1. Hypophosphatasie einfach erklärt

Was ist Hypophosphatasie (HPP) und was passiert dabei im Körper?

Die Hypophosphatasie (HPP) ist eine seltene, genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung. Es ist demnach eine Krankheit, bei der bestimmte chemische Abläufe im Körper nicht richtig funktionieren. Die Ursache ist eine verminderte Aktivität eines wichtigen Enzyms im Körper, der alkalischen Phosphatase (ALP). Dieses Enzym ALP kommt im gesamten Körper vor, unter anderem in Knochen, Zähnen, Leber, Nieren und im Nervensystem.

Die alkalische Phosphatase hat die Aufgabe, bestimmte phosphathaltige Stoffwechselprodukte im Körper umzuwandeln bzw. abzubauen. Funktioniert sie nicht richtig, weil zum Beispiel ihre Aktivität vermindert ist, sammeln sich diese Stoffe im Körper an und können verschiedene Prozesse stören.

Besonders wichtig sind dabei zwei Stoffe, die sich im Körper ansammeln:

  • Anorganisches Pyrophosphat (PPi): Dieser Stoff wirkt wie eine Bremse für die Mineralisierung. Wenn zu viel PPi vorhanden ist, wird die Einlagerung von Mineralien in Knochen und Zähnen gehemmt und Knochen können nicht ausreichend gehärtet werden. Das kann zu weichen, instabilen Knochen, Knochenverformungen und Zahnproblemen beitragen.
  • Pyridoxalphosphat (PLP), die aktive Form von Vitamin-B6, also die Form, die der Körper direkt nutzt: Bei HPP ist PLP im Blut oft erhöht und kann als Laborhinweis dienen. Vitamin-B6 ist wichtig für das Nervensystem, unter anderem für die Bildung von Botenstoffen, so genannten Neurotransmittern. Bei schweren Formen der HPP kann es dadurch auch zu neurologischen Problemen wie Krampfanfällen kommen.

Die alkalische Phosphatase hat zudem weitere Funktionen im Körper, etwa bei Stoffwechselvorgängen und Regulationsmechanismen. Viele Zusammenhänge sind noch nicht vollständig erforscht.

Welche Rolle spielt der ALP-Wert bei HPP?

Der ALP-Wert im Blut zeigt die Aktivität der Alkalischen Phosphatase. Bei HPP ist er typischerweise erniedrigt.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass der Normalbereich:

  • altersabhängig ist (Kinder haben höhere ALP-Werte als Erwachsene)
  • sich bei Männern und Frauen unterscheiden kann

Referenzwerte zeigen den Bereich, der im Labor als normal gilt. Viele Labore geben jedoch keine alters- und geschlechtsspezifischen unteren Referenzwerte an. Teilweise wird nur ein allgemeiner unterer Grenzwert für Erwachsene angegeben, der für Kinder nicht geeignet ist und zu Fehlinterpretationen führen kann. Zudem wird ein erniedrigter ALP-Wert in vielen Laborbefunden nicht als auffällig markiert. Deshalb wird ein niedriger ALP-Wert im klinischen Alltag häufig übersehen.

Zusätzlich kann der Vitamin-B6-Spiegel (Pyridoxalphosphat) im Blut gemessen werden, der bei HPP typischerweise erhöht ist. Andere Laborwerte wie Calcium, Phosphat oder Parathormon (ein Hormon, das den Calcium-Haushalt steuert) sind meist normal und wenig aussagekräftig für die Diagnose. Sie können jedoch je nach Alter und Schwere der Erkrankung mitbetroffen sein und sollten zur Sicherheit und Verlaufskontrolle mitgeprüft werden.

Wichtiger Hinweis

HPP bleibt oft lange unentdeckt, weil die Symptome sehr unterschiedlich und unspezifisch sein können. Ein dauerhaft niedriger ALP-Wert im Blut ist ein wichtiges Warnsignal und sollte nicht übersehen werden. Zusammen mit einem erhöhten Vitamin-B6-Spiegel kann er helfen, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen.

Wie häufig tritt HPP auf und welche Ausprägungen gibt es?

HPP ist eine seltene Erkrankung, wird aber heute häufiger erkannt. Die schwerste Form bei Neugeborenen betrifft etwa 1 von 100.000. Mildere Formen der Erkrankung treten später im Kindes- oder Erwachsenenalter auf und sind deutlich häufiger, sie werden aktuell auf etwa 1 von 6.000 Menschen geschätzt.

HPP kann sehr unterschiedlich verlaufen. Grundsätzlich gilt: Je früher die Erkrankung beginnt, desto schwerer ist sie meist ausgeprägt.

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    Geprüft OÄ Dr.in Judith Haschka: Stand August 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Enzym
    körpereigener Stoff, der biochemische Reaktionen steuert und schneller und effizienter ablaufen lässt.