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Kurs Behandlung der rheumatoiden Arthritis: Lektion 2 von 7

Medikamente bei rheumatoider Arthritis

Üblicherweise besteht die medikamentöse Therapie bei rheumatoider Arthritis in einer Kombination verschiedener Medikamentengruppen. Das Ziel der Medikamentengabe liegt darin, Schmerzen zu lindern sowie Entzündungs- und Schädigungsprozesse zu unterbinden. In dieser Lektion und im dazugehörigen Video mit Doz. Dr. Johannes Grisar erfahren Sie alles Wichtige zu den verschiedenen Medikamentengruppen und möglichen Risiken und Nebenwirkungen der medikamentösen Behandlung.

Welche Medikamentengruppen werden unterschieden?

In erster Linie kommen bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis neben der Basistherapie nichtsteroidale Antirheumatika, Analgetika, Kortison und Biologika zur Anwendung.

Basismedikamente

Spritze oder Tablette
Spritze oder Tablette

Die im Rahmen der Basistherapie verabreichten krankheitsmodifizierenden Medikamente bilden das wichtigste Standbein bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Sie zielen darauf ab, die übersteigerte Reaktion des Immunsystems zu verringern und das Voranschreiten der Erkrankung aufzuhalten und bestenfalls zu stoppen.

Die am häufigsten verschriebenen Basistherapeutika sind Methotrexat und Leflunomid. In leichteren Fällen können Sulfasalazin oder Chloroquin helfen. Weitere Basismedikamente sind Azathioprin, Ciclosporin und Goldsalze. Schlägt die Therapie nicht an oder leiden Sie unter einer besonders starken rheumatoiden Arthritis, besteht die Möglichkeit, verschiedene Basistherapeutika miteinander zu kombinieren.

Nichtsteroidale Antirheumatika

Tablette oder Infusionn
Tablette oder Infusion

Nichtsteroidale Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen hemmen die Entstehung entzündungsfördernder Botenstoffe und dämmen dadurch die gelenkschädigenden Entzündungsprozesse ein. Zugleich wirken sie schmerzstillend und werden daher auch als Schmerzmittel eingenommen.

Analgetika

Tablette oder Infusionn
Tablette oder Infusion

Reine Schmerzmittel, sogenannte Analgetika, kommen zur Anwendung, wenn trotz ausreichender Entzündungshemmung weiterhin Schmerzen auftreten, beispielsweise bei bereits eingetretenen Gelenkschäden. Abhängig von der Art und der Stärke der Schmerzen verschreibt Ihnen Ihr Arzt Substanzen wie Paracetamol oder Opioide (morphinartige Medikamente).

Kortison

Tablette oder Infusionn
Tablette oder Infusion

Kortison wirkt entzündungshemmend und kann, zusammen mit Basismedikamenten eingenommen, effektiver vor Knochenzerstörungen durch die rheumatoide Arthritis schützen als eine ausschließliche Therapie mit Basismedikamenten. Wegen seiner Nebenwirkungen wird Kortison jedoch meist nur bei aktiven Verläufen im Frühstadium einer rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Bei Krankheitsschüben kann Ihnen Ihr Rheumatologe Kortison kurzzeitig in etwas höherer Dosierung geben, um die Schmerzen schnell zu lindern und die Gelenkfunktion zu verbessern.

Biologika

Spritze oder Infusion
Spritze oder Infusion

Sprechen Sie auf eine Behandlung mit synthetischen Basismedikamenten nicht ausreichend an, kann Ihr Arzt Ihnen immunmodulierende Substanzen, sogenannte Biologika, verabreichen. Diese gentechnisch produzierten Abwehrstoffe richten sich gegen bestimmte Entzündungsstoffe oder hemmen spezielle Rezeptoren oder Immunzellen. Biologika gelangen über Infusionen oder Spritzen direkt in Ihren Blutkreislauf. Sie wirken schneller als synthetische Basistherapien, sodass die meisten Patienten bereits nach zwei bis vier Wochen eine Verringerung der entzündlichen Krankheitsaktivität wahrnehmen.

Januskinase-Inhibitoren / JAK-Inhibitoren

Tablette
Tablette

Januskinase-Inhibitoren sind eine neue Therapieoption für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoiden Arthritis, die nicht auf Basismedikamente ansprechen. Sie hemmen bestimmte Enzyme, sogenannte Januskinasen (JAK), die sich in den Abwehrzellen an der Signalweiterleitung zahlreicher entzündungsfördernder Botenstoffe beteiligen. Während Biologika wegen ihrer Molekülgröße als Infusion gegeben oder subkutan gespritzt werden müssen, ist bei JAK-Inhibitoren eine orale Anwendung in Tablettenform möglich. Zunächst wird diese neue Medikamentengruppe allerdings Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis vorbehalten bleiben, bei denen sich mit Biologika keine ausreichende Wirkung erzielen lässt.

Welche Nebenwirkungen können auftreten und wie lassen sich diese gering halten?

Basismedikamente können erhöhte Leberwerte und, in seltenen Fällen, eine Schädigung des Knochenmarkts, eine eingeschränkte Nierenfunktion oder eine Verminderung der roten Blutkörperchen bewirken. Daher werden bei synthetischen Basistherapien üblicherweise regelmäßige Kontrollen der Leber- und Nierenwerte sowie des Blutbildes durchgeführt.

Zu den gefürchtetsten Nebenwirkungen nichtsteroidaler Antirheumatika zählen Magenschleimhautentzündungen sowie Magen- und Darmgeschwüre. Patienten und Patientinnen, die bereits eine Magen-Darm-Entzündung oder ein Geschwür hatten, erhalten meist einen vorbeugenden Magenschutz, beispielsweise in Form eines Protonenpumpenhemmers. Um das Risiko für unerwünschte Begleiterscheinungen gering zu halten, sollten nichtsteroidale Antirheumatika möglichst niedrig dosiert und nur so lange wie unbedingt nötig eingenommen werden.

Kortison ist bei kurzfristiger Einnahme unproblematisch. Bei langfristiger Anwendung kann es allerdings zu Knochenabbau (Osteoporose) führen. Darüber hinaus können eine zu hohe Dosis und eine zu lange Therapiedauer ein erhöhtes Risiko für Infektionen sowie eine Gewichtszunahme nach sich ziehen. Zudem kann es unter Kortison vermehrt zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kommen. Daher wird die Kortisontherapie heute nach Möglichkeit auf maximal drei bis sechs Monate beschränkt.

Biologika sind im Allgemeinen sehr verträglich. Die immunmodulierenden Substanzen unterdrücken jedoch die Abwehr, sodass eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte bestehen kann. Bei Fieber ist es deshalb ratsam, umgehend einen Arzt zu kontaktieren.

JAK-Inhibitoren können ebenfalls zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen. Auch Nebenwirkungen wie ein Anstieg der Blutfette oder Übelkeit sind möglich.

Eine Nebenwirkung zahlreicher Rheumamedikamente, z. B. NSAR oder Sulfalacin, ist die erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut. Direkte und starke Sonneneinstrahlung kann nicht nur die Symptome Ihrer Rheumaerkrankung verstärken, sondern auch die Gefahr für Sonnenbrände, und damit auch für bösartige Hauterkrankungen, erhöhen. Schon normale Sonneneinstrahlung kann zu Röte, Ausschlag und Juckreiz führen. Daher ist ein Sonnenschutz mit einem Lichtschutzfaktor von über 30 unerlässlich. Intensive Sonne sollten Sie gänzlich vermeiden.

Haben Sie gewusst, dass Kortison ein Nachbau des in Ihrer Nebenniere produzierten körpereigenen Kortisols ist? Bei kurzfristiger Einnahme lässt sich damit in der Therapie der rheumatoiden Arthritis ein hoher Nutzen bei geringen Nebenwirkungen erzielen.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft Doz. Dr. Johannes Grisar: Stand Februar 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.