5. Unterstützende Maßnahmen während der Therapie

Wie sieht eine ganzheitliche MS-Behandlung aus?

Die medikamentöse Behandlung ist ein wichtiger Baustein der Multiplen Sklerose (MS)-Therapie. Gleichzeitig können Sie selbst viel dazu beitragen, Ihren Körper zu unterstützen, Beschwerden besser zu bewältigen und aktiv am Leben teilzunehmen. Dabei geht es nicht um Perfektion. Es geht um realistische Schritte, die zu Ihnen passen.

Eine ganzheitliche MS-Behandlung betrachtet nicht nur Entzündungen im Nervensystem, sondern auch Ihren Alltag, Ihre Ziele, Ihre Belastungen und Ihre Lebensqualität. Dazu gehören:

  • medikamentöse Therapie
  • regelmäßige Kontrollen
  • Bewegung
  • Rehabilitation
  • psychische Unterstützung
  • soziale Beratung
  • der gute Umgang mit der Erkrankung im Alltag

Ein wichtiger Gedanke lautet:

Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und sprechen Sie Auffälligkeiten frühzeitig an. Sie kennen Ihre Energie, Ihre Belastungsgrenzen und Ihre Veränderungen im Alltag oft am besten. Wenn Sie Ihre Beobachtungen ernst nehmen und mit Ihrem Behandlungsteam teilen, kann Ihre Behandlung besser an Ihre Bedürfnisse angepasst werden.

Was kann ich selbst beitragen?

Sie können die MS nicht allein durch Ihren Lebensstil kontrollieren — und Sie sind nicht schuld an der Erkrankung. Aber Sie können Ihren Körper unterstützen.

Was kann ich für meinen Körper tun?

  • Regelmäßige, angepasste Bewegung kann Kraft, Gleichgewicht, Ausdauer und Stimmung verbessern. Auch Physiotherapie oder Ergotherapie können helfen, wenn bestimmte Beschwerden bestehen.
  • Ausgewogene Ernährung Eine ausgewogene Ernährung kann das allgemeine Wohlbefinden unterstützen: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte, dazu ungesättigte Fette aus zum Beispiel Nüssen, Samen, Olivenöl, Rapsöl oder fettreichem Fisch. Stark verarbeitete Lebensmittel wie Fertiggerichte, Süßigkeiten, Chips oder Wurstwaren sollten möglichst selten gegessen werden.
  • Schlaf, Pausen und Stressbewältigung sind wichtig. Besonders bei Fatigue kann es helfen, die eigene Energie bewusst einzuteilen. Fatigue bedeutet eine ausgeprägte und anhaltende Müdigkeit, die sich oft nicht ausreichend durch Schlaf oder Ruhe bessert.
  • Manche Patient:innen profitieren von einem Tagesplan, in dem wichtige Aufgaben auf Zeiten gelegt werden, in denen sie mehr Energie haben.
  • Sprechen Sie über Ihre Erkrankung. Sie müssen nicht alles allein tragen. Gespräche mit Angehörigen, Freund:innen, Ihrem Behandlungsteam oder anderen Betroffenen können entlasten.
  • Behalten Sie Ihre persönlichen Ziele im Blick. Vielleicht möchten Sie reisen, Sport machen oder einfach den Alltag möglichst selbstständig bewältigen. Ihre Therapie soll Sie dabei unterstützen, diese Ziele so gut wie möglich weiterzuverfolgen.

Was hilft bei häufigen Beschwerden wie Fatigue, Spastik oder Schmerzen?

  • Fatigue ist eine oft schwer erklärbare Erschöpfung, die über normale Müdigkeit hinausgeht. Dabei kann es helfen, den Tag gut zu planen: Erledigen Sie wichtige Aufgaben zu Zeiten, in denen Sie meist mehr Energie haben. Planen Sie Pausen bewusst ein — am besten, bevor Sie völlig erschöpft sind. Auch leichte Bewegung, ausreichend Schlaf und das Vermeiden von Überlastung können unterstützen.
  • Spastik beschreibt eine erhöhte Muskelspannung. Sie kann sich als Steifigkeit, Ziehen, Krämpfe oder eingeschränkte Beweglichkeit zeigen. Physiotherapie, Dehnübungen, Bewegung, Hilfsmittel und bei Bedarf Medikamente können helfen.
  • Schmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Manche entstehen direkt durch gereizte oder geschädigte Nervenfasern, andere durch Muskelverspannungen, Fehlbelastung oder Spastik. Wichtig ist, Schmerzen ernst zu nehmen und abklären zu lassen, damit eine passende Behandlung gefunden werden kann.

Energie bewusst einteilen

Beobachten Sie einige Tage lang, wann Sie besonders viel und wann Sie besonders wenig Energie haben. Planen Sie wichtige Aufgaben möglichst in Ihre stärkeren Tageszeiten ein und bauen Sie Pausen bewusst ein. Energiemanagement bedeutet nicht, weniger zu leisten — sondern klüger mit den eigenen Kräften umzugehen.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es bei psychischer Belastung?

Eine MS-Diagnose kann emotional sehr belastend sein. Sorgen, Traurigkeit, Wut, Angst oder Unsicherheit sind verständliche Reaktionen. Auch Angehörige können verunsichert sein und Unterstützung brauchen.

Psychologische Beratung, Psychotherapie, soziale Beratung, Rehabilitationsangebote (Reha) oder Selbsthilfegruppen können entlasten. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, sich weniger allein zu fühlen und praktische Tipps für den Alltag zu bekommen.

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    Geprüft Prof. Dr. Rommer: Stand?? | Quellen und Bildnachweis
    Ergotherapie
    Therapieform zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und Alltagsbewältigung.
    Fatigue
    Häufige Begleiterkrankung von schweren Krankheiten, die mit anhaltender Müdigkeit, Kraftlosigkeit und fehlendem Antrieb einhergeht. 
    Physiotherapie
    Therapieform zur Verbesserung von Beweglichkeit und Kraft durch gezielte Übungen.
    Spastik
    Medizinischer Fachausdruck für Muskelverkrampfungen. Diese treten häufig nach einer Querschnittslähmung auf.