4. Aufweitung der Speiseröhre

Entscheidung zur Aufweitung der Speiseröhre

Unbehandelt kann durch die Eosinophile Ösophagitis eine Verengung der Speiseröhre entstehen. Diese kann letztlich dazu führen, dass Nahrungsmittel stecken bleiben. Zur Behandlung starker Verengungen können Aufweitungen durchgeführt werden.

Ziel einer Aufweitung der Speiseröhre

Ein Aufweiten der Speiseröhre ist dann sinnvoll, wenn starke Speiseröhrenverengungen vorliegen. Rein medikamentöse Entzündungshemmung reicht dann nicht mehr aus, um ein beschwerdefreies Schlucken wiederherzustellen.

Vor- und Nachteile der Aufweitung der Speiseröhre

  • Der Vorteil einer Aufweitung besteht in der Wiederherstellung eines normalen Speiseröhrendurchmessers. Ein beschwerdefreies Schlucken ist nach dem Eingriff wieder möglich.
  • Der Nachteil der Aufweitung ist, dass diese endoskopisch (über eine Speiseröhrenspiegelung) erfolgen muss. Das bedeutet, dass Sie für den Eingriff stationär aufgenommen werden müssen.

Ablauf der Aufweitung der Speiseröhre

Die Aufweitung der Speiseröhre wird immer mittels Spiegelung durchgeführt (Endoskopie). Ein Schlauch oder ein Ballon werden in der Speiseröhre aufgeblasen, um die Verengung zu beseitigen. Wie läuft das genau ab?

Vorbereitung auf die Aufweitung

Am Vortag der Aufweitung wird Sie Ihr behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt sorgfältig über den Eingriff aufklären. An diesem Tag wird auch ein Blutbild durchgeführt, um Ihre Blutwerte zu kontrollieren. Insbesondere Ihre Gerinnungswerte werden hierbei genau überprüft, da es im Rahmen der Aufweitung zu Blutungen kommen kann. Wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten Sie das im Aufklärungsgespräch unbedingt erwähnen.

Ablauf der Aufweitung der Speiseröhre

Am Tag der Aufweitung erfolgt unter Betäubung eine Speiseröhrenspiegelung.

Unter Sichtkontrolle werden dann zum Beispiel ein Bougie-Dilatator oder ein Ballon-Dilatator in die Speiseröhre eingeführt.

Bougie-Dilatator

Der Bougie-Dilatator ist länger als ein Ballon und eignet sich vor allem wenn längere Speiseröhrenabschnitte verengt sind.

  1. Ein Draht wird vorgeschoben und der Bougie unter Sichtkontrolle nachgeschoben.
  2. Der Bougie wird eine Weile in der Speiseröhre belassen und dann wieder entfernt.
  3. Je nach Bedarf können anschließend dickere Bougie-Dilatatoren eingeführt werden, um die Speiseröhre stärker zu weiten.

Ballon-Dilatator

  1. Der Ballon-Dilatator wird unter Sichtkontrolle eingeführt.
  2. Der Ballon wird durch die Zufuhr von Flüssigkeit „aufgeblasen“.
  3. Nach einer Weile wird der Ballon wieder abgepumpt und entnommen.

Nebenwirkungen der Aufweitung

Beim Aufweiten der Speiseröhre können kleinere Blutungen auftreten. In sehr seltenen Fällen kann es durch die Dehnung zu einem Einriss in der Speiseröhrenwand kommen (sogenannte Perforation). Das Risiko eines Risses kann jedoch verringert werden, indem die Dehnung sehr langsam und abschnittsweise durchgeführt wird.

Wieso muss man bei einer Endoskopie nüchtern sein?

Vor einer endoskopischen Aufweitung wird Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt Sie darum bitten, nüchtern zu erscheinen. Wieso eigentlich?
Bei der Endoskopie wird ein Untersuchungsschlauch mit Kamera in Ihre Speiseröhre eingeführt. Diese Vorrichtung dient Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt zur Begutachtung Ihrer Organe während der Aufweitung.

Wenn Sie vor der Untersuchung gegessen haben, können verbliebene Speisereste die Sicht blockieren. Überdies kann durch das Einführen des Schlauches manchmal Ihr Würgereflex ausgelöst werden: Erbrochene Speisereste könnten dann in Ihre Atemröhre gelangen.

Wenn Sie vergessen haben, vor einer endoskopischen Aufweitung nüchtern zu bleiben, teilen Sie dies also Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem behandelnden Arzt rechtzeitig mit. Der Untersuchungstermin wird dann in der Regel verschoben, um Sie zu schützen.

Nach der Aufweitung der Speiseröhre

Im Normalfall ist am Tag nach der Aufweitung ein normales Schlucken möglich. Beginnen Sie erst mit Flüssigkeiten und gehen Sie dann zu gewohnten Speisen über.

Worauf Sie nach der Aufweitung achten sollten

Im Anschluss an die Aufweitung der Speiseröhre sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Blut:
    Kleinere Mengen, die herausgehustet werden, sind normal. Größere Blutungen sollten Sie auf jeden Fall mit Ihrem Behandlungsteam abklären.
  • Schmerzen:
    Geringe Schmerzen in der Speiseröhre sind normal.
  • Lufteinlagerungen:
    Wenn sich Ihre Haut im Hals- oder Brustbereich anfühlt, als befänden sich Luftpolster unter ihr, melden Sie dies sofort. Derartige Lufteinlagerungen können Hinweis auf einen Einriss in der Speiseröhrenwand sein und dies muss behandelt werden.

Essen und Trinken nach der Aufweitung

Am Tag der Aufweitung selbst sollten Sie danach nur Flüssigkeiten zu sich nehmen. Mit Hilfe eines Videoschluckaktröntgens wird Ihr Schlucken und Ihre Speiseröhre noch einmal kontrolliert. Zeigen sich in der Kontrolle keine Auffälligkeiten, können Sie bereits am nächsten Tag mit der normalen Nahrungsaufnahme beginnen.

Wiederholte Aufweitungen der Speiseröhre

Nach einer erfolgten Aufweitung steht zunächst einmal die Kontrolle der Entzündung im Vordergrund. Ihr Behandlungsteam wird mit Ihnen versuchen, die Entzündung so weit zurückzudrängen, dass neue Verengungen der Speiseröhre nicht entstehen. Sollte es dennoch irgendwann zu einer Verengung kommen, ist die Aufweitung prinzipiell beliebig oft wiederholbar.

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Geprüft Ass. Dr. Hansjörg Schlager: Stand 25.04.2022 | Quellen und Bildnachweis

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