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Kurs Angina pectoris im Alltag: Lektion 2 von 8

Angina pectoris und Beruf

Auch mit Angina pectoris ist es in aller Regel möglich zu arbeiten. Eine Berufstätigkeit fördert nicht nur die geistige und körperliche Beweglichkeit und die Koordination, sondern auch das Selbstbewusstsein und soziale Kontakte. All diese Faktoren können sich stabilisierend und leistungsverbessernd auf ein krankes Herz auswirken. Nutzen Sie diese Lektion, um sich über den Einfluss der Angina pectoris auf den Beruf und umgekehrt zu informieren.

Video Transkript

Welche Berufe sollte ich als Angina-pectoris-PatientIn nicht mehr ausüben?

Das ist eine verfängliche Frage – Welche Berufe sollte ein Angina-pectoris-Patient nicht ausüben? Das wird reguliert durch Berufsordnungen. Ein Patient mit Angina pectoris kann kein Pilot einer Passagiermaschine sein und Transatlantikflüge machen. Er soll ja nicht auf einen Berg steigen, der 10.000 Meter hoch ist oder in die Tiefe tauchen. Also alle extremen Sportarten sind sicher für einen Patienten mit einer schweren Koronarerkrankung nicht gut geeignet. Wobei: Jeder kann machen, was er glaubt. Und unsere KHK-Patienten sind so gut versorgt, dass sie tatsächlich ganz extreme Lebensführungen zum Teil haben und fortsetzen – Schauspieler sind, Sänger sind, Trompetenbläser sind, Tiefseetaucher sind. Also alles das ist, wenn man gut saniert ist, immer noch möglich. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt natürlich nicht ratsam.

Wann bin ich als Angina-pectoris-PatientIn berufsunfähig?

Die Berufsunfähigkeit ist ganz davon abhängig, in welcher Berufssparte man sich bewegt. Also alle Leistung erfordernden Berufe sind bei einem, wenn man jetzt davon ausgeht, schwer herzinsuffizienten Patienten nicht möglich. Das wäre z.B. Leistungssport, wie ich schon sagte, dann so Berufe wie Pilot und Taucher. Und ich glaube: Alle anderen Berufsgruppen sind weiter offen für jemand, der gut behandelt ist. Also ich würde am liebsten antworten: Wenn ein Patient mit Angina pectoris oder koronarer Herzkrankheit gut behandelt ist, hat er keine Limits.

Wie wirkt sich Stress im Beruf auf Angina pectoris aus?

Stress ist ein Auslöser von akuten Ereignissen, das heißt in dem Fall akutes Koronar-Syndrom und hat auch noch andere kollaterale Effekte wie den Schlaganfall oder das Aorten-Aneurysma. Alle diese akuten vaskulären Syndrome sind stresstriggerbar. Stress verstärkt die Häufigkeit von Herzinfarkt, Schlaganfall, Pulmonalembolie. Das heißt: Eine Bewältigung von Stresssituationen ist eine wichtige Grundlage für das Leben eines Patienten mit Angina pectoris, und jede Zuhilfenahme alternativer Methoden ist hier wünschenswert und unglaublich wirksam.

Kann arbeitsbedingter Stress mein Risiko auf einen Herzinfarkt erhöhen?

Arbeitsbedingter Stress kann Ihr Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen –  Mobbing am Arbeitsplatz und das Paket Stress am Arbeitsplatz.

Verbessert ein Stent oder ein Bypass meine Chancen auf uneingeschränkte Berufstätigkeit?

Also Bypässe, Bypass-Operation, die chirurgische Revaskularisierung und die Stents, also die interventionelle Revaskularisierung der Koronarerkrankung, sind die ganz wichtigen Grundpfeiler der Behandlung, denn es ist eine mechanische Erkrankung, die eine mechanische Therapie nach sich zieht. Stent und Bypass, also sind die Revaskularisierungsmethoden, sind geeignet, das Patientenrisiko deutlich zu senken und die Lebensqualität zu verbessern, das Überleben zu verlängern, obwohl das sehr schwer in Studien zu zeigen ist. Aber wir wissen heute, dass diese Hilfsmittel ganz, ganz wichtig sind.

Um das dritte Hilfsmittel jetzt auch anzusprechen, das ist der Klappenersatz. Also die häufige Aortenklappenverengung oderAortenstenose, die auch eine Erscheinung der chronischen Gefäßerkrankungen ist, gehört auch besprochen in diesen Kontext „Gefäßerkrankungen“. Sie ist heilbar durch einen Klappenersatz. Und Sie werden das an dem Patienten hören, der nach mir sprechen wird.

Wie lange sollte ich nach Einsetzen eines Stents oder einer Bypass-Operation nicht arbeiten?

  • Die Patienten, die Stents bekommen im Rahmen einer Koronarerkrankung können nach einer Woche schon wieder arbeiten gehen. Das ist im Einzelfall natürlich neu zu entscheiden.
  • Nach einer Bypass-Operation ist der Zeitraum, der benötigt wird um zurückzufinden in das Arbeitsleben, länger.
  • Bei den Brustbeinsparenden, also nicht das Brustbein verletzenden Methoden ist es auch sehr kurz. Da kann es auch sein, dass man nach einer Woche schon wieder einsatzfähig ist oder vielleicht noch zwei.
  • Wenn das Brustbein eröffnet wird, dann kann das um einen Monat dauern, bis ein Patient wieder einsatzfähig ist oder auch länger, sechs Wochen, acht Wochen, das hängt von der Schwierigkeit des Eingriffs ab.

Ein einfacher Stent kann theoretisch nach einer Woche wieder vollkommen normal arbeiten.

Welche Techniken/Übungen können bei der Stressbewältigung helfen?

Ich sagte schon, dass zur Stressbewältigung auch alternative Methoden wie zum Beispiel Akupunktur, Akupressur, Biofeedback und andere Methoden herangezogen werden können. Patienten müssen das herauskriegen, was für sie am besten stresslösend wirkt. Mein Stresslösungsprinzip ist Klavierspielen. Andere gehen Eislaufen.

Wie kann ich meinen Arbeitsplatz anpassen?

Ich glaube, der Arbeitsplatz ist eine ganz wichtige Quelle von Stress. Arbeitsplatz bezieht sich vor allem auf die dort anwesenden Personen. Es sind meistens Personen, es geht selten um einen Sessel, es geht immer um die Nachbarin oder den Kollegen oder den Chef oder den zweiten Kollegen. Wenn der Arbeitsplatz harmonisiert werden kann, das heißt wenn dieses Umfeld harmonisierbar ist, dann ist eine Stressbewältigung möglich. Aber oft ist es nicht möglich, und dann kann man nur die stressauslösenden Mitarbeiter vermeiden, indem man ihnen aus dem Weg geht.

 

Auf den Punkt gebracht

Angina pectoris und Beruf

  • Medizinisch gut eingestellte PatientInnen haben kaum Einschränkungen im Alltag.
  • Mit Entspannungsübungen können sie auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren.

Einfluss der Angina pectoris auf die Berufstätigkeit

Ob und wie eine Berufstätigkeit mit Angina pectoris möglich ist, richtet sich stark nach der individuellen Belastbarkeit. Treten Symptome schon bei leichter Beanspruchung oder sogar in Ruhe in Erscheinung, kommt eine körperlich anstrengende Tätigkeit nicht mehr infrage. Auch Berufe wie Busfahrer, Kranführer und Pilot dürfen nicht mehr ausgeübt werden, da ein plötzlicher Angina-pectoris-Anfall oder der ebenfalls drohende Herzinfarkt das Leben anderer Menschen gefährden können. MedizinerInnen sprechen in diesem Fall von einer Berufsunfähigkeit. Je nach Alter der/des Betroffenen und Art des bisherigen Berufs könnte dann ein Berufswechsel oder eine Umschulung erforderlich werden.

Grundsätzlich gilt es, Ihr Arbeitspensum Ihrem Krankheitszustand anzupassen und Stress zu vermeiden. Ruckartige Bewegungen und starke Belastungen sollten Sie ebenso vermeiden wie hohe Temperaturunterschiede und extreme Kälte. Ein Muss sind außerdem ausreichende Erholungsphasen während der Berufsausübung.

Einfluss des Berufs auf Angina pectoris

Neben körperlicher Anstrengung ist auch Stress im Beruf ein hoher Risikofaktor für das Auftreten von Angina-pectoris-Symptomen. Insbesondere negativer Stress und Termindruck können sich nachteilig auf den Verlauf der Krankheit auswirken und zu einer weiteren Verschlechterung Ihres Gesundheitszustandes führen.

Möchten Sie weiterhin berufstätig sein, sollten Sie deshalb lernen, gut mit Stress umzugehen.

Hier finden Sie einige Tipps, die Ihnen im Arbeitsalltag Entspannung bringen können:

selpers ÜbungEntspannung im Arbeitsalltag: Bauchatmung

Bauchatmung bei Angina pectorisDer gesamte Körper wird durch diese Übung mit frischem und unverbrauchtem Sauerstoff versorgt. Die Bauchatmung ist eine beruhigende Alternative zu der oft mit Stress verbundenen Brustatmung.

  1. Sitzen Sie aufrecht oder legen Sie sich entspannt hin.
  2. Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch und atmen Sie durch die Nase bewusst tief in den Bauch ein. Ihr Brustkorb sollte dabei nicht mitarbeiten.
  3. Die gesamte Luft strömt direkt in Ihren Bauch und hebt Ihre Hände ein wenig an.
  4. Atmen Sie nun durch den geöffneten Mund hörbar aus.
  5. Diesen Atemzyklus können Sie beliebig oft wiederholen.

selpers FallbeispielEntspannung im Arbeitsalltag: Augenentspannung

Entspannung im Arbeitsalltag bei Angina pectoris: AugenentspannungDiese Übung dient zum Erholen der Augen. Vor allem bei langem Arbeiten vor dem PC kann die Entspannung der Augen für den gesamten Körper Erholung sein.

  1. Bedecken Sie Ihre Augen mit Ihren Handflächen, sodass kein Licht eindringt. Achten Sie darauf, dabei keinen Druck auf Ihre Augen auszuüben.
  2. Blicken Sie für einen Moment ins Dunkle.
  3. Stellen Sie sich für zwei bis drei Minuten Landschaften oder farbige Gegenstände bildlich vor.
  4. Entfernen Sie die Hände ganz langsam von den Augen, um sie wieder an die helle Umgebung zu gewöhnen.

selpers FallbeispielEntspannung im Arbeitsalltag: Nackendehnung

Diese Übung dient zur Lockerung und Stärkung der Halsmuskulatur.

Entspannung im Arbeitsalltag bei Angina pectoris: NackendehnungEntspannung im Arbeitsalltag bei Angina pectoris: Nackendehnung

  1. Setzen Sie sich aufrecht hin.
  2. Drehen Sie den Kopf langsam nach rechts und nicken Sie mehrmals.
  3. Dann drehen Sie den Kopf langsam nach links und nicken ebenfalls mehrmals.
  4. Der Rücken bleibt gerade.
  5. Bringen Sie nun ihr Kinn in Richtung Brustbein und drehen Sie den Kopf in dieser Haltung langsam nach rechts und nach links, so wie beim „Nein“ sagen.

Nutzen Sie die Pomodoro-Technik

Pomodoro-Technik

25-minütige Arbeitszeit
5 Minuten Pause

Des Weiteren sollten Sie darauf achten, ausreichend Pausen einzulegen. Beispielsweise könnten Sie sich an der Pomodoro-Technik orientieren, bei der sich eine 25-minütige Arbeitszeit und 5 Minuten Pause abwechseln.  Wichtig ist außerdem, sich während der Arbeit hin und wieder zu bewegen. Mehr Dynamik können Sie zum Beispiel in Ihren Büroalltag bringen, indem Sie das Telefon oder den Abfalleimer in einiger Entfernung vom Schreibtisch platzieren.

Ob und in welchem Umfang Ihr bislang ausgeübter Beruf sich bei Angina pectoris weiterhin eignet, sollten Sie mit Ihrer/Ihrem behandelnden Ärztin/Arzt besprechen. Hat Ihre Berufstätigkeit keine negativen Auswirkungen auf Ihre Erkrankung, können Sie ihn auch künftig ausüben. Es kann jedoch erforderlich sein, Ihr Verhalten im Beruf Ihrer Krankheit anzupassen. Damit Sie im Notfall schnell Hilfe erhalten, ist es außerdem wichtig, Ihre unmittelbaren KollegInnen bezüglich des richtigen Verhaltens zu informieren.

Wussten Sie schon

Mit Angina pectoris einer Berufstätigkeit nachzugehen, ist meist besser, als sich aus Angst vor einem Anfall aus dem aktiven Leben zurückzuziehen. Zum einen trainieren Sie Ihre geistige und körperliche Beweglichkeit. Zum anderen fördert der Arbeitsalltag soziale Kontakte und das Selbstbewusstsein.

Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Irene Lang: Stand Oktober 2019 | AT-RAN-24-05-2019

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit Angina pectoris“

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Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

Bildnachweis: Blan-k | Bigstock

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