4. Umgehen mit Veränderungen

Kräfte mobilisieren

Sie müssen den Brustkrebs als Paar nicht alleine durchstehen. Lassen Sie Hilfe zu.

Ressourcen kennen

Denken Sie daran, dass Sie als Paar vielfältige Ressourcen haben, zum Beispiel:

  • Erfahrung: Blicken Sie auf vergangene Krisen zurück. Fragen Sie sich, was/wer Ihnen damals wie geholfen hat.
  • Andere Betroffene: Manchmal kann es Mut spenden, Menschen in ähnlicher Situation kennenzulernen. Nutzen Sie Selbsthilfegruppen und fragen Sie Ihr Behandlungsteam nach Kontakten.
  • Familie und Freundeskreis: Zögern Sie nicht, Ihre Familie und Ihre FreundInnen miteinzubinden. Wenn Sie die Hilfsangebote gut koordinieren, können Sie sich als Paar voll und ganz auf die Genesung konzentrieren.
Sonja Maras, Partnerschaft und Brustkrebs
Auch Unternehmungen mit FreundInnen sind ganz, ganz wichtig. Dabei auch mal Unternehmungen getrennt voneinander. Denn jeder von uns beiden braucht auch ein kleines Stück Freiraum und das ist besonders wichtig in so einer Zeit.
Sonja Maras
Brustkrebs-Betroffene

Ressourcen koordinieren

Oft wollen viele aus dem Umfeld helfen, wissen aber nicht wie. Folgende Maßnahmen können Ihnen die Koordination von Hilfsangeboten erleichtern:

  • Eine Nachricht an alle: Als Patientin kann es belastend sein x-mal dieselbe Geschichte zu erzählen. Eine sorgfältige Nachricht an den Freundeskreis kann reichen.
  • SprecherIn wählen: Einigen Sie sich gegebenenfalls darauf, wer die Kommunikation mit Freunden und Verwandten übernimmt. Nach Absprache könnten zum Beispiel Angehörige Telefonate für die Betroffene entgegennehmen und Informationen weitergeben.
  • Gruppen gründen: Jedes Mal persönliche Bitten auszusprechen kann anstrengend sein. Organisieren Sie stattdessen zum Beispiel eine WhatsApp-Gruppe, in der Sie Ihrem Umfeld mitteilen, wie man Sie gerade unterstützen könnte. Schreiben Sie dort beispielsweise, dass Sie für z.B jeden Donnerstag einen Fahrer für die Abholung benötigen.

Entlastung bei Brustkrebs

Wenn Sie Ihre Partnerin entlasten wollen, achten Sie darauf, dass dabei nicht zu weit gehen. Respektieren Sie die Unabhängigkeit der Patientin und achten Sie auch auf Ihre eigene Belastbarkeit.

Entlasten statt Belasten

Selbst wenn es gut gemeint ist: Entscheidungen für Betroffene zu treffen, ist meist nicht hilfreich. Ihre Partnerin ist ein selbstständiger erwachsener Mensch, der es gewohnt ist, viele Entscheidungen selbst zu treffen. Die Erkrankung nimmt ihr einen Teil dieser Unabhängigkeit und es ist wichtig, ihr weiterhin ihren Freiraum zu geben. Fragen Sie lieber, was sie aktuell benötigt.

Nehmen Sie sich Auszeiten

Brustkrebs ist ein Marathon, kein Sprint. Denken Sie daher immer daran, sich Auszeiten zu nehmen. Gehen Sie mit Freunden wandern, ein Bier trinken oder ins Kino. Sie brauchen beide Zeiten, zu denen Sie das Thema Brustkrebs vergessen. So stehen Sie diesen Ausdauerlauf als Paar gemeinsam leichter durch.

Mag. Claudia Altmann-Pospischek, Partnerschaft und Brustkrebs
Gebt der Krankheit Raum, das ist notwendig, aber lasst euch nicht vereinnahmen von ihr.
Mag.a Claudia Altmann-Pospischek
Brustkrebs-Betroffene

Unterstützung annehmen

Es ist normal, dass Sie die Situation belastet. Wenn Sie ehrlich sagen, was Sie brauchen, können andere Sie am besten unterstützen und entlasten.

Gefühle offen zeigen

Häufig fühlen sich Betroffene dazu verpflichtet, sich zusammenzureißen. Angehörige helfen ihnen, also dürfen Sie keine Schwäche zeigen. Es ist aber vollkommen normal, dass während einer monatelangen Belastung starke Gefühle auftreten. Zeigen Sie Ihre Gefühle. Wenn Ihnen nach Weinen ist, weinen Sie! Das macht Sie nicht zu einer schwachen Person. Andere verstehen so besser, wie Sie sich wirklich fühlen.

Hilfe annehmen

Vielleicht scheuen Sie sich davor, die vielen Hilfsangebote Ihrer Familie und Ihres Freundeskreises anzunehmen. Sie haben ein schlechtes Gewissen. Aber haben Sie sich auch gefragt, wie Sie sich fühlten, wenn die Rollen umgekehrt wären? Wären Sie nicht gekränkt, wenn Ihre beste Freundin/Ihr bester Freund Ihnen in so einer Ausnahmesituation alle Hilfsangebote ausschlagen würde? Glauben Sie nicht, dass Sie diese Angebote deswegen erhalten, weil Sie in der Vergangenheit ebenso verlässlich für andere da waren? Nehmen Sie die Angebote ohne schlechtes Gewissen an.

Peter Köszegi, Partnerschaft und Brustkrebs
Ein ganz enger Freund ist mir während der Wartezeit der Operation beigestanden. Das hat mir sehr geholfen.
Peter Köszegi
Partner einer Brustkrebs-Betroffenen

Akzeptieren, dass UnterstützerInnen Dinge anders machen als Sie

Sie haben Ihre Routinen und Ihre neuen HelferInnen machen Dinge anders. Für die Dauer der Behandlung haben Sie und Ihre Partnerin/Ihr Partner aber die höchste Priorität. Lassen Sie zu, dass andere Menschen Dinge anders machen. Wenn Sie nach der Behandlung wieder zu Ihrer Routine zurückkehren möchten, können Sie das immer noch tun.

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Geprüft Dr.in Gabriele Traun-Vogt: Stand Oktober 2021

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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