4. Der Weg zur Diagnose bei Epilepsie

Ihre Arztwahl

Bei Verdacht auf Epilepsie sollten Sie immer fachärztlichen Rat suchen. FachärztInnen für Neurologie bzw. KinderärztInnen sind in diesem Fall die richtigen AnsprechpartnerInnen und können Ihnen helfen, erste Anzeichen richtig zu deuten.

Wann ärztlicher Rat notwendig ist

Ein erster epileptischer Anfall sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Je früher Ihr/e behandelnde/r Ärztin/Arzt eine Hirnstromkurve (EEG – Elektroencephalogramm) ableiten kann, desto einfacher ist die genauere Diagnose. Idealerweise sollte das EEG innerhalb von 20 Stunden nach dem Anfall abgeleitet werden.

Welche Anzeichen Sie ärztlich abklären lassen sollten

Vor allem kleinere Krämpfe als erste Anzeichen einer Epilepsie werden oftmals verkannt. Folgende Beschwerden können Anzeichen einer Epilepsie sein:

  • Kribbeln am Arm
  • Geruchsstörung
  • Geschmacksstörung
  • Aufsteigende Übelkeit
  • Déjà-vu-Erlebnisse

Lassen Sie diese Anzeichen gegebenenfalls ärztlich abklären!

Wer die Diagnose Epilepsie stellt

Erwachsene sollten bei Verdacht auf Epilepsie von einer Fachärztin/einem Facharzt für Neurologie untersucht werden. Für Kinder mit Verdacht auf Epilepsie sind KinderärztInnen (Pädiater) zuständig. Das Fachgebiet Neuropädiatrie bezeichnet FachärztInnen, die auf neurologische Erkrankungen bei Kindern, also auch auf Epilepsie, spezialisiert sind.

Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen

Einige Erkrankungen, die mit der Epilepsie nicht in Zusammenhang stehen, können sehr ähnlich aussehen:

  • Kreislaufkollaps: Für ungeschulte BeobachterInnen können Kreislaufkollapse mit Zuckungen schwer von einer Epilepsie unterscheidbar sein.
  • Psychisch bedingte Zusammenbrüche: Großer psychischer Stress kann ebenfalls zu Zuckungen und seltener zu Zusammenbrüchen führen.

Arztbesuch

Bei Verdacht auf Epilepsie wird Ihr/e behandelnde/r Ärztin/Arzt Sie mittels Anamnese, körperlicher Untersuchung, EEG und bildgebenden Verfahren untersuchen. Damit die Untersuchungen möglichst erfolgreich sind, können Sie sich auf den Besuch vorbereiten.

Fragen an Sie

Wenn Sie sich an eine Aura (Beschwerden unmittelbar vor dem Anfall) oder an die Umstände vor dem Anfall erinnern können, berichten Sie Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt davon. Häufiger werden Sie auf Berichte von BeobachterInnen angewiesen sein. Ihre Ärztin/Ihr Arzt möchte vor allem wissen, wie Ihr Anfall verlief und ob dem Anfall Anzeichen vorausgingen. Typische Anzeichen sind unwillkürliches Schmatzen oder Nesteln mit den Händen. Sie liefern Hinweise auf das betroffene Gehirnareal.

Sich auf den Arztbesuch vorbereiten

Wichtige Informationen, die Sie vorab recherchieren können, sind zum Beispiel:

  • Familienanamnese: Gab es neurologische Erkrankungen in der Familie?
  • Geburt: Gab es während Ihrer Geburt Komplikationen?
  • Gehirnverletzungen: Haben Sie als Kind Kopfverletzungen erlitten (wie Schädelhirntraumata, Hirnhautentzündungen)?
  • Vorgeschichte: Welche Medikamente nehmen Sie? Welche Vorerkrankungen haben Sie?
  • Befunde: Haben Sie aktuelle Laborbefunde, Arztbriefe?

Nutzen Sie unsere Checkliste mit möglichen Fragen an Ihre Ärztin/Ihren Arzt. Sie können die Liste ausdrucken und mit Ihren eigenen Fragen ergänzen.

Ablauf des ersten Arztbesuchs

Folgende Untersuchungen können Sie beim ersten Arztbesuch erwarten:

  • Anamnese: Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie zum Hergang des Anfalls befragen.
  • Körperliche Untersuchung: Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie insbesondere auf Ihre Nervenfunktion untersuchen (Reflexe, Sinnesfunktionen).
  • Hirnstromkurve (EEG): Vor allem bis zu 20 Stunden nach dem Anfall kann die Hirnstromkurve diagnostisch entscheidende Hinweise liefern.
  • Kernspintomografie (MRT): Bildgebende Verfahren können Vernarbungen, kleine Verletzungen im Gehirn sichtbar machen.

Narben aus der Vergangenheit

Ihr/e NeurologIn wird Sie bei Verdacht auf Epilepsie auch zu Verletzungen in Ihrer Kindheit oder gar im Säuglingsalter befragen. Was erstmal überraschend klingt, hat gute Gründe: Selbst längst vernarbte Verletzungen im Gehirn können den Stromfluss im Zellgewebe verändern und dadurch Fehlentladungen begünstigen!

Wenn Sie sich nicht mehr an alles erinnern, fragen Sie also Ihre Kinderärztin/Ihren Kinderarzt oder Ihre Angehörigen.

Untersuchungen bei Epilepsie

Die Diagnose Epilepsie wird durch Ihre Neurologin/Ihren Neurologen gestellt. Sie/er stützt sich dabei auf das Ergebnis einer Hirnstromkurvenableitung (EEG), das charakteristische Veränderungen zeigt.

Untersuchungsarten bei Verdacht auf Epilepsie

Bei Verdacht auf Epilepsie werden Sie in der Regel stationär in eine Neurologische Klinik aufgenommen. Die Untersuchungen, die durchgeführt werden, sind nicht schmerzhaft und Routine. Am häufigsten durchgeführt werden die Hirnstromkurve (EEG) und das MRT (Bildgebung).

Die Hirnstromkurve (EEG)

Zur Aufzeichnung einer Hirnstromkurve werden Elektroden auf die Kopfhaut aufgeklebt. Sie dienen der Messungen von elektrischer Spannung zwischen Nervenzellen. Fällt diese Spannung auf eine bestimmte Art ab oder ist sie auf eine bestimmte Art erhöht, spricht man von einem Epilepsie-typischen Potenzial: Der Verdacht auf Epilepsie ist erhärtet.

Aussagekräftige EEG-Veränderungen

Jede Epilepsieform äußert sich in charakteristischen Veränderungen in der Hirnstromkurve. Von der Art der Veränderungen kann Ihre Fachärztin/Ihr Facharzt also auf die Epilepsieform zurückschließen.

Wie kann eine Veränderung in der Hirnstromkurve (EEG) aussehen?

Die Veränderungen in der Hirnstromkurve (EEG) können bei Absence-Epilepsie zum Beispiel so aussehen:

Es zeigen sich drei Spitzen und drei Wellen pro Sekunde. Diese Spitzen-Wellen-Komplexe treten für einige Sekunden auf, danach normalisiert sich der Rhythmus wieder.

Downloads

  • Fragen an Ihre Ärztin/Ihren Arzt Diese Checkliste verschafft Ihnen eine erste Orientierung. Bereiten Sie sich in Ruhe auf das Arztgespräch vor und notieren Sie im Vorfeld alle Ihre Fragen!

Geprüft Ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Luef: Stand August 2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.