5. Sicherheit im Umgang bei HAE

Wie gehe ich mit der Angst um, etwas falsch zu machen?

Es ist verständlich, wenn Sie als Betreuungsperson zunächst unsicher sind. HAE ist selten, und viele Menschen haben noch nie davon gehört. Besonders die Möglichkeit einer schweren Attacke kann Angst machen.

Gute Information hilft, diese Angst zu verringern. Wenn Sie wissen, was HAE ist, welche Warnzeichen wichtig sind und wo der Notfallplan liegt, müssen Sie nicht aus dem Bauch heraus entscheiden. Sie können sich an klaren Abläufen orientieren.

Wichtig ist: Sie sind nicht verantwortlich für das Auftreten einer Attacke. Sie sind auch nicht dafür verantwortlich, die Erkrankung medizinisch zu behandeln. Ihre Verantwortung liegt darin, aufmerksam zu sein, den Plan zu kennen und im Ernstfall Hilfe zu holen.

Der Vorteil war, dass ein Schularzt und eine Krankenschwester vorab da waren. Sie haben in der Schule und im Kindergarten Aufklärungsarbeit geleistet – mit den Lehrern und den Kindergartenpädagogen. Sie haben alles perfekt organisiert und wirklich sehr gut aufgeklärt, sodass die Angst bei den Lehrern hoffentlich weggefallen ist.
Apollonia Schipits
Vize-Obfrau HAE Austria und betroffene Oma

Wo finden Betreuungspersonen Unterstützung?

Verlässliche Informationen erhalten Sie vor allem über die Eltern und das behandelnde medizinische Team. Viele Familien bekommen Informationsmaterialien, einen Notfallplan oder Notfallausweis  vom Behandlungszentrum. Bitten Sie darum, diese Unterlagen einsehen zu dürfen, wenn Sie das Kind betreuen.

Auch Selbsthilfegruppen, HAE-Patientenorganisationen und spezialisierte Fachärzt:innen können hilfreiche Informationen bereitstellen. Für den Schulalltag ist aber das persönliche Gespräch mit den Eltern meist besonders wichtig. Denn jedes Kind erlebt HAE anders.

Hilfreiche Fragen für Sie können sein:

  • Was ist bei diesem Kind typisch?
  • Was sollen wir im Alltag beachten?
  • Wann sollen wir Sie anrufen?
  • Wann soll sofort medizinische Hilfe geholt werden?
  • Was hilft Ihrem Kind, ruhig zu bleiben?
  • Was möchte Ihr Kind selbst erklären – und was nicht?

Selbsthilfegruppen stellen sich vor

HAE Austria ist eine österreichische Selbsthilfegruppe für Menschen mit hereditärem Angioödem (HAE) und ihre Angehörigen. Ihr Ziel ist es, Betroffene im Alltag zu unterstützen und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Sie informieren über HAE, Behandlungsmöglichkeiten, aktuelle Forschungsergebnisse sowie spezialisierte Ärztinnen, Ärzte und HAE-Zentren in Österreich. Darüber hinaus bieten sie Hilfe bei der Umstellung auf ein Leben mit HAE, ermöglichen den Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen und fördern die nationale und internationale Vernetzung.

Die Schweizer HAE-Vereinigung setzt sich seit 25 Jahren für Menschen mit hereditärem Angioödem (HAE) ein. Sie bringt Betroffene, Angehörige und medizinische Fachpersonen zusammen und engagiert sich dafür, das Verständnis für die seltene Erkrankung zu stärken und die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Aufklärung und dem persönlichen Austausch. Mit Patiententreffen, Informationsbroschüren und Erfahrungsberichten vermittelt die Vereinigung wertvolles Wissen und gibt Einblicke in das Leben mit HAE.

Mit welchen Vorurteilen können Betroffene konfrontiert sein?

HAE ist oft unsichtbar. Zwischen den Attacken wirken Betroffene meist gesund. Dadurch kann es zu Missverständnissen kommen. Wenn ein Kind wegen starker Bauchschmerzen abgeholt wird oder häufiger fehlt, denken andere vielleicht fälschlicherweise, es wolle die Schule vermeiden.

Auch sichtbare Schwellungen können belastend sein. Ein geschwollenes Auge oder eine dicke Lippe können Kommentare, Blicke oder Ausgrenzung auslösen. Besonders jugendliche Personen können darunter leiden.

Ausgrenzung kann deshalb bei HAE ein wichtiges Thema sein. Gleichzeitig ist ein möglichst normales Leben sehr wichtig. Die Erkrankung sollte im Alltag nicht ständig im Vordergrund stehen. Kinder und Jugendliche mit HAE sollen am Unterricht, an Pausen, Ausflügen und sozialen Aktivitäten teilnehmen können, soweit es die Situation erlaubt.

Als Betreuungsperson können Sie helfen, indem Sie eine respektvolle Atmosphäre fördern. Nehmen Sie Beschwerden ernst. Reagieren Sie klar auf abwertende Kommentare. Unterstützen Sie das Kind dabei, sich nicht rechtfertigen zu müssen.

Wie können Sie bei Ausgrenzung oder Mobbing unterstützen?

Wenn ein Kind wegen HAE gehänselt oder ausgeschlossen wird, sollte das ernst genommen werden. Sprechen Sie mit dem Kind, mit den Eltern und gegebenenfalls mit zuständigen Personen in der Schule. Je nach Situation kann auch eine altersgerechte Aufklärung der Klasse helfen – aber nur in Absprache mit dem Kind und den Eltern.

Nicht jedes Kind möchte, dass die Erkrankung vor der ganzen Klasse besprochen wird. Andere fühlen sich durch offene Information entlastet. Wichtig ist deshalb, gemeinsam zu entscheiden, wie viel erklärt werden soll.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ausbildung oder Beruf kann es hilfreich sein, eine Vertrauensperson einzubeziehen. Das kann eine Lehrperson, eine Ausbilderin, ein Betriebsarzt, eine Personalvertretung oder eine andere verlässliche Ansprechperson sein.

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    AT-CH-DE-HAE-HAE-2876-v1, Stand 08/2026 | Geprüft Dr.in med. Maria Fasshauer: Stand Oktober 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Angioödem
    Schwellung der tieferen Hautschichten, oft verursacht durch Flüssigkeitsaustritt aus Blutgefäßen.
    Hereditär
    (Vererbt)
    beschreibt Krankheiten oder Eigenschaften, die genetisch weitergegeben werden
    Notfallausweis
    Dokument, das wichtige medizinische Informationen enthält und im Notfall schnelle Hilfe ermöglicht. Es beinhaltet Details zur Erkrankung, Notfallkontakte und Behandlungsanweisungen.