Zurück zur Kursübersicht

Kurs Angina pectoris im Alltag: Lektion 1 von 8

Leben mit Angina pectoris

Mit Angina pectoris zu leben, heißt nicht automatisch, nur noch vorsichtig sein zu müssen und sich zu schonen. Im Gegenteil – wenn Sie sich zu viel schonen und aus Angst vor dem nächsten Anfall nur noch auf dem Sofa sitzen, bauen Sie Muskeln ab und schwächen Ihre Ausdauer, wodurch sich Ihre Symptome unter Umständen noch verstärken. Diese Lektion gibt Ihnen Tipps, wie Sie sich den Alltag mit Angina pectoris erleichtern und auch mit der Erkrankung ein erfülltes Leben genießen können.

Video Transkript

Auf welche Tätigkeiten sollte ich im Alltag besser verzichten?

Im täglichen Leben soll ein Patient, der Brustenge hat, Belastungen vermeiden, weil die klassischerweise die Brustenge verstärken. Und wenn man ungeachtet solcher Symptome sich schwer belastet, kann es dazu kommen, dass dann eine akute Symptomatik entsteht, die man ja eigentlich vermeiden will.

Bei welchen Symptomen sollte ich jegliche körperliche Belastung sofort unterlassen?

Der Körper blockiert durch Schmerzen eigentlich sich selbst. Das heißt: Wenn die Beschwerden, die Brustenge schwer wird, Atemnot dabei entsteht und so wie Sie das von meinen Patienten dann hören werden, so ein innerer Eisenring spürbar wird, dann sollte der Patient stehenbleiben und warten, bis sich die Beschwerdesymptomatik wieder bessert. Das sind die klassischen Regeln.

Im Einzelfall kann das dann immer wieder etwas anders sein.

Und ich zähle Ihnen jetzt noch andere Beschwerden auf, die Angina pectoris beinhaltet:

  • Das ist also einerseits dieses Eisenringgefühl. „Es sitzt jemand auf mir drauf“, sagen die Patienten.
  • Die Ausstrahlungen in den Kiefer,
  • in die Ohren,
  • in den Arm,
  • in die Finger,
  • in den Ellbogen,
  • auch in den Rücken ist manchmal ganz klassisch für die Gefäße, die zur Hinterwand ziehen, wenn die verengt sind.

Und wenn solche Beschwerden zunehmen, ziehen, und sie bauen sich so wellenförmig auf und schwingen wieder ab und bauen sich wieder weiter ab – das ist so eine Schwingung, die wächst und wieder zurückgeht — wenn dieser Kreislauf weiterläuft, dann muss der Patient stoppen und raschest zu einer Medizineinrichtung gehen.

Wie lange sollte ich nach einem Angina-pectoris-Anfall warten, bis ich mich wieder körperlich belaste?

Ich glaube, die Zeit, die das braucht, bis ein Angina-pectoris-Anfall ausklingt, das sind 200 Atemzüge oder ein bisschen weniger als eine Stunde. Patienten lernen mit Angina pectoris umzugehen. Eine Angina-pectoris-Attacke dauert irgendwo von 60 Sekunden bis 20 Minuten. Und Patienten frieren sich ein und bleiben stehen.

Kann Atemnot bei körperlicher Belastung auch andere Gründe haben?

Atemnot bei körperlicher Belastung kann viele Gründe haben. Der gefährlichste ist die koronare Herzkrankheit. Es gibt andere gefährliche auch noch, beispielsweise eine Körperschlagader mit Zerschichtung, ein Lungenemphysem, eine Lungenerkrankung, eine Gastritis, also eine Magenentzündung, eine Darmentzündung, eine Verengung der Bronchien zentral, also im zentralen Bereich, in der Mitte oder weiter in der Peripherie sagen wir, also weiter draußen. Es gibt Wirbelsäulenprobleme, Rippenprobleme, es gibt Verspannungszustände der Muskulatur, es gibt sogenannte Überblähungen der Lunge, die zu Spannungen und zu Brustschmerzen und Atemnot führen können. Und noch vieles andere mehr.

Es kann reine psychische Belastung Atemnot auslösen, die so wie Brustenge ist. Es kann eine Klappe verengt sein. Meistens ist es die Aortenklappe. Und Sie werden das mit meinen Patienten dann sehen: Eine Aorten-Verengung, eine Aorten-Stenose kann genauso Angina pectoris machen wie eine Verengung der Herzkranzgefäße.

Also: Atemnot sind ein Warnsignal, weil sehr gefährliche Zustände dahinter sein können, aber auch sehr banale, wie zum Beispiel eine Schwangerschaft macht Atemnot, oder auch eine Allergie kann Atemnot machen.

Wie kann ich mich im Winter vor Angina-pectoris-Beschwerden schützen?

Es gibt verschiedene Kunstgriffe, wie man sich vor der kalten Luft schützt. Das eine ist ein Mundschutz, ein Handschuh oder ein Schal, den man vor dem Mund hält. Das hilft. Aber am gescheitesten ist, man geht nicht hinaus, wenn man zu starke Angina-pectoris-Beschwerden hat.

Und die Arbeit in der Kälte, das Fällen von Bäumen oder das Wegschieben von Schnee ist natürlich belastend. Auch wenn man ein Auto ausgraben muss in der Früh, weil es von Schnee bedeckt ist. Oder mit den Enkelkindern Rodelfahren gehen — das sind lauter Aktivitäten, die unter Umständen Angina-pectoris-Beschwerden auslösen können.

Kann ich Garten- und Hausarbeit wie gewohnt ausüben?

Ein Patient mit Beschwerden soll ja mal zum Arzt gehen. Und bis er dort angesehen und untersucht wird, sollte er möglichst alles meiden, was ihm seine Beschwerden oder ihr ihre Beschwerden verursacht. Das ist es immer schwere körperliche Belastung. Wenn man den Küchenboden putzt oder die Vorhänge wäscht, ist es sicher belastend. Also alle Aktivitäten, die unter der Nabelhöhe sich abspielen oder oberhalb der Scheitelhöhe sind belastender.

Muss ich als Angina-pectoris-PatientIn bei der Zahnhygiene etwas Besonderes beachten?

Die Zahnhygiene ist immer ein Thema, das diskutiert wird als Auslöser von Herzinfarkt, weil es Arbeiten gibt, die zeigen, dass die Keime in der Mundhöhle durch zahnärztliche Manipulation, und das geht vom einfachen Zähneputzen bis zur Zahnpflege durch die Fachkraft und geht weiter bis zur bis zur Zahnoperation und zur Implantation von Zahnersatzvarianten — alles das kann zu Einschwemmung von solchen Bakterien führen. Und es sind schon Zahnbakterien in Herzinfarktgerinnseln gefunden worden.

Was kann man daraus lernen? – Man kann daraus lernen, dass prinzipiell, wenn man die Schleimhaut im Mund verletzt durch wildes Zähneputzen oder harte Bürsten oder schlechte Zahnpflege mit der daraus folgenden Parodontitis die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Keime eingeschleppt werden. Das heißt also die Regel ist, das Zahnfleisch gesund zu erhalten. Und damit trägt man nicht nur zur Angina-pectoris-, also zur Koronarerkrankungsverhütung bei, sondern auch zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit, dass Keime eingeschleppt werden, die sich dann woanders hinsetzen. Kann sich auch auf eine Herzklappe setzen oder auch in ein Hüftimplantat.

Kann ich meine Wohnumgebung anpassen, um typische Auslöser von Anfällen zu vermeiden?

Ich glaube, die Frage ist so gestellt: Wie kann man bei einer Person, die zeitlebens Angina-pectoris-Beschwerden hat, das sind manche ältere Patienten, die Bypass-operiert sind, für die es wenig neue Optionen gibt und die eine Grundlage von täglicher Beschwerdesymptomatik Immer wieder haben: Wie kann ich denen das Leben erleichtern? Es ist sicher so, dass ein Aufzug in einem Haus mit mehreren Stockwerken eine Hilfe ist. Es ist sicher so, dass ein Stiegenaufgang mit einem Geländer eine Hilfe ist. Es ist bestimmt so, dass die Ebenerdigkeit eine Hilfe ist für Patienten, die Beschwerden bei Belastung haben.

 

Auf den Punkt gebracht

Leben mit Angina pectoris

  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, denn Hilfsmaßnahmen sind nur vorübergehend, bis das zugrundeliegende Problem gelöst ist.
  • Gewisse Herausforderungen im Leben sind notwendig und bringen mehr, als sich zu viel zu schonen.

Wie gut kennen Sie sich mit den Auslösern von Angina pectoris aus?

Die Angina pectoris macht sich bemerkbar, wenn der Herzmuskel weniger Blut und damit weniger Sauerstoff bekommt, als er benötigt. Ursache dafür ist meist eine koronare Herzerkrankung und damit verbunden verengte Koronargefäße (auch bekannt als Herzkranzgefäße). Die Auslöser für eine unzureichende Sauerstoffversorgung sind vielfältig. Körperliche Anstrengungen gehören ebenso dazu wie Aufregung, Angst, Ärger, Stress, reichhaltige oder fette Mahlzeiten und Kälte.

Ob Sie diesbezüglich richtig informiert sind, verrät Ihnen das folgende Quiz. Wählen Sie die richtige/n Antwort/en zum Leben mit Angina pectoris aus.

selpers FallbeispielQuiz: Auslöser von Angina pectoris

Laden

Lebensstil ändern bringt mehr Lebensqualität

Durch einen gesunden Lebensstil können Sie Angina-pectoris-Anfällen vorbeugen und damit Ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Der Verzicht auf das Rauchen ist hierbei ebenso wichtig wie ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

Sie müssen nicht gleich zur/zum SportlerIn mutieren. Schon folgende zehn Tipps können Ihnen helfen, mehr Bewegung in Ihren Alltag zu bringen.

10 Tipps für mehr Bewegung im Alltag

  • Nehmen Sie die Treppe statt des Fahrstuhls oder der Rolltreppe.
  • Binden Sie Ihre Schuhe auf einem Bein zu, statt sich dabei hinzusetzen.
  • Steigen Sie eine Station früher aus dem Bus oder der Bahn aus und gehen Sie den Rest des Weges zu Fuß.
  • Verabreden Sie sich zum Spazierengehen, statt zum Kaffeekränzchen.
  • Fahren Sie kürzere Strecken mit dem Fahrrad statt mit dem Auto.
  • Verbinden Sie das Schauen Ihrer Lieblingsserie mit ein paar Sportübungen.
  • Nutzen Sie Fitness-Apps, die Sie regelmäßig daran erinnern, sich zu bewegen.
  • Erledigen Sie kleinere Einkäufe zu Fuß.
  • Besuchen Sie Ihre KollegInnen persönlich, statt sie anzurufen oder eine E-Mail zu schreiben.
  • Nutzen Sie Pausen im Arbeitsalltag für ein paar kurze Bewegungseinheiten.

Im Online-Kurs Bewegung und Sport bei Angina pectoris erhalten Sie weitere Tipps und Informationen zu diesem Thema.

Auch die Ernährungsumstellung lässt sich mit einigen Tricks einfacher umsetzen:

Planung

Planen Sie ein, wann Sie was kochen, und besorgen Sie die Zutaten rechtzeitig.

Vorkochen

Kochen Sie größere Mengen vor und frieren Sie das Essen portionsweise ein.

Kontrolle

Kontrollieren Sie bei schnellen Snacks die Inhaltsstoffe. Für viele Sachen gibt es gesündere Alternativen.

Viel trinken

Trinken Sie viel Wasser, mindestens 1,5 l pro Tag sollten es sein.

Zuckerverzicht

Verzichten Sie auf zu große Mengen an Zucker. Dieser versteckt sich vor allem in Limonaden und Süßigkeiten.

Vollkorn

Greifen Sie im Bistro auf Vollkorn-Varianten zurück. Diese enthalten reichlich Ballaststoffe und Vitamine.

Im Online-Kurs Richtige Ernährung bei Angina pectoris erhalten Sie weitere Tipps und Informationen zu diesem Thema.

Wussten Sie schon

Der Genuss von Trinkwasser kann Sie beim Abnehmen unterstützen. Wasser enthält selbst keine Kalorien. Es verbraucht aber welche, wenn Sie es trinken. Bereits ein halber Liter Wasser erhöht Ihren täglichen Energieumsatz um rund 50 Kilokalorien.

Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Irene Lang: Stand Oktober 2019 | AT-RAN-24-05-2019

Bewerten

Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden.

Würden Sie diesen Online-Kurs empfehlen?

4.7/5 (7)

Zur Kursübersicht

Dieser Kurs ist Teil der Kursreihe „Leben mit Angina pectoris“

Zur Kursreihe
Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

Coronavirus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wir haben für Sie Experten-Antworten zu COVID-19 für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung aus vertrauenswürdigen & offiziellen Quellen zusammengetragen.

Zu den Antworten