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Kurs Angina pectoris im Alltag: Lektion 4 von 8

Reisen mit Angina pectoris

Der Urlaub gehört wohl für jeden zu den Highlights des Jahres. Menschen mit Angina pectoris bilden da keine Ausnahme. Je stärker die Erkrankung ausgeprägt ist, desto wichtiger ist es, sich gründlich auf die Reise vorzubereiten. Schließlich bedeuten Bergtouren, Flugreisen, aber auch lange Autofahrten eine große Belastung für das Herz. Wir verraten Ihnen in dieser Lektion, worauf Sie bei der Reiseplanung achten müssen und welche Ziele sich am besten für Sie eignen.

Video Transkript

Beeinträchtigen die Angina-pectoris-Medikamente meine Fahrtüchtigkeit?

Wenn Angina-pectoris-Medikamente verwendet werden, die keine zentralnervöse Wirkung haben, das heißt zum Beispiel keine Psychopharmaka, die ja auch für Angina-pectoris-Behandlung einsetzbar sind, ist der Patient fahrtauglich und nicht beeinträchtigt.

Also Patienten mit Angina pectoris sind meistens sehr gut informiert und tragen in der Brusttasche ihr Nitrospray. Das ist ein sofort wirksames, in den Mund oder auch auf die Hand applizierbares Spray, das innerhalb von Sekunden klassische Beschwerden verhindert.

Wenn jemand sich nicht wohlfühlt, soll er nicht Autofahren.

Was sollte ich bei Flugreisen, insbesondere bei Langstreckenflügen, beachten?

Also ein Patient mit Beschwerden, die eine zunehmende Charakteristik haben oder auch eine sehr häufige Anfallsfrequenz zeigen, sollten nicht fliegen.

Es hängt immer davon ab, in welcher Phase der Erkrankung man einen Patienten antrifft. Jemand, der Angina-pectoris-Beschwerden Haut auf der Bypass-operierten, stabilen, gut abgeklärten und eingestellten koronaren Herzkrankheit kann alles machen, kann auch fliegen und sich weit weg bewegen. Wichtig ist immer für solche Patienten, dass sie ihre Medikamente mithaben, vor allem auch ihre Plättchenhemmer in ausreichender Menge mitführen, dass sie nicht in eine duale Blättchentherapie irgendwo in der finsteren Nordregion dann nicht zur Verfügung haben. Das wäre schlecht, weil eine duale Blättchentherapie für gestentete Patienten besonders innerhalb von einem Jahr nach einem Herzinfarkt ganz wichtig ist.

Also die Patienten sollen sich gut ausstatten, sollen eine Reiseversicherung abschließen, sollen mit einer Begleitperson fliegen.

Wie lange muss ich nach einer Stent- oder Bypassoperation warten, bis ich wieder verreisen oder fliegen kann?

Die Ärztekammer empfiehlt einen Monat Schonzeit für Patienten nach einem akuten Ereignis, wobei es nach einer Bypass-Operation schon einmal acht Wochen dauern kann, bis man überhaupt aus dem Spital ist. Ich würde diesen Monat rechnen vom Zeitpunkt der Wiederhergestelltheit.

Woher bekomme ich zuverlässige Informationen zur medizinischen Betreuung am Urlaubsort?

Die Information zur medizinischen Betreuung ist meistens im Internet oder über die betreuenden Ärzte zu bekommen. Ich kann dort zum Beispiel berichten von einem reisenden Patienten mit einer schweren KHK, der sich ein Netzwerk an betreuenden Ärzten geschaffen hat durch seinen Kardiologen in New York, der auch E-Mails verschickt an alle seine Freunde bei der Europa-Reise dieses Patienten. Ich finde das ist die beste Reisevorbereitung.

Was sollte ich als Angina-pectoris-PatientIn bei einem Urlaub im Ausland beachten?

Als Angina-pectoris-Patient sollte man bei Urlauben im fernen Ausland immer ausreichend Medikamente mitnehmen, sich über die zur Verfügung stehenden Medizineinrichtungen informieren und einen klaren Reiseplan haben, damit man auch wieder absehbar nach Hause zurückkommt.

Worauf sollte ich bei der Wahl des Reiseziels achten?

Bei der Wahl des Reiseziels ist auf die klimatischen Bedingungen zu achten, auf die prinzipielle Gesundheitsversorgung in dem betroffenen Land und auf die Möglichkeit, einen Partner mitnehmen zu können. Ein KHK-Patient, der sich eine Besteigung des Kilimandscharo vornimmt, sollte die Reise perfekt vorbereiten, auf den Tag genau planen, eine Gruppe von Mitreisenden aussuchen, möglichst bei solchen Extremfällen sich auch einen Arzt mitnehmen.

  • Alle extremen Klimabedingungen sind für einen schwer herzkranken Patienten schlecht zu bewerkstelligen.
  • Auch die Zeitverschiebung ist ein wichtiger Faktor.
  • Besonders heiß, besonders kalt, besonders feucht, besonders hoch sind die Herausforderungen, die man eigentlich möglichst vermeiden sollte.

Wie wirkt sich eine Zeitverschiebung auf die Einnahme der Medikamente aus?

Zeitverschiebung ist eines der großen Probleme des normal reisenden KHK-Patienten, da die Zeitverschiebung eigentlich immer unverschiebbar eintritt, das heißt es gibt keine Lösung dafür. Wenn man in die Vereinigten Staaten reist an die Westküste, hat man neun Stunden Zeitunterschied, und das führt zu wirklich unangenehmsten Beschwerden wie Schlaflosigkeit und zunehmende Beschwerden, Stress und Verwechselungen von Einnahmezeiten der Medikamente.

Der Rat wäre, sich anders an die Ortszeit wieder anzupassen mit der Medikamenteneinnahme, wenn man längere Zeit im Ausland ist. Wenn das nur für zwei Tage ist, dann würde ich auf der alten Zeit bleiben und die Medikamente nach der alten Zeit einnehmen.

Welche Probleme könnten bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen auftreten?

Stents sind kein Hindernis für einen Sicherheitscheck am Flughafen.

Ein wichtiges Thema beim Reisen mit Flugzeug ist eine vorausgegangene, unmittelbar vorausgegangene nuklearmedizinische Herzuntersuchung. Ein Patient, der das Isotop Thallium oder Sestamibi injiziert bekommt im Rahmen einer Herzszintigrafie und Stunden später zum Flughafen geht, um dort den persönlichen Check durchzuführen, der wird aufgehalten durch die an ihm verabreichte Strahlung. Solche Patienten sollten schriftlich bestätigt mitführen, dass sie eine nuklearmedizinische Untersuchung hatten und nicht ein anderer Grund für die Radioaktivität vorliegt.

Auf den Punkt gebracht

Reisen mit Angina pectoris

  • Angina-pectoris-PatientInnen können, wenn sie sich gut fühlen, weiterhin Auto fahren.
  • Bei Reisen sollten extreme Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und Höhe vermieden werden.

Auto fahren mit Angina pectoris

Die meisten Angina-pectoris-PatientInnen können sich bedenkenlos hinter das Steuer setzen, so lange sie nicht unter spürbaren Symptomen ihrer Erkrankung leiden. Da Sie bei plötzlich auftretenden Brustschmerzen mit Atemnot die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren könnten, sollten Sie nur fahren, wenn Sie sich wirklich wohl fühlen und sich strikt an die von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt verordnete Medikamenteneinnahme halten.

Nicht zu empfehlen ist das Autofahren, wenn

  • Angina-pectoris-Anfälle bei Ihnen auch in Ruhe auftreten,
  • Sie in Ruhe oder beim Autofahren unter Atemnot leiden oder
  • des Öfteren Herzrhythmusstörungen im Zusammenhang mit Schwindel und Bewusstseinsstörungen vorkommen.

Letztendlich liegt die Entscheidung für oder gegen das Autofahren allein bei Ihnen. Deshalb ist diesbezüglich eine große Portion an Eigenverantwortung gefragt. Wägen Sie sorgfältig ab, ob Sie in der Lage sind, die Fahrt anzutreten, und verzichten Sie, wenn Sie sich unsicher oder akut bedroht fühlen.

Folgende Tipps können dabei helfen, Ihre Autofahrt sicher anzutreten:

  • Planen Sie bei längeren Reisen mit dem Auto ausreichend Pausen ein, in denen Sie sich erholen und die Füße vertreten können.
  • Eine verantwortungsvolle Begleitung kann bei weiteren Autofahrten eine sehr große Unterstützung sein.
  • Planen Sie Ihre Route genau, um Stresssituationen zu vermeiden. So können Sie auch gleich die notwendigen Pausen einplanen.
  • Selbst ausgewählte Musik kann Ihnen helfen, sich besser zu konzentrieren und zu entspannen. Beachten Sie, dass Sie beim Radiohören vielen zusätzlichen Reizen ausgesetzt sind. So könnten zum Beispiel Nachrichten oder Werbungen Sie ablenken oder unter Stress setzen.

Nehmen Sie aufgrund Ihrer Angina pectoris Beruhigungs- oder Schlafmittel, sollten Sie besonders vorsichtig sein. Die Wirkung dieser Medikamente hält oft deutlich länger an, als allgemein angenommen. Ein Schlafmittel, das Sie kurz vor Mitternacht einnehmen, kann durchaus noch am Morgen danach Ihre Fahrtüchtigkeit beeinflussen.

Fliegen mit Angina pectoris

Der verminderte Sauerstoffgehalt in großer Höhe bereitet Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen Probleme. Herzmuskelbereiche, die ohnehin schon schlechter durchblutet sind, erhalten noch weniger Sauerstoff. Daraus kann ein Angina-pectoris-Anfall bis hin zum Herzinfarkt resultieren.

Sollte ich meine Flugtauglichkeit testen lassen?

Der Luftdruck in den Kabinen moderner Passagierflugzeuge entspricht in einer Höhe von 10 bis 12 Kilometern in etwa dem auf einem 2400 Meter hohen Berg. Um gesundheitliche Probleme während des Fluges zu vermeiden, sollten Sie sich vorab auf Ihre Flugtauglichkeit hin untersuchen lassen. Besprechen Sie die Flugreise unbedingt mit Ihrer/Ihrem behandelnden Ärztin/Arzt. Diese/r ist in der Lage, das persönliche Risiko für Sie individuell einzuschätzen. Leiden Sie unter einer instabilen Angina pectoris, sollten Sie grundsätzlich auf das Fliegen verzichten.

Welche Medikamente müssen ins Handgepäck?

Gibt die Ärztin/der Arzt das Okay zum Flug, gehören Ihr Notfallmedikament sowie ein Wochenvorrat Ihrer wichtigen Medikamente ins Handgepäck. Bitte beachten Sie, dass Nitrospray auf Flughöhe den Blutdruck stärker senkt als am Boden. In aller Regel reicht ein Sprühstoß aus, um Angina-pectoris-Beschwerden zu lindern. Klären Sie dies jedoch im Vorfeld mit Ihrer/Ihrem behandelnden Ärztin/Arzt ab.

Wie komme ich problemlos durch die Sicherheitskontrolle?

Sie brauchen sich bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen nicht um Ihren Stent zu sorgen. Dieser wird nicht erkannt. Hatten Sie jedoch in den letzten 24 Stunden vor Reiseantritt eine Myokardszintigrafie, könnten die bei der Untersuchung verwendeten radioaktiven Substanzen einen Alarm auslösen. In diesem Fall empfiehlt es sich, eine schriftliche Bestätigung der nuklearmedizinischen Untersuchung mitzubringen. Auch Nitropräparate können zum Teil zu Fragen führen. Erklären Sie, dass Sie HerzpatientIn sind und bestehen Sie darauf, dass Sie diese mit an Bord nehmen dürfen.

Wahl des Urlaubsziels

Um Ihren Urlaub genießen zu können, ohne Angina-pectoris-Beschwerden befürchten zu müssen, gilt es, das Reiseziel sorgfältig auszuwählen. Bei der Auswahl sollten Sie insbesondere auf folgende Merkmale achten.

Temperatur

Berücksichtigen Sie vor allem die klimatischen Bedingungen am Urlaubsort. Gegenden mit mildem Wetter eignen sich beispielsweise gut, während Regionen mit extremer Kälte oder extremer Hitze weniger zu empfehlen sind.

Feuchtigkeit

Feucht-kalt ist ebenso ungünstig wie feucht-heiß. Je feuchter die Luft ist, desto besser kann sie Körperwärme abtransportieren. Ist es außerdem kalt, kühlen Sie schneller aus und die Blutgefäße verengen sich. Ist es hingegen heiß, wird Ihrem Körper durch das Schwitzen Flüssigkeit entzogen. Das Blut wird dickflüssiger, wodurch vor Verengungen spontane Stauungen bis hin zu Verstopfungen auftreten können. Um Angina-pectoris-Anfälle während des Urlaubs zu vermeiden, sollten Sie feuchte Regionen deshalb eher meiden.

Höhe

Lieben Sie die Berge und unternehmen Sie gern Wanderungen, sind Destinationen im Mittelgebirge oder in den tieferen Lagen der Alpen eine gute Wahl. Auf eine Reise in Höhen von über 2000 Meter sollten Sie hingegen verzichten.

Zeitumstellung

Zeitumstellungen sind grundsätzlich Stress für den Körper. Werden mindestens drei Zeitzonen überschritten, benötigt der Biorhythmus einige Tage, um sich an die neue Ortszeit anzupassen. Bei Ihnen kommt erschwerend die Einnahme Ihrer Medikamente hinzu, die so regelmäßig wie möglich erfolgen sollte. Reisen Sie deshalb besser in Länder, die in derselben Zeitzone liegen wie Ihr Heimatland. Möchten Sie nicht auf einen Urlaub mit Zeitverschiebung verzichten, lassen Sie sich von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt unbedingt bezüglich der Medikamenteneinnahme beraten.

Medizinische Versorgung

Bedenken Sie, dass Ihre Angina pectoris jederzeit dazu führen kann, dass Sie medizinische Hilfe benötigen. Reisen Sie deshalb an Orte, an denen eine gute ärztliche Versorgung sichergestellt ist und informieren Sie sich im Vorfeld über die Möglichkeiten medizinischer Versorgung am Reiseziel.

Was ist bei der Reiseplanung zu beachten?

Wichtige Dokumente wie Ihre Medikamentenliste und Ihre Krankheitsgeschichte gehören ebenso ins Reisegepäck wie Ihre Medikamente und Ihre Nitropräparate für den Notfall. Des Weiteren ist es ratsam, sich vorab nach einer Ärztin/einem Arzt zu erkundigen, die/der Ihre Sprache spricht.

Die Reiseapotheke

Den Medikamentenvorrat sollten Sie großzügig bemessen, um gegen unvorhergesehene Ereignisse gewappnet zu sein. Führen Sie die Arzneimittel und Nitropräparate im Handgepäck mit sich und nehmen Sie auch die Verpackungen und Beipackzettel mit, damit die Ärztin/der Arzt am Urlaubsort sich allenfalls über die Inhaltsstoffe informieren kann. Denken Sie auch an gängige Medikamente für die Reiseapotheke wie Mittel gegen Durchfall oder Reisekrankheit und eine Salbe zur Behandlung von Insektenstichen.

Aktuelle Unterlagen

Kopieren Sie Ihre Dokumente wie aktuelle Krankheitsunterlagen oder Arztberichte, um jeweils ein Exemplar für das Handgepäck und den Koffer zu haben. Nehmen Sie auch ein innerhalb des vergangenen Monats geschriebenes EKG mit. Abhängig vom Reiseziel kann es ratsam sein, Ihren letzten Befund ins Englische übersetzen zu lassen. Packen Sie auch Ihren Impfausweis und die Unterlagen für Ihre Krankenversicherung und Ihre Reiserückholversicherung ein.

selpers TippWas tun in einem Notfall?

Für Angina-pectoris-PatientInnen empfehlen sich vor allem Urlaubsziele, die Ihnen im Notfall eine gute medizinische Versorgung bieten. Außerdem sollten Sie und Mitreisende wissen, unter welchen Rufnummern eine Ärztin/ein Arzt, der Rettungsdienst oder eine Klinik zu erreichen sind.

In allen Ländern der EU gilt die Notrufnummer 112.

Reisen Sie in ein Land, in dem weder die europäische Krankenversicherungskarte noch ein Auslandskrankenschein Ihrer Krankenkasse gelten, sollten Sie eventuell eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung abschließen. Informieren Sie sich vor Abschluss jedoch genau, welche Leistungen diese umfasst.

Wussten Sie schon

Fühlen Sie sich unsicher und trauen sich das Reisen „auf eigene Faust“ nicht zu, können Sie sich bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder im Reisebüro nach ärztlich betreuten Reisen erkundigen. Bei diesen ist die medizinische Betreuung rund um die Uhr gewährleistet.

Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Irene Lang: Stand Oktober 2019 | AT-RAN-24-05-2019

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Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit Angina pectoris“

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Bildnachweis: EgudinKA, RedKoala, VectorShow, Mousemd, big Stocker, GoodStudio, VectorKnight, Vikivector | Bigstock

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