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Kurs Angina pectoris im Alltag: Lektion 3 von 8

Angina pectoris und Sexualität

Viele Menschen mit Angina pectoris haben Angst vor sexueller Aktivität. Einige leiden auch unter einer gestörten Sexualfunktion. Das kann sich in hohem Maße auf die Partnerschaft und das eigene Selbstwertgefühl auswirken. In dieser Lektion erfahren Sie, ob die Ängste vor dem Sex wirklich begründet sind und wie Sie auch mit der Erkrankung ein erfülltes Sexualleben haben können.

Video Transkript

Welche Einschränkungen habe ich durch die Angina pectoris beim Geschlechtsverkehr?

Patienten mit Angina pectoris haben die Einschränkung der Medikationen. Viele Patienten, die älter sind, verwenden gefäßerweiternde Medikamente zur Bewältigung einer erektilen Dysfunktion. Diese Medikamente sind bei einer vollen Angina-pectoris-Therapie am Papier kontraindiziert, weil es zu einer Mehrfach-Gefäßerweiterung kommt. Das Medikament zur erektilen Dysfunktionsbehandlung, zum Beispiel Sildenafil, das ist ein Phosphodiesterasehemmer, macht eine Gefäßerweiterung. Und wenn der Patient schon zwei oder drei andere gefäßerweiternde Medikamente nimmt, kann das zu einer Arzneimittel-Interaktion führen und zu einem Blutdruckabfall.

Ein kluger Patient bespricht vor einem geplanten Verkehr mit seinen betreuenden Kardiologen oder seiner Kardiologen, wie er das am besten macht. Und ich glaube, das ist bei den älteren Herrschaften eine planbare Aktion, auf die man gar nicht verzichten muss, bei der man aber darauf achten muss, dass man nicht gerade andere Medikamente vorher eingenommen hat. Das heißt also: Das Medikament zur Behandlung der erektilen Dysfunktion kann man dann so einsetzen, dass man die gleichzeitig genommenen Medikamente auslässt und sich einen Zeitplan macht.

Kann es sein, dass ich durch Geschlechtsverkehr einen Angina-pectoris Anfall auslöse?

Es kann sein, dass man durch Geschlechtsverkehr eine Angina-pectoris-Attacke auslöst. Patienten, die mit Angina pectoris leben, wissen das ganz genau, und intelligente Patienten können sich auch darauf einstellen und das mit ihren Partnern kommunizieren. Auf das kommt’s an.

Können Angina-pectoris Medikamente Erektionsstörungen hervorrufen?

Angina-pectoris-Medikamente sind gefäßerweiternde Substanzen, die Erektionsstörungen unterstützen können. De Mechanismen sind folgende: Für eine Erektion ist eine ganz fulminante Gefäßerweiterung notwendig. Wenn der Patient schon eine basale Gefäßerweiterung durch Medikamente herbeiführt, ist sie aber schwerer möglich. Das heißt: Wenn man einen Geschlechtsverkehr plant, dann ist es klug, diese gefäßerweitern Medikamente ein bisschen abklingen zu lassen, sonst ist es schwieriger.

Darf ich potenzsteigernde Mittel einnehmen?

Man kann potenzsteigernde Mittel einsetzen, wenn man die Interaktionen mit den eingenommenen Angina-pectoris-Medikamenten berücksichtigt.

Darf ich Nitrospray nach der Einnahme potenzsteigernder Mittel verwenden?

Die Einnahme von nitrohaltigen Medikamenten führt auch zu einem Blutdruckabfall, das heißt: Die sollten gemeinsam mit dem Phosphodiesterase-Hemmer, den man nimmt zur Potenzsteigerung, abgesetzt sein. Das wird man nicht alles gleichzeitig nehmen, und auch nicht alles gleichzeitig viel nehmen.

Was kann mir gegen die ständige Angst vor dem Herzinfarkt helfen?

Das ist eine wichtige Frage: Wie kann man sich vor der Angst vor dem neuen Infarkt schützen. Ich glaube: eines der wichtigsten Themen, die hier angesprochen wurden, weil wir wissen, dass Stress Herzinfarkt erzeugt und dass Angst natürlich Stress nach sich zieht. Ich glaube, dass einer der wichtigsten Wege, Angst zu vermeiden, darin besteht,

  • dass man die Krankheit versteht,
  • dass man mit dem Arzt, der einen betreut, ein ganz offenes und profundes Aufklärungsgespräch führen kann
  • und auch weitere Fragen beantwortet bekommt.

Angst wird immer dann entstehen, wenn man nicht gut informiert ist oder wenn ungelöste Probleme da sind, ungelöste Beschwerden bestehen, Medikamente nicht gut vertragen werden und das nicht kommuniziert wird, oder unklare Zukunftsperspektiven gezeichnet sind. Das heißt: Ein gut aufgeklärter Patient mit einer gut funktionierenden Medikation und einer klaren Zukunftsperspektive, z.B. „Wir brauchen in einem Jahr wieder einen Herzkatheter“ oder „Ich glaube, Sie sind gut behandelt und Ihre Prävention ist gut mit Ihnen abgesprochen und realisiert“ führt dazu, dass die Angst weggeht.

 

Auf den Punkt gebracht

Angina pectoris und Sexualität

  • Gut behandelte PatientInnen können ohne Einschränkungen Geschlechtsverkehr haben.

Zwischen Angina-pectoris-Medikamenten und potenzsteigernden Mitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen. Sprechen Sie die Einnahme unbedingt mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt ab.

Belastung durch Geschlechtsverkehr ist nicht höher als beim Treppensteigen

Der Hauptgrund für den Verzicht auf Sex liegt bei den meisten Angina-pectoris-PatientInnen in der Angst vor der Überanstrengung des Herzens, insbesondere vor einem Herzinfarkt. Tatsächlich wird die Belastung durch Intimverkehr jedoch weit überschätzt. Im Normalfall ist die Anstrengung nicht größer als beim Treppensteigen oder bei einem schnellen Spaziergang. Schaffen Sie diese Dinge, ohne dass Angina-pectoris-Symptome auftreten, sollte auch das Sexualleben kaum eingeschränkt sein. Sollten Sie sich nicht sicher sein, kann Ihr/e behandelnde/r Ärztin/Arzt Ihre körperliche Leistungsfähigkeit abklären, zum Beispiel durch ein Belastungs-EKG.

Erektions- und Potenzstörungen sowie verringerte Lust

Die koronare Herzkrankheit als Hauptauslöser der Angina pectoris gilt als häufigste Ursache für Erektionsstörungen. Gleichzeitig sind diese Probleme oftmals ein erster Hinweis auf Gefäßschädigungen und die daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei vielen Männern mit Angina pectoris ist die Erektionsfähigkeit beeinträchtigt. Der Grund hierfür kann neben den Ablagerungen in den Arterien auch in den Medikamenten liegen. Bei Frauen wird ebenfalls ein Zusammenhang mit verringerter Lust vermutet, allerdings gibt es hierzu kaum Informationen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt über solche Probleme zu sprechen.

Medikamente als Ursache für eine sexuelle Funktionsstörungen

Viele der bei Angina pectoris verordneten Medikamente können sich nachteilig auf die sexuellen Funktionen auswirken, beispielsweise bestimmte Betablocker oder Cholesterinsenker (Statine). Unter Umständen kann der Umstieg auf ein anderes Präparat das Problem lösen.

Psychologische Gründe für eine sexuelle Funktionsstörungen

Liegt die Ursache der Sexualstörungen im psychischen Bereich, kann es bereits helfen, offen mit seiner/m PartnerIn zu sprechen. Sprechen Sie Druck, Versagensängste oder auch Ängste vor einem Angina-pectoris-Anfall oder Herzinfarkt an und teilen Sie Ihrer/m PartnerIn mit was Sie beschäftigt. Oftmals ist sich Ihr Gegenüber gar nicht im Klaren darüber, was in Ihnen vorgeht. Ein klärendes Gespräch kann viel Last von Ihren Schultern nehmen und zu einer größeren Rücksichtnahme und mehr Verständnis von Ihrer/m PartnerIn führen. Liegen der sexuellen Dysfunktion andere psychologische Ursachen zugrunde, kann eine Psycho- oder Paartherapie hilfreich sein. Gegebenenfalls könnte auch eine Kombination aus Therapie und Medikamenten Abhilfe schaffen.

Potenzsteigernde Mittel und Nitropräparate – eine unvereinbare Kombination

Haben Sie aufgrund Ihrer Angina pectoris Medikamente mit dem Wirkstoff Glyceroltrinitrat, kurz auch Nitro genannt, bekommen, dürfen Sie diese nicht ohne Absprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt gleichzeitig mit potenzsteigernden Mitteln des Typs Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) einnehmen. Halten Sie sich nicht daran, kann Ihr Blutdruck so stark abfallen, dass Sie einen Herzinfarkt erleiden. Allerdings ist bei chronischer Einnahme von gefäßerweiternden Medikamenten und stabilem Krankheitszustand die Einnahme von PDE-5-Hemmern möglich, wenn Ihre Ärztin/Ihr Arzt die Kombination und Ihren Zustand überprüft hat und Ihnen grünes Licht gibt.

Bitte beachten Sie

Haben Sie kurz nach der Einnahme eines potenzsteigernden Mittels (PDE-5-Hemmer) einen akuten Angina-pectoris-Anfall, ist es wichtig, dies der Ärztin/dem Arzt mitzuteilen. Falsche Scheu ist hier absolut fehl am Platze.

Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Irene Lang: Stand Oktober 2019 | AT-RAN-24-05-2019

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit Angina pectoris“

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Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

Bildnachweis: Vikivector | Bigstock

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