Warum ist eine augenärztliche Untersuchung vor Beginn der Therapie wichtig und was wird dabei untersucht?
Eine augenärztliche Kontrolle bereits zu Therapiebeginn ist wichtig, denn wir können an diesem Termin Ihre Augen zum einen umfassend untersuchen, mit Ihnen über mögliche Probleme sprechen, die vielleicht schon zuvor bestehen und wir können auch sehen, ob Sie ein Risiko mit sich tragen, Augenprobleme zu entwickeln. Das heißt, wir haben eine Basisuntersuchung aufgrund dessen wir auch im Verlauf bereits bei kleinsten Veränderungen, die Sie selbst vielleicht noch gar nicht merken, reagieren könnten. Bei der Basisuntersuchung erheben wir einen Status, wie es aktuell Ihren Augen geht. Das bedeutet, wir gehen gemeinsam ins Gespräch, sprechen über mögliche Beschwerden, die Sie haben, Symptome, die auftreten. Wir machen einen Sehtest, testen eventuell noch einmal Ihre Brille oder Kontaktlinsen vor Therapiebeginn Wir messen eventuell den Augeninnendruck und schauen uns aber auch mit der sogenannten Spaltlampe, also dem Mikroskop, mit dem wir AugenärztInnen Sie untersuchen, die Augen noch mal ganz genau an. In dem Rahmen schauen wir uns natürlich auch Ihre Netzhaut und Ihren Sehnervenkopf an, um zu schauen, dass dort auch alles in Ordnung ist oder ob es vielleicht vorbestehende Probleme gibt, von denen Sie oder wir auch noch nicht wussten. Wir dokumentieren die Befunde und können dann im Verlauf auch kleine Veränderungen feststellen. Nun fragen Sie sich wahrscheinlich, wie wir in Kontakt treten mit Ihnen. In der Regel erfolgt dies auch mit Zusammenarbeit der Onkologinnen und Onkologen. Wir arbeiten als interdisziplinäres Team, um Sie im Rahmen Ihrer Multiplen Myelom Therapie zu begleiten.
Wie komme ich zu einem Augenarzttermin?
Das ist eine wichtige Frage und sicherlich auch relevant für Sie und Ihre Versorgung während der Therapie des Multiplen Myeloms. Ich empfehle stets, dass Sie mit Ihrer behandelnden Onkologin und Onkologen in Austausch gehen, wenn Sie selbst keinen augenärztlichen Termin erhalten können oder haben. Dann bitte ich Sie, auf Ihre Onkologin zuzugehen, damit diese helfen, einen Termin in der augenärztlichen Praxis zu vermitteln, gegebenenfalls auch einem Kollegen oder einer Kollegin, der oder die darauf spezialisiert ist.
Kann ich schon vor der Behandlung etwas tun, um Augenprobleme vorzubeugen?
An dieser Stelle kommt sicherlich die Frage auf, was Sie als Patient oder Patientin tun können, um diesen Problemen vorzubeugen. Auch das können wir gerne im ersten Gespräch adressieren. Das bedeutet, ich kläre Sie oder meine Kolleginnen klären Sie darüber auf, was Sie tun können. Wenn Sie bereits beispielsweise ein fortbestehendes, trockenes Auge haben, empfehlen wir, befeuchtende, unkonservierte Tränenersatzmittel zu verwenden. Wenn allerdings andere Augenerkrankungen bestehen, kann natürlich auch dementsprechend eine Therapie eingeleitet werden, um bestmögliche Voraussetzungen vor Therapiestart zu schaffen.
Wie kann ich mich auf mögliche vorübergehende Seheinschränkungen im Alltag vorbereiten?
An dieser Stelle möchte ich Ihnen zunächst die Sorge nehmen vor diesen Augenproblemen. Viele dieser Veränderungen sind reversibel. Das bedeutet, dass sie im Verlauf wieder rückläufig sind und auch keine Probleme mehr darstellen können. Aber wie Sie im Alltag darauf reagieren und wie Sie sich darauf einstellen können, dass Sie einer derjenigen oder diejenige sind, die Probleme haben, macht sicherlich Sinn. Zum einen empfehle ich stets, Ihre Angehörigen zu informieren, dass das auftreten kann. Sich selbst damit zu befassen, dass es auftreten kann, zum Beispiel indem man sich darauf einstellt, eventuell zwischendurch kein Auto fahren zu dürfen oder am Straßenverkehr als Fahrradfahrerin teilnehmen zu können. Das bedeutet, man wechselt auf den öffentlichen Nahverkehr, richtet sich zu Hause so ein, dass Stolperfallen vermieden werden. Man stellt sich darauf ein, dass die Brille nicht mehr passen könnte. All dies sind Dinge, die man schon mitnehmen kann nach diesem ersten Gespräch, um möglichst gut vorbereitet zu sein.
Hier geht es zum Video-Interview: „Vorbereitung auf mögliche Augenprobleme unter der Therapie“