5. Was tun als Außenstehende/r

Erste Schritte im Notfall

Als Angehörige/r möchten Sie im Notfall Ihrer Lieben/Ihrem Lieben beistehen und helfen. Wenn Sie sich auskennen können Sie auch helfen, wenn Sie zufällig einer unbekannten Person mit schwerer allergischer Reaktion begegnen.

Erste Schritte

Wenn jemand in Ihrer Nähe eine schwere allergische Reaktion hat, bleiben Sie möglichst ruhig. Sie können effektiv unterstützen und helfen:

  • Setzen Sie den Notruf ab (112 oder 144, siehe auch „Erste Maßnahmen“).
  • Wenn die/der Betroffene das Notfallset noch nicht angewendet hat, helfen Sie dabei.
  • Unterstützen Sie bei der richtigen Lagerung (siehe „Bewusstlosigkeit bei anaphylaktischem Schock“).
  • Fragen Sie regelmäßig nach dem Befinden beziehungsweise kontrollieren Sie bei Bewusstlosen die Atmung und leiten Sie bei Bedarf weitere Maßnahmen ein.
  • Je nach Bedarf können Sie mit einem Gespräch ablenken, gemeinsam Atmen, Schwellungen kühlen, als Lehne oder Beinlagerung dienen oder einfach nur daneben sitzen.
  • Respektieren Sie die Wünsche der/des Betroffenen, zum Beispiel nach einer bestimmten Position oder nach Ruhe.
  • Bleiben Sie bei der betroffenen Person bis zum Eintreffen der Rettung.

Hilfe nach Insektenstich

Bei Insektenstichen sollte der Stachel entfernt werden, falls er in der Haut verblieben ist. Außerdem können Sie die Einstichstelle kühlen oder anti-allergische Cremes auftragen.

Weitere Tipps zur Linderung von Symptomen nach Insektenstich erhalten Sie im Kurs „Insektengiftallergie verstehen – akute Symptomlinderung“.

Notfallset anwenden bei anaphylaktischem Schock

Die schnelle Anwendung des Notfallsets ist bei einer anaphylaktischen Reaktion wichtig. Auch als außenstehende Person können Sie die darin enthaltenen Medikamente verabreichen.

Das Notfallset

Das Notfallset wird von einer Ärztin/einem Arzt individuell verschrieben und enthält alle Medikamente, die bei einer anaphylaktischen Reaktion schnell eingenommen werden müssen. Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel „Notfallset bei Anaphylaxie“.

Betroffene sollten das Notfallset immer leicht auffindbar bei sich tragen. Es ist meist länglich, etwas größer als eine Geldbörse und enthält Medikamente inklusive Adrenalin-Pen (siehe Video). Manchmal ist es auch beschriftet.

Anwendung des Notfallsets durch ErsthelferIn

Reichen Sie der/dem Betroffenen die Medikamente des Notfallsets. Bei bedrohlichen Symptomen sollte als erstes der Adrenalin-Pen angewendet werden. Auch das können Sie als ErsthelferIn übernehmen. Sie sollten dafür in der Anwendung des Pens geschult sein.

Wie Sie im obigen Video sehen können, wenden Sie den Adrenalin-Pen wie folgt an:

  1. Das Ausziehen einer Hose ist nicht nötig und verzögert die Adrenalin-Gabe unnötig. Sie brauchen auch sonst nichts vorzubereiten!
  2. Entfernen Sie die Schutzkappe – Vorsicht, am anderen Ende ist nun eine Nadel! Kontrollieren Sie bitte nicht, ob die Nadel ausgefahren ist. Sie würden dadurch unnötig Zeit verlieren und könnten sich dabei stechen.
  3. Stechen Sie mit Schwung im rechten Winkel in den vorderen seitlichen Oberschenkel.
  4. Halten Sie den Pen noch 10 Sekunden auf den Oberschenkel gedrückt.
  5. Reiben Sie 10 Sekunden an der Einstichstelle, um das Adrenalin zu verteilen.

Mehr zur Anwendung des Adrenalin-Pens erfahren Sie in der Lektion „Richtige Anwendung des Adrenalin-Pens“.

Bewusstlosigkeit bei anaphylaktischem Schock

Besonders bei Bewusstlosigkeit sind Betroffene auf Hilfe von außen angewiesen. Bei Aussetzen der Atmung sind Maßnahmen zur Wiederbelebung erforderlich.

Drohende Bewusstlosigkeit

Wenn eine Person taumelt, benommen wird oder ihr „schwarz vor Augen wird“, sollte als erstes der Adrenalin-Pen verabreicht und der Notruf abgesetzt werden.

Anschließend hilft eine Kreislauf-stabilisierende Lagerung. Dabei sollte die/der Betroffene flach und bequem auf dem Rücken liegen und die Beine angehoben werden. Sie könne die Beine halten, auf Ihrem Knie oder auf jedem geeignet erscheinenden Gegenstand ablegen (siehe Video).

Keine Getränke bei Benommenheit und Bewusstlosigkeit!

Bereits bei Benommenheit können wichtige Reflexe wie der Schluckreflex und der Hustenreflex beeinträchtigt sein. Es besteht dann die Gefahr, dass Flüssigkeiten aus dem Mund in die Atemwege gelangen. In der Stabilen Seitenlage hingegen können Flüssigkeiten wie Speichel gefahrlos aus dem Mund fließen.

Bewusstlosigkeit

Wenn die betroffene Person im Rahmen des allergischen Schocks bewusstlos wird, aber noch atmet, gehen Sie so vor:

  1. Falls noch nicht geschehen, Adrenalin-Pen setzen, Notruf (144 oder 112) wählen und um Hilfe rufen.
  2. Person in die stabile Seitenlage bringen (siehe Video).
  3. Kopf leicht überstrecken und Mund öffnen, so dass Flüssigkeit ablaufen kann.
  4. Regelmäßig die Atmung überprüfen (wenn Sie erfahren sind, können Sie zusätzlich den Halsschlagaderpuls prüfen).

Atmung überprüfen

Sowohl bei Auftreten von Bewusstlosigkeit als auch immer wieder im Verlauf sollten Sie kontrollieren, ob die Person noch atmet mit mehreren Sinnen:

  • Hören: Hören Sie auf Atemgeräusche.
  • Fühlen: Beim Atmen spüren Sie einen Luftzug am Mund der/des Bewusstlosen.
  • Sehen: Bauch und/oder Brustkorb heben und senken sich bei der Atmung.

Wenn Sie sich über den Kopf mit Blick Richtung Bauch beugen, können Sie alles auf einmal kontrollieren.

Was mache ich wenn die Atmung aussetzt?

Bei Aussetzen der Atmung beginnen Sie mit der Wiederbelebung. Wenn Sie die Rettung bereits über die anaphylaktische Reaktion informiert haben, brauchen Sie nicht erneut anzurufen.

  • Bei Erwachsenen beginnen Sie mit den Brustkorb-Kompressionen, bei Kindern mit fünf Beatmungen.
  • Es schließen sich immer im Wechsel 2 Beatmungen und 30 Kompressionen (15 bei Kindern) an.
  • Ideal sind 100-120 Kompressionen pro Minute (2 pro Sekunde).
  • Halten Sie die Arme durchgestreckt und drücken Sie mit Ihrem Gewicht. Der Brustkorb sollte sich deutlich senken (5 cm). Haben Sie keine Angst Rippen zu brechen, das wäre nicht schlimm.
  • Wenn Sie mehrere HelferInnen sind, wechseln Sie sich ab. Am besten wechseln Sie für die Kompressionen während der Beatmung und umgekehrt.
  • Wenn Sie über den Mund beatmen, halten Sie die/der Betroffenen die Nase zu.
  • Wenn Sie nicht beatmen möchten, kann auch die alleinige Brustkorb-Kompression Leben retten.
  • Setzen Sie die Reanimation bis zum Eintreffen der Rettung fort.

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Geprüft Dr.in Barbara Ernst: Stand April 2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.