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Kurs Angina pectoris im Alltag: Lektion 7 von 8

Erfahrungsbericht von Helmut Schulter

Das Fachwissen von Ärzten und anderen Experten ist wichtig für das Verständnis der eigenen Erkrankung. Doch von Zeit zu Zeit können nur Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen dabei helfen, dass man sich verstanden und nicht ganz so allein gelassen fühlt.

Helmut Schulter ist Bundesgeschäftsführer des österreichischen Herzverbandes und selbst bereits seit vielen Jahren Herzpatient. Im folgenden Video erzählt er Ihnen, was er nach der Diagnose in seinem Leben umgestellt hat. Er berichtet außerdem, wie sich eine Angina pectoris seiner Erfahrung nach auf Lebensbereiche wie den Beruf, das Reisen oder die Sexualität auswirken kann und gibt Ihnen Tipps für den Alltag mit der Erkrankung.

Video Transkript

Was haben Sie seit der Diagnose in Ihrem Alltag umgestellt?

Ich habe seither eigentlich drei Dinge umgestellt:

  • Das erste ist: Ich habe sofort mit dem Rauchen aufgehört. Dazu muss ich bemerken, dass ich feststellen musste: Das Rauchen abstellen spielt sich rein nur im Kopf ab. Es helfen keine verschiedenen Medikamente oder sonstige Sachen. Wenn es im Kopf nicht Klick macht, hilft es nicht. Ich bin sehr froh: Es ist gelungen.
  • Das Zweite ist: Ich achte jetzt mehr auf meinen Blutdruck. Aber hier bitte ein Tipp, den Sie unbedingt beachten sollten. Wenn Sie blutdrucksenkende Mittel einnehmen, nehmen Sie sie kontinuierlich ein. Denn es wird immer wieder der Fehler gemacht: Man nimmt eben Medikamente, der Blutdruck wird normal, und man hört auf damit. Nach Wochen misst man wieder – Hoppla: Und der Blutdruck ist aber wieder oben. Also bitte beachten Sie: Nehmen Sie sie weiter ein.
  • Das Dritte ist: Ich habe meine Ernährung umgestellt. Es ist nicht ganz leicht gefallen, aber es ist gegangen.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen im Rahmen der Angina pectoris?

Ich glaube, die größte Herausforderung ist, mit den Begleitumständen fertig zu werden. Es treten Angstzustände, Schweißausbrüche auf, und das muss man überwinden. Das ist eigentlich die größte Herausforderung.

Wie hat sich die Angina pectoris auf Ihren Beruf ausgewirkt?

Auf meinem Beruf hat es sich zum Glück nicht ausgewirkt. Ich war im Außendienst und war daher keiner körperlichen Belastung ausgesetzt, die irgendwie einen Angina-pectoris-Anfall hervorgebracht hätte.

Es liegt sicher…, in manchen Berufsgruppen ist es schwierig, und ich glaube sogar erforderlich, dass man unter Umständen den Arbeitsplatz wechselt, weil aus der Angina pectoris dann ganz, ganz schwere Folgen entstehen können.

Was hat sich in Bezug auf Reisen seit der Diagnose verändert?

Ja, am Anfang habe ich längere Reisen absolut vermieden. Es war für mich das Problem, das Flugzeug zum Beispiel: Was ist, wenn ein Angina-pectoris-Anfall auftritt? Man kann nicht weg.

Inzwischen hat sich das Selbstbewusstsein aber soweit wieder gestärkt, dass längeren Reisen überhaupt nichts entgegensteht und ich jede Reise genießen kann.

Ein gewisses, vielleicht kleines Problem ist die Sicherheitskontrolle, wenn Sie ein Nitrospray mitführen. Es ist zwar nur ein kleines Fläschchen. Aber es gibt Flughäfen, die Schwierigkeiten machen. Bei einigen Kontrollen ist es selbstverständlich: Sie zeigen es her, Sie sagen, Sie sind Herzpatient. Passt. Anderen müssen Sie unter Umständen langwierig erklären. Aber es geht. Und bleiben Sie dabei. Behalten Sie es.

Wirkt sich Angina pectoris Ihrer Erfahrung nach auf die Sexualität aus?

Ja, Sexualität ist sicher immer ein aktuelles Thema. Man muss bedenken, dass Sexualität einer körperlichen Belastung gleichkommt. Wenn Sie zum Beispiel auf dem Ergometer, auf dem Fahrradergometer eine Wattzahl von 100 bis 125 Watt nicht erreichen, dann würde ich unbedingt empfehlen, mit einem Arzt darüber zu sprechen. Wenn Sie 125 Watt erreichen, ist es kein Problem.

Hat sich die Angina pectoris auch auf andere Lebensbereiche ausgewirkt?

Im Sommer ist eigentlich weniger Problem. Das Hauptproblem liegt im Winter. Sie gehen aus einem warmen Raum in die Kälte. Da ist schon einmal das erste Problem da: Es kommt eine Brustenge, und es könnte zu einem Angina-pectoris-Anfall kommen. Was ich aber bitte unbedingt, und das muss ich noch einmal unterstreichen, als Angina-pectoris-Patient und als Herzpatient vermeiden sollen, dass Sie Schneeschaufeln. Hier kommen drei Faktoren zum Tragen: Sie kommen aus der Wärme in die Kälte. Sie haben eine Druck-, also eine Hebebewegung die absolut schädlich ist. Bitte vermeiden Sie das. Im Sommer kann es, muss nicht, bei Rasenmähen mit dem Rasenmäher auch zu Problemen kommen. Aber das merkt der Angina-pectoris-Patient selbst. Und wenn Probleme auftreten, bitte lassen Sie die Arbeit einen anderen machen.

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit Angina pectoris“

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