5. Impfen bei Organtransplantation

Impfungen vor und nach einer Organtransplantation

Bei einer Organtransplantation ist ein möglichst vollständiger Impfschutz besonders wichtig. Nach der Transplantation werden Medikamente benötigt, die das neue Organ vor einer Abstoßung schützen. Diese Medikamente schwächen jedoch auch das Immunsystem. Deshalb sollten fehlende Impfungen möglichst schon vor der Organtransplantation nachgeholt werden.

Welche Impfungen sollten vor einer Organtransplantation erfolgen?

Sobald eine Organtransplantation geplant ist, sollte Ihr Impfpass überprüft werden. Dabei wird kontrolliert, ob:

  • die empfohlenen Grundimmunisierungen vollständig sind,
  • Auffrischungen fehlen,
  • zusätzliche Impfungen aufgrund Ihrer Erkrankung notwendig sind.

Grundsätzlich sollten alle für Ihr Alter und Ihre persönliche Situation empfohlenen Impfungen möglichst vor der Transplantation abgeschlossen werden. Dazu können neben den Standardimpfungen beispielsweise Impfungen gegen Pneumokokken, Gürtelrose, Influenza , COVID-19, RSV oder Hepatitis gehören.

Für die zeitliche Planung gilt:

  • Nicht-Lebendimpfstoffe sollten möglichst spätestens zwei Wochen vor der Transplantation verabreicht werden.
  • Lebendimpfstoffe, etwa gegen Masern, Mumps und Röteln oder Windpocken, sollten spätestens vier Wochen davor abgeschlossen sein.

Vor der Transplantation reagiert das Immunsystem häufig besser auf Impfungen. Außerdem sollten alle Lebendimpfstoffe vor der Transplantation verabreicht werden, da diese nach der Transplantation aufgrund der immunsuppressiven Therapie dann nicht mehr möglich sind. Eine dringend notwendige Transplantation wird wegen einer noch fehlenden Impfung jedoch nicht verschoben.

Den Impfschutz schon auf der Warteliste planen

Nehmen Sie Ihren Impfpass bereits zu den ersten Terminen im Transplantationszentrum mit. Fragen Sie: „Welche Impfungen sollte ich noch vor der Transplantation erhalten?“

Lassen Sie jede Impfung dokumentieren. So kann das Behandlungsteam nach der Transplantation erkennen, welche Impfungen bereits abgeschlossen sind und welche noch fehlen.

Was verändert sich nach der Organtransplantation?

Nach der Transplantation wird das Immunsystem zunächst besonders stark unterdrückt. Dadurch können Infektionen schwerer verlaufen und der Körper reagiert möglicherweise schwächer auf Impfungen.

Der Impfschutz muss nach einer Organtransplantation aber nicht automatisch vollständig neu aufgebaut werden. Bereits verabreichte Impfdosen bleiben bei der Planung berücksichtigt. Nachgeholt werden vor allem fehlende Impfungen, notwendige Auffrischungen und saisonale Impfungen.

Wann kann nach der Transplantation wieder geimpft werden?

Nicht-Lebendimpfstoffe sind grundsätzlich möglich. Für eine bessere Impfantwort wird nach der Transplantation jedoch meist etwa drei bis sechs Monate gewartet.

Eine Ausnahme kann die Influenza-Impfung sein: Findet die Transplantation während der Grippesaison statt, kann sie bei hohem Infektionsrisiko bereits ab einem Monat danach verabreicht werden. Impfungen gegen COVID-19 und RSV werden üblicherweise nach drei bis sechs Monaten eingeplant. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Art der Transplantation, Ihrer Behandlung und der aktuellen Infektionslage ab.

Während einer Abstoßungsbehandlung oder einer besonders starken Immunsuppression kann es sinnvoll sein, eine Impfung zu verschieben. Ändern oder unterbrechen Sie Ihre Medikamente dafür niemals selbstständig.

Sind Lebendimpfstoffe nach einer Organtransplantation möglich?

Nein. Nach einer Organtransplantation dürfen Lebendimpfstoffe nicht mehr verabreicht werden, da das Immunsystem dauerhaft durch Medikamente unterdrückt wird. Dazu gehören zum Beispiel Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln, Windpocken oder Gelbfieber.

Fehlende Lebendimpfungen sollten deshalb möglichst vor der Transplantation nachgeholt werden. Zwischen einer Lebendimpfung und der Organtransplantation müssen mindestens vier Wochen liegen.

Warum bleiben Impfungen langfristig wichtig?

Die immunsuppressiven Medikamente, die zum Schutz des transplantierten Organs meist dauerhaft benötigt werden, erhöhen auch das Risiko für schwere Infektionen. Impfungen sollten deshalb regelmäßig aufgefrischt und der Impfstatus mindestens einmal jährlich sowie bei einer Änderung der Therapie überprüft werden.

Welche Impfungen und Abstände für Sie gelten, hängt vom transplantierten Organ, Ihrer aktuellen Behandlung und den bisher erhaltenen Impfungen ab. Ihr persönlicher Impfplan sollte daher gemeinsam mit dem Transplantationszentrum erstellt werden.

Hinweis: Die Inhalte der Videos orientieren sich am österreichischen Impfplan. Abweichende Empfehlungen für Deutschland und die Schweiz wurden im Kurstext an den entsprechenden Stellen ergänzt. Die aktuellen nationalen Empfehlungen finden Sie auch im jeweiligen Impfplan.
Österreichischer Impfplan
Empfehlungen der STIKO für Deutschland
Schweizerischer Impfplan

Diesen Kurs bewerten

Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden.

0 / 5 (0)

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Wir freuen uns über Ihr Feedback

Wir entwickeln fortlaufend neue Kurse und lernen dabei nie aus. Dabei berücksichtigen wir gerne Ihre Wünsche und Anregungen. Wir freuen uns daher sehr über Ihr Feedback. Bitte beachten Sie, dass wir keine personenbezogenen medizinischen Auskünfte geben können. Sollten Sie dazu Fragen haben, klären Sie diese bitte in einem persönlichen Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.


    (Optional - Sollten Sie eine Antwort wünschen)

    EM-AUT-RVV-0028 | Geprüft Dr.in Angelika Wagner, PhD: Oktober 2026 | Quellen und Bildnachweis
    Immunsuppression
    Unterdrückung des körpereigenen Immunsystems oder Abschwächung des Immunsystems. Diese Wirkung kann im Rahmen einer Therapie erwünscht oder eine Nebenwirkung sein.
    Influenza
    Durch Influenzaviren verursachte Infektionskrankheit. Beginnt plötzlich und führt zu hohem Fieber, Schüttelfrost, starken Kopf- und Gliederschmerzen, trockenem Husten sowie starkem Krankheitsgefühl.
    Lebendimpfung
    Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, funktionsfähige Viren, die in den Körper eingebracht das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern stimulieren. Lebendimpfstoffe können unter Umständen, besonders bei immungeschwächten Personen, krankheitsähnliche Symptome auslösen. Im Unterschied dazu siehe „Totimpfstoff“.