1. Warum MS früh behandeln?

Was passiert bei Multipler Sklerose im Körper?

Bei Multipler Sklerose richtet sich das Immunsystem gegen Teile der eigenen Nerven. Besonders betroffen ist häufig das sogenannte Myelin . Myelin können Sie sich wie die Isolierung eines Stromkabels vorstellen: Im Inneren liegt die Nervenfaser, das Axon . Rundherum befindet sich eine schützende Schicht, das Myelin. Diese Isolierschicht hilft dabei, dass Nervensignale schnell und zuverlässig weitergeleitet werden.

Bei MS entstehen Entzündungen, die diese Myelinschicht angreifen können. Ist das Myelin beschädigt, werden Informationen im Nervensystem langsamer, unvollständig oder manchmal gar nicht mehr weitergeleitet. Je nachdem, wo im Gehirn, Rückenmark oder an den Sehnerven solche Entzündungen auftreten, können sehr unterschiedliche Beschwerden entstehen.

Auch wenn diese Vorgänge zunächst beunruhigend klingen können: Heute lässt sich die Aktivität der MS gut beobachten und in vielen Fällen wirksam behandeln. Je besser Sie verstehen, was im Körper passiert, desto leichter können Sie gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam gute Entscheidungen treffen.

Warum können Schübe und Entzündungen bleibende Schäden hinterlassen?

Von einem MS-Schub spricht man, wenn neue oder deutlich verstärkte neurologische Beschwerden länger als 24 Stunden anhalten. Außerdem sollte seit Beginn eines vorherigen Schubs mehr als 30 Tage vergangen sein. Wichtig ist: Die Beschwerden dürfen nicht durch andere Ursachen erklärbar sein, zum Beispiel durch einen Infekt, Fieber, Überwärmung, das Uhthoff-Phänomen oder andere Erkrankungen. Viele Symptome können sich nach einem Schub ganz oder teilweise zurückbilden. Trotzdem können Entzündungen Spuren hinterlassen.

Stellen Sie sich das Nervensystem wie ein Straßennetz oder eine Autobahn vor. Wenn irgendwo eine Baustelle entsteht, kommt der Verkehr langsamer voran. Wenn mehrere Baustellen gleichzeitig auftreten oder eine Strecke gesperrt ist, muss der Verkehr Umwege nehmen. Man kommt vielleicht noch an, aber deutlich langsamer oder weniger zuverlässig. Ähnlich kann es bei MS sein: Entzündungen können die „Datenleitungen“ im Nervensystem stören. Wenn solche Störungen immer wieder auftreten oder nicht ausreichend abheilen, können bleibende Einschränkungen entstehen. Genau deshalb gibt es moderne Behandlungsmöglichkeiten. Sie sollen helfen, Entzündungen früh zu bremsen, neue „Baustellen“ im Nervensystem möglichst zu verhindern und die vorhandenen Funktionen so gut wie möglich zu schützen.

Wie kann eine frühe Therapie helfen?

Das Ziel einer frühen MS-Therapie ist es, Entzündungen möglichst rasch zu kontrollieren, neue Schübe zu verhindern und neue Entzündungsherde im MRT zu vermeiden oder zu reduzieren. Entzündungsherde sind Bereiche im Gehirn oder Rücken, in denen gerade eine Entzündung aktiv ist. Sie können auf MRT-Bildern gesehen werden. Je früher die Krankheitsaktivität gebremst wird, desto besser stehen die Chancen, die Funktion des Nervensystems langfristig zu erhalten.

Eine frühe Therapie bedeutet nicht, dass sofort alles entschieden sein muss oder dass Sie keine Fragen stellen dürfen. Im Gegenteil: Eine gute Therapieentscheidung entsteht im Gespräch mit Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen. Wichtig ist, dass die Erkrankung ernst genommen und nicht unnötig lange unbehandelt gelassen wird.

Gut vorbereitet ins Arztgespräch

Schreiben Sie vor Ihrem Termin auf:

  • Welche Beschwerden habe ich bemerkt?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Welche Fragen habe ich zur Therapie?

So können Sie im Gespräch nichts Wichtiges vergessen. Hilfreich sind auch Notizen zu früheren Schüben, MRT-Befunden und Medikamenten, die Sie bereits einnehmen.

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    (Optional - Sollten Sie eine Antwort wünschen)

    Geprüft Prof. Dr. Rommer: Stand?? | Quellen und Bildnachweis
    Axon
    Fortsatz einer Nervenzelle, der Signale zu anderen Nervenzellen, Muskeln oder Organen wie ein Kabel weiterleitet.
    MRT
    (Magnetresonanztomografie, auch Kernspintomografie)
    Bildgebendes Verfahren, das sich besonders zur Darstellung von Weichteilen wie Muskeln oder Fettgewebe eignet. Magnetfelder lösen in den verschiedenen Geweben unterschiedliche Signale aus. Diese werden zu Bildern umgewandelt. Die Untersuchung ist schmerzlos und hat keine Strahlenbelastung.
    Myelin
    Myelin bezeichnet eine schützende Isolierschicht um Nervenleitungen. Sie hilft, dass Signale schnell und zuverlässig weitergeleitet werden.
    Uhthoff-Phänomen
    Beim Uhthoff-Phänomen verschlechtern sich bestehende neurologische Beschwerden vorübergehend, wenn die Körpertemperatur steigt, zum Beispiel bei Hitze, Fieber, Sport oder einem heißen Bad. Nach Abkühlung bessern sich die Beschwerden meist wieder.