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Kurs Behandlung der rheumatoiden Arthritis: Lektion 5 von 7

Therapie und Lebensqualität bei rheumatoider Arthritis

Lange Zeit bedeutete die Diagnose „rheumatoide Arthritis“ eine Zukunft als chronisch Kranker und eine eingeschränkte Lebensqualität durch starke Schmerzen. Mittlerweile lässt sich der Krankheitsverlauf jedoch durch eine frühzeitige Therapie mildern. Dennoch leiden viele Patienten an Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Depression. In dieser Lektion und im zugehörigen Video mit unserem Experten, Doz. Dr. Johannes Grisar, lernen Sie, wie Sie Ihre rheumatoide Arthritis positiv beeinflussen und souverän mit unliebsamen Randerscheinungen umgehen können.

Video Transkript

Welche Möglichkeit gibt es, um meine Müdigkeit zu bekämpfen?

Prinzipiell ist es so, dass die Müdigkeit oft bei der chronischen Polyarthritis auftritt, vor allem wenn sie nicht gut eingestellt ist. Es dürfte auch so sein, dass durch diese Entzündungsfaktoren, die hier vermehrt produziert werden, diese Müdigkeit im Gehirn, im Zentralnervensystem gefördert wird. Das heißt: Prinzipiell ist auch hier zu bedenken: Je besser die Therapie, je besser die Erkrankung eingestellt ist, umso weniger wird auch die Müdigkeit sein. Das sieht man auch in den Studien.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der für Müdigkeit verantwortlich sein kann, ist die Anämie, also die Blutarmut, die bei länger dauernder Entzündung sich einstellt .Und auch hier ist es so: Wenn die Erkrankung gut eingestellt ist, dann verschwindet meist die Anämie, und auch da wird die Müdigkeit besser.

Wieso fühle ich mich niedergeschlagen und depressiv?

Dieses Gefühl der Niedergeschlagenheit und die Depression ist oft eine Folge von lang anhaltenden oder andauernden Schmerzen, was dann dazu führt, dass natürlich der Patient im Alltag sehr eingeschränkt ist und das wiederum sich auf die Psyche niederschlägt und zu dieser Depression oder depressiven Verstimmung und Niedergeschlagenheit führen kann. Wenn jetzt diese Symptome Schmerz, Schwellungen, Entzündungen auch durch eine gute Therapie, die im Idealfall zu einer Remission der Erkrankung führt, bekämpft wird, wird auch hier meist die Müdigkeit und die Depression besser.

Sollte das nicht gelingen, gibt es natürlich auch hier medikamentöse Möglichkeiten oder auch psychologische Gespräche, das zu verbessern.

Kann meine Ernährung den Krankheitsverlauf beeinflussen?

Generell ist natürlich die Ernährung ein wichtiger Faktor, der zur Steigerung des Wohlbefindens beiträgt.

Es gibt keine spezifische Rheumatherapie, sage ich jetzt einmal, aber eine gesunde Ernährung, sagen wir Stichpunkt mediterrane Kost, ist sicher von Vorteil.

Vitamine sollten nicht mehr extra zugeführt werden müssen, wenn die Ernährung sehr diesem Ideal nahe kommt. Es ist aber doch bei uns, in unseren Breiten, auch speziell im Winter so, dass oft ein Vitamin-D-Mangel besteht. Vitamin D ist wichtig für den Knochen, aber auch für eine Fülle von anderen Funktionen, und dadurch kann es hier doch nötig sein, dass man Vitamin D zusätzlich in Form von Tropfen einnimmt.

Hat Gewichtsreduktion eine Auswirkung auf die rheumatoide Arthritis?

Generell ist ein hohes Gewicht oder ein Übergewicht natürlich nicht ideal für die Gelenke, weil die Gelenke, vor allem die Gelenke der unteren Extremitäten, also Hüften und Knie, natürlich dieses Gewicht quasi federn, abfangen müssen. So gesehen ist eine Gewichtsreduktion, sollte man übergewichtig sein, schon sinnvoll, und das Erzielen des Normalgewichts. Eine weitere Reduktion hätte jetzt nicht wirklich positive Auswirkungen.

Kann Sport meine Gesundheit und die rheumatoide Arthritis positiv beeinflussen?

Ja, Sport und körperliche Fitness können natürlich die Gesundheit und auch die chronische Polyarthritis sehr positiv beeinflussen. Generell ist natürlich anzumerken, dass Sport und Bewegung dann vor allem durchgeführt werden sollten, wenn die Erkrankung gut eingestellt ist, also wenn das nicht zu einer Vermehrung der Schmerzen führt. Das heißt: Bei gut eingestellter chronischer Polyarthritis ist Sport sogar empfehlenswert. Es sind hier Sportarten, sogenannte High Impact Sportarten, wo es zu abrupten Bewegungsänderungen oder -wechseln kommt, die eine starke Belastung für das Gelenk darstellen, wie z.B. Tennis eher zu vermeiden. Zu bevorzugen sind hier eher Sportarten, die dynamisch sind, wie zum Beispiel Radfahren oder Laufen, wo es nicht zu einer starken Belastung der Gelenke kommt.

Auf den Punkt gebracht

Therapie und Lebensqualität

  • Durch eine gute Einstellung der Therapie sollten Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Depression etc. gering gehalten werden können.
  • Einen positiven Einfluss auf die Therapie können gesunde Ernährung, Normalgewicht und Sport haben.

Welche negativen Begleiterscheinungen sind typisch für die rheumatoide Arthritis?

Rheumatoide Arthritis ist nicht nur ein physisches Problem. Zwar macht sie sich vor allem durch schmerzende, geschwollene und steife Gelenke bemerkbar, allerdings wirkt sich der körperliche Zustand von Rheuma-Patienten auch auf ihre seelische Gesundheit aus. Nicht selten ist der Krankheitsverlauf mit Symptomen wie ausgeprägter Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Depression verbunden.

Wie lässt sich die Müdigkeit bekämpfen?

Fühlen Sie sich häufig müde, ausgelaugt und erschöpft? Dann könnten Sie unter dem Fatigue-Syndrom leiden. Dieses äußert sich durch ein vermehrtes Ruhebedürfnis, Motivationslosigkeit, Antriebsschwäche oder Abgeschlagenheit. Vor einigen Jahren fanden Forscher aus Erlangen den Grund für diese tiefgehende Müdigkeit. Einer der Botenstoffe, welche die Entzündungsreaktionen in Ihren Gelenken steuern, wirkt auch in Ihrem Gehirn und verändert dort die Reaktionen der Gefühls- und Schmerzzentren.

Häufig bessert sich dieser Zustand im Verlaufe der Therapie von allein, da die zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis verwendeten immunmodulierenden Substanzen diese Botenstoffe gezielt abfangen und damit auch die krankheitsrelevanten Prozesse im Gehirn positiv beeinflussen. Sie können aber auch selbst aktiv werden, um der Müdigkeit entgegenzuwirken, beispielsweise durch regelmäßige Bewegung. Optimal sind Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren, aber auch schnelles Spazieren gehen oder Walken.

Was hilft bei Niedergeschlagenheit und Depression?

Starke Schmerzen, die zunehmende Unbeweglichkeit und ständige Müdigkeit sind eine große Last für die Psyche. Bei vielen Rheumapatienten führen der erhöhte Leidensdruck sowie Angst, Frustration und Ärger über die Krankheit zu Niedergeschlagenheit, bei einigen auch bis in eine behandlungsbedürftige Depression.

Patientenschulungen können Ihnen helfen, Ihre Erkrankung besser zu verstehen und sich nicht von ihr entmutigen zu lassen. Selbsthilfegruppen bieten Ihnen die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Wie kann ich meine rheumatoide Arthritis positiv beeinflussen?

Mit Medikamenten wie immunmodulierenden Substanzen und unterschiedlichsten nicht-medikamentösen Therapieformen lässt sich die rheumatoide Arthritis heute recht gut behandeln. Sie können aber auch selbst einiges tun, um Ihren Allgemeinzustand und damit auch Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Falls nötig: Reduzieren Sie Ihr Gewicht

Rheuma stellt eine große Belastung für Ihren Körper dar. Kommt Übergewicht hinzu, schwächt das Ihren Körper zusätzlich. Das höhere Gewicht belastet Ihre Gelenke. Dadurch können sich die Entzündungen verschlimmern, wodurch auch die Schmerzen stärker werden. Schon einige Kilogramm weniger verschaffen Ihren Gelenken eine beträchtliche Erleichterung. Die Schmerzen nehmen ab und Sie fühlen sich allgemein wohler.

Treiben Sie Sport

Sport kann nicht nur helfen, die Funktion Ihrer Gelenke zu erhalten, Schmerzen zu lindern und Ihre Mobilität zu steigern, er unterstützt Sie auch dabei, eventuell vorhandenes Übergewicht loszuwerden und Ihre entzündeten Gelenke auf diese Weise zu entlasten. Grundsätzlich empfehlen sich Sportarten, die

  • gelenkschonend sind,
  • Ihre Muskeln stärken und
  • kein erhöhtes Verletzungsrisiko mit sich bringen.

Haben Sie gewusst, dass Sie im Wasser nur noch knapp ein Zehntel Ihres eigentlichen Körpergewichts wiegen? Da die Auftriebskraft des nassen Elements der Schwerkraft entgegenwirkt, lastet bei Übungen im Wasser kaum Druck auf Ihren Gelenken. Deshalb wird Rheumapatienten häufig Wassergymnastik empfohlen.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft Doz. Dr. Johannes Grisar: Stand Februar 2018

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