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Kurs Behandlung der rheumatoiden Arthritis: Lektion 3 von 7

Nicht-medikamentöse Behandlung der rheumatoiden Arthritis

Neben Medikamenten kommen bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis verschiedene nicht-medikamentöse Behandlungsformen zur Anwendung. Informieren Sie sich in dieser Lektion und im Video mit Doz. Dr. Johannes Grisar über Maßnahmen wie Physiotherapie und Ergotherapie sowie über ergänzende komplementärmedizinische Therapieansätze.

Video Transkript

Welche nicht-medikamentösen Möglichkeiten gibt es, um Symptome zu behandeln?

Ja, natürlich gibt es auch Möglichkeiten außerhalb der medikamentösen Therapie, um die Erkrankung positiv zu beeinflussen.

Da wäre einmal generell das zu nennen, was man jetzt unter Lifestyle Modifikation versteht, also ein gesunder Lebensstil sollte Grundvoraussetzung sein und beeinflusst die Erkrankung sicher positiv. Also  das heißt: Vermeidung von exzessiven Stress, manchmal leichter gesagt als getan, ausreichend Schlaf. Wichtig natürlich auch, vor allem wenn man gut eingestellt ist: Regelmäßige Bewegung und auch gesunde Ernährung spielen eine Rolle. Es gibt keine spezifische Diät oder Ernährung für Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Aber es gibt doch einige Empfehlungen.

Und andere wichtige Methoden sind doch auch Physiotherapie und auch Kuren oder Besuche in Heilstollen.

Wie hilft mir die Physiotherapie?

Die Physiotherapie hilft insofern, dass vor allem entzündete Areale durch eine korrekt, adäquat durchgeführte Physiotherapie im Bild von der Schmerzsymptomatik her gelindert werden können. Und außerdem kann auch die Bewegung dadurch natürlich verbessert werden. Und das alles trägt zu einer Verbesserung des Krankheitszustandes bei.

Wie hilft mir die Ergotherapie?

Die Ergotherapie hilft vor allem bei Bereichen von Gelenken, die befallen oder betroffen sind von der Erkrankung, wo es also zu einer Entzündung gekommen ist, die eventuell auch schon wieder abgeklungen ist, die aber leichte Schäden oder funktionelle Defizite an den Gelenken hinterlassen hat, wieder die Funktion zu verbessern. Also sei es jetzt zum Beispiel die Verwendung eines Schlüssels oder das Aufdrehen von Marmeladegläsern. Das sind jetzt nur zwei Beispiele. Aber diese Tätigkeiten können durch eine adäquate Ergotherapie wieder verbessert werden bzw. in der Funktion erhalten werden.

Sind komplementärmedizinische Anwendungen sinnvoll?

Prinzipiell muss man sagen, dass die Therapie der chronischen Polyarthritis auf schulmedizinischen Maßnahmen fußt oder passiert. Also diese, das was wir vorhin behandelt haben, die Basismedikation und die Therapie mit Biologika oder Januskinase-Inhibitoren, ist auf alle Fälle nötig bei dieser Erkrankung. Dennoch gibt es verschiedene komplementärmedizinische Maßnahmen, die eventuell als Ergänzung sinnvoll sein könnten. Allerdings können die nie diese Basistherapie ersetzen. Und es gibt auch jetzt keine bestimmte komplementärmedizinische Maßnahme, die insbesondere empfohlen ist.

Auf den Punkt gebracht

Nicht-medikamentöse Behandlung

Die Therapie basiert auf schulmedizinischen Maßnahmen, kann aber durch einen gesunden Lebensstil – Vermeidung von Stress, ausreichenden Schlaf, regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung – positiv beeinflusst werden.

Welche Möglichkeiten der nicht-medikamentösen Behandlung gibt es?

Verursacht Ihre Rheuma Gelenkschmerzen, die Sie im Alltag erheblich beeinträchtigen und Ihre Lebensqualität mindern? Dann sind Ergo- und Physiotherapeuten die richtigen Ansprechpartner.

Zu den wichtigsten nicht-medikamentösen Maßnahmen gehören:

  • eine fachkundig durchgeführte Physio- und/oder Ergotherapie, die helfen kann, die Beweglichkeit Ihrer Gelenke zu verbessern, die Gelenke zu stabilisieren und Fehlstellungen zu verringern,
  • selbstständige Bewegungsübungen nach krankengymnastischer Anleitung,
  • Bewegungsbäder.

Physiotherapie

Bei geringer Krankheitsaktivität halten aktive Bewegungsübungen Ihre Gelenke beweglich, stabilisieren sie und helfen, Muskeln aufzubauen. In Phasen hoher Krankheitsaktivität oder bei einem akuten Schub werden Ihre Gelenke passiv bewegt, während eine manuelle Therapie Ihre Muskeln lockert. Zusätzlich kommen schmerzlindernde Verfahren und eine schmerzarme Lagerung zur Anwendung.

Ergotherapie

Ergotherapeutische Maßnahmen dienen dazu, Ihre Selbstständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Unter Anleitung üben Sie alltägliche Gebrauchsfunktionen, um ein möglichst normales Leben führen zu können. Des Weiteren trainieren Sie Maßnahmen zum Schutz Ihrer Gelenke sowie den Umgang mit Hilfsmitteln, Werkzeugen und Gehhilfen.

Physikalische Therapie

Die physikalische Therapie soll Schmerzen lindern, die Beweglichkeit Ihrer Gelenke aufrechterhalten und Ihre Muskeln entspannen. Für jeden Patienten wird ein individuelles, auf sein Krankheitsbild ausgerichtetes Therapiekonzept zusammengestellt. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Wärmetherapie
  • Kältetherapie
  • Badetherapie
  • klassische Massage
  • Elektrotherapie

Wärme- und Kältetherapie – das geht auch zu Hause

Wärmetherapie

Wärmeanwendungen tun Ihnen gut und Sie möchten gern mehr davon? Dann können Sie ganz einfach selbst aktiv werden. Sofern Sie nicht unter einem akuten Entzündungsschub oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden, empfiehlt sich beispielsweise der regelmäßige Saunabesuch. Genießen Sie ein bis zweimal pro Woche zwei bis drei Gänge über 10 bis 15 Minuten bei 60 bis 90 °C.

Darüber hinaus können Ihnen folgende Maßnahmen Linderung verschaffen, die auch gut zu Hause durchführbar sind:

  • das Auflegen heißer Umschläge oder Heusäcke
  • Packungen aus Moor, Torf, Tonerde, Fango oder Paraffin
  • Bestrahlungen mit einem Infrarotstrahler

Kältetherapie

Was für die Wärme gilt, geht natürlich auch in Sachen Kälte. Einen starken Kühleffekt erzielen Sie beispielsweise mit einem Eisbeutel oder einer Kühlkompresse. Ist Ihnen milde Kälte angenehmer, empfehlen sich:

  • kalte Wickel mithilfe von in 3 bis 5 °C kaltem Wasser getränkten Tüchern (für alle Gelenk- und Weichteilregionen)
  • kühlschrankkalte Gelpackungen (für alle Gelenk- und Weichteilregionen)
  • kühlschrankkalte Rapssamen, Linsen, Bohnen oder Erbsen (insbesondere für Hände und Füße)

Welche komplementärmedizinischen Maßnahmen können die nicht-medikamentöse Behandlung ergänzen?

Zunehmend kommen neben der schulmedizinischen Rheuma-Therapie naturheilkundliche und komplementärmedizinische Verfahren zum Einsatz. Nachweislich kann Heilfasten die medikamentöse Behandlung entzündlicher Prozesse unterstützen. Empfohlen wird, einmal jährlich für eine Dauer von sieben bis zehn Tagen eine Fastenkur durchzuführen.

Ein milder Effekt für Borretschöl, Nachtkerzenöl und Katzenkralle konnte ebenfalls in Studien nachgewiesen werden. Einige Ärzte empfehlen außerdem pflanzliche Mittel wie Grünen Tee, Ingwer, Leinsamen, Granatapfel oder Walnüsse, deren entzündungshemmende Effekte bislang allerdings nur durch Grundlagenstudien belegt sind.

Wussten Sie, dass die allgemein als Unkraut verschrieene Brennnessel rheumabedingte Schmerzen lindern kann? Ob innerlich als Extrakt eingenommen oder äußerlich, als Brennnesselspiritus, zum Einreiben – Produkte aus Brennnesselkraut, die Sie beispielsweise in der Apotheke erhalten, können rheumatische Beschwerden mildern und konventionelle Schmerzmittel einsparen helfen.

Anwendung von Ingwer

Ingwer TeeFür die Anwendung von Ingwer gibt es beispielsweise folgende Möglichkeiten:

  • Essen Sie ein daumengroßes Stück Ingwer kleingehackt zu Ihren Mahlzeiten.
  • Trinken Sie täglich drei Tassen Ingwertee (ca. 1 Teelöffel zerkleinerten Ingwer 15 Minuten in einer Tasse mit heißem Wasser ziehen lassen).
  • Legen Sie Ingwerwickel auf Ihre schmerzenden Gelenke (Ingwer zerkleinern, auf der Haut verteilen, mit einem warmen Tuch abdecken und für 20 Minuten einwirken lassen).

Anwendung von Brennnesseln

Natürlich können Sie auch selbst Brennnesseln sammeln und sich daraus Tee oder einen leckeren Salat zubereiten.

Für den Brennnesseltee benötigen sie lediglich eine Handvoll junger Brennnesselblätter, die Sie mit 300 Milliliter Wasser aufkochen und dann noch weitere fünf Minuten leicht köcheln lassen.

Brennnesselsalat können Sie nach folgendem Rezept zubereiten.

Brennessel Anwendungen bei rheumatoider ArthritisSie benötigen:

  • 400 g Brennnesselblätter
  • 3 Esslöffel Zitronensaft
  • 1 Knoblauchzehe
  • etwas Salz und Pfeffer
  • 3 Esslöffel Sonnenblumenöl
  • 1 Möhre
  • etwas Apfeldicksaft

Spülen Sie die Brennnesselblätter vorsichtig ab und lassen Sie sie gut abtropfen. Ziehen Sie die Knoblauchzehe ab, pressen Sie sie durch und verrühren Sie sie mit Zitronensaft, Apfeldicksaft, Sonnenblumenöl, Salz und Pfeffer zu einer Sauce. Vermischen Sie diese vorsichtig mit den Brennnesseln. Reiben Sie die Möhre grob und geben Sie sie zum Abschluss über den Salat.

Bei vielen Betroffenen lassen sich die Schmerzen mithilfe der Kneipp’schen Hydrotherapie lindern. Gleiches gilt für die sogenannte Mind-Body-Medizin, bei der vor allem die Stressreduktion sowie Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen wie Tai Chi oder Yoga im Vordergrund stehen.

In Einzelfällen können auch die Homöopathie und Akupunktur Linderung bringen. Allerdings gehen die Mediziner hier von einem Placebo-Effekt aus. Beweise für eine dauerhafte, nachhaltige Wirksamkeit konnten bislang nicht erbracht werden. Da in der Regel auch keine Nebenwirkungen zu befürchten sind, kann sich jedoch ein Versuch lohnen.

Vorsicht ist bei chinesischen Kräutern geboten, da deren Qualität häufig nicht gesichert ist. Auch Wildfords Dreiflügelfrucht ist trotz nachgewiesener Wirksamkeit bei rheumatoider Arthritis nicht uneingeschränkt zu empfehlen, da sie erhebliche Nebenwirkungen hat. Für Selen, Zink und Anti-Oxidantien wie Vitamin E gibt es bisher ebenfalls keinen Wirksamkeitsnachweis. Bei zu hoher Dosis können diese Stoffe sogar Ihrer Gesundheit schaden.

PP-BA-AT-0161 April 2018 | Geprüft Doz. Dr. Johannes Grisar: Stand Februar 2018

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu empowern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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