Bei Impfungen für immunsupprimierte Menschen geht es nicht nur darum, den üblichen Impfstatus aktuell zu halten. Aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos können zusätzliche Impfungen, kürzere Auffrischungsintervalle oder besondere Impfschemata notwendig sein. Welche Impfungen bei Immunsuppression für Sie wichtig sind, hängt unter anderem von Ihrem Alter, Ihrer Erkrankung, der Behandlung und möglichen Reiseplänen ab.
Welche Impfungen sind bei Immunsuppression wichtig?
Welche Standardimpfungen bleiben wichtig?
Auch bei Immunsuppression sollten Sie alle für Ihr Alter empfohlenen Standardimpfungen erhalten. Dazu gehören beispielsweise Impfungen gegen:
- Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis) und Kinderlähmung (Polio)
nach erfolgreicher Grundimmunisierung Auffrischungen in folgenden Intervallen empfohlen:
in Österreich – alle 10 Jahre, ab 60 Jahren alle 5 Jahre
in Deutschland – alle 10 Jahre
in der Schweiz – bis 64 Jahre alle 20 Jahre, ab 65 Jahre alle 10 Jahre
- Hepatitis B
nach erfolgreicher Grundimmunisierung Auffrischung nur je nach Titerkontrolle
- FSME, besonders wenn Sie in Österreich leben oder sich in einem Risikogebiet aufhalten
nach erfolgreicher Grundimmunisierung Auffrischungen in folgenden Intervallen:
in Österreich – alle 5 Jahre, ab 60 Jahren alle 3 Jahre
in Deutschland – je nach Alter und Impfstoffe alle 3-5 Jahre
in der Schweiz – alle 10 Jahre
Bei Immunsuppression können zusätzliche Dosen, frühere Auffrischungen oder eine Kontrolle des Impferfolgs erforderlich sein. Ihr Impfplan sollte deshalb individuell überprüft werden.
Welche saisonalen Impfungen sind wichtig?
Auch bei Immunsuppression sollten saisonale Impfungen regelmäßig eingeplant werden. Dazu gehören insbesondere Impfungen gegen:
- Grippe (Influenza)
in der Regel einmal pro Saison mit dem aktuell angepassten Impfstoff - COVID-19
in der Regel einmal pro Saison entsprechend der aktuellen Impfempfehlung - RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus)
derzeit einmalige Impfung möglichst vor Beginn der RSV-Saison für:
in Österreich – alle ab 60 Jahren, für immunsupprimierte Personen ab 18 Jahren
in Deutschland – alle ab 75 Jahren, Personen von 60-74 Jahren mit bestimmten Grunderkrankungen
in der Schweiz – alle ab 75 Jahren, Personen von 60-74 Jahren mit erhöhtem Risiko, bei schwerer Immunschwäche individuell auch zwischen 18-59 Jahren
Influenza-, COVID-19- und RSV-Infektionen können bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem schwerer verlaufen. Die Impfungen können auch während einer immunsuppressiven Behandlung sinnvoll sein. Der Impfschutz fällt möglicherweise schwächer aus, kann das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf aber dennoch verringern.
Für die RSV-Impfung ist derzeit keine jährliche Auffrischung vorgesehen. Für die verfügbaren Impfstoffe liegen Daten zu einem anhaltenden Schutz über mehrere RSV-Saisonen vor. Ob und wann weitere Impfdosen erforderlich sind, wird derzeit noch untersucht.
Welche zusätzlichen Impfungen werden häufig empfohlen?
Pneumokokken können unter anderem schwere Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder Hirnhautentzündungen verursachen. Menschen unter immunsuppressiver Therapie sollen daher unabhängig vom Alter geschützt werden.
Das genaue Impfschema unterscheidet sich je nach Land:
- Österreich: Das Impfschema richtet sich nach dem individuellen Risiko und den bereits erhaltenen Pneumokokken-Impfungen. Bei Personen mit hohem Risiko können mehrere Impfungen beziehungsweise unterschiedliche Impfstofftypen erforderlich sein.
- Deutschland: Für Erwachsene mit Immundefizienz oder immunsuppressiver Therapie wird derzeit in der Regel eine einmalige Impfung mit einem höher-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff empfohlen.
- Schweiz: Für erwachsene Risikopersonen werden höher-valente Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe empfohlen. Je nach bisheriger Pneumokokken-Impfung kann eine zusätzliche Dosis zur Erweiterung des Impfschutzes vorgesehen sein.
Bei einer Immunsuppression kann das Windpockenvirus, das nach einer früheren Infektion im Körper bleibt, leichter wieder aktiv werden und eine Gürtelrose auslösen. Möglich sind starke Schmerzen, die manchmal auch nach Abheilung des Ausschlags bestehen bleiben.
Die Gürtelrose-Impfung wird bei Immunsuppression je nach Land ab unterschiedlichem Alter empfohlen:
- Österreich: bei Immundefizienz oder Immunsuppression ab 18 Jahren
- Deutschland: bei Immundefizienz oder Immunsuppression ab 50 Jahren
- Schweiz: bei schwerer Immunschwäche ab 18 Jahren, bei einer bestehenden oder zukünftigen Immunschwäche ab 50 Jahren
Die Impfung besteht aus zwei Dosen. Bei Menschen mit schwerer Immunsuppression beziehungsweise wenn eine Immunsuppression bevorsteht, kann die zweite Dosis je nach Situation bereits ein bis zwei Monate nach der ersten verabreicht werden.
Die HPV-Impfung schützt vor bestimmten humanen Papillomaviren, die Krebsvorstufen und verschiedene Krebsarten, unter anderem Gebärmutterhalskrebs sowie Krebs an Vulva, Scheide, Penis, After und im Mund-Rachen-Raum, verursachen können.
Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Land:
- Österreich: Die Impfung wird allgemein ab dem 9. Lebensjahr empfohlen. Bei immunsupprimierten Menschen gilt unabhängig vom Alter ein Schema mit drei Impfdosen. Auch nach dem 30. Geburtstag kann eine Impfung individuell sinnvoll sein.
- Deutschland: Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung allgemein im Alter von 9 bis 14 Jahren und das Nachholen versäumter Impfungen bis zum 18. Geburtstag. Eine eigene allgemeine Empfehlung für ältere Menschen mit Immunsuppression besteht nicht. Ab 15 Jahren werden drei Impfdosen benötigt.
- Schweiz: Die HPV-Impfung wird allgemein im Alter von 11 bis 14 Jahren empfohlen und kann bis zum 27. Geburtstag nachgeholt beziehungsweise ergänzend durchgeführt werden. Bei einer Immunschwäche werden drei Impfdosen empfohlen.
Ob die Impfung für Sie geeignet ist und wann sie am besten durchgeführt wird, sollte individuell ärztlich geklärt werden.
Welche Reiseimpfungen Sie benötigen, hängt vom Reiseziel, der Reisedauer und Ihrer geplanten Tätigkeit vor Ort ab. Je nach Reise können beispielsweise Impfungen gegen Hepatitis A, Typhus, Tollwut oder Japanische Enzephalitis wichtig sein. Lassen Sie sich möglichst frühzeitig reisemedizinisch beraten, damit notwendige Impfserien rechtzeitig abgeschlossen werden können.
Viele Reiseimpfungen sind Nicht-Lebendimpfstoffe und können auch bei Immunsuppression grundsätzlich verabreicht werden. Die Impfantwort kann jedoch schwächer ausfallen, weshalb der Zeitpunkt und mögliche zusätzliche Dosen individuell geplant werden sollten.
Besondere Vorsicht ist bei Lebendimpfstoffen wie der Gelbfieberimpfung notwendig. Sie dürfen bei stärkerer Immunsuppression in der Regel nicht verabreicht werden. Gleichzeitig verlangen manche Länder bei der Einreise einen entsprechenden Impfnachweis. Ein ärztliches Befreiungszeugnis ist zwar möglich, wird von den Behörden des Reiselandes jedoch nicht immer anerkannt.
Besprechen Sie geplante Reisen daher möglichst schon vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie mit Ihrem Behandlungsteam.
Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ B sind Bakterien. Sie können schwere Erkrankungen wie eine Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung verursachen.
Impfungen gegen diese Erkrankungen werden nicht automatisch allen Menschen unter immunsuppressiver Therapie empfohlen. Sie sind besonders wichtig, wenn die Milz fehlt oder nicht richtig arbeitet. Das gilt auch bei bestimmten angeborenen Immundefekten, einer Behandlung mit speziellen Therapien, sowie nach einer Stammzelltransplantation .
Wie häufig geimpft wird, hängt vom Impfstoff und vom jeweiligen Land ab:
- Meningokokken: In Österreich und der Schweiz werden bei dauerhaft erhöhtem Risiko Auffrischungen alle 5 Jahre empfohlen. In Deutschland hängt eine Auffrischung stärker von der individuellen Risikosituation ab.
- Haemophilus influenzae Typ B (Hib): In Österreich wird bei besonderem Risiko alle 5 Jahre aufgefrischt. In Deutschland wird bei Erwachsenen mit erhöhtem Risiko meist einmalig geimpft. In der Schweiz gibt es für Erwachsene mit fehlender Milz keine allgemeine Hib-Impfempfehlung.
Impfempfehlungen nach einer Stammzelltransplantation
Nach einer Stammzelltransplantation kann ein großer Teil des früher aufgebauten Impfschutzes verloren sein. Das Immunsystem wird deshalb grundsätzlich so behandelt, als wäre es noch nicht geimpft worden. Die Grundimmunisierungen müssen schrittweise neu aufgebaut werden.
Je nach Art der Transplantation und Impfstoff können erste Nicht-Lebendimpfstoffe nach etwa drei bis sechs Monaten begonnen werden. Dazu gehören unter anderem Impfungen gegen Pneumokokken, Gürtelrose, Influenza , COVID-19 und RSV. Ab etwa sechs Monaten folgen weitere Grundimmunisierungen, beispielsweise gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hib, Hepatitis B, Meningokokken, HPV und FSME.
Lebendimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken kommen frühestens 24 Monate nach der Transplantation infrage. Voraussetzung ist, dass keine immunsuppressive Therapie und keine Graft-versus-Host-Erkrankung vorliegt. Bei einer akuten Graft-versus-Host-Erkrankung oder einer intensiven immunsuppressiven Behandlung kann sich der Impfplan verschieben.
Hinweis: Die Inhalte der Videos orientieren sich am österreichischen Impfplan. Abweichende Empfehlungen für Deutschland und die Schweiz wurden im Kurstext an den entsprechenden Stellen ergänzt. Die aktuellen nationalen Empfehlungen finden Sie auch im jeweiligen Impfplan.
Österreichischer Impfplan
Empfehlungen der STIKO für Deutschland
Schweizerischer Impfplan
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