4. Soziales Umfeld

Angehörige bei Schizophrenie

Ein stabiles Umfeld kann zu einer Verringerung der Symptome und Verbesserung des Gesamtzustandes führen.

Welche Rolle spielen Angehörige bei Schizophrenie?

Das direkte soziale Umfeld hat einen großen Einfluss auf Erkrankte. So sind die nahestehenden Menschen möglicherweise auch die Ersten, die Veränderungen bei der/dem Erkrankten bemerken und dementsprechend eingreifen können.

Angehörige/engstehende Personen können unter anderem bei der Schizophrenie folgende Rollen übernehmen:

  • MotivatorInnen
  • Co-TherapeutInnen
  • Informierte

Wie werden Angehörige in die Behandlung miteinbezogen?

Personen aus dem Familienkreis wie Eltern oder PartnerInnen sind insofern besonders wichtig, da sie mögliche Frühwarnzeichen beschreiben können. So lassen sich manchmal in der Befragung von Angehörigen gewisse Symptome in der Kindheit oder frühen Jugend feststellen, die als typische „Vorläufer“ für eine spätere Schizophrenie gedeutet werden können. Sie können auch gegenwärtige Symptome bemerken und für Hilfe sorgen.

Besondere Vorsicht beim Absetzen der Medikamente

Wenn beispielsweise die Patientin/der Patient versucht (in ärztlicher Absprache!) die Medikamente abzusetzen, können Sie als Angehörige und Nahestehende die Patientin/den Patienten „im Blick behalten“ und auf mögliche Symptome achten. So lässt sich ein erneuter Rückfall besser verhindern. Mehr Informationen über Symptome finden Sie in unserer Schulung Schizophrenie verstehen.

Was ist Psychoedukation und warum ist sie bei Schizophrenie wichtig?

Unter Psychoedukation versteht man ein Verfahren, welches der Patientin/dem Patienten hilft, besser mit der Erkrankung umzugehen. Besonders bei chronischen Erkrankungen wie der Schizophrenie ist dies wichtig. Unter Psychoedukation fallen unter anderem ein besseres Management der Symptome, Aufklärung über die Erkrankung an sich und mögliche Selbsthilfestrategien. Übrigens ist diese Schulung, die Sie gerade durchklicken und –lesen, auch Teil von Psychoedukation!

Jens Jüttner

Beschäftigt euch mit eurer Erkrankung und werdet zum Experten.

Jens Jütter
Betroffener und Autor

Auswirkungen auf Beziehungen

Das enge soziale Umfeld leidet mit der erkrankten Person besonders mit.

Welche Auswirkungen kann Schizophrenie auf zwischenmenschliche Beziehungen haben?

Die Auswirkungen der Schizophrenie auf zwischenmenschliche Beziehungen können vielfältig sein. Ohne Therapie leben die Erkrankten in ihrer eigenen Welt und finden nur erschwert Zugang zur Wirklichkeit. Sie neigen dazu, öfters gereizt oder aggressiv zu reagieren. Für nahestehende Personen wie beispielsweise die/der PartnerIn sind solche Situationen dann besonders verwirrend und verstörend.

Das „Ausheilen“ einer Psychose (=Regenerationszeit) kann bis zu einem Jahr oder länger dauern. Es ist also wichtig, dass sich Angehörige und nahestehende Personen dessen bewusst sind und sich danach richten.

Wie kann ich Ausgrenzung und sozialen Abstieg verhindern?

Schizophrenie ist nach wie vor eine Erkrankung, die mit Vorurteilen und Stigmatisierung zu kämpfen hat. Deshalb ist es besonders wichtig den Blick der Gesellschaft auf die Krankheit zu verändern. Der erkrankten Person können begleitende psychotherapeutische Therapien zurück in die „reale Welt“ helfen.

Ausgrenzung gemeinsam verhindern durch:

  • Vorurteile abbauen
  • Sensibilisieren
  • Informieren
  • Therapieren

Auch Vincent Van Gogh hatte Schizophrenie

Bekannte Persönlichkeiten, die mit ihrem Tun und Schaffen einflussreich sind oder waren, bewundert werden und gleichzeitig unter Psychosen leiden oder litten sind beispielsweise: der berühmte Maler Vincent Van Gogh, der Lyriker Friedrich Hölderlin, der Physiker Isaac Newton oder der Komiker und Schauspieler Darrell Hammond.

Mein Beitrag zur Therapie

Oft unterschätzen PatientInnen, welchen großen (positiven) Einfluss sie auf ihre Krankheit haben können.

Was kann ich als PatientIn zur Therapie beitragen?

  • Kein Cannabis bei Schizophrenie: Die Schizophrenie ist eine Erkrankung, die hauptsächlich im jungen Erwachsenenalter auftritt. Oft ist die Schizophrenie dann mit einem übermäßigen Konsum an Cannabis verbunden. THC, ein Inhaltsstoff von Cannabis mit halluzinogener Wirkung, ist ein Trigger für weitere Psychosen.
  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme.

Wie kann ich mich als PatientIn dazu motivieren die Behandlung fortzuführen?

Um genügend Motivation für die Therapie zu haben ist es wichtig als Erkrankte/r ein Ziel vor Augen zu haben. Deshalb gilt: Setzen Sie sich gemeinsame Ziele mit Ihrer Therapeutin/Ihrem Therapeuten. Das kann vom nächsten Ausflug ins Schwimmbad bis hin zur Fertigstellung der Ausbildung alles beinhalten.

Wichtig ist: Seien Sie geduldig mit sich und überfordern Sie sich nicht. Die Schizophrenie erfordert viel Durchhaltevermögen und Kraft.

Jens Jüttner

Nehmt eure Behandlung und Therapie selbst in die Hand und gestaltet sie aktiv mit.

Jens Jüttner
Betroffener und Autor

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Geprüft Dr. Jens Mersch: Stand 25.01.2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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