformen hat Vorteile!

Die vielen unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten können anfangs unübersichtlich wirken. Sie ermöglichen es aber auch eine Behandlung zu wählen, die möglichst gut zu Ihrer Erkrankung, Ihrer Lebenssituation und Ihren persönlichen Zielen passt.

Warum ist nicht jede Therapieform für jeden Menschen geeignet?

Nicht jede MS-Therapie passt zu jedem Menschen gleich gut. Das liegt daran, dass die verschiedenen Medikamente unterschiedlich wirken und auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben können.

Manche Therapien beeinflussen das Immunsystem stärker, andere etwas weniger. Eine stärker wirksame Therapie kann sehr hilfreich sein, um neue Entzündungen oder Schübe zu verhindern. Sie ist aber nicht automatisch für jede Person die bessere Wahl.

Deshalb wird die Behandlung immer individuell geplant. Gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam wird abgewogen, welche Therapie möglichst gut wirkt, gut verträglich ist und zu Ihrer persönlichen Lebenssituation passt.

Wie wirken MS-Medikamente und wie werden sie angewendet?

  • Spritze
  • Tablette
  • Infusion

Sie wirken auf unterschiedliche Weise auf das Immunsystem.

Einige Medikamente sorgen dafür, dass bestimmte Abwehrzellen in kleinen Filterstationen des Körpers, den Lymphknoten , bleiben. So gelangen sie seltener ins Gehirn oder Rückenmark und können dort weniger Schaden anrichten.

Andere Therapien verringern bestimmte Abwehrzellen für eine Zeit oder verändern ihre Aktivität, damit sie die Nerven weniger angreifen. Wieder andere verhindern, dass Immunzellen, die fälschlicherweise körpereigene Nerven angreifen, überhaupt ins Gehirn oder Rückenmark gelangen.

All diese Therapien haben das Ziel, neue Entzündungen und Schübe möglichst zu verhindern. Da sie das Immunsystem beeinflussen, können aber auch Nebenwirkungen auftreten, zum Beispiel eine höhere Anfälligkeit für Infekte, zum Beispiel Erkältungen, Harnwegsinfekte oder andere ansteckende Erkrankungen.

Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig. So kann Ihr Behandlungsteam überprüfen, ob die Therapie gut wirkt, ob Sie sie gut vertragen und ob sie weiterhin zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation passt.

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    Geprüft Prof. Dr. Rommer: Stand?? | Quellen und Bildnachweis
    Dauertherapie
    Eine Therapie, die dauerhaft, also über mehrere Jahre hinweg, durchgeführt wird.
    Ergotherapie
    Therapieform zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und Alltagsbewältigung.
    Fatigue
    Häufige Begleiterkrankung von schweren Krankheiten, die mit anhaltender Müdigkeit, Kraftlosigkeit und fehlendem Antrieb einhergeht. 
    Infusion
    Verabreichung einer Flüssigkeit (mit oder ohne darin gelösten Medikamente) über einen Zugang in ein Blutgefäß.
    Kortison
    Kortison ist ein körpereigenes Hormon. Für therapeutische Zwecke wird es meist in höheren Konzentrationen verwendet und wirkt dann vor allem entzündungshemmend. 
    Lymphknoten
    Bestandteil des Immunsystems, reinigt und filtert die Lymphe aus den Lymphbahnen. Befinden sich an verschiedenen Regionen im Körper, zum Beispiel am Hals und in der Achselregion.
    MRT
    (Magnetresonanztomografie, auch Kernspintomografie)
    Bildgebendes Verfahren, das sich besonders zur Darstellung von Weichteilen wie Muskeln oder Fettgewebe eignet. Magnetfelder lösen in den verschiedenen Geweben unterschiedliche Signale aus. Diese werden zu Bildern umgewandelt. Die Untersuchung ist schmerzlos und hat keine Strahlenbelastung.
    Physiotherapie
    Therapieform zur Verbesserung von Beweglichkeit und Kraft durch gezielte Übungen.
    Spastik
    Medizinischer Fachausdruck für Muskelverkrampfungen. Diese treten häufig nach einer Querschnittslähmung auf.